Die Quandts (eBook) - Jungbluth, Rüdiger
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Rüdiger Jungbluth 

Die Quandts (eBook)

eBook
 
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Die Quandts (eBook)

Die mächtigste Industriellenfamilie Deutschlands lebt abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Mit unternehmerischem Geschick und politischem Kalkül errichtete sie im 20. Jahrhundert ein riesiges Firmenimperium - doch ihren Namen kennen nur wenige. Rüdiger Jungbluth enthüllt die faszinierende und tragische Geschichte der geheimnisvollen Familie Quandt.

Wer sind die Quandts?

Die mächtigste Industriellenfamilie Deutschlands lebt abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Mit unternehmerischem Geschick und politischem Kalkül errichtete sie im 20. Jahrhundert ein riesiges Firmenimperium. Rüdiger Jungbluth enthüllt die weitgehend unbekannte Geschichte der Familie Quandt.

»Das Interesse von Frau Quandt, in einem Buch vorzukommen, tendiert gegen Null«, ließ Johanna Quandt dem Autor mitteilen. Und ihre Nichte Gabriele Quandt-Langenscheidt unterstrich: »Wir können gut ohne ein Buch über uns leben.« Erst als deutlich wurde, dass Rüdiger Jungbluths Buch über die Quandts auch ohne das Zutun der Familie erscheinen würde, waren einige ihrer Mitglieder schließlich doch noch zu Gesprächen bereit.

»Erstmals überhaupt«, so Jungbluth, »sprachen sie über ihre Erziehung und ihr Erbe. Sie gaben Auskunft über ihre Arbeit und ihre Absichten im Aufsichtsrat von BMW und äußerten sich zum Einfluss der Quandts auf den Batteriekonzen VARTA. Und sie sprachen über ihr Verhältnis zur Geschichte der Familie, in der sich so mannigfaltig wie in keinem anderen einflussreichen Unternehmerclan die Geschichte der Deutschen im vergangenen Jahrhundert widerspiegelt – und die ebenso ambivalent ist.«
Uniformschneider des Kaisers, Waffenschmiede der Nazis, Motor des Wiederaufbaus nach dem Krieg und des vereinigten Deutschland: Über vier Generationen erstreckt sich die Erfolgsgeschichte der Familie Quandt. Neben BMW gehören VARTA, die Pharmafirma Altana, internationale Vermögensverwaltungsfirmen, eine Vielzahl von Industriebeteiligungen und ein gewaltiger Immobilienbesitz zum Quandt-Imperium. Zu den hundert reichsten Deutschen zählen allein acht Familienmitglieder der Quandts.

Der Erfolg der Familie ist ein Lehrstück über das Zusammenspiel von Familientradition, Wirtschaft und Macht in Deutschland. Von allen Unternehmerdynastien gelang es allein den Quandts, ihr Imperium immer wieder erfolgreich weiterzuvererben.

Der Autor

Rüdiger Jungbluth studierte Volkswirtschaft und absolvierte die Journalistenschule in Köln. Zwischen 1992 und 2000 arbeitete er als Wirtschaftskorrespondent bei Stern und Spiegel, danach war er stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Net Business. Gegenwärtig arbeitet er als Autor für Max.          



Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593402437
  • ISBN-10: 3593402432
  • Best.Nr.: 25789633
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.08.2002

Wirtschaftsbuch
Von der Macht
einer Familie
Sie gehören zu den reichsten, nicht aber zu den berühmtesten Unternehmern in Deutschland. Die Angehörigen der Quandt-Dynastie ziehen im Hintergrund die Fäden weltweit renommierter Unternehmen, treten aber selten und ungern selbst in das Licht der Öffentlichkeit. Damit stehen sie in der Tradition Günther Quandts, der als Gründer des Quandt-Imperiums zu den erfolgreichsten Unternehmern der deutschen Wirtschaftsgeschichte gehört.
In seinem Buch zeichnet Rüdiger Jungbluth als erster die Entwicklung der reichsten Industriellenfamilie Deutschlands nach. Dabei gelingt es ihm, in angenehm lesbaren Stil einige der zahlreichen Fäden der Zeitgeschichte aufzunehmen, mit denen die Familiengeschichte der Quandts verwoben ist, ohne von seinem Ziel eines Porträts abzuweichen.
Was in einer Textilfabrik im brandenburgischen Pritzwalk mit der Herstellung von Uniformen in der frühen Kaiserzeit begann, entwickelte sich im Laufe von vier Generationen zu einer ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Der junge Günther Quandt war es, der die enormen Gewinne aus dem Ersten Weltkrieg über die Grenzen der Textilbranche hinaus in …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.11.2002

Erfolg und Schicksalsschläge
Die erste Biographie: Der Aufstieg der Unternehmerdynastie Quandt

Rüdiger Jungbluth: Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands. Campus Verlag, Frankfurt 2002, 391 Seiten, 24,90 Euro.

Am Anfang war der Staat. Der Aufstieg der Quandts, der reichsten Unternehmerdynastie in Deutschland, begann inmitten der großen Depression nach dem "Gründerkrach" 1873. Durch eine glückliche Heirat trat damals der Textilunternehmer Emil Quandt auf die Bühne des Wirtschaftslebens. Persönlicher Ehrgeiz verband sich mit einem hohen technischen Stand der Fabrik in der Mark Brandenburg. Das allerdings genügte nicht: "Noch wichtiger für das wirtschaftliche Überleben war, daß die Firma ihre Stoffe fast ausschließlich für einen finanzstarken Großabnehmer produzierte: den Staat." Das schreibt Rüdiger Jungbluth in der ersten Biographie über die Quandts und ihren Aufstieg, der sich auch in der vierten Generation (in einem Familienzweig) fortsetzt. Emil Quandts Tuchfabrik stattete die vom Kaiser gehätschelte Marine mit Uniformstoffen aus.

Die Quandts waren in den ersten Generationen …

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Die Geschichte einer großen deutschen Industriellen-Dynastie<br /> Der Glamour, der die Reichen und Mächtigen seit jeher umgibt, das war nie ihre Sache. Kein Wunder also, dass der Name Quandt erst seit Herbert Quandts spektakulärem Einsteig bei BMW in der breiten Öffentlichkeit ein Begriff wurde. Seit rund hundert Jahren spielen die Quandts eine nicht zu unterschätzende Rolle in der deutschen Wirtschaft. Mit seinem Portrait <em>Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands</em> hat Rüdiger Jungbluth erstmals die Geschichte der Quandts und ihres Firmen-Imperiums detailliert nachgezeichnet.<br /> Es begann in einer kleinen Tuchfabrik...<br /> ... in Pritzwalk, einer Stadt in Brandenburg. Emil Quandt, Sohn niederländischer Einwanderer, arbeitete sich mit viel Sinn fürs Geschäft vom Lehrling bis zum Unternehmer hoch. Schon damals war der Staat der wichtigste Kunde der Firma; Quandt war Lieferant der Marine und damit unabhängig von der Konjunktur.<br /> Die Ära unter Günther Quandt und seinen Söhnen<br /> Ehrgeizig, weltoffen und geschäftstüchtig - Günther Quandt war der geborene Unternehmer. Mit den Gewinnen, die er in der Materialschlacht des I. Weltkriegs verbuchen konnte, stieg er während der Weimarer Republik in große Schlüsselindustrien wie den Bergbau ein, und - wichtiger noch - in die Accumulatoren-Fabrik AG, aus der die VARTA hervorging, die die Batterien für U-Boote und auch die Zünder der V-Waffen herstellte.<br /> Mehr als nur eine Episode war seine Ehe mit Magda Ritschel, der späteren Magda Goebbels, die ihn in eine gefährliche Nähe zu Hitler brachte. "Entlastet", "Mitläufer" oder als führender Rüstungs-Unternehmer mitschuldig am Tod von Millionen Menschen? Für Günther Quandt ging es mehr als nur um seine Person, sein Lebenswerk stand auf den Spiel... Die Kapitel, die sich mit seiner Unternehmenspolitik in den 40er und 50er Jahren befassen, gehören zu dem Aufschlussreichsten, was dieses Buch zu bieten hat; sie sind auch in Hinblick auf den Wiederaufbau, als seine Söhne Harald und Herbert den Konzern übernahmen, von großen Interesse.<br /> Die Erben-Generation und die Entstehung dieses Buches<br /> Harald und Herbert Quandts Erben halten heute die Fäden in der Hand. Weltoffenheit, Ehrgeiz, betriebswirtschaftliches und technisches Know-how und eine ausgeprägte Scheu vor den Medien sind bis heute ihr Markenzeichen. Doch auch das ist Kalkül, urteilt Rüdiger Jungbluth - so können die Quandts immer wieder Überraschungs-Coups landen.<br /> Was im Geschäftsleben sinnvoll ist, kann eine seriöse Berichterstattung behindern. Die Quandts haben bei der Entstehung des Buches nicht direkt mitgewirkt, sondern dem Autor nur die sonst nicht zugänglichen Biografien über Herbert und Harald und die Autobiografie von Günter Quandt einsehen lassen. Darüber hinaus konnte er auf Firmen-Chroniken zugreifen und sprach mit ehemaligen Vertrauten wie z.B. dem Ex-BMW-Chef Eberhard von Kuenheim. Rüdiger Jungbluths kritischem Umgang mit den Quellen ist es zu verdanken, dass ihm mit <em>Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands</em> ein ausgewogenes, sehr kenntnisreiches Buch gelungen ist, das trotz der komplexen Thematik überraschend gut zu lesen ist. (Birgit Kuhn)

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Das Porträt einer reichen und mächtigen Unternehmerfamilie hat der Autor erfolgreich nachgezeichnet, findet Matthias Kroll, und dabei auch wichtige Elemente der Zeitgeschichte nicht ausgelassen. So kommen nicht nur die erfolgreich navigierten Übernahme- und Erbschaftsdramen seit der wilhelminischen Ära bis heute zu ihrem Recht. Besonders ausführlich und spannend geraten ist zudem die Darstellung der dunkleren Seiten der Geschichte, wie Profitsicherung durch Zwangsarbeit in der NS-Zeit, so Kroll; die unpublizierten Memoiren Günther Quandts, die im Zusammenhang mit der Entnazifizierung entstanden, erwähnt der Rezensent als wichtige Quelle für die Arbeit an dem entsprechenden, wichtigen Kapitel.

© Perlentaucher Medien GmbH

" Wer sind die Quandts?<br/><br/>Die mächtigste Industriellenfamilie Deutschlands lebt abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Mit unternehmerischem Geschick und politischem Kalkül errichtete sie im 20. Jahrhundert ein riesiges Firmenimperium. Rüdiger Jungbluth enthüllt die weitgehend unbekannte Geschichte der Familie Quandt.<br />"Das Interesse von Frau Quandt, in einem Buch vorzukommen, tendiert gegen Null", ließ Johanna Quandt dem Autor mitteilen. Und ihre Nichte Gabriele Quandt-Langenscheidt unterstrich: "Wir können gut ohne ein Buch über uns leben." Erst als deutlich wurde, dass Rüdiger Jungbluths Buch über die Quandts auch ohne das Zutun der Familie erscheinen würde, waren einige ihrer Mitglieder doch zu Gesprächen bereit.<br/><br/>"Erstmals überhaupt", so Jungbluth, "sprachen sie über ihre Erziehung und ihr Erbe. Sie gaben Auskunft über ihre Arbeit und ihre Absichten im Aufsichtsrat von BMW und äußerten sich zum Einfluss der Quandts auf den Batteriekonzen Varta. Und sie sprach en über ihr Verhältnis zur Geschichte der Familie, in der sich so mannigfaltig wie in keinem anderen einflussreichen Unternehmerclan die Geschichte der Deutschen im vergangenen Jahrhundert widerspiegelt - und die ebenso ambivalent ist."

Seit vier Generationen ist die Familie Quandt eine gestaltende Kraft am Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Biographie über diesen weithin unbekannten Clan liefert einen Galopp durch die deutsche Wirtschaftsgeschichte der vergangenen 130 Jahre, Einblick in die personellen und finanziellen Verflechtungen der "Deutschland AG" und Erkenntnisse über Motive und Denkweise deutscher Unternehmer. Über die mächtigste Wirtschaftsdynastie Deutschlands war bislang wenig bekannt. Das ändert sich mit diesem Buch: Nicht nur wegen gut aufbereiteten Archivrecherche, sondern auch, weil einige Familienmitglieder das Schweigen brachen und mit dem Autor sprachen. Rüdiger Jungbluth glückt es hervorragend, die Balance zu halten zwischen Familien- und Firmenhistorie, zwischen kritischer Distanz und Anerkennung der unternehmerischen Leistung. Das Ergebnis geht weit darüber hinaus, nur eine Familie zu porträtieren. getAbstract.com empfiehlt dieses sehr lesenswerte Buch allen an Wirtschaftsgeschichte Interessierten.
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Rüdiger Jungbluth studierte Volkswirtschaft und absolvierte die Journalistenschule in Köln. Zwischen 1992 und 2000 arbeitete er als Wirtschaftskorrespondent bei Stern und Spiegel, danach war er stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Net Business. Gegenwärtig arbeitet er als Autor für Max.

Leseprobe zu "Die Quandts (eBook)" von Rüdiger Jungbluth

10. »Keiner passt so gut wie Sie« Quandts Einstieg in eine siechende Rüstungsfirma
(S. 85-86)

Wenn es der Wahrheit entspricht, was Günther Quandt über seinen Einstieg bei den Berlin-Karlsruher Industriewerken geschrieben hat, hat er sich selbst um dieses Unternehmen in keiner Weise bemüht, sondern andere große Aktionäre waren daran interessiert, ihn an der Spitze dieser Firma zu sehen. Ob das die Wahrheit ist, ist aber sehr zweifelhaft. Denn Günther Quandt hatte nach dem Zweiten Weltkrieg einigen Grund, sein Engagement gerade für dieses Unternehmen kleiner erscheinen zu lassen, als es tatsächlich war.
Den zivil klingenden Namen Berlin-Karlsruher Industriewerke hatte die Firma erst 1922 bekommen. In den 26 vorhergehenden Jahren hatte das Unternehmen Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) geheißen und war einer der größten deutschen Rüstungskonzerne des Landes gewesen. Seine Geschichte reichte zurück bis zum Deutsch-Französischen Krieg.

Nach Quandts Darstellung suchte ihn im Juni 1928 der Bankier Paul Hamel vom Bankhaus Sponholz auf. Er war seit 1923 im Aufsichtsrat der Accumulatoren-Fabrik. Seit ihrem gemeinsamen Vorgehen bei der Übernahme der AFA waren die beiden befreundet. Jetzt wollte der Bankier von Quandt wissen, ob er Aktien der Berlin-Karlsruher Industriewerke besäße. Günther Quandt besaß tatsächlich einige Anteile, allerdings viel zu wenig, um irgendeinen Einfluss auszuüben. Der Grund für Hamels Frage war, dass der Bankier wieder einmal dabei war, einen Kreis von Aktionären gegen die Geschäftsführung eines Unternehmens in Stellung zu bringen. Bei den Berlin-Karlsruher Industriewerken war es allerdings keine Kapitalerhöhung, die Hamel blockieren wollte, sondern eine Herabsetzung. Der Chef des Unternehmens, ein Generaldirektor namens Paul von Gontard, plante das Grundkapital zu halbieren. Für die Aktionäre hätte das zur Folge gehabt, dass die Dividenden geringer ausgefallen wären. Hamel hatte den Eindruck gewonnen, dass die Firma noch über ausreichende Reserven verfügte, sodass ein Kapitalschnitt nicht zwingend war. Zudem hatte er Annoncen in die einschlägigen Zeitungen setzen lassen, um Aktionäre zu finden, die mit ihm auf der Generalversammlung gegen die Vorschläge der Firmenspitze stimmten. Auch Günther Quandt erklärte sich bereit, dem Bankier zu diesem Zweck die Stimmrechte aus seinem Aktienbesitz zu übertragen. Hamel hatte noch weitergehende Pläne. Wenn es tatsächlich gelingen sollte, eine Mehrheit gegen das Establishment des Unternehmens in der Kapitalfrage zu mobilisieren, wäre es doch naheliegend, darauf eine dauerhafte Machtposition in der Firma zu gründen. Er selbst strebte in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Und er glaubte, es ließe sich in Verhandlungen noch ein weiterer Sitz in dem Kontrollgremium herausholen.

Daher fragte er Quandt: »Würden Sie mit mir einen Sitz im Aufsichtsrat annehmen?« Dessen Antwort: »Ich habe keine Bedenken.« Zur Generalversammlung der Berlin-Karlsruher Industriewerke strömten die Aktionäre an einem Sonnabend im Juli 1928 zusammen. Quandt war zu Hause, als ihn mittags ein Anruf Hamels erreichte. Aufgeregt berichtete der Banker vom unerwarteten Verlauf der Versammlung. Die von Hamel angeführte Aktionärsopposition hatte eine so große Mehrheit gegen die Verwaltung mobilisiert, dass der gesamte Aufsichtsrat des Unternehmens zurückgetreten war. Daraufhin war die Versammlung unterbrochen worden. Ein komplett neuer Aufsichtsrat musste gewählt werden. Hamel wollte von Quandt wissen, ob er noch einen weiteren Vertrauten wüsste, den man in das Kontrollgremium entsenden könnte. Quandt schlug seinen Vetter und Berater Kurt Schneider vor.

Gegen zwei Uhr klingelte bei Quandt erneut das Telefon, es war wieder Hamel. Der neue Aufsichtsrat sei gewählt und halte bereits eine konstituierende Sitzung ab. »Können Sie sich gleich mal in den Wagen setzen und herüberkommen?« Günther Quandt machte sich auf den Weg in die Dorotheenstraße, wo die Berlin-Karlsruher Industriewerke ihre Geschäftsräume hatten. Als er die Tür zum Sitzungszimmer öffnete, kamen ihm die Herren entgegen: »Wir gratulieren Ihnen, Herr Quandt« – »Aber wozu denn?« – »Wir haben Sie soeben zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt.«


Leseprobe zu "Die Quandts (eBook)" von Rüdiger Jungbluth

9. Kapitel "Es war ein Verhängnis"

Entfremdung und ein Schicksalsschlag

Während es wirtschaftlich für Quandt immer weiter bergauf ging, während sein Vermögen von Tag zu Tag wuchs, häuften sich in der Familie die Probleme und Sorgen. Die drei Schulze-Kinder, die Quandt aufgenommen hatte, waren allesamt schwierig und nach Einschätzung des Hausherrn "wenig erzogen". Zu dessen besonderem Verdruss übte der 15jährige Jochen Schulze einen unseligen Einfluss auf den gleichaltrigen Herbert Quandt aus. Die beiden Jungen rauchten bis zu zwanzig Zigaretten pro Tag, wie der Vater alsbald herausfand.

Magda Quandt, erst 23 Jahre alt, war mit der familiären Situation überfordert. Quandt zeigte durchaus Verständnis für ihre Lage, die er später so beschreiben sollte. "Ist es für eine junge Frau schon schwer, zwei große Jungen aus der früheren Ehe ihres Mannes aufzuziehen, so wird die Aufgabe nicht geringer, wenn ein eigenes Kind dazukommt. Wenn dann aber noch drei fremde Kinder miterzogen werden sollen, so geht das über die Kraft." Praktische Hilfe konnte sie von ihrem vielbeschäftigten Mann nicht erwarten. Quandt verließ morgens um sieben das Haus, um nach Berlin zu fahren, blieb zum Mittagessen meist in der Stadt, und kam abends spät nach Hause. Oft blieb er auch über Nacht in Berlin, um sich die Fahrt nach Neubabelsberg zu ersparen, und übernachtete in dem Haus an der Frankenallee.

Während dieser Zeit entfremdeten sich die Eheleute, die einander vermutlich nie sehr nahegestanden haben, weiter. Das Zusammenleben wurde nicht leichter dadurch, dass Quandt nicht in seinen Versuchen nachließ, die junge Frau zu erziehen. Ihm missfiel ihre Angewohnheit, im Morgenrock zu frühstücken. Für ihn, einen Mann, den das Kaiserreich geprägt hatte, war das ein Ausdruck innerer Haltlosigkeit. Er kritisierte, dass sie Schwierigkeiten stets auf sich zukommen lasse, statt sie vorausschauend aus dem Weg zu räumen. Magda empfand ihren Mann häufig als kaltherzig, auch im Umgang mit seinen Kindern. Zur Herbert Quandts 16. Geburtstag bekam der Junge außer zahlreichen Geschenken vom Vater einen Umschlag. Darin befand sich eine Briefkarte, auf die Günther Quandt geschrieben hatte: "Meinem lieben Herbert eine weitere Gabe von RM 25,- für jeden Monat innerhalb des nächsten Jahres, in dem er keine Zigarette raucht." Herbert reagierte unerwartet sensibel. Still setzt er sich in eine Ecke, überlas den Inhalt immer und immer wieder. "Tränen kamen in seine Augen", beobachtete der Vater. Magda Quandt warf ihrem Mann vor, dem Sohn das Geburtstagsfest verdorben zu haben. Er selbst sah in dem Geldangebot einen "vielleicht nicht schönes, sehr anspruchsvolles, aber erfreulicherweise wirksames Mittel", denn Herbert Quandt entschied sich am Ende für das Geld und gegen das Rauchen.

Es lag wohl nicht nur an dem Altersunterschied von zwanzig Jahren, dass es Günther Quandt schwerfiel, seine Frau als gleichberechtigte Partnerin zu akzeptieren. Es entspracht wohl auch nicht seinem Wesen. Sie wiederum war nicht die Frau, die bereit gewesen wäre, sich ihm klaglos unterzuordnen. Dazu war sie zu selbstbewusst. Ihr Biograf Hans-Otto Meissner schreibt: "Wäre Magda ein weicher Mensch, eine zärtliche anschmiegsame Frau, was sie eben nicht ist, könnte alles anders sein. Dann hätte sie gelegentlich vor ihm geweint oder ihn umschmeichelt, hätte vermutlich vermocht, weiche Gefühle in ihm zu erwecken. Aber sie kann das nicht. Schon ihr Stolz läßt nicht zu, dass sie verborgene Gefühle zeigt, vielleicht gar eine Schau daraus macht."

Gemeinsame Gesprächsthemen fehlten den Eheleuten. Allabendlich ließ sich Quandt zwar von seiner Frau vortragen, was es bei den Kindern Neues gab. Es kam ihm aber nicht in den Sinn, sie an seinem Leben teilhaben zu lassen. Der Unternehmer schwebte in anderen Sphären. Er arbeitete unermüdlich an der Verwirklichung seines großen Vorhabens. Er war dabei, sich ein industrielles Königreich zu schaffen und auf diese Weise den Namen der Familie zu verewigen. Er war längst reich genug und musste sich um materielle Dinge keine Gedanken mehr machen. Günther Quandt hatte begonnen, an einem Lebenswerk zu arbeiten, einem Gebilde, so groß und haltbar, dass es ihn selbst überdauern konnte - er dachte in Generationen.

Inhaltsangabe

Inhalt ... 7
Einleitung ... 11
1871 - 1918: Fabrikanten im Kaiserreich ... 15
"Mitglied eines siegreichen Volkes" ... 17
"Lernend und leitend zugleich" ... 27
"Feldzug der Materie" ... 33
1919 - 1933: Aufstieg in der Weimarer Republik ... 39
"Frühzeitig schweigen gelernt" ... 41
"Eine ausnehmend schöne Erscheinung" ... 46
"Böse Zeit der Inflation" ... 54
"Gelesen und genehmigt" ... 67
"Alle Sparten gründlich erlernt" ... 74
"Es war ein Verhängnis" ... 78
"Keiner passt so gut wie Sie" ... 85
"In gütlichem Einvernehmen" ... 90
"Was ihm im Leben zu tragen bestimmt war" ... 96
1933 - 1945: Rüstung für das Dritte Reich ... 105
"Eine schöne Frau mit Namen Quandt" ... 107
"Dem Führer ein Werk zur Verfügung stellen" ... 120
"Die Seele eines Kindes umerziehen" ... 136
"Von allen Plagen war die U-Boot-Plage die schlimmste" ... 160
"Erhebliches Maß an Mehrarbeit" ... 172
"Ich habe, industriell gesehen, mehr lernen können" ... 185
"Der Tod wird mit eingeplant und bewusst kalkuliert" ... 190
"Du wirst weiterleben..." ... 200
"Jahrelang auf das Schwerste verfolgt" ... 213
1945 - 1982: Ein deutsches Wirtschaftswunder ... 229
"Tiefstand verhältnismäßig schnell überwunden" ... 231
"Wir machten ja alle Geschäfte halbe/ halbe" ... 240
"Ich habe mich zu meinem Glück gezwungen" ... 248
"Nur die Familie Quandt versprach nichts" ... 263
"Ich bin kein Vergleich, ich bin ein Erbe" ... 271
"Er wünschte nicht, dass man ihm begegnete" ... 287
"Tradition aus egoistischer Kurzsichtigkeit zerbrochen" ... 296
"Mammi ist tot" ... 307
"Reinliche Trennung" ... 312
1982 - 2002: Die Generation der Erben ... 321
"Wollen wir für jede ein Päckchen schnüren?" ... 323
"Die Einflussnahme der Familie war zu klein" ... 338
"Kaufen wir Sie oder kaufen Sie uns?" ... 350
"Wir glauben, das Beste kommt noch" ... 356
"Es gibt einen Ehrgeiz, die Tradition weiterzuführen" ... 364
"Ein ziemlich geeigneter Eigentümer" ... 368
Epilog Das Geheimnis der Beständigkeit ... 374
Register ... 379
Quellen ... 387
Danksagung ... 391
Der Stammbaum der Quandts ... 392

Inhaltsangabe

Inhalt Einleitung

1871 - 1918 Fabrikanten im Kaiserreich 1."Mitglied eines siegreichen Volkes"

Uniformen für Preußen 2."Lernend und leitend zugleich"

Günther Quandts Lehr- und Herrenjahre 3."Feldzug der Materie"

Günther Quandts erster Krieg 1919 - 1933 Aufstieg in der Weimarer Republik
4."Frühzeitig schweigen gelernt" Der große Kalifeldzug
5."Eine ausnehmend schöne Erscheinung" Der Millionär und das Mädchen
6."Böse Zeit der Inflation" Der Angriff auf die Accumulatoren-Fabrik
7."Gelesen und genehmigt" Szenen einer Ehe
8."Alle Sparten gründlich erlernt"
Großaktionär in den Goldenen Zwanzigern
9."Es war ein Verhängnis" Entfremdung und ein Schicksalsschlag

10."Keiner passt so gut wie Sie" Quandts Einstieg in eine siechende Rüstungsfirma

11."In gütlichem Einvernehmen" Untreue und Scheidung im Hause Quandt

12."Was ihm im Leben zum Tragen bestimmt war" Herbert Quandts Jugend und die Weltwirtschaftskrise

1933 - 1945 Rüstung für das Dritte Reich 13."Eine schöne Frau mit Namen Quandt"

Aus Magda Quandt wird Magda Goebbels 14."Dem Führer ein Werk zur Verfügung stellen"

Günther Quandt und die Nationalsozialisten 15."Die Seele eines Kindes umerziehen"

Harald Quandts Jugend im "Dritten Reich" 16."Von allen Plagen war die U-Boot-Plage die schlimmste"
Akkumulatoren für den Endsieg

17."Erhebliches Maß an Mehrarbeit" Expansion und Zwangsarbeit

18."Ich habe, industriell gesehen, mehr lernen können" Herbert Quandt im "Dritten Reich" und im Krieg

19."Der Tod wird mit eingeplant und bewusst kalkuliert" Das Konzentrationslager bei der Akkumulatorenfabrik

20."Du wirst weiterleben..." Harald Quandt im Krieg

21."Jahrelang auf das Schwerste verfolgt" Die Entnazifizierung des Günther Quandt

1945 - 1982 Ein deutsches Wirtschaftswunder 22."Tiefstand verhältnismäßig schnell überwunden"

Wiederaufbau, Währungsreform, Generationswechsel 23."Wir machten ja alle Geschäfte halbe/halbe"

Die beiden Brüder und die Schlacht um Daimler 24."Ich habe mich zu meinem Glück gezwungen"

Herbert Quandt rettet BMW 25."Nur die Familie Quandt versprach nichts"

Die Rüstungsprojekte des Harald Quandt 26."Ich bin kein Vergleich, ich bin ein Erbe"

Tod eines Tausendsassas 27."Er wünschte nicht, dass man ihm begegnete"

Herbert Quandts neue Adelsmänner 28."Tradition aus egoistischer Kurzsichtigkeit zerbrochen"
Familienstreit und Vermögenstrennung im Hause Quandt

29."Mammi ist tot" Die Tragödie um Inge Quandt

30."Reinliche Trennung" Der gut geplante Erbfall des Herbert Quandt

1982 - 2002 Die Generation der Erben 31."Wollen wir für jede ein Päckchen schnüren?"

Die fünf reichen Töchter Harald Quandts 32."Die Einflussnahme der Familie war zu klein"

Wie das Varta-Erbe dahinschmolz 33."Kaufen wir Sie oder kaufen Sie uns?"

Johanna Quandts Weg vom Vorzimmer in den Aufsichtsrat 34."Wir glauben, das Beste kommt noch"

Susanne Klatten und der Aufstieg der Altana 35."Es gibt einen Ehrgeiz, die Tradition weiterzuführen"
Stefan Quandt und seine Delton-Gruppe

36."Die BMW-Begeisterung lebt in der vierten Generation fort" Die Quandt-Erben und die kurze Krise des Autokonzerns

Epilog Das Geheimnis der Beständigkeit

Register

Quellen Danksagung

Bildnachweise

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Bewertung von Burggraf am 22.12.2011 ***** ausgezeichnet
Sehr interessante Biografie über eine Wirtschaftsdynastie, die ohne Schlagzeilen auskommt.
Konnte kaum Pausen machen. Empfehlenswert.

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Einleitung (Kapitel 1)3 S.EUR 0,36
1871 - 1918: Fabrikanten im Kaiserreich (Kapitel 2)24 S.EUR 2,88
1919 - 1933: Aufstieg in der Weimarer Republik (Kapitel 3)66 S.EUR 7,92
1933 - 1945: Rüstung für das Dritte Reich (Kapitel 4)124 S.EUR 14,88
1945 - 1982: Ein deutsches Wirtschaftswunder (Kapitel 5)92 S.EUR 11,04
1982 - 2002: Die Generation der Erben (Kapitel 6)53 S.EUR 6,36
Epilog: Das Geheimnis der Beständigkeit (Kapitel 7)5 S.EUR 0,60
Register, Quellen und Danksagung (Kapitel 8)-EUR 0,00
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