Das Mädchen und der Leibarzt (eBook) - Sina Beerwald

Sina Beerwald 

Das Mädchen und der Leibarzt (eBook)

Historischer Roman

eBook
 
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Das Mädchen und der Leibarzt (eBook)

Wie weit kann man gehen, um andere zu retten?

Quedlinburg im 18. Jahrhundert. Die Hebamme Helena sieht den Schwarzen Tod um sich greifen. Angesichts des Leids schwört sich die wissbegierige junge Frau, ein Gegenmittel zu finden. Am Kloster darf sie auf Geheiß der Fürstäbtissin bei dem Stiftsarzt in die Lehre gehen. Dieser wehrt sich gegen eine Frau als Medicus. Als Helena fast am Ziel ist, muss sie dafür nicht nur das Leben ihrer großen Liebe aufs Spiel setzen, sondern auch ihr eigenes. Wie weit kann sie gehen, um andere Menschen zu retten?


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2011
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 464
  • Best.Nr. des Verlages: 756/05436
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641054366
  • ISBN-10: 3641054362
  • Best.Nr.: 33240502
Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen. Nach ihren erfolgreichen Romanen "Die Goldschmiedin", "Die Herrin der Zeit" und "Das blutrote Parfüm" liegt mit "Das Mädchen und der Leibarzt" nun ihr vierter historischer Roman vor.

Leseprobe zu "Das Mädchen und der Leibarzt (eBook)" von Sina Beerwald

KAPITEL 19 (S. 281-282)

Könntet ihr euch bitte wie gesittete Stiftsbesucher benehmen? Und nicht wie Flüchtlinge?« Der Diener hastete hinter ihnen her. »So müssen wir ja auffallen.« »Ich bin auf der Flucht!«, rief Helena übermütig. »Ich darf so schnell gehen, wie ich will.« Nun rächte es sich, dass sie in letzter Zeit kaum etwas gegessen hatte. Ihr war schwindelig, sie hatte keine Kraft in den Beinen und keuchte die schmalen, ausgetretenen Kellerstufen hinauf, um zum Sternenzimmer zu gelangen.

Als sie das erste Stockwerk erreicht hatten, erhob sich vom Hof her ein mächtiges Donnern wie aus einer Kanone, das die Mauern erzittern ließ. Starr vor Schreck fühlten sie das Beben. Einen Augenblick später war alles wieder ruhig und friedlich, als sei nichts gewesen. Helena fasste sich als Erste. Von den anderen umringt riss sie ein Fenster zum Stiftshof auf. Kühler Wind schlug ihr entgegen, und sie schauderte. Auf dem Hof war nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Doch, und genau das war seltsam. Niemand war zu sehen! Nicht einmal ein Tier. Kein Huhn, keine Katze. Es war, als hielten sich alle versteckt. Mitten in diese gespenstische Ruhe dröhnte ein zweites Donnern, kurz darauf gefolgt von einem dritten und vierten Schlag.

»Hört ihr die Musik?«, wisperte Lukas. Er hielt den Finger an die Lippen. »Trompeten … und Pauken. Hört ihr das?« »Lukas …« Helena überfuhr ein glühend heißer Schwall. »Was ist heute für ein Tag?« »Gütiger Gott!«, entfuhr es Borginino. »Heute ist der dritte Tag des Dezembers«, sagte Lukas. Sie drängten sich zu viert an das offene Fenster. Als die ersten Reiter zu sehen waren, hoben die Stiftsglocken zu einem gewaltigen Geläut an. Laute und leise, dunkle und helle Töne schlugen wild durcheinander, um den König und sein Gefolge zu empfangen. Die Kavallerie ritt ein und verteilte sich auf dem Hofplatz.

Die Männer, allesamt auf dunklen Pferden, trugen Uniformen aus blauem Rock und Weste, dazu helle Kniebundhosen und blankpolierte Stiefel. Es waren wohl annähernd fünfundzwanzig Pferde, einige davon tanzten mit bebenden Nüstern aus der Reihe und mussten von einem oder sogar zwei Infanteristen am Zügel zurück in die Reihe geführt werden. Mit großer Mühe gelang es der Kavallerie schließlich, auf dem Hof einen Halbkreis zu bilden. Die Infanteristen stellten sich davor auf, schulterten ihre Gewehre, und die Kavalleristen hoben ihre goldglänzenden Trompeten und bliesen eine Fanfare.

Trotz der Entfernung glaubte Helena plötzlich einige bekannte Gesichter unter den Hüten zu erkennen. Der Mann, der besonders aufrecht auf dem Pferderücken saß, konnte nur der Stallmeister des Stifts sein. Er hielt sein Pferd so straff am Zügel, dass es Schaum vor dem Maul hatte. Die schmächtige Gestalt, die als Infanterist vor ihm stand, erinnerte Helena unweigerlich an den Torwächter. »Sagt mal, da sind doch Diener aus dem Stift unter den Uniformierten!« »Ich sehe auch Bürger aus der Stadt unter den Infanteristen«, rief Lukas und lehnte sich weiter aus dem Fenster. Ernestine schlug sich vor die Stirn.