»Ludwig van« - Zu Mauricio Kagels Beethoven-Film (eBook)
In dieser Arbeit wird das filmische Schaffen Mauricio Kagels am
Beispiel seines 1969 entstandenen Films 'Ludwig van' näher
betrachtet. Was hierin klar werden soll, sind die unterschiedlichen
Tendenzen, die Kagel mit seinem Film verfolgte. Ausgehend vom Jahr
1970 wird auf jene Wege zurückgeblickt, die Kagel bis hierher
gegangen ist. Ebenso wird ein Blick nach vorn geleistet, der
Reaktionen und Auswirkungen beleuchtet.
In zahlreichen Werken nimmt Mauricio Kagel Bezug auf bereits
existierende Musik. In seinen Filmen bis hin zu 'Ludwig
van' verwendet er ausschließlich seine eigenen Kompositionen.
Hier beschreitet Kagel gewissermaßen Neuland, wenn er die Musik
Beethovens zur Grundlage der Filmmusik für 'Ludwig van'
macht. Tief in seinem Innern schlägt ein Komponistenherz.
Sein Filmschaffen ist durchaus mit einem Augenzwinkern zu sehen. Im
Grunde ist Kagel ein Multitalent, ist Komponist und Filmemacher,
Dirigent und Regisseur seiner eigenen Werke.
In jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit Musik, Theater,
Hörspiel, Oper, Film und bildender Kunst wuchs sein Werk zu einem
gewaltigen Opus heran. Für Kagel steht eines bei all seiner
schöpferischen Arbeit im Mittelpunkt: das Organisieren von
Zeit.
Sein Werk ist geprägt vom Zweifel an der Gültigkeit ästhetischer
Normen und Grenzen, die es für ihn beständig in Frage zu stellen
und auszuloten gilt. Ästhetische und kompositorische Normen stellt
er nahezu respektlos zur Diskussion.
Sein Schaffen ist getragen von Wandlungen und Umwälzungen, von
Umkehrungen und Trugschlüssen, von Paradoxien und einem verschmitzt
subtilen Humor. Das Verhüllende, nicht Präsente der Romantik dringt
bei ihm aus allen Poren. Kagels »Liebeserklärung an Beethoven«, der
Film Ludwig van, wurde zu einem Meilenstein seines filmischen
Schaffens, an die seine späteren Produktionen innerhalb des Mediums
Film in einer solch ausgeprägten Intensität und Komplexität nicht
mehr heranreichten. In seinem labyrinthischen ?uvre ist Mauricio
Kagel ein Wanderer zwischen den Medienwelten im 20. und 21.
Jahrhundert geworden, und dabei ein Romantiker geblieben.