Lilie und Purpur (eBook) - Robert Merle

Robert Merle 

Lilie und Purpur (eBook)

Roman

Übersetzer: Gersch, Christel
eBook
 
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Lilie und Purpur (eBook)

Pierre-Emmanuel de Siorac, Edelmann am Hof des jungen Königs Ludwig XIII., sprachbegabt, bewandert in allen guten hugenottischen Tugenden, diplomatieerfahren im Umgang mit schönen Frauen wie mit englischen Lords, ist nun im besten Mannesalter von zweiunddreißig Jahren. Berater und Dolmetscher des Königs und zugleich Besitzer eines Landgutes in der Île-de-France, hat er eine zärtliche Liaison in Paris und eine ebenso zärtliche in Orbieu, ist somit ein unabhängiger junger Mann. Aber so oft wie früher kommt er gar nicht mehr ins Bett, der Dienst beim König fordert den ganzen Siorac, namentlich in diesen drei bewegten Jahren von 1624 bis 1627. Der Adel intrigiert, Ludwigs jüngerer Bruder konspiriert, Kardinal Richelieu, des Königs genialer Minister, erhält Morddrohungen. Und Anna, Ludwigs Gemahlin, hat leider noch immer keinen Dauphin - dafür eine heikle Affäre am Hals, die die französische Diplomatie in große Schwierigkeiten bringt. Am Horizont vor La Rochelle zeigen sich die ersten englischen Schiffe.


Produktinformation

  • Verlag: Aufbau Verlag
  • 2011
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 463
  • Fortune de France
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783841201805
  • ISBN-10: 3841201806
  • Best.Nr.: 32755060
Robert Merle wurde 1908 in Tébessa in Algerien geboren. Nach Schule und Studium in Frankreich war er von 1940 bis 1943 in deutscher Kriegsgefangenschaft. 1949 erhielt er den Prix Goncourt für seinen ersten Roman "Wochenende in Zuydcoote", 1952 gelang ihm ein weltweiter Erfolg mit "Der Tod ist mein Beruf". Robert Merle starb im März 2004 in seinem Haus in Montfort-l"Amaury in der Nähe von Paris.

Leseprobe zu "Lilie und Purpur (eBook)" von Robert Merle

ZEHNTES KAPITEL (S. 276-277)

Weiß der Teufel, warum ich glaubte, es würde eine Woche dauern, bis ich wieder von Chalais hörte. Es dauerte genau einen Tag. Früh am nächsten Morgen klopfte es an meiner Zimmertür, und als sich die Stimme von Monsieur de Clérac meldete, erhob ich mich, zog den Riegel auf und öffnete. Clérac schob das Persönchen vor sich her. Mit Augen, die lüstern vor Neugier funkelten, und mit tief geheimnisvoller Miene sagte sie, da wünsche ein Edelmann mich zu sprechen, der seinen Namen nicht nennen wolle. Ich verlangte, daß sie ihn mir beschreibe. »Meiner Treu, Herr Graf, es ist ein schöner Mann! Zweimal so groß wie ich, mit schlohweißem Haar. Er sieht sehr vornehm aus.«

Mir blieb kein Zweifel, wer der Betreffende war, und ohne daß ich mir anmerken ließ, wie ich innerlich bebte, weil das Persönchen mit den scharfen Augen keinen Schritt von der Stelle wich, sagte ich zu Clérac auf okzitanisch (er war Gascogner, wie der Leser sich erinnern wird), er solle den Besucher bei der Begrüßung nicht mit seinem Titel anreden und ihn sofort zu mir führen. Worauf ich hinzusetzte, auch auf okzitanisch: »Beim Himmel und bei allen Heiligen, schafft mir diese klebrige Fliege vom Hals, daß sie nicht dauernd hier herumschwirrt! « Clérac machte keine langen Umstände.

Er klopfte dem Weib mit der Rechten auf die Hinterfront und fuhr sie an: »So, nun verschwinde, Teuerste, und wehe dir, wenn ich dich hier noch einmal erwische!« Das Madamchen entfleuchte wie ein gerupftes Federvieh, und Clérac folgte ihr, um mir den Besucher heraufzubringen. »Graf«, sagte der Kommandeur de Valençay, kaum daß er hereingetreten war, »lassen wir, wenn’s Euch recht ist, die Höflichkeiten! Die Zeit drängt. Der Kardinal ist aufs neue in größter Gefahr.«

Er schnaufte ein wenig, wahrscheinlich, weil er die Treppe zu schnell heraufgestiegen war. Sosehr er sich auch bemühte, sein Gesicht zu beherrschen, verrieten doch sein Wimpernschlag und sein überschleunigtes Sprechen, wie erregt er war. »Graf, uns bleibt wenig Zeit. Wie Ihr wißt, kommt der Kardinal jeden Nachmittag von Fleury en Bière nach Fontainebleau, um mit dem König die Angelegenheiten des Reiches zu besprechen.« »Ich weiß.«

»Und einige wollen ihm heute auf dieser Strecke auflauern, ihn gefangennehmen und vielleicht sogar töten.« »Donnerschlag! Das war zu erwarten!« rief ich. »Und ich weiß nicht, was mich an diesem neuen Attentat mehr frappiert, die Grausamkeit oder die Dummheit. Denn Ludwigs Rache, wenn man ihm seinen Minister umbrächte, wäre schrecklich. Ist die Nachricht ganz sicher?« »Ich habe sie von Ihr wißt schon wem.« »Warum ist er nicht selbst gekommen?«

Inhaltsangabe

1;ERSTES KAPITEL;6 2;ZWEITES KAPITEL;34 3;DRITTES KAPITEL;74 4;VIERTES KAPITEL;113 5;FÜNFTES KAPITEL;143 6;SECHSTES KAPITEL;176 7;SIEBENTES KAPITEL;199 8;ACHTES KAPITEL;222 9;NEUNTES KAPITEL;247 10;ZEHNTES KAPITEL;277 11;ELFTES KAPITEL;307 12;ZWÖLFTES KAPITEL;337 13;DREIZEHNTES KAPITEL;367 14;VIERZEHNTES KAPITEL;399 15;FÜNFZEHNTES KAPITEL;429