Du sollst nicht hassen (eBook) - Izzeldin Abuelaish

Izzeldin Abuelaish 

Du sollst nicht hassen (eBook)

Meine Töchter starben, meine Hoffnung lebt weiter

Übersetzer: Exo, Ingrid
eBook
 
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Du sollst nicht hassen (eBook)

»Wenn meine Töchter die letzten Opfer wären, könnte ich ihren Tod akzeptieren.« 16. Januar 2009. Ein aufgelöster Vater berichtet live im israelischen Fernsehen: »Unser Haus wurde bombardiert, meine Töchter sind tot. Oh Gott, was haben wir getan?« Izzeldin Abuelaish, Arzt aus Gaza, berichtet über einen fehlgeleiteten Raketeneinschlag, bei dem drei seiner Töchter ums Leben kommen. Sein Schicksal geht um die Welt. Dies ist seine Geschichte. Abuelaish erzählt vom schwierigen Alltag in Gaza, berichtet von stundenlangem Warten an der Grenze, dem Familienleben zwischen Hoffnung und Verzweiflung und schließlich vom tödlichen Anschlag und von seiner Trauer. Er hätte allen Grund, Israel zu hassen, stattdessen kämpft er nun erst recht für Verständigung mit Israel und für Versöhnung - im Andenken an seine toten Töchter.


Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783838704173
  • ISBN-10: 3838704177
  • Best.Nr.: 32601027

Leseprobe zu "Du sollst nicht hassen (eBook)" von Izzeldin Abuelaish

ACHT Unser neues Zuhause (S. 164-165)

Toronto erfüllte all meine Hoffnungen: Es ist ein Ort, an dem meine Kinder Ruhe und Heilung finden können. Natürlich hatte ich mir große Sorgen gemacht, wie die Übersiedlung in ein neues Land und der Wechsel in ein neues Schulsystem, eine neue Sprache und neue Freunde für sie sein würde. Kurz nachdem wir angekommen waren, hießen uns die Nachbarn in der Straße willkommen, und recht bald fanden wir uns ein.

Eine kleine Begebenheit an einem unserer ersten Tage wärmte mir das Herz: Die meisten Gärten in der Nachbarschaft waren eingezäunt. Die Familie nebenan hatte Kinder ungefähr im selben Alter wie meine jüngeren, und das Erste, was sie taten, als wir einzogen, war, ein Stück des Zauns herauszunehmen, damit die Kinder ungehindert hin- und herlaufen konnten. Diese schlichte Handlung gab mir sehr zu denken. Wie prophetisch sie war im Hinblick auf das, was ich mir seit Jahren für Israel und Palästina erträumte. Hier wurde das Niederlegen von Grenzen Wirklichkeit, ein lebendiges Beispiel hier in meinem eigenen neuen Garten.

Dalal und Shatha hatten sich an der Universität von Toronto eingeschrieben und sind dort außerordentlich gute Studentinnen. In Gaza waren sie auf einer reinen Mädchen-Uni gewesen, aber die Universität Toronto ist koedukativ und multikulturell. Hier lernen sie Menschen aus verschiedenen Kulturen kennen, während sie in Gaza vom Rest der Welt abgeschnitten waren.

Hier machen sie die Erfahrung, wie es ist, in einer sicheren Umgebung zu sein, wo sie sich nicht ständig Sorgen machen müssen, dass irgendein Ereignis ihr Leben dramatisch verändert. Sie sehen, dass es möglich ist, Pläne für die Zukunft zu machen, und dass diese Pläne sich verwirklichen lassen. In Gaza studierten sie, um einen Abschluss und eine höhere Bildung zu haben, aber sie wussten, dass sie nie einen Job als Ingenieurin finden würden.

In Kanada hingegen studieren sie Ingenieurwesen und wissen, dass sie eine sehr gute Chance haben, eine Arbeit zu finden und Karriere zu machen. Mit Staunen stellen sie fest, dass es selbst innerhalb eines Berufes so viele Möglichkeiten gibt. Anders als in Gaza haben sie hier nicht das Gefühl, unter jemandes Kontrolle zu sein. Sie können auf der Basis ihrer eigenen persönlichen Vorlieben frei ihre eigenen Entscheidungen treffen.