Die Entwicklung des Frauenbildes in Spanien des 19. Jahrhunderts anhand der Romane La Gaviota von Fernán Caballero, Tristana von Benito Pérez Galdós und Memorias de un solterón von Emilia Pardo Bazán (eBook)
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Die Entwicklung des Frauenbildes in Spanien des 19. Jahrhunderts anhand der Romane La Gaviota von Fernán Caballero, Tristana von Benito Pérez Galdós und Memorias de un solterón von Emilia Pardo Bazán (eBook)
Das Bild der Frau in der Literatur verändert und entwickelt sich im
Laufe der Jahrhunderte so wie sich die politischen und sozialen
Verhältnisse, unter denen sie lebt, eine Änderung erfahren. Das 19.
Jahrhundert als die die Zeit der großen sozialen, politischen und
wirtschaftlichen Umbrüche in Spanien und in ganz Europa bewirkt
eine neue Definierung der Position der Frau in der Gesellschaft.
Während aber in vielen europäischen Ländern wie England und
Deutschland die Frau dank der sich gegen Mitte des Jahrhunderts neu
formierenden Frauenbewegungen einen bedeutenden Schritt nach vorne
Richtung mehr Rechte und Unabhängigkeit vom Mann macht, bleiben in
Spanien die Reformen, die den Frauen mehr Rechte garantieren und
sich somit den veränderten politischen und sozialen Verhältnisse
anpassen, fast im Laufe der gesamten Zeitspanne aus. Die drei
Faktoren, die den Fortschritt bezüglich der Frauenrechte in den
anderen erwähnten Ländern begünstigen, sind Industrialisierung,
Nichtkatholizismus und Tradition geistiger Freiheit. Da in Spanien
diese Faktoren fehlen, entwickelt es sich zu einem Land, 'indem
der im 19. Jahrhundert in Europa zusammen mit den linkspolitischen
geistigen Strömungen aufkommende Feminismus - abgesehen von einer
kurzen historischen Zäsur - bis in die 70er Jahre des 20.
Jahrhunderts hinein wie eine gegen den katholischen Glauben
gerichtete `Ketzerei´ bekämpft wurde.'
Diese Situation beeinflußt in hohem Maße die Darstellung der Frau
in der Literatur im betrachteten Zeitraum. Bis weit in die zweite
Hälfte des 19. Jahrhunderts fehlt in der spanischen Literatur fast
ausschließlich eine fundierte Auseinandersetzung mit den Problemen
und eine zielgerichtete Sensibilisierung für die legitimen Rechte
der Frauen. Die meisten Autoren des vorletzten Jahrhunderts - unter
ihnen auch viele Schriftstellerinnen - halten an einer misogynen
Literaturtradition fest, die die Vormachtstellung des Mannes zu
festigen und den kleinsten Widerstand dagegen im Keim zu ersticken
versucht. Erst nach der bürgerlichen Revolution von 1868 wird
vermehrt, meist von liberalen Schriftstellern, auf die
Frauenproblematik aufmerksam gemacht und versucht, die Gesellschaft
zur Reformen auf diesem Gebiet zu bewegen.