Antisemitismus wird als etwas Monströses, als Inbegriff der
Unmenschlichkeit schlechthin angesehen - und das zu Recht. Wer
Antisemitismus denkt, denkt auch an Auschwitz. Diese Einstellung
erschwert aber häufig eine differenzierte Analyse dieses Phänomens,
das für die europäische Geschichte zumindest der ersten Hälfte des
vergangenen Jahrhunderts so fatal prägend war. Christoph Nonn
unterzieht den Antisemitismus nun einer detaillierten Untersuchung
und zeichnet nach, welche Erklärungsversuche es für die
wesentlichen Themenfelder gibt. Er beschreibt die
Forschungsdiskussion zur Vorgeschichte des Judenhasses, die
verschiedenen Erklärungen zu seiner Ursache und zum Antisemitismus
im internationalen Vergleich. Bedeutsam ist seine Analyse der
Diskussion zum deutschen Antisemitismus vor 1933 und während des
Nationalsozialismus. Aber auch die Judenfeindschaft nach 1945 und
in der arabischen Welt wird berücksichtigt. Wer sich vertieft mit
dem Antisemitismus und seinen Wurzeln beschäftigt, kommt an dieser
Untersuchung nicht vorbei.
Christoph Nonn ist Professor für Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Von ihm erschien unter anderem "Eine Stadt sucht einen Mörder. Gerücht, Gewalt und Antisemitismus im Kaiserreich" (2002) und "Das 19. und 20. Jahrhundert" (2007).