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Das rabenschwarze Pseudonym des Booker-Preisträgers John Banville Herr über das Totenreich Quirke arbeitet als Pathologe im Holy Family Hospital. Er liebt die Abgeschiedenheit seiner Abteilung, zwei Stockwerke unter dem geschäftigen Treiben auf den Straßen Dublins. Doch eines Nachts überrasch Quirke seinen Schwager Malachy, den überaus angesehenen Leiter der Geburtsklinik, in seinem unterirdischen Reich - gebeugt über die Akte Christine Falls. Das Erscheinen des seltenen Gastes erweckt Quirkes Argwohn - und seine Neugier. Schnell hat er herausgefunden, dass Christine Falls keineswegs a…mehr

Produktbeschreibung

Das rabenschwarze Pseudonym des Booker-Preisträgers John Banville

Herr über das Totenreich

Quirke arbeitet als Pathologe im Holy Family Hospital. Er liebt die Abgeschiedenheit seiner Abteilung, zwei Stockwerke unter dem geschäftigen Treiben auf den Straßen Dublins. Doch eines Nachts überrascht Quirke seinen Schwager Malachy, den überaus angesehenen Leiter der Geburtsklinik, in seinem unterirdischen Reich - gebeugt über die Akte Christine Falls. Das Erscheinen des seltenen Gastes erweckt Quirkes Argwohn - und seine Neugier. Schnell hat er herausgefunden, dass Christine Falls keineswegs an einer Lungenembolie gestorben ist, wie auf dem Totenschein vermerkt. Der Tod der jungen Frau wirft Fragen auf. Die Suche nach Antworten führt Quirke in die Welt der Lebenden, wo sich die Abgründe seiner eigenen Familie vor ihm auftun ...

"Eine düstere Familiengeschichte ... schaurig und zum Ende versöhnlich" (Die Zeit)
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher Nr.24817
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Seitenzahl: 428
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 428 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 116mm x 24mm
  • Gewicht: 290g
  • ISBN-13: 9783499248177
  • ISBN-10: 3499248174
  • Best.Nr.: 23845482

Autorenporträt

Benjamin Black ist das Pseudonym des 1945 geborenen John Banville, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Irlands gehört. Sein umfangreiches literarisches Werk wurde mehrfach, auch international, ausgezeichnet. Für seinen Roman "Die See" erhielt er 2005 den Man Booker Prize. John Banville lebt und arbeitet in Dublin. "Nicht frei von Sünde" ist der erste Roman einer Serie um den Pathologen Quirke.

Rezensionen

Benjamin Black ist ein Schwarzseher. Romancier John Banville hat sich das Pseudonym also nicht nur mit fast persiflierender Plattheit, sondern auch als düsteres Omen für seinen ersten Krimi ausgesucht. Allerdings gelingt ihm mit "Nicht frei von Sünde" weder die tiefenpsychologische Literatur, die man von Banville gewohnt ist, noch fertigt er einfach eine spannende Geschichte an. Zu ausufernd erzählt er. Zu unspektakulär. Pathologe Quirke erwischt den hoch angesehenen Gynäkologen Malachy beim Fälschen der Akte einer Verstorbenen. Quirke vertuscht den Vorfall, da Malachys Vater ihn einst aus dem Waisenhaus holte und die Familienehre leiden könnte: Die Tote war Hausmädchen bei Malachy und ist anscheinend bei der Geburt eines Kindes verblutet. Bald plagen Quirke wegen dieses Akts der Loyalität Gewissensbisse, und er versucht auf eigene Faust, mehr über die Sache herauszufinden. Seine Nachforschungen nehmen allerdings nur einen kleinen Teil der gut sieben Stunden Spielzeit des Hörbuchs ein; zu wenig für einen echten Krimi. Für den großen Moralroman, den Banville/Black hier versucht - über Irland und Amerika, über Katholizismus, die Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht, über die 50er-Jahre und ihr bürgerliches Patriarchentum -, ist der detektivische Handlungsstrang allerdings ein Störfaktor. Dass die Zerstreuung durchaus auch ein Stilmittel ist und erst am Ende die wahre Ungeheuerlichkeit und das große Ganze zutage treten, dem Hörer seine eigene Unterschätzung der Tragweit um die Ohren fliegt, ist ein psychologisch gelungener Kunstgriff. Richtig gut wird "Nicht frei von Sünde" dadurch aber nicht mehr. (kab)…mehr
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(c) bunkverlag
Besprechung von 01.06.2007
Spielzeughase, vom Tresen kippend
Pseudonym Benjamin Black: Der irische Schriftsteller John Banville unterschätzt in seinem Kriminalroman die Tücken des Genres
Gut hundert Seiten dieses Buches sind vorüber, als zum ersten Mal eine Frage das Hirn des Lesers durchzieht: Warum tut er das? Er – das ist der Held der Geschichte, eine großer, müder, alternder irischer Pathologe, der auf den Namen „Quirke” hört (was ein bisschen albern ist, den als „quirk” wird im Englischen die „Marotte” bezeichnet, und wir befinden uns hier in einem ernsten und traurigen Roman). Eines Nachts kehrt dieser Mann, angetrunken wie meist, nach einem Abschiedsfest in seinem Krankenhaus an den Arbeitsplatz zurück, und ertappt dort seinen Bruder Malachy, der am selben Ort als hochgeachteter Gynäkologe tätig ist, als dieser gerade die Krankenakte einer Toten fälscht. Quirke, der offenbar in seinem ganzen bisherigen Leben weder diszipliniert noch konsequent war, zieht mit der Entschlossenheit eines aufgezogenen Spielzeughasen los, um das Geheimnis der gefälschten Akte zu lösen.
Die Frage, warum einer etwas tut, hat schon im täglichen Leben etwas Lästiges. Denn dahinter steckt das Unbehagen, dass die Dinge so sind, wie sie sind. In einem Buch, das ein Kriminalroman sein soll, ist diese Frage außerordentlich schädlich. Denn sie verrät, dass der Leser dem Helden nicht vertraut – und gerade darauf wäre es in einem solchen Genrestück doch angekommen. Aber damit nicht genug: Je weiter sich di Geschichte hineinbohrt in das Dublin der fünfziger Jahre und in die Familienverhältnisse von Quirke und Malachy, desto größer und drängender wird sie. Und spätestens auf Seite dreihundert stellt sie sich in verschärfter Form: Gesetzt den Fall, lautet sie dann, Sie wären der Adoptivsohn eines mächtigen Richters und der angenommene Bruder eines berühmten Frauenarztes, gesetzt den Fall auch, sie hätten einst die heutige Gattin des Frauenarztes geliebt, aber deren Schwester geheiratet (und auch irgendwie geliebt), führten ein latent erotisches Verhältnis zur Tochter eben jenes Bruders, gesetzt schließlich, Sie hätten erfahren, dass die Tote im Kindbett gestorben war und im Haushalt ihres Bruders arbeitete, und Ihnen wäre darüber hinaus klargeworden, dass zumindest ein großer Teil dieser ehrenwerten Familie im großen Stil eine Art Exportunternehmen für Neugeborene von Dublin nach Boston betreibt – würden Sie, auch wenn Sie deshalb halb zu Tode geprügelt würden und für den Rest Ihres Lebens hinken müssten, immer noch wissen wollen, warum die Akte gefälscht wurde?
Der irische Schriftsteller John Banville, von dem im vergangenen Herbst das bewunderswert melancholische kleine Buch „Die See” erschien, ist ein großer Romancier – was man selbst dann bemerkt, wenn er sich die Jacke von „Benjamin Black” überwirft und unter diesem Pseudonym ein Genrestück verfasst. John Banville beherrscht die Kunst, den Leser sehen zu lassen: das alte, von der Neuzeit noch nicht ganz erreichte Dublin, die Pubs, Dutzende von Arten, eine Zigarette zu löschen, ein Schneetreiben an der Atlantikküste, das Klopfen der Finger auf der Armlehne eines Rollstuhls. Das erzähltechnische Problem dieses Romans aber liegt darin, dass er sich einerseits für einen „plot” entschieden hat – im irrigen Vertrauen darauf, dass eine spannende Geschichte alle dramaturgischen Probleme von allein löst –, andererseits aber eben diesen „plot” nur als Vorwand benutzt. Denn im Inneren dieses Romans verbirgt sich eine schlichte Allegorie: sie soll die Geschichte der irischen Auswanderung in den Nordwesten der Vereinigten Staaten darstellen, den Versuch, in Boston und Umgebung ein neues Irland zu gründen, den Kampf der katholischen Kirche um Erhaltung ihres menschlichen Reiches (und möglichweise auch um Nachschub an Mönchen und Nonnen). Der Leser aber lässt sich nicht betrügen. Er bemerkt, dass der Kriminalroman hier missbraucht werden soll, er weiß, dass der Genreautor sein Genre ehren muss wie nichts sonst.
Die zahlreichen erzählerischen Mängel dieses Buches sind Folgen einer Unterforderung des Genres. Wenn der große Drahtzieher des neuen Irland dem dilettierenden Detektiv Quirke auf die Frage, was ihn denn in den Menschenschmuggel getrieben habe, zur Antwort gibt, es sei„Macht über Menschen, über ihre Seelen” gewesen, dann klingt das schon nach einer Persiflage auf Dr. No. und andere Globalbösewichte. Wenn der arglistige Chauffeur und Gewaltmensch just in dem Augenblick ums Leben kommt, an dem seine Untaten ans Tageslicht kommen, muss der Leser schon sean göttliche Fügungen glauben.
Und was sagt man zu einem Satz wie diesem: „Die Szene dort drinnen besaß in ihrer Komposition die gesteigerte Dramatik eines Gemäldes, eines Genrebilds mit der Darstellung einer Totenbettszene samt den dazugehörigen Trauernden.” Er ist die endgültig in dilettantisches Lattenwerk übergegangene Übersetzung der ohnehin schon reichlich hölzernen Formulierung: „The scene within had the heightened dramatic composition of a painting, a genre scene of a deathbed with attendant mourners.” Man sieht förmlich, wie der aufgezogene Spielzeughase gegen die Fußleiste rappelt und klappert und keinen Zentimeter mehr vorankommt. THOMAS STEINFELD
BENJAMIN BLACK: Nicht frei von Sünde. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Christa Schuenke. Kiepenheuer & Witsch Verlag 2007. 432 Seiten, 19,90 Euro.
Im richtigen Pub im richtigen Dublin. Gjon Mili//Time Life Pictures/Getty Images)
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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"Ich denke, die Figuren in seinem Roman sind nicht so schrecklich, wie er uns glauben machen will. Sie haben ihre Dämonen, ihre bösen Träume, ihre Angst einflößenden Geheimnisse, aber in ihnen allen ... steckt ein bittersüßes Gefühl der Sehnsucht nach den Dingen, die sie verloren oder aber überhaupt nie besessen haben." - John Banville über Benjamin Black

"Das ist der Unterschied zwischen Ihnen und mir. ... Sie spekulieren über Seiten hinweg darüber, weshalb die eine Figur dieses oder jenes tut, natürlich ohne jemals eine Antwort oder auch nur den Hauch einer Antwort darauf zu finden. ... Ich hingegen halte mich an das, was die Figuren tun." - Benjamin Black zu John Banville

"Gerechterweise müsste John Banville zu seinen zahlreichen Trophäen bald auch den höchsten Krimipreis Großbritanniens zählen dürfen." The Guardian"Schön und gefährlich ... ein wunderbares Buch." Elke Heidenreich über " - Die See"
"Ein raffiniert verwickeltes irisch-amerikanisches Familiendrama. [...] Banville versteht seine Leser zu faszinieren.", Stern

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als doppelbödig und sprachlich herausragend lobt Rezensent Thomas David John Banvilles unter Pseudonym veröffentlichten ersten Kriminalroman. Auch vor Banvilles "nie weniger als erstklassiger" Übersetzerin Christa Schuenk zieht er tief den Hut. David zufolge geht es in diesem Krimi um zwei ungleiche Brüder, von denen der eine Geburtshelfer und der andere Pathologe ist, um einen Mord, eine verschwundene Leiche und ein verlorenes Neugeborenes. Mit seinem Plot bohrt sich Banville tief in die Familiengeschichte der Brüder ein, erklärt der Rezensent, den die "glänzende Darstellung des komplexen, von zahlreichen Ambivalenzen bewegten Beziehungsgeflechts" fasziniert. Allerdings findet er auch, dass Banville diesmal die Komplexität und Vielschichtigkeit früherer Romane nicht ganz erreicht hat.

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