Alles sollte anders werden, als Susanne Schädlich im Dezember 1977
die DDR verließ. Doch es war der Beginn einer dramatischen
Zerreißprobe: Der Westen war fremder als gedacht, von Sicherheit
keine Spur. Dreißig Jahre nach der Ausreise, fast auf den Tag
genau, holt die Vergangenheit Susanne Schädlich unvermittelt wieder
ein, und es zeigt sich: Geschichte vergeht nicht.
Davon erzählt Susanne Schädlich: wie es ist, in zwei Systemen groß
zu werden und nicht dazuzugehören. Von den ersten Stationen in
einer unbekannten Welt, von einer Generation zwischen Ost und West,
die ihren Platz sucht. Und von der Erfahrung eines Verrats: 1992
stellte sich heraus, dass der Onkel, Bruder des Vaters, vertrauter
Freund aus Kindheit und Jugend, jahrelang als »Inoffizieller
Mitarbeiter« für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet hatte.
Susanne Schädlich rekonstruiert das unheimliche Protokoll einer
geplanten Zersetzung der Familie, sie erzählt vom langen Arm der
Stasi im Westen, die mit Hilfe des Onkels sogar versuchte, den
Vater und sie selbst in die DDR zurückzulocken. In den Akten stößt
sie auf eine noch schlimmere Wahrheit ...
Eindringlich und verstörend, ein tiefer Blick in die eigene
Lebensgeschichte und in politische und menschliche Abgründe.