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Pferde stehlen
Roman. Ausgezeichnet mit dem Independent Foreign Fiction Prize 2006 und mit dem International IMPAC Dublin Literary Award 2007
Aus d. Norweg. v. Ina Kronenberger
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
- 2008
- Ausstattung/Bilder: 2008. 246 S.
- Seitenzahl: 256
- Fischer Taschenbücher Bd.17518
- Deutsch
- Abmessung: 194mm x 125mm x 20mm
- Gewicht: 246g
- ISBN-13: 9783596175185
- ISBN-10: 3596175186
- Best.Nr.: 22813088
Leseprobe
Produktbeschreibung zu "Pferde stehlen"
Beschreibung
Leseprobe zu "Pferde stehlen" von Per Petterson
Ich roch den Duft von frisch gefällten Bäumen. Er breitete sich von der Straße zum Fluß her aus, erfüllte die Luft, trieb übers Wasser, drang überallhin, und ich wurde davon ganz benommen und wirr im Kopf. Ich war mitten drin. Ich roch nach Harz, meine Kleider, meine Haare und meine Haut rochen noch nach Harz, wenn ich nachts im Bett lag und schlief. Ich schlief damit ein und wachte damit auf und roch es den ganzen Tag. Ich war Wald. Ich lief bis zu den Knien durch Tannenreisig und schlug mit der Axt die Äste ab, wie mein Vater es mir gezeigt hatte: dicht am Stamm, damit nichts mehr herausstach und das Schäleisen behindern, sich verhaken oder denjenigen an den Füßen verletzen konnte, der vielleicht über die Stämme laufen mußte, wenn sich das Floß verfing und im Fluß aufstaute. In einem unwiderstehlichen Rhythmus schwang ich die Axt nach rechts und nach links. Es war schwere Arbeit, es war, als würde von allen Seiten zurückgeschlagen, und nichts wich von selbst, aber das kümmerte mich nicht, ich war erschöpft, ohne es zu merken, und machte einfach immer weiter. Die anderen mußten mich zurückhalten, sie faßten mich bei der Schulter, schoben mich auf einen …
04.03.2006
Wir entscheiden selbst, wann es weh tut
Hasenjagd auf die verlorene Zeit: Per Pettersons großes
Vatersuchspiel
Es sagt einiges über unsere Zeit und ihre Bücher aus, daß die Natur
als das Entlegene, Seltsame, Exotische erscheint und daß einem die
Menschen weniger entlegen, seltsam und exotisch vorkommen, die mit
ihren Neurosen, Sehnsüchten und Komplexen in den Städten
aufeinanderhocken, obwohl sie da mindestens so einsam sind wie nur
je ein Landbewohner fernab der Zivilisation. Nur so ist auch zu
erklären, daß Per Pettersons Roman "Pferde stehlen" als
ein stilles Werk bezeichnet werden kann, das in abgelegenen
norwegischen Hütten spielt, in dem das Fällen und Flößen von Bäumen
einen gewissen Raum einnimmt und Fünfzehnjährige ganz
selbstverständlich mit eigenem Gewehr auf Hasenjagd gehen. Allein
schon dadurch mutet diese Geschichte auf altmodische Weise bizarrer
an als zum Beispiel eine aufgeregte Satire über die drängelnde
Allgegenwart der Medien. Dabei ist "Pferde stehlen" alles
andere als ein weltfremdes Werk.
Per Petterson, geboren 1952, ist trotz seines früheren Romans
"Sehnsucht nach Sibirien" (1999) noch keine …
06.04.2006
Die Herkunft der Handgriffe
Von Menschen in ihrer Landschaft: Per Pettersons lebenskluger Roman „Pferde stehlen”
„Pferde stehlen”, der Romantitel suggeriert, erst recht in Verbindung mit dem Autorennamen Per Petterson und dem Umschlagfoto, auf dem wir ein einsames Holzhaus am Fjord erkennen, ein nordisches Idyll. Schaut man sich den jüngsten Roman des norwegischen Schriftstellers Per Petterson genauer an, so wird diese Erwartung zugleich bestätigt und unterlaufen. Tatsächlich ist „Pferde stehlen” ein Roman, in dem die nordische Landschaft, präziser das norwegisch-schwedische Grenzland, so plastisch hervortritt, wie es in der Darstellungsart der Literatur überhaupt nur möglich ist. Die Weite, die Härte, die Schönheit und die Gleichgültigkeit dieser Natur hat sich bei Petterson in eine rhythmische, frei atmende, manchmal wehmütige und fast schmerzhaft konkrete Sprache verwandelt. „Anfang November. Neun Uhr. Die Kohlmeisen knallen gegen das Fenster”, so fängt der Roman an. „Manchmal fliegen sie nach dem Zusammenprall wie benommen davon, dann wieder fallen sie in den Neuschnee und mühen sich ab, bevor sie erneut auf die Flügel kommen.” …
Kundenbewertungen zu "Pferde stehlen" von "Per Petterson"
Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011
Der Roman spielt in der Idylle des ländlichen Norwegens nahe der schwedischen Grenze. Trond lebt hier im Alter. Einsam aber nicht unzufrieden zieht er seine Lebensbilanz. Die Sehnsucht nach den geborgenen Teenagertagen im letzten gemeinsamen Sommer mit seinem Vater trieb ihn zurück an diesen Ort. 50 Jahre nach dem Verschwinden seines Vaters findet er die Hintergründe heraus und kann sich endlich mit seinem Vater und damit mit sich aussöhnen.
"Pferde stehlen" ist ein wunderbarer Familienroman und zugleich ein Geschichtsbuch über die Auswirkungen der deutschen Besatzung auf die norwegische Bevölkerung. Das Buch ist voller Wärme für seine Protagonisten geschrieben.
Carl Hanser Verlag 2003
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04.03.2006
Rezensentin Felicitas von Lovenberg mochte diesen Roman. In
poetischer, rhythmischer Prosa sah sie darin eine zeitlos gültige
Geschichte von "Liebe und Tod, Familie und Freundschaft,
Politik und Verrat", aber auch von der Zerbrechlichkeit der
Welt" erzählt. Doch weil die Geschichte ihrer Beschreibung
zufolge in abgelegenen norwegischen Hütten spielt und "fernab
jeglicher modischer Strömungen" erzählt wird, prophezeiht sie
Per Petterson mit leichtem Bedauern ein Schicksal als Autor
"für Fortgeschrittene und Liebhaber". Unaufgeregt reihe
sich in der Geschichte von der retrospektiven Vatersuche eines fast
siebzigjährigen Einsiedlers sich "eine ungeheuerliche
Begebenheit an die nächste". Auch die "konzentrierte
Anspannung" des Protagonisten, sich nicht nur von vergangenen
Ereignissen sondern auch von sich selbst ein Bild zu machen, geben
diesem Buch aus Sicht der Rezensentin "Sog und Größe".
Gelobt wird auch Übersetzerin Ina Kronberger, die den Roman
"so behutsam wie trittsicher" ins Deutsche gebracht
hat.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezension
.
Rezensionen und Kritik
"Eine wunderschön erzählte Geschichte über die Liebe und das
Glück, das Jungsein und das Alter, die Natur und die Einsamkeit.
Das Schönste wäre, wenn einer auf die Idee käme, dieses Buch zu
verfilmen. Das wäre ein Film, bei dem man ein bisschen weinen
würde, aber gleichzeitig auch den Daumennagel anknabberte, weil es
so spannend ist."
Christine Westermann, WDR, 01.02.06
Autorenporträt zu "Per Petterson"
Per Petterson, geb. 1952 in Oslo, ist ausgebildeter Bibliothekar und arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller etablierte.
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