Einsatz der Bioenergie in Abhängigkeit von der Raum- und Siedlungsstruktur (eBook) - Till Jenssen
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Till Jenssen 

Einsatz der Bioenergie in Abhängigkeit von der Raum- und Siedlungsstruktur (eBook)

Wärmetechnologien zwischen technischer Machbarkeit, ökonomischer Tragfähigkeit, ökologischer Wirksamkeit und sozialer Akzeptanz

eBook
 
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Einsatz der Bioenergie in Abhängigkeit von der Raum- und Siedlungsstruktur (eBook)

Während die Bioenergie in der öffentlichen Debatte ursprünglich vorbehaltlos als ökologisch galt, wurde in den letzten Jahren auch Kritik laut, unter anderem wegen einer möglichen Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion durch den Energielandbau. Um der Vielfältigkeit der Bioenergie gerecht zu werden, sind ein ganzheitlicher Blickwinkel und ein interdisziplinärer Diskurs erforderlich. Till Jenssen setzt sich intensiv mit der räumlichen Dimension der Bioenergie auseinander und zeichnet ein umfassendes Bild dieses klassischen Energieträgers. Ausgehend von einer theoriegeleiteten Reflektion der Infrastrukturversorgung spannt er einen Bogen von Angebot und Verteilung energetisch nutzbarer Biomasse, über ökonomische und ökologische Bilanzen typischer Technologien und Siedlungsformen bis hin zur Akzeptanz der Nutzer.


Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783834893857
  • ISBN-10: 3834893854
  • Best.Nr.: 29502332

Leseprobe zu "Einsatz der Bioenergie in Abhängigkeit von der..."

1 Bioenergie als interdisziplinäre Forschungsaufgabe (S. 3)

„Ebenso wie Eiscreme gibt es Interdisziplinarität in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Einige davon sind nur schwer zu verdauen, insbesondere wenn sie eine große Kluft zwischen Denkschemata, Sprachen und Begrifflichkeiten zu überwinden haben. Andere erscheinen uns so natürlich und bekömmlich wie das tägliche Leben.“

Christoph-Friedrich von Braun


In Deutschland hat in den letzten Jahren unter hohen staatlichen Anstrengungen und kontroversen gesellschaftlichen Diskussionen ein deutlicher Anstieg der Nutzung erneuerbarer Energien stattgefunden: Ihr Anteil am Endenergieverbrauch hat sich seit 1998 mehr als verdreifacht (vgl. BMU 2008a: 11).

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Bioenergie zu, die gemessen an mit einem Anteil von über zwei Dritteln des Endenergieverbrauchs die wichtigste Rolle unter den erneuerbaren Energieträgern einnimmt, über ausgereifte Technologien verfügt sowie zur Wärme-, Strom- und Kraftstofferzeugung genutzt werden kann.

Ihr Einsatz wird deshalb zunehmend als wichtige Möglichkeit gesehen, die konventionellen fossilbasierten Energieversorgungssysteme in Richtung einer zukunftsfähigen Energieversorgung weiterzuentwickeln. Um stetige Wachstumstrends zu sichern, hat die Politik auf verschiedenen Ebenen quantitative Zielvorgaben festgelegt: Die Kommission der Europäischen Union beispielsweise beabsichtigt, den Anteil regenerativer Energien am Endenergieverbrauch bis 2020 auf 20 % zu erhöhen (vgl. EU-Kommission 2007: 11, EU-Kommission 2005: 5, EU-Kommission 2004: 5).

Auch die Bundesregierung hat sich im gleichen Zeitraum mit Anteilen von 14 % (an der Wärmeerzeugung) sowie 25 % bis 30 % (an der Stromproduktion) ambitionierte Ziele gesetzt (vgl. Bundesregierung 2007a). Während die Zielvorgaben auf übergeordneten Ebenen vorgenommen werden, geschieht die Implementierung erneuerbarer Energien auf lokaler Ebene, bei der Wärmeversorgung in aller Regel sogar in oder in un-mittelbarer Nähe von Siedlungen.

Dabei sind die Wandlungstechnologien erneuerbarer Energien von einer Vielzahl spezifischer (technischer wie nichttechnischer) Anforderungen geprägt, die zur erfolgreichen Realisierung beachtet werden sollten und mit den vorherrschenden Bedingungen in der jeweiligen Raum- und Siedlungsstruktur in Einklang zu bringen sind.

Der Themenkomplex der Versorgung (von Städten) mit erneuerbaren Energien und der Bezug zu Raum- und Siedlungsstrukturen wird in den vielen Ansätze einseitig dargestellt: Theoretisch orientierte Studien, die erörtern, was eine „sustainable city“ ausmacht, bleiben auf einem hohen Abstraktionsniveau und wollen den vielen Dimensionen des Nachhaltigkeitsgedankens gerecht werden (zum Beispiel Freier/Kunsmann 2006, Niele 2006, IWU 2003, Roberts 2003, Wächter 2003, Brunner 2000, Guy/Marvin. 2000, Ravetz 2000, Haughton 1997, Arlt 1997, Wackernagel/Mathis 1997).

Andere Vorhaben wiederum setzen sich in erster Linie mit der konkreten Umsetzung von Modellprojekten auseinander, wobei Fragen der Übertragbarkeit und die theoretische Ausarbeitung zu kurz greifen (wie Weisleder 2008, Brunner et al. 2006, EU-Kommission 2006a, IZNE 2006, Solarcomplex 2005, Hemmers 2006, Arbeitsgemeinschaft Neue Energie 2004).

Schließlich blenden die meisten energiewissenschaftlichen Arbeiten die räumliche Dimension durch Punktmodellierungen weitestgehend aus oder beschränken sich (zum Beispiel bei Potenzialerhebungen und Wärmeatlanten) auf eine rein technische Sichtweise (etwa IER 2008a, IER 2007, Leible et al. 2008, Kaltschmitt 2007, Hepperle/Teuffel 2007, Ifeu 2005, Blesl 2002, IER 2002, WI 2002).

Siedlungen werden bei der letztgenannten Herangehensweise überwiegend als technische Konstrukte und nicht – beziehungsweise nur in einem sehr geringen Maß – als soziale Gebilde aufgefasst. Dabei nimmt die soziale Dimension bei erneuerbaren Energien unter anderem auf Grund der Nähe der Konversionstechnologien zum Verbraucher eine besondere Stellung ein. So zeigt sich immer wieder, dass es während Planung, Bau und Betrieb zu Konfliktsituationen mit Bewohnern kommt.

Inhaltsangabe

1;Dank;7 2;Inhaltsverzeichnis;9 3;Abbildungsverzeichnis;13 4;Tabellenverzeichnis;17 5;Abkürzungsverzeichnis;18 6;Einführung;21 7;1 Bioenergie als interdisziplinäre Forschungsaufgabe;23 7.1;1.1 Zielsetzung und Fragestellung;26 7.2;1.2 Methodische Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit;27 8;2 Bioenergie im System der Energieversorgung;31 8.1;2.1 Energie, erneuerbare Energie, Bioenergie;31 8.2;2.2 Umweltpolitische Aspekte;39 8.3;2.3 Struktur und Entwicklung des Energieverbrauchs;41 8.4;2.4 Dezentrale Versorgungsinfrastruktur;46 8.5;2.5 Entwicklungsperspektiven der Energieversorgung;51 8.6;2.6 Energiewissenschaftliche Schlussfolgerungen;58 9;3 Raum und Siedlungsstrukturen im Kontext technischer Versorgungssysteme;60 9.1;3.1 Raumund Siedlungsstrukturen;60 9.2;3.2 Entstehung von Raumund Siedlungsstrukturen;63 9.3;3.3 Energie als treibende Kraft der Siedlungsentwicklung;68 9.4;3.4 Versorgung von Siedlungen;72 9.4.1;3.4.1 Soziale Stoffwechselprozesse;72 9.4.2;3.4.2 Siedlungen und ihre Belastungsüberschüsse;75 9.4.3;3.4.3 Versorgungsradien;79 9.5;3.5 Raumwissenschaftliche Schlussfolgerungen;83 10;4 Biomasse als ungleich verteilter Energieträger;85 10.1;4.1 Methodische Vorgehensweise und Bestimmung des Potenzialbegriffs;86 10.2;4.2 Biomassepotenzial in Baden-Württemberg;90 10.2.1;4.2.1 Holzartige Biomasse;91 10.2.2;4.2.2 Halmgutartige Biomasse;96 10.2.3;4.2.3 Sonstige Biomasse;102 10.2.4;4.2.4 Energieträger- und Energieerzeugungspotenzial;104 10.3;4.3 Abhängigkeit der Biomasse von der Raumstruktur;109 10.3.1;4.3.1 Raumtypisierung;110 10.3.2;4.3.2 Raumstrukturelle Auswertung des Energieträgerpotenzials;113 10.4;4.4 Konkurrierende Nutzungen zur Bioenergie;118 10.5;4.5 Entwicklungsperspektiven des Biomassepotenzials;126 10.6;4.6 Wechselwirkungen zwischen Raumstruktur und Biomasse;133 11;5 Voraussetzungen für Bioenergietechnologien in verschiedenen Raum- und Siedlungsstrukturen;135 11.1;5.1 Methodische Vorgehensweise und Systemgrenzen;136 11.2;5.2 Technische Analyse;139 11.2.1;5.2.1 Versorgungsfälle;141 11.2.2;5.2.2 Brennstoffbereitstellung;150 11.2.3;5.2.3 Konversionstechnologien;152 11.2.4;5.2.4 Wärmeverteilung;159 11.3;5.3 Ökonomische Analyse;163 11.3.1;5.3.1 Relevante Kostengruppen;164 11.3.2;5.3.2 Tragfähigkeit der Bioenergie;170 11.4;5.4 Ökologische Analyse;179 11.4.1;5.4.1 Relevante Prozesse und Prozessketten;182 11.4.2;5.4.2 Wirksamkeit der Bioenergie;192 11.5;5.5 Ökonomisch-ökologische Bewertung;201 12;6 Bioenergie als sozialer Prozess;205 12.1;6.1 Methodische Vorgehensweise und Deutungskonzept;207 12.2;6.2 Akzeptanz erneuerbarer Energien;209 12.3;6.3 Analyse der Umsetzung von Bioenergieprojekten;218 12.3.1;6.3.1 Fallbeispiel Ökologischer Modellstadtteil;221 12.3.2;6.3.2 Fallbeispiel Bioenergiedorf;225 12.3.3;6.3.3 Fallbeispiel Bürgergutachten;229 12.3.4;6.3.4 Fallbeispiel Bürgerinitiative;233 12.3.5;6.3.5 Fallbeispiel Genehmigungsverfahren;237 12.4;6.4 Nicht-technische Hemmnisse;242 12.4.1;6.4.1 Ökonomische Hemmnisse;244 12.4.2;6.4.2 Personelle und institutionelle Hemmnisse;245 12.4.3;6.4.3 Standortbedingte Hemmnisse;246 12.4.4;6.4.4 Wohnsegmentbedingte Hemmnisse;247 12.4.5;6.4.5 Informationelle Hemmnisse;248 12.4.6;6.4.6 Nutzerbezogene Hemmnisse;248 12.5;6.5 Zwischen individueller und kollektiver Rationalität;250 12.5.1;6.5.1 Gefangendilemma;250 12.5.2;6.5.2 Investitionsdilemma;256 12.5.3;6.5.3 Eigner-Nutzer-Dilemma;257 12.5.4;6.5.4 Zieldilemma;259 12.5.5;6.5.5 NIMBY-Dilemma;260 12.5.6;6.5.6 Dilemmata in Bestand und Neubau;268 12.6;6.6 Erfahrungen aus den untersuchten Bioenergieprojekten: Lösungsansätze und Instrumente;270 12.7;6.7 Konfliktfelder und Rahmenbedingungen;280 13;7 Spannungsfeld Bioenergie;284 13.1;7.1 Einsatzmöglichkeiten der Bioenergie;285 13.2;7.2 Kommunale Steuerungsmöglichkeiten;289 13.3;7.3 Zukünftige Aufgaben und und weitergehende Forschungsfelder;292 14;Quellenverzeichnis;297 15;Anhang;356 15.1;Anhang 4-1a Flächennutzung 2003;357 15.2;Anhang 4-1b Flächennutzung 2007;358 15.3;Anhang 4-1c Flächennutzung 2020;359 15.4;Anhang 5-1 Bewertungsmaßstab für die Wärmetechnologien;360 15.5;Anhang 5-2 Vollbenutzungsstunden und Gleichzeitigkeitsfaktoren;360 15.6;Anhang 5-3 Vor- und Nachlauf der Bereitstellungsketten;361 15.7;Anhang 5-4 Abschreibungsdauern;361 15.8;Anhang 5-5 Anlagenspezifischer Personalbedarf;362 15.9;Anhang 5-6 Spezifische Kosten für Hausanschlussstationen;362 15.10;Anhang 5-7 Kosten des konventionellen Referenzsystems;363 15.11;Anhang 6-1 Fragebogen „Scharnhauser Park“;364 15.12;Anhang 6-2 Auflistung der Experteninterviews;366 15.13;Anhang 6-3: Leitfaden Experteninterviews;366 15.14;Anhang 6-4 Fragebogen „Bioprom“;370 16;Endnoten;374
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