Die Deutschlandakte (eBook) - Hans Herbert von Arnim

Hans Herbert von Arnim 

Die Deutschlandakte (eBook)

Was Politiker und Wirtschaftsbosse unserem Land antun

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Die Deutschlandakte (eBook)

Schwarzbuch Deutschland Parteienpatronage, überbordende Bürokratie, gleich geschaltete Medien, Justiz unter dem Einfluss der Politik sowie Großunternehmen, in denen Korruption zum alltäglichen Geschäft gehört: Es ist wirklich etwas faul in unserem Staate, und der Fisch stinkt vom Kopf her. Die politische und wirtschaftliche Klasse agiert zunehmend im kontrollfreien Raum und im Zweifel eher im eigenen als im öffentlichen Interesse. Hans Herbert von Arnim lässt anhand einer langen Reihe von Missbrauchsfällen aus Politik, Verwaltung, Justiz, Wirtschaft und Gesellschaft ein ganzes System von Auswüchsen und Defiziten sichtbar werden. Sein Schwarzbuch Deutschland soll aufrütteln, bevor unsere Demokratie dauerhaften Schaden nimmt. "Hans Herbert von Arnim hat sich die Freiheit genommen, radikal zu denken, zu beschreiben und Alternativen zu entwickeln." Hessischer Rundfunk


Produktinformation

  • Verlag: PeP eBooks
  • 2009
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 369
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641019884
  • ISBN-10: 3641019885
  • Best.Nr.: 25857473
"Von Arnim trifft den Nerv der Zeit."
Hans Herbert von Arnim, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, früherer Rektor der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer und Verfassungsrichter in Brandenburg, war mit vielen Bestsellern, u.a. »Staat ohne Diener« und »Fetter Bauch regiert nicht gern«, einer der Ersten, der Machtmissbrauch, Inkompetenz und Opportunismus in den politischen Parteien anprangerte. Er gehört zu den versiertesten Kennern unserer Wahlsysteme und Parteienstrukturen.

Leseprobe zu "Die Deutschlandakte (eBook)" von Hans Herbert von Arnim

X Wissenschaft und Schulen (S. 232-234)

1 Wissenschaft an den Problemen vorbei: Warum Staatsrechtslehre und Politikwissenschaft versagen

Abweichungen des »Ist« des Staates und der Politik vom gewünschten »Soll« zu erforschen, nach den Gründen zu fragen und über mögliche Abhilfen nachzudenken – das ist die zentrale Aufgabe der Rechts- und Sozialwissenschaften, jedenfalls sollte sie es sein. Tatsächlich versagt die Wissenschaft weitgehend vor dieser Aufgabe. Der Hauptstrom der Staatsrechtslehre konzentriert sich auf die Auslegung von Verfassungen und Gesetzen. Eine darüber hinausgehende Mängelanalyse ist selten, und mögliche Alternativen werden kaum erörtert. Die Konzentration auf Normen verführt die Staatsrechtslehre dazu, die Normen für die Wirklichkeit zu nehmen oder diese ganz auszublenden.

So verlor zum Beispiel der Verfasser einer Habilitationsschrift über »Die Personalgewalt öffentlicher Dienstherren« kein Wort zur verbreiteten Parteibuchwirtschaft (siehe S. 92 ff.). Das ist symptomatisch. Die Staatsrechtslehre pflegt problematische Bereiche, für die die politische Klasse als Ganzes verantwortlich ist, zu ignorieren oder herunterzuspielen. Auch den Umstand, dass Amtsträger häufig ihre eigenen Interessen verfolgen, statt gemeinwohlorientiert zu handeln, nimmt die Staatsrechtslehre entweder gar nicht zur Kenntnis oder zieht daraus doch keine Konsequenzen. Sie neigt dazu, die Augen vor der Welt, wie sie tatsächlich ist, zu verschließen.

Der Hauptstrom der Politikwissenschaft ist nicht weniger systemtreu. Er beschränkt sich auf die affirmative Beschreibung des Wirkens der Macht und die Analyse der zu beobachtenden »Gesetzmäßigkeiten«, ohne sich auch die nötige Kritik zuzutrauen oder gar Verbesserungsvorschläge zu machen. Das würde Wertungen verlangen. Die aber werden ausgeblendet, was vordergründig mit methodischer Sauberkeit begründet wird. Das macht die Politikwissenschaft blind für ihre eigentliche Berufung: die Beschäftigung mit dem Gemeinwohl, verstanden als Wohl der Bürger insgesamt.

Deshalb schlägt auch die Politikwissenschaft einen großen Bogen um die schwelenden Wunden unseres Parteienstaats. Sie lässt sich im Gegenteil häufig in Hofkommissionen einbinden, die der politischen Klasse nach dem Mund reden (siehe S. 203 ff.). Eine oberflächliche Bestandsaufnahme ist unzureichend, um die Probleme unserer Republik in praxisrelevanter Weise in den Blick und in den Griff zu bekommen. Ein problemorientierter Ansatz kommt nicht ohne die abgewogene Bewertung der ermittelten soziologischen Phänomene aus. Weil es daran fehlt, hat die gesamte Politikwissenschaft z. B. die grotesken Auswüchse der Politikfinanzierung verschlafen, und es war einem Außenseiter der Disziplin vorbehalten, sie an die Öffentlichkeit zu bringen und ihre Eindämmung zu erzwingen.

Wertende Ansätze dürfen sich aber nicht in der Schwarz- Weiß-Fragestellung der Staatsrechtslehre (verfassungswidrig: ja oder nein) erschöpfen, sondern müssen auch rechts- und verfassungspolitische Fragestellungen mit abdecken. Die Metho den und Ergeb nisse zweier ganz unterschiedlicher Arten von Disziplinen: empirischer und normativer, müssen zusammengeführt und integriert werden. Solch interdisziplinäres Arbeiten ist selten. Das liegt an der methodischen Schwierigkeit, aber auch daran, dass die Probleme oft von den Mächtigen im Staat verursacht sind und ihre Behandlung die Qualität und Leistungsfähigkeit und letztlich die Legitimität der Machthaber betrifft, weshalb sie (und bestimmte bekannt parteinahe Wissenschaftsrichtungen mit ihnen) die Fragen ungern öffentlich thematisiert und problematisiert sehen (siehe S. 244).

Inhaltsangabe

1;Inhalt;6 2;Zur Einführung;12 3;I Volkssouveränität und Verfassung;16 3.1;1 Volkssouveränität: Usurpation durch die politische Klasse;16 3.2;2 Verfassung: Sicherung oder Gefährdung des Gemeinwohls?;23 3.3;3 Politische Klasse: Der heimliche Souverän;27 3.4;4 Norm und Wirklichkeit: Die Verfassung steht nur auf dem Papier;30 3.5;5 Repräsentation und Partizipation: Dichtung statt Wahrheit;36 3.6;6 Selbstbedienung: Entscheidung der Politik in eigener Sache;38 4;II Wahlen;40 4.1;1 Wahlen: Das entwertete Fundamentalrecht der Bürger;40 4.2;2 Wahl von Abgeordneten: Inszenierter Schein;43 4.3;3 Europa: Wahl ohne Auswahl;47 4.4;4 Wahlbeteiligung: Stell’ dir vor, es sind Wahlen, und keiner geht hin;49 4.5;5 Diskriminierung von neuen Parteien und Wählergemeinschaften: Politik als Closed Shop;52 4.6;6 Fünf-Prozent-Klausel: Willkommene Barriere gegen Konkurrenz;58 4.7;7 Europäische Union: Eine Scheindemokratie;65 4.8;8 Vorwahlen: Wider das Monopol der Parteien;69 4.9;9 Begrenzung der Amtszeit: Zwei Wahlperioden sind genug;71 5;III Direkte Demokratie;74 5.1;1 Direkte Demokratie: Deutschland, ein Entwicklungsland;74 5.2;2 Wie die politische Klasse den Souverän verachtet: Hamburger Lehrstück in Machtmissbrauch;82 5.3;3 Reform der Kommunalverfassung: Die legale Revolution;85 5.4;4 Direktwahl des Ministerpräsidenten: Eine Antwort auf das Fünf- Parteien- System;90 6;IV Politische Parteien;93 6.1;1 Parteibuchwirtschaft: Die Kolonisierung von Staat und Verwaltung;93 6.2;2 Staatliche Parteienfinanzierung: Die Verfassungsväter würden sich im Grabe drehen;99 6.3;3 Parteien im Schlaraffenland: Und sie wollen immer mehr;105 6.4;4 Parteisteuern: Wie die Parteien ihre Zöglinge melken;112 6.5;5 Spenden an Parteien und Abgeordnete: Institutionalisierte Korruption;115 6.6;6 Parteistiftungen: Die gesetzlosen Sechs;121 6.7;7 Der Parteienstaat: Leibholz’ schweres Erbe;125 6.8;8 Parteiinterne Ochsentour: Lebensferne Tretmühle zur Macht;127 6.9;9 Politische Parteien: Korrupte Organisationen?;130 7;V Abgeordnete;139 7.1;1 Abgeordnete: Parteifunktionäre statt Volksvertreter;139 7.2;2 Diätenerhöhung: Wie Abgeordnete sich selbst bedienen und die Wahrheit verdrehen;141 7.3;3 Zusatzeinkommen von Abgeordneten: Volle Publikation unerlässlich;150 7.4;4 Landtagsabgeordnete: Volle Bezahlung für Halbtagsjob;153 7.5;5 Freiheit des Mandats: Ein schöner Traum;158 7.6;6 Parlamentarische Unverantwortlichkeit von Abgeordneten: Ein überholtes Vorrecht;161 7.7;7 Abgeordnetenmitarbeiter: Missbrauch von Steuergeld;163 7.8;8 Europäische Union: Schlaraffenland für Politiker und Parteien;165 7.9;9 Berufspolitiker: Dilettanten im Amt?;169 7.10;10 Entschädigung: Der Stein der Weisen;172 8;VI Parlamente;176 8.1;1 Die demokratische Legitimation des Bundestags: Eine bloße politische Formel;176 8.2;2 Verbeamtung: Die sogenannte Repräsentation des Volkes;179 8.3;3 Der lange Arm der politischen Klasse: Der Wissenschaftspreis des Bundestags;182 8.4;4 Europaparlament: Kein Parlament;186 8.5;5 Sofortmaßnahmen: Gegen Unverantwortlichkeit und Verdrossenheit;188 9;VII Gewaltenteilung;191 9.1;1 Erosion der Gewaltenteilung: Eine rechtsstaatlich- demokratische Bankrotterklärung;191 9.2;2 Minister als Abgeordnete: Ein unmöglicher Spagat;195 9.3;3 Staatsanwälte: Am Zügel der Politik;197 9.4;4 Parteienfinanzierung: Scheinkontrolle durch das Bundesverfassungsgericht;201 9.5;5 Hofkommissionen: Irreführung der Öffentlichkeit;204 9.6;6 Bundespräsident: Von der Macht eines Machtlosen;208 10;VIII Föderalismus und Bundesländer;212 10.1;1 Neugliederung der Bundesländer: Versagen aus Opportunismus;212 10.2;2 Der gefesselte Riese: Konstitutionelle Lähmung der Republik;215 10.3;3 Perversion der Politik: Organisierte Unverantwortlichkeit;218 11;IX Gerichte;222 11.1;1 Prozesse von endloser Dauer: Wer richtet die Richter?;222 11.2;2 Richter: Ohne Verantwortung?;226 11.3;3 Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen: Der Deal im Strafprozess;228 12;X Wissenschaft und Schulen;233 12.1;1 Wissenschaft an den Problemen vorbei: Warum Staatsrechtslehre und Politikwissenschaft versagen;233 12.2;2 Staatsrechtslehre: Nicht ohne faschistische U-Boote;235 12.3;3 Schulen und Lehrer: Vernachlässigung des Wichtigsten;237 13;XI Medien;240 13.1;1 Die vierte Gewalt: Ein Teil des Problems;240 13.2;2 Politische Korrektheit: Öffentliches Leugnen privater Wahrheit;243 13.3;3 Talkshows: Fernsehen als Parlamentsersatz?;246 13.4;4 Außen- und Europapolitik: Mediale Inszenierung;247 14;XII Folgen der Wiedervereinigung;250 14.1;1 Die verspielte Einheit: Aus Machtstreben und Gewinngier;250 14.2;2 Die sogenannte Bodenreform: Unrecht aus Opportunität;255 15;XIII Wirtschaft;258 15.1;1 Der Mittelstand: Zwischen allen Stühlen;258 15.2;2 Überzogene Vorstandsgehälter trotz Misswirtschaft: Wer kontrolliert die Wirtschaftsbosse?;260 15.3;3 Diener vieler Herren: In der Wirtschaft ganz normal?;267 15.4;4 Kontrollierte Kontrolleure: »Gleichschaltung« von Betriebsräten;269 15.5;5 Strompreise in Deutschland: Gegen die Konzerne scheint kein Kraut gewachsen;273 15.6;6 Landesbanken: Vom Prestigeinstitut zum Klotz am Bein;275 15.7;7 Funktionäre: Unselige Macher in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden;278 16;XIV Lobbying und Pluralismus;281 16.1;1 Lobbying: Zwischen Notwendigkeit und Missbrauch;281 16.2;2 Pluralismus: Wunsch und Wirklichkeit;286 17;XV Korruption;290 17.1;1 Politische Korruption: In Deutschland erlaubt;290 17.2;2 Pantouflage: Wie man sein Amt ungestraft zu Geld macht;293 17.3;3 Sponsoring der öffentlichen Hand: Zwischen Wohltätigkeit, Werbung und Korruption;296 17.4;4 Whistleblower: Denunziant oder Anwalt des öffentlichen Interesses?;297 17.5;5 Flick-Skandal: Sturz einer Regierung;299 18;XVI Zukunft unserer Kinder;302 18.1;1 Mangelnde Nachhaltigkeit: Das strukturelle Defizit;302 18.2;2 Staatsverschuldung: Geißel der Nationen;306 18.3;3 Dinks (Double income, no kids): Verweigerung der Verantwortung;310 18.4;4 Kinderwahlrecht: Institutionelle Stärkung der Zukunft;312 19;Des Buches roter Faden;315 20;Zum Schluss: 16 Thesen;342 21;Personenregister;346 22;Sachregister;352