Leseprobe zu "Kostenrechnung (eBook)" von Horst-Dieter Radke
Die Entwicklung der Kostenrechnung (S. 6-9)
Das Prinzip der Vollkostenrechnung, alle Kosten zu ermitteln und auf die Kostenträger (Produkte, Dienstleistungen) umzulegen, ließ sich in der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg eine ganze Weile gut nutzen. Solange die Nachfrage größer war als das Angebot konnten die Preise am Markt so ausgerichtet werden, dass sämtliche Kosten gedeckt wurden und außerdem noch ein Gewinn übrig blieb. Spätestens seit Anfang der Siebzigerjahre machte sich hierzulande aber verstärkt das Interesse an der Teilkostenrechnung breit, insbesondere am Direct Costing, das in den USA schon lange in der Praxis erprobt wurde. Bei diesen Systemen ging es jetzt nicht mehr darum, alle Kosten irgendeinem Träger (= Kostenträger) zuzuordnen, sondern nur noch die direkt und unzweifelhaft zuordbaren Kosten diesem Kostenträger anzulasten. Die verbleibenden Kosten mussten gemeinsam von allen Kostenträgern gedeckt werden. In den 1990er Jahren kehrte dann auch die Vollkostenrechnung in Form der Prozesskostenrechnung wieder zurück.
In den Achtzigerjahren gab es dann – insbesondere unter dem Druck der internationalen Märkte und Produktionsbedingungen vor allem in Ostasien – die Entwicklung der Prozesskostenrechnung und den Trend zum Kostenmanagement. Ziel war es nicht mehr, Kosten nur noch „zu rechnen", sondern möglichst schon im Entstehungsprozess zu beeinflussen.
In der relativen Einzelkostenrechnung nach Paul Riebel wird vom Verursachungsprinzip abgewichen, da es als zu ungenau angesehen wird und deshalb nicht für eine entscheidungsorientierte Kostenrechnung brauchbar sei. Kostenverursacher sind die Entscheidungen, und diesen sind die Kosten und Leistungen sowie die daraus resultierenden Erlöse gegenüberzustellen.
Was bringt Ihnen die Kostenrechnung?
Welche Fragen beantwortet die Kostenrechnung?
In Zeiten der Vollbeschäftigung ist es eher das Bemühen, sämtliche Kosten so in der Kalkulation zu berücksichtigen, dass diese auch restlos gedeckt werden und außerdem ein ausreichender Gewinn übrig bleibt. Da die Situation der Vollbeschäftigung in kaum einer Volkswirtschaft noch anzutreffen ist und allenfalls in einzelnen Branchen für eine gewisse Zeit mehr Nachfrage auftritt als augenblicklich befriedigt werden kann, verlagert sich die Aufgabe der Kostenrechnung auf andere Fragestellungen, z. B.:
- ,Wo liegen Preisuntergrenzen? (Mit dem Ziel einer sinnvollen Preisgestaltung, die sich am Markt behaupten kann.)
- ,Wo entstehen welche Kosten? (Mit dem Ziel, diese so zu beeinflussen, dass unnötige Kosten vermieden werden.)
Die Aufgaben der Kostenrechnung
Die Buchführung stellt jährlich die Aufwendungen den Erträgen gegenüber und weist den objektiven Gewinn oder Verlust aus. Dieser muss aber nicht mit dem tatsächlichen Betriebsergebnis identisch sein.
Die Kostenrechnung muss den Werteverzehr zur Leistungserstellung mengenmäßig und wertmäßig erfassen, gliedern, analysieren und Aussagen machen über
- ,den betrieblichen Werteverzehr (die Kosten),
- ,den betrieblichen Wertezuwachs (die Leistungen bzw. den Ertrag).
Dazu dienen vor allem:
- ,die Ermittlung des Betriebsergebnisses,
- ,die Aufstellung einer periodischen, kurzfristigen Erfolgsrechnung (meist monatlich),
- ,die Ermittlung der Herstell- und Selbstkosten je Leistungseinheit.
Letzteres dient sowohl
– als Grundlage für die Preispolitik
– wie auch als Wertansatz für die Bilanz.
Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe der Kostenrechnung ist die Bereitstellung von Informationen für die Preispolitik. Dazu gehören nicht nur die Daten für die Kalkulation. Mit Hilfe der Kostenrechnung können Sie auch prüfen, ob Ihre Selbstkosten unter oder über den am Markt erzielbaren Preisen liegen.