Handlungsorientiert lehren und lernen (eBook) - Herbert Gudjons
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Herbert Gudjons 

Handlungsorientiert lehren und lernen (eBook)

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Handlungsorientiert lehren und lernen (eBook)

Das vorliegende Buch will den Ruf nach Handlungsorientierung im Unterricht einlösen helfen durch die unterrichtsnahe Darstellung des Projektunterrichts in Verbindung mit der Berücksichtigung von Formen der Schüleraktivität. Der Autor sieht in dem Unterrichtsprinzip Handlungsorientierung, das er in neueren didaktischen Ansätzen aufweist, die Möglichkeit, dem »Verschwinden der Wirklichkeit« und der Reduktion auf Sekundärerfahrungen im schulischen Lehren und Lernen entgegenzuwirken. Nach der pädagogischen Begründung verfolgt er die Wurzeln des Projektunterrichts, um daraus Schritte und Merkmale des Projektunterrichts und die Bedingungen und Formen seiner methodischen Realisation abzuleiten. Das vierte Kapitel bietet ein Tablett situationsspezifischer Einsatzmöglichkeiten von Handlungsorientierung im Unterricht, die er in seinen Möglichkeiten und Schwierigkeiten für die Praxis diskutiert.
In den bisherigen Auflagen wurde nicht nur immer wieder die neuere Literatur in den Gesamttext eingearbeitet, sondern vor allem das Kapitel 2 (zur theoretischen Begründung handlungsorientierten Lernens) und das Kapitel 3 (Projektunterricht als umfassendes Konzept handlungsorientierten Unterrichts) durch Aufbereitung neuerer Forschungsergebnisse und Tendenzen erweitert und aktualisiert.
Unverändert ist es das Anliegen des Buches, zu einem reflektierten Umgang mit praktischen Innovationen zu verhelfen.
Professor Dr. Herbert Gudjons, geboren 1940, lehrt Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. 



Produktinformation

  • Verlag: Klinkhardt
  • 2001
  • 6. Auflage
  • Seitenzahl: 161
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783781511316
  • ISBN-10: 3781511316
  • Best.Nr.: 25800964

Leseprobe zu "Handlungsorientiert lehren und lernen (eBook)"

2. Handlungstheorien und handlungsorientierter Unterricht - Zur theoretischen Begründung handlungsorientierten Lehrens und Lernens (S. 39-40)

2.1 Unterschiedliche Theorieebenen - oder: Was nützt Theorie?
Es ist erstaunlich: Während die im ersten Kapitel dargestellten neueren didaktischen Ansätze (vom genetischen Lernen bis zu Alternativen in der Regelschule) weitgehend Gnade vor den Augen der Didaktik-Theoretiker finden, wird für den handlungsorientierten Unterricht vehement ein Theoriedefizit beklagt (zuletzt von Wöll 1998). Dies hängt sicher mit der Inflationierung des Begriffes handlungsorientierter Unterricht zusammen, wie das folgende kleine Beispiel aus der Praxis zeigt. Eine Szene aus dem Schulalltag, wie sie überall vorkommen kann:

"Ihre Schüler waren heute aber sehr aktiv in der Stunde; Sie haben die ja sehr geschickt zum eigenständigen Handeln motiviert!" lobte der Schulrat den jungen Kollegen am Ende der Lehrprobe. Die Aufgabe hatte für die Schüler/innen gelautet, eine Brückenkonstruktion aus einem Papierbogen zu entwickeln, die einen dicken Stein tragen konnte. Kleingruppenarbeit, selbständiges Agieren der Schüler/ innen, keine vorgegebenen Lösungswege, ein hoher Grad an Aktivität. In der zweiten Stunde wurden die Erfahrungen und Abläufe in den Gruppen mithilfe eines kleinen Fragebogens ausgewertet. Am Ende stand an der Tafel eine (mit Hilfe des Lehrers erarbeitete) Übersicht über Funktionen und Rollen bei Arbeitsprozessen in Gruppen. - Keine reine Wort- und Buchschule, sondern Lernen durch Handeln im Unterricht ...
Zwar hebt diese Stunde sich positiv ab von mancher minutiös durchstrukturierten, lehrerzentrierten, frontalunterrichtlichen und von Grobziel zu Feinziel eilenden Lektion des "Beybringens" (Henningsen 1974). Aber wie Momente von Aktivität, Kooperation, Selbständigkeit, "Handeln" in ein Unterrichtskonzept eingebettet sind, ist allein auf der unterrichtlichen Erscheinungsebene nicht auszumachen. Unser Beispiel zeigt lediglich auf, wie ein Lehrer versucht hat, sein Thema "Kommunikations- und Kooperationsprozesse in Gruppen" statt über das Sozialkundebuch hier handlungsorientiert aufzubereiten. Er nimmt damit zum einen Bezug auf die erfahrungs- und erlebnisorientierte Gestaltpädagogik, die sich bemüht, ein Thema durch "affektive Aufladung" (Burow 1988, 174) in den Interessen- und Fragehorizont der Schüler/innen zu rücken. Zum andern ist der Versuch getragen von der Auffassung, daß Informationsaufnahme, Begriffsbildung, Einsichts- und Einstellungsentwicklung im Zusammenhang mit Handlungserfahrungen dem Lernen angemessener seien. Das ist eine theoretische Annahme. Welche Theoriegrundlage kann diese Annahme haben?

Eine Analyse des Begründungsniveaus handlungsorientierten Unterrichts auf unterschiedlichen Theorieebenen macht denn auch sehr schnell die in der Tat vorhandenen Defizite deutlich. Sehr hilfreich ist die folgende Unterscheidung möglicher Ebenen von Theorien (nach Kujawski 1994, 18 ff.):

Inhaltsangabe

1;Zur Konzeption der Lernbuchreihe »Erziehen und Unterrichten in der Schule«;6 2;Zur 3. – 6. Auflage;7 3;Inhalt;8 4;Einleitung;10 5;1. Handeln lernen in einer handlungsarmen Lebenswelt – Zur praktischen Notwendigkeit eines handlungsorientierten Unterrichts;14 5.1;1.1 »Das allmähliche Verschwinden der Wirklichkeit« und die Schrumpfung von Handlungsmöglichkeiten;14 5.1.1;1.1.1 Der Wandel der kindlichen Lebenswelt und der Jugendkultur;14 5.1.1.1;a) Demographische Befunde;15 5.1.1.2;b) Gegenständliche Ausstattung von Kindheit;16 5.1.1.3;c) Raumerleben;16 5.1.1.4;d) Fernsehen und elektronische Medien;17 5.1.2;1.1.2 Der Verlust von sinnlicher Erfahrung in der Schule und das Motivationsproblem;20 5.2;1.2 Handlungsorientierung in neueren didaktischen Ansätzen;23 5.2.1;1.2.1 Exemplarisch-genetisches Lernen;23 5.2.2;1.2.2 Entdeckendes Lernen;25 5.2.3;1.2.3 Offener Unterricht;26 5.2.4;1.2.4 Freie Arbeit;29 5.2.5;1.2.5 Erfahrungsbezogener Unterricht;30 5.2.6;1.2.6 Lehrzielorientierter Unterricht;33 5.2.7;1.2.7 Soziales Lernen und Gruppenunterricht;34 5.2.8;1.2.8 Subjektive Didaktik – die Modellierung von Lernwelten;35 5.3;1.3 Handlungsorientierung in »Alternativen zur/in der Regelschule«;36 6;2. Handlungstheorien und handlungsorientierter Unterricht – Zur theoretischen Begründung handlungsorientierten Lehrens und Lernens;40 6.1;2.1 Unterschiedliche Theorieebenen – oder: Was nützt Theorie?;40 6.1.1;1. Erste Ebene: Handlungsorientierte Metatheorien;41 6.1.2;2. Ebene: Handlungsorientierte Theorien des Denkens, Lernens und der Entwicklung;42 6.1.3;3. Ebene: Schulpädagogisch-didaktische Theorien;42 6.2;2.2 Aneignungstheorie und Handelnder Unterricht;44 6.3;2.3 Handlungsregulationstheorie: Das Modell einer »vollständigen Handlung«;47 6.3.1;1. Antizipation;49 6.3.2;2. Realisation;50 6.3.3;3. Handlungskontrolle;51 6.4;2.4 Kognitive Handlungstheorie und handlungsorientierter Unterricht;52 6.5;2.5 Lern- und Motivationspsychologie und handlungsorientierter Unterricht;60 6.5.1;a) Sinnliche Erfahrungen und Lernen;61 6.5.2;b) Handeln und Gedächtnis;62 6.5.3;c) Bewegung und Lernen;64 6.5.4;d) Motivationspsychologische Aspekte;64 6.6;2.6 Pädagogische Begründung handlungsorientierten Unterrichts – Zusammenfassung bisheriger Überlegungen;68 6.7;Literatur;73 7;3. Projektunterricht – ein umfassendes Konzept handlungsorientierten Lehrens und Lernens;74 7.1;3.1 Woher kommt der Projektunterricht?;74 7.2;3.2 Projektunterricht zwischen Politisierung und Begriffsinflation;77 7.3;3.3 Was ist Projektunterricht? – Schritte und Merkmale eines Projekts;80 7.3.1;3.3.1 Merkmal: Situationsbezug;82 7.3.2;3.3.2 Merkmal: Orientierung an den Interessen der Beteiligten;83 7.3.3;3.3.3 Merkmal: Gesellschaftliche Praxisrelevanz;84 7.3.4;3.3.4 Merkmal: Zielgerichtete Projektplanung;86 7.3.5;3.3.5 Merkmal: Selbstorganisation und Selbstverantwortung;86 7.3.6;3.3.6 Merkmal: Einbeziehen vieler Sinne;87 7.3.7;3.3.7 Merkmal: Soziales Lernen;88 7.3.8;3.3.8 Merkmal: Produktorientierung;89 7.3.9;3.3.9 Merkmal: Interdisziplinarität;92 7.3.10;3.3.10 Merkmal: Grenzen des Projektunterrichts;93 7.4;3.4 Methodische Realisierung des Projektunterrichts;96 7.4.1;3.4.1 Planung der Projektarbeit;96 7.4.2;3.4.2 Durchführung;103 7.4.3;3.4.3 Beendigung, Leistungsbeurteilung, Auswertung;105 7.5;3.5 Projektunterricht und Schulreform;109 7.5.1;3.5.1 Die bildungspolitische Bedeutung des Projektunterrichts;109 7.5.2;3.5.2 Empirische Untersuchungen zum Projektunterricht;110 7.6;Literaturhinweise;112 8;4. Handlungsorientierung in der Praxis des (Fach-)Unterrichts;114 8.1;4.1 (Fach-)Unterricht handlungsorientiert planen;116 8.2;4.2 Handlungssituationen in den (Fach-)Unterricht integrieren;119 8.2.1;4.2.1 Beispiel: Spielen und Lernen;119 8.2.2;4.2.2 Beispiel: Erkunden und Erforschen;121 8.2.3;4.2.3 Beispiel: Herstellen und Verwenden;123 8.2.4;4.2.4 Beispiel: Erfahren und Erleben;125 8.2.5;4.2.5 Beispiel: Probieren und Studieren;127 8.2.6;4.2.6 Beispiel: Zusammenarbeiten und Kommunizieren;128 8.2.7;4.2.7 Beispiel: Phantasieren und Experimentieren;130 8.2.8;4.2.8 Beispiel: Tätigsein und Verantworten;132 8.2.9;4.2.9 Beispiel: Eingreifen und Verändern;134 8.2.10;4.2.10 Beispiel: Klassenreise und Schulleben;135 8.3;4.3 (Fach-)Unterricht handlungsorientiert auswerten – Lernkontrolle und Zensuren;136 8.4;4.4 Vier didaktische Probleme des handlungsorientierten Unterrichts;140 8.4.1;4.4.1 Problem: Systematik des Lehrgangs und Zufallsmoment beim Handeln;140 8.4.2;4.4.2 Problem: Impulssteuerung durch Lehrer/in und Selbstbestimmung der Schüler/innen;144 8.4.3;4.4.3 Problem: Lehrziele von Lehrenden und Handlungsziele von Lernenden;146 8.4.4;4.4.4 Problem: Institutionelle Bedingungen und die Einführung von handlungsorientiertem Unterricht;148 8.5;Literatur;149 9;Statt eines Ausblicks;150 10;Literaturverzeichnis;152

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1. Handeln lernen in einer handlungsarmen Lebenswelt – Zur praktischen Notwendigkeit eines handlungsorientierten Unterrichts (Kapitel 2)26 S.EUR 3,12
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3. Projektunterricht – ein umfassendes Konzept handlungsorientierten Lehrens und Lernens (Kapitel 4)40 S.EUR 4,80
4. Handlungsorientierung in der Praxis des (Fach-)Unterrichts (Kapitel 5)36 S.EUR 4,32
Statt eines Ausblicks und Literaturverzeichnis (Kapitel 6)12 S.EUR 1,44