John Rawls (eBook) - John Rawls
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John Rawls 

John Rawls (eBook)

Eine Theorie der Gerechtigkeit

Herausgeber: Otfried Höffe
eBook
 
Kopierschutz: Adobe-DRM
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Nicht lieferbar
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John Rawls (eBook)

Otfried Höffe (Hrsg.)
John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit
2., bearbeitete Auflage 2006. VII, 325 S.
ISBN 978-3-05-004267-1
Klassiker Auslegen, Bd. 15


Die "Theorie der Gerechtigkeit" ist der wichtigste Beitrag des englischen Sprachraums, vielleicht sogar der wichtigste Beitrag zur Politischen Ethik des 20. Jahrhunderts überhaupt. John Rawls entwirft hier nicht nur eine weithin überzeugende Theorie zur Schnittmenge von Ethik und Politischer Philosophie. Ihm gelingt es darüber hinaus, in der philosophischen Debatte eine Reihe von grundlegenden Paradigmenwechseln vorzunehmen.

Nach einer Generation intensiver Diskussion ist der Zeitpunkt gekommen, Bilanz zu ziehen. Das geschieht nicht als rein deskriptiver Überblick über die bisherige Debatte, sondern in Form eines kooperativen Kommentars. Autoren unterschiedlicher philosophischer Herkunft stellen sich die Frage, wie Rawls’ Gedanken zu verstehen sind und welche Tragweite, welche Überzeugungskraft sie für den künftigen Diskurs haben.

Mit Beiträgen von:
Rainer Forst, Wolfgang Kersting, H. L. A. Hart, Wilfried Hinsch, Otfried Höffe, Hartmut Kliemt, Peter Koller, Ingeborg Maus, Onora O’Neill, Thomas Pogge, John Rawls und Nico Scarano



Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783050042671
  • ISBN-10: 3050042672
  • Best.Nr.: 25752300

Leseprobe zu "John Rawls (eBook)" von John Rawls

Rainer Forst
Die Pflicht zur Gerechtigkeit
(Kapitel 6) (S. 187-188)

Von allen Kapiteln in John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit zeigt das sechste auf eine besondere Weise, daß auch ein „Klassiker" zeitgebunden ist, durch die Art der Thematisierung aktueller Fragen jedoch über seinen Entstehungskontext hinausweist. So nimmt Rawls’ Diskussion der Fragen nach dem Grund, dem Ausmaß und den Grenzen der Verpflichtung der Bürger gegenüber den Institutionen ihres Gemeinwesens einerseits ein seit Platons Kriton zentrales Problem der politischen Philosophie auf und versucht, dieses mit dem Begriff einer „natürlichen Pflicht" zur Gerechtigkeit zu lösen. Andererseits wird in den Abschnitten zum zivilen Ungehorsam und der Weigerung aus Gewissensgründen deutlich, wie sehr sie von den gesellschaftlichen Kontroversen in den Vereinigten Staaten während der sechziger Jahre im Zuge der Bürgerrechtsbewegung zur Emanzipation der schwarzen Bevölkerung und des Widerstands gegen den Vietnamkrieg geprägt sind.

Im Gesamtzusammenhang der Theorie ist dieses Kapitel von besonderer Bedeutung, da Rawls an dieser Stelle die Frage diskutiert, welche „Grundsätze für Individuen" zu den Grundsätzen für Institutionen hinzukommen müssen, um eine „vollständige Theorie des Rechten" zu ergeben. Denn ohne die Befolgung bestimmter Handlungsprinzipien seitens der Bürger kann eine in ihren Institutionen „wohlgeordnete" Gesellschaft nicht bestehen. Diese Argumentation verweist auf ein komplexes Verhältnis von Moral, Demokratie und Recht innerhalb der Theorie der Gerechtigkeit, und sie enthüllt, wie sich zeigen wird, bestimmte Eigenarten und Probleme der Theorie insgesamt. Zudem ist dies der Ort, an dem Rawls konkrete Phänomene sozialer Ungerechtigkeit ausdrücklich zum Thema macht und die „nichtideale Theorie" der „unvollständigen Konformität" exemplarisch erörtert. Damit erhält die Konzeption der „wohlgeordneten Gesellschaft" schärfere Konturen und eine spezifische politische Relevanz als Grundlage der Beurteilung gesellschaftlicher Praxis.

Zum Verständnis dieses Kapitels empfiehlt es sich, in drei Schritten vorzugehen. Zunächst sind Rawls’ Argumente für die Grundsätze der natürlichen Pflicht und der Fairneß als Antwort auf die Frage nach der moralischen Basis politischer Verpflichtung zu untersuchen (9.1). Dem folgt eine Diskussion der Bedeutung dieser Grundsätze im Kontext einer Theorie der Demokratie (9.2), und schließlich ist eine Analyse der Definitionen und der Rechtfertigungen von zivilem Ungehorsam und der Weigerung aus Gewissensgründen notwendig, um das Ganze der Verpflichtungstheorie von ihren Grenzen her zu verstehen (9.3).

Inhaltsangabe

1;Inhalt;6 2;Zitierweise;8 3;Vorwort;10 4;Vorwort zur zweiten Auflage;11 5;Einführung in Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit;12 5.1;1.1 Paradigmenwechsel;12 5.2;1.2 Die Grundintuition: Gerechtigkeit als Fairneß;17 5.3;1.3 Der Hauptgegner: Utilitarismus;23 5.4;1.4 Vertragstheorie und Entscheidungstheorie;27 5.5;1.5 Das Überlegungsgleichgewicht;31 6;The Method of A Theory of Justice (§§ 7, 9, 23–26, 63–64, 87);36 6.1;2.1 Constructive Criteria for Ethical Reasoning;36 6.2;2.2 Justice as Fairness: The ‘Original Position’;38 6.3;2.3 The Original Position: Abstraction or Idealization?;42 6.4;2.4 Hypothetical Agreement and Reflective Equilibrium;47 7;Die Grundsätze der Gerechtigkeit (Kapitel 2);54 7.1;3.1 Die Grundsätze in erster Annäherung;54 7.2;3.2 Die Präzisierung der Grundsätze;59 7.3;3.3 Die Anwendung der Grundsätze;66 7.4;3.4 Die Begründung der Grundsätze;71 7.5;3.5 Whose Considered Judgements?;49 8;Der Urzustand (Kapitel 3, vgl. § 4);80 8.1;4.1;81 8.2;4.2;91 8.3;4.3;96 9;Rawls’ Kritik am Utilitarismus (§§ 5–6, 27–28, 30, 49, 75–76);106 9.1;5.1 Grundsätzliches;106 9.2;5.2 Der Utilitarismus als teleologische Theorie;108 9.3;5.3 Substitutions- und Äquivalenzprinzip;109 9.4;5.4 Varianten des Utilitarismus;113 9.5;5.5 Rechtes und Gutes;116 9.6;5.6 Das Nutzensummenprinzip im Urzustand;120 9.7;5.7 Vertragstheorie und Konsequentialismus;123 10;Rawls über Freiheit und ihren Vorrang;126 10.1;6.1 Einleitung;126 10.2;6.2 Freiheit und Grundfreiheiten;130 10.3;6.3 Einschränkung von Freiheit Rawls über Freiheit und ihren Vorrang;138 10.4;6.4 Einschränkung von Freiheit, um Schaden oder Leid zu verhüten;145 10.5;6.5 Die Wahl der Grundfreiheiten;149 10.6;6.6 Das Argument für den Vorrang der Freiheit;151 11;Gleiche Freiheit für alle? (zu Kapitel 4);158 11.1;7.1;158 11.2;7.2;160 11.3;7.3;163 11.4;7.4;169 11.5;7.5;171 12;Zur Gerechtigkeit der Verteilung (Kapitel 5);178 12.1;8.1 Überblick;178 12.2;8.2 Gerechtigkeit zwischen den Generationen;181 12.3;8.3 Ökologische Gerechtigkeit;189 12.4;8.4 Gerechtigkeit kontra Demokratie?;191 13;Die Pflicht zur Gerechtigkeit (Kapitel 6);196 13.1;9.1 Natürliche Pflicht und Verpflichtung aus Fairneß;197 13.2;9.2 Demokratie und politische Autonomie;206 13.3;9.3 Ziviler Ungehorsam und Weigerung aus Gewissensgründen;210 14;Die Gerechtigkeit zieht die Grenze, und das Gute setzt das Ziel (Kapitel 7);218 14.1;10.1 Vorbemerkung zum philosophischen Programm von Rawls;218 14.2;10.2 Die schwache Theorie des Guten;220 14.3;10.3 Die vollständige Theorie des Guten;222 14.4;10.4 Der gute Mensch;231 14.5;10.5 Rawls’ kleine Moralpsychologie;234 15;Der Gerechtigkeitssinn (Kapitel 8, vgl. § 9);240 15.1;11.1 Funktionen des Gerechtigkeitssinns;240 15.2;11.2 Drei Phänomenzugänge: metaethisch, normativ-rekonstruktiv, moralpsychologisch;243 15.3;11.3 Die Moralpsychologie und die Frage der Stabilität;249 15.4;11.4 Eine normative Moralpsychologie?;255 16;Das Gut der Gerechtigkeit (Kapitel 9);260 16.1;12.1 Die Stabilität der Gerechtigkeit;261 16.2;12.2 Motivationale Bedingungen;263 16.3;12.3 Die Kongruenz des Guten und des Gerechten;265 16.4;12.4 Die Einheit von Autonomie und Objektivität;267 16.5;12.5 Das Gut der sozialen Gemeinschaft;270 16.6;12.6 Die psychischen Kosten der Ungerechtigkeit;276 17;Überlegungsgleichgewicht in Zeiten der Globalisierung? Eine Alternative zu Rawls;280 17.1;13.1 Nur Hermeneutik der Demokratie?;282 17.2;13.2 Gerechtigkeit als Erbe der Menschheit;287 17.3;13.3 Statt Verteilung: ein transzendentaler Tausch;291 17.4;13.4 Eine grundlegendere Vertragstheorie;295 17.5;13.5 Versöhnung des Gerechten mit dem Guten?;297 18;Anhang: John Rawls über die für die deutsche Übersetzung veränderte Fassung der Theorie der Gerechtigkeit;304 19;Auswahlbibliographie;312 20;Personenregister;326 21;Sachregister;328 22;Hinweise zu den Autoren;332