Micolaj Zielenskis Werk entstand in einer für das polnische
Königreich Beider Nationen wechselvollen Zeit. Sigismund III. Wasa
(15661622) war ein feinsinnig gebildeter, mehrsprachiger
Kunstmäzen, Liebhaber von Musik, Malerei, Goldschmiedekunst und
Alchemie. Er läutete eine immense kulturelle Blüte ein, baute
Warschau zu seiner neuen Hauptstadt aus und bildete eine der
größten Musikkapellen nördlich der Alpen. Seinem Beispiel folgten
kirchliche und weltliche Fürsten, unter anderem auch Adalbert
Baranowski, polnischer Primas und Interrex. Dieser unterhielt eine
private Hofkapelle, als deren Kapellmeister und Organist Micolaj
Zielenski fungierte. Über sein Leben ist wenig bekannt: Er stammte
aus Warka, arbeitete als Organist in Plock und war wohl, weil
verheiratet, kein Geistlicher. Von seinem musikalischen Werk
blieben nur die Offertoria et Communiones totius anni [ ] erhalten,
und diese auch nur in einem stark dekomplettierten Zustand. Der
Einsatz einer reifen cori spezzati-Technik in den Offertoria in
zwei- und dreichörigen Kompositionen sowie der Gebrauch von
Geringstimmigkeit in den Communiones als einziger Versuch, eine Art
Mischform zwischen der renaissanceartigen Mehrstimmigkeit mit einer
pseudomonodischen Form für die Sakralmusik zu etablieren, geben ein
beredtes Zeugnis vom überdurchschnittlichen Können des Lowiczer
Hofkomponisten. Diese Arbeit würdigt das uvre eines zu Unrecht
vergessenen polnischen Komponisten von europäischem Rang und stellt
sehr aktive polnische Musikzentren während der stilistischen Wende
von Renaissance zu Barock dar.
1;Inhaltsverzeichnis;8 2;Annexe;12 3;1 Einleitung;14 4;2 Standortbestimmung des polnischen Königreiches in der Renaissance und der Anfangsphase des Barock (ca. 1550 1620);18 4.1;2.1 Einführung in die Epoche. Politische und kulturelle Situation Polens unter den letzten Jagiellonen;18 4.2;2.2 Polnische Kultur im 16. und angehenden 17. Jahrhundert;23 4.3;2.3 Allgemeiner Entwicklungsstand der polnischen Musik im 16. Jahrhundert;54 5;3 Mehrchörigkeit als übergeordnetes Konstruktionsprinzip;81 5.1;3.1 Terminologie, Definitionen, genetische Voraussetzungen und historische Rolle der Mehrchörigkeit;81 5.2;3.2 Entwicklung der Mehrchörigkeit in Europa;86 5.3;3.3 Mehrchörigkeit am polnischen Königshof und in Danzig;95 6;4 Mikolaj Zielenski und sein Werk;108 6.1;4.1 Erhaltene Kompositionen Zielenskis ;112 6.2;4.2 Klassifizierung des Werkes ;117 6.3;4.3 Der Liturgische Zyklus;125 6.4;4.4 Problematik der Chronologie;129 6.5;4.5 Literatur zu Nicolaus Zielenski und die Editionen seiner Werke;131 7;5 Innerer Aufbau. Fragen zu Kontrapunkt und Tonalität;136 7.1;5.1 Musikalische Gestaltungsstruktur als Mittel der Beschreibung von kontrapunktischen und tonalen Kompositionsmitteln;136 7.2;5.2 Dreistimmigkeit (I);141 7.3;5.3 Imitation (II) und kolorierte Imitation (III);143 7.4;5.4 Homophonkonzertierende Struktur (IV), polyphonnichtimitierende Struktur ( V), polyphonisierende ( VI) und ausgeschmückte polyphone Struktur ( VII);158 7.5;5.5 Vierstimmige nota contra notam-Struktur (VIII) und sieben- und achtstimmige Struktur (IX);164 7.6;5.6 Tonale Grundlagen des Zyklus;184 8;6 Mehrchörigkeit der Offertorien. Der Stil Zielenskis; Symphoniaesacrae.;187 8.1;6.1 Techniken und Formen der Mehrchörigkeit in den bisherigen Bearbeitungen;187 8.2;6.2 Elemente der Form;188 8.3;6.3 Exposition;188 8.4;6.4 Nichtkomplette, komplette und überkomplette Expositionen (I);189 8.5;6.5 Verbundene, geteilte und kanonische Expositionen (II);189 8.6;6.6 Das Element der Repetition und Variation in den Expositionen (III);189 8.7;6.7 Arten der Konfrontation;190 8.8;6.8 Die Summe;196 8.9;6.9 Arten der zweichörigen Form;196 8.10;6.10 Synthetische Formen;200 8.11;6.11 Analytische Formen;204 8.12;6.12 Die Form der Doppelchörigkeit und der Dreichörigkeit bei Zielenski;208 8.13;6.13 Chiavetten in den symphoniae sacrae und ihre Systematik;213 8.14;6.14 Koloristik der Stimmengefüge;218 9;7 Melodische Ornamentik der Communiones. Diminutionstechnik;220 9.1;7.1 Einführung in die Analyse des Terminus;220 9.2;7.2 Grad des Forschungsstandes;220 9.3;7.3 Erfassung der Problematik in den Traktaten;221 9.4;7.4 Improvisation und Komposition;222 9.5;7.5 Improvisation und Figuration;223 9.6;7.6 Figuration, konzertierende Technik und Monodie;224 9.7;7.7 Diminution und Figuration;227 9.8;7.8 Diminutionsfiguren und das melodische Ausgangsmodell;227 10;8 Ornamentik der Communiones vor dem Hintergrund der Verzierungsmittel der Epoche;231 10.1;8.1 Figuration und Ornament;231 10.2;8.2 Verzierungsformen Zielenskis und deren Anwendung;232 10.3;8.3 Mischformen der Verzierung und Figuration;236 10.4;8.4 Verzierungen in der Baßstimme;237 10.5;8.5 Die Communiones und die Verzierungsmittel der Epoche;239 10.6;8.6 Die Diminution und stilistische Kategorien der Renaissance und des Barock;241 11;9 Die formgebende Rolle der Diminutionstechniken;244 11.1;9.1 Diminution als Variationstechnik;244 11.2;9.2 Regeln der Formgestaltung eines musikalischen Werkes in der Renaissance und im Barock;249 11.3;9.3 Kompositionsregel der Renaissance: Erneuerung des Tonmaterials;251 11.4;9.4 Kompositionsregel des Barock: Evolutionismus;254 11.5;9.5 Integration der Form in den Communiones und Stil der Epoche;257 12;10 Die Diminutionstechnik Zielenskis und das Problem der Identität seiner Werke;258 12.1;10.1 Die Communiones als Grundlage zur Themenerfassung;258 12.2;10.2 Das Verhältnis der verzierten Stücke zu ihren einfachen Versionen in den doppelten Kompositionen;258 12.3;10.3 Die Communiones und der Begriff des musikalischen Werkes;259 12.4;10.4 Freiheit und Notwendigkeit in der Diminutionstechnik;260 12.5;10.5 Die musikalische Niederschrift und das musikalische Bewußtsein;262 13;11 Das Verhältnis zum Wort;264 13.1;11.1 Musik und Textbedeutung ;264 13.2;11.2 Text und musikalische Architektonik;269 14;12 Rezeptionsgeschichte Zielenskis;274 15;13 Literaturverzeichnis;282 16;14 Verzeichnis der Namen;300 17;15 Verzeichnis der Musikbeispiele;307 18;16 Bilderverzeichnis;309 19;Annexe;311 19.1;I Die Zusammensetzung der königlichen Musik der letzten Jagiellonen;312 19.2;II Instrumentarium und Repertoire der Kapelle der letzten Jagiellonen (1506-1572);314 19.3;III Polnische Vorgänger und Zeitgenossen von Mikolaj Zielenski;316 19.4;IV Das Repertoire der königlichen Kapelle zu Krakau;323 19.5;V Italienische Musiker am Königshof in den Jahren 1595 1620;325 19.6;VI Regierungsdaten der polnischen Könige;327 19.7;VII Traktate über die Diminution und Sammelausgaben mit ihrer Verwendung ;328 19.8;VIII Dedikationsblatt Zielenskis;332 19.9;IX Werkverzeichnis Zielenskis (Nach dem Erstdruck) ;335 19.10;X Verzeichnis aller zur Zeit bekannten Ausgaben Zielenskis.;348