Leseprobe zu "Grundkurs Grafik und Gestaltung (eBook)"
1 Grundlagen der Gestaltung (S. 18)
Flyer, Visitenkarten, Plakate, ein Buch so verschieden wie die Art des Objekts ist auch die Art der Gestaltung. Doch trotz aller Unterschiede lassen sich drei Grundregeln definieren, mit denen die Gestaltung ein Erfolg wird. Die drei Grundregeln, die wir im Laufe des Kapitels genauer betrachten, lauten:
1. Ziehe den Leser mit einem Blickfang an!
2. Entscheide dich für Gruppen und Zusammengehörigkeiten!
3. Schaffe Wiedererkennung!
1.1 Welche Druckerzeugnisse gibt es?
Alle Variablen, die bei der Gestaltung eines Druckerzeugnisses, aber auch bei der Gestaltung einer Website eine Rolle spielen, sind von der Art des Erzeugnisses abhängig. So richten sich nahezu alle Komponenten wie Schrift, Bild, Raumaufteilung und Farbe danach, um was für ein Medium es sich handelt. Eine Visitenkarte muss in jedem Fall anders gestaltet werden als ein Flyer, und ein Magazin anders als ein Plakat.
Kein Layouter käme auf die Idee, für eine Broschüre die gleichen Gestaltungsmittel einzusetzen wie bei einem Buch, und für eine Website gelten wieder andere Regeln. Was als selbstverständlich angesehen wird, hat bei genauerer Betrachtung gute Gründe.
Variablen bei der Gestaltung Je genauer also im Vorfeld das Ziel abgesteckt werden kann, desto eindeutiger sind die Mittel, mit denen das Ziel erreicht wird. Welche von außen vorgegebenen Variablen müssen bei der Gestaltung eines Druckerzeugnisses beachtet werden?
Art der Typografie
Umstände, unter denen das Erzeugnis gelesen wird
Zielgruppe und Inhalt
Absicht
Erste Frage: Um welche Art der Typografie handelt es sich?
Beginnen wir mit der Lesbarkeit. Die Frage, die wir uns als Gestalter stellen müssen, lautet: Auf welche Art und Weise wird das Druckerzeugnis gelesen? Die Antwort kann nur abhängig vom Inhalt gegeben werden. Während in der Werbung, speziell in der Anzeigengestaltung der Text eine eher untergeordnete und auch quantitativ kleine Rolle einnimmt, dafür den Bildern umso mehr Beachtung geschenkt wird, gibt es eine ganze Reihe von anderen Drucksachen, bei denen die Lesbarkeit eine entscheidende Rolle spielt.
Mit dem typografischen Auge betrachtet gibt es verschiedene Formen des Lesens, die Hans Peter Willberg und Friedrich Forssman in verschiedene Gruppen unterteilt haben. Der Einfachheit halber bevorzuge ich eine Einteilung in fünf Gruppen, mit denen die wichtigsten Leseformen abgedeckt werden.
Das lineare Lesen Die Typografie für lineares Lesen kommt in Prosa wie Romanen oder Biografien zum Einsatz. Hier geht es vor allem um Ruhe und Gleichmäßigkeit, die das Druckerzeugnis ausstrahlen soll. Die Informationen werden Satz für Satz aufgenommen. Dabei sollten keine optischen Auszeichnungen wie fette Schnitte verwendet werden, da diese den Grauwert zerstören. Hervorhebungen mit einem kursiven Schnitt oder Kapitälchen sind ausreichend und verändern den Grauwert nicht.
Ästhetische und optische Auszeichnungen In der Typografie unterscheidet man zwischen den ästhetischen und den optischen Auszeichnungen. Erstere sind in der Regel unauffälliger, aber für den passenden Einsatzbereich wie in Büchern oder vielen Magazinen völlig ausreichend, um Textstellen hervorzuheben. Zu den ästhetischen Auszeichnungen zählen beispielsweise ein kursiver Schnitt der Grundschrift oder auch ein Kapitälchenschnitt.
Zu den optischen Auszeichnungen zählen der Versalsatz und die halbfetten oder fetten Hervorhebungen. Bei diesen Auszeichnungen wird der Grauwert des Textes zerstört. Optische Auszeichnungen sollte man dann verwenden, wenn der Grauwert im Druckerzeugnis keine Bedeutung hat, wie zum Beispiel in Nachschlagewerken, bei denen das Stichwort immer halbfett ausgezeichnet wird.