Lesereise Ruhrgebiet - Schlepütz, Birgit

Birgit Schlepütz 

Lesereise Ruhrgebiet

Schichtwechsel im Bauch der Metropole

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Produktbeschreibung zu Lesereise Ruhrgebiet

»Aber hier riecht es nach Menschen «, schrieb Heinrich Böll über das Ruhrgebiet. Keine Charakterisierung trifft wohl besser zu auf einen der größten Ballungsräume Europas, der nur werden konnte, was er ist, weil Millionen Menschen seine Seele geprägt haben. Birgit Schlepütz ist durch das Ruhrgebiet gereist und hat Menschen getroffen und Orte aufgesucht, die von Anfängen, von Enden und vom historischen, kulturellen und persönlichen Wandel erzählen. Von einem Profikoch, der seinen Job schmeißt und zum Imbiss-Botschafter wird. Von Bergehalden, die zu Landschaftserlebnissen werden. Von einem Domkapitular, der in den wüsten Heiden um Oberhausen nach Raseneisenerz graben lässt und einen der größten Eisen- und Stahlstandorte begründet. Von einem Schlagerstar, der in einer Dortmunder Siedlung klingelt und das Leben einer Familie verändert. Von einer emanzipierten Frau aus der Biedermeierzeit, die Bücher über den Beruf der Jungfrau schreibt. Von einer stillgelegten Zeche, die zum Weltkulturerbe erhoben wird und den Menschen ihre Geschichte zurückgibt. Birgit Schlepütz erzählt von der Vielfalt, die wohl die tiefste Quelle der Originalität der Metropole Ruhr ist.

Produktinformation


  • Verlag: Picus Verlag
  • 2010
  • 1. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 132 S.
  • Seitenzahl: 131
  • Picus Lesereisen
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 116mm x 18mm
  • Gewicht: 212g
  • ISBN-13: 9783854529729
  • ISBN-10: 3854529724
  • Best.Nr.: 27983427
Birgit Schlepütz, geboren 1965 in Stolberg, Rheinland bei Aachen, studierte Geografie an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster mit dem Fokus Kultur und Tourismus. Nach dem Studium arbeitete sie im Marketing verschiedener Tourismusorganisationen, viele Jahre davon im Ruhrgebiet. Anschließend führte sie die Geschäfte eines Vereins und einer privaten Kulturstiftung. Heute arbeitet sie als freie Texterin, PR-Redakteurin, Dozentin und Autorin.

Leseprobe zu "Lesereise Ruhrgebiet" von Birgit Schlepütz

Sicher ist sicher (S. 95-96)

DASA ist der reichlich trockene Name für eine Ausstellung, die einen so schnell nicht mehr loslässt

»Code Red! Code Red!«, brüllt Nico in das Mikrofon. In der Leitstelle der Abteilung für Flugsicherung hat er soeben die Macht über den Frankfurter Flugraum übernommen. Vor ihm ein Schaltpult mit einer wohlsortierten Ansammlung von Tastaturen, Schaltern, Schiebereglern, Telefonen und besagtem Mikrofon. Nico drückt auf den Knöpfen herum, als ginge es um alles. Für einen Moment glaubt er an sich als den Helden eines Films. Dabei ist alles unecht, alles nur Attrappe.

Nicos Film spielt in Dorstfeld, einem Vorort von Dortmund. Hier steht ein Ausstellungsbau mit dem trockenen Namen DASA. Die Abkürzung steht für Deutsche Arbeitsschutzausstellung, was das Ganze nicht besser macht. Wenn nicht dieser Schulausflug gewesen wäre, hätte Nico vielleicht nicht hierher gefunden. So aber teilt er sich jetzt sein Simulationspult mit einem älteren Herrn. Unbeirrt von der Schülermeute um ihn herum will der augenscheinliche Rentner mit einem Reaktionstest herausfinden, ob er sich noch zum Piloten eignet.

Zwei Stationen braucht die S1, die vom Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Bochum fährt, dann ist die S-Bahn-Halte Dorstfeld-Süd erreicht. Gleich am Ausgang Friedrich-Henkel-Weg liegt das DASA, vor dem sich gerade die achte Klasse einer Gesamtschule versammelt. Nach und nach tröpfeln auch die Langschläfer unter ihnen ein. Es ist kurz vor neun Uhr und noch sind die Türen verschlossen. Einige rauchen, eine Gruppe Mädchen schart sich um ihren Lehrer.

Der Tag ist so grau wie die Szenerie: auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Reihe Einfamilienhäuser, hinter dem S-Bahnhof sozialer Wohnungsbau mit einer Batterie Funkantennen auf dem Dach. »Mensch – Arbeit – Technik« steht auf einer der Fahnen vor dem Bau. Sie hängt ein bisschen schlapp, doch dies sind die Begriffe, um die sich alles dreht in der Dauerausstellung der DASA. In Szenen aus der Arbeitswelt beleuchtet sie Themen und Inhalte verschiedenster Branchen. Der Schutz am Arbeitsplatz oder der Mangel desselben stehen dabei im Mittelpunkt. »Gestern – Heute – Morgen« könnte auf einer zweiten Fahne stehen, denn der Ansatz der Ausstellung ist zeitenübergreifend.

Leseprobe zu "Lesereise Ruhrgebiet"

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