Kalkulierte Morde - Gerlach, Christian

Christian Gerlach 

Kalkulierte Morde

Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944

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Kalkulierte Morde

Das im Oktober 1999 erschienene Buch ist nun als preiswerte Studienausgabe erhältlich
Wie kaum ein Gebiet unter deutscher Herrschaft ist Weißrußland im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Zahl seiner Bevölkerung durch brutale Mordaktionen dezimiert worden. Die Vernichtungspolitik gegenüber allen Bevölkerungsgruppen läßt sich nur durch einen umfassenden Zugriff auf Ziele und Politik deutscher Zentrale- und Besatzungsbehörden und das Vorgehen von SS, Wehrmacht und Polizei hinreichend untersuchen. Durch die Verbindung von Wirtschafts-, Alltags- und politischer Geschichte werden die Zusammenhänge, die zwischen Wirtschaftsinteressen und Massenmord bestanden, deutlich.

Nach drei Jahren deutscher Besatzung Weißrusslands (1941 bis 1944) war nichts mehr wie zuvor. Nahezu 1,7 von zehn Millionen Einwohnern waren ermordet, fast 400.000 als Zwangsarbeiter verschleppt worden. Der Terror richtete sich gegen sowjetische Kriegsgefangene, Juden, "Intelligenzler", Bauern, Kinder, Geisteskranke, Sinti und Roma, vermeintliche Partisanen und Hungerflüchtlinge. Die Städte des Landes waren zum Großteil in Ruinenfelder verwandelt, drei Millionen Menschen waren obdachlos. Die industrielle Kapazität tendierte gegen Null, und der Viehbestand war um 80% gesunken. Weißrussland schien fast ausgelöscht.
Der Historiker Christian Gerlach hat sich dieser bisher nur bruchstückhaft aufgearbeiteten Besatzungsgeschichte in einer monumentalen Studie angenommen. Auf breiter Quellenbasis gibt seine Darstellung tiefe Einblicke in die Praxis der Vernichtung. Erstmals wird in dieser Arbeit für ein Territorium die Vernichtungspolitik gegenüber allen betroffenen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen untersucht und der Zusammenhang mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zielen und Handlungen umfassend analysiert. Die praktische Zusammenarbeit zwischen Organen und Akteuren verschiedener Ebenen, von Reichsministerien, SS, Wehrmacht, Zivilverwaltungen, Wirtschaftsgesellschaften und einheimischer Hilfspolizei wird eindrucksvoll belegt. Trotz Rivalitäten unter den beteiligten Institutionen blieb eine gemeinsame Strategie des Terrors bestimmend, die vor allem auf der untersten Handlungsebene effektiv und in einer für die Opfer unheilvollen Weise funktionierte. Sie ging aus von der Umsetzung des Plans, Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene in der Sowjetunion verhungern zu lassen. Dabei zeigt sich: Zwischen Wirtschaftsinteressen und Massenmord bestanden bisher unbekannte Verbindungen.


Produktinformation

  • Verlag: Hamburger Edition
  • 2000
  • Studienausg.
  • Ausstattung/Bilder: Studienausg. 2000. 1231 S.
  • Seitenzahl: 1231
  • Deutsch
  • Abmessung: 232mm x 164mm x 55mm
  • Gewicht: 1440g
  • ISBN-13: 9783930908639
  • ISBN-10: 3930908638
  • Best.Nr.: 08236225
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.02.2000

Zynische Logik
Hinter dem Morden der deutschen Besatzer steckte Kalkül

Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944. Hamburger Edition, Hamburg 1999. 1232 Seiten, 98 Mark.

Die Schrecken der NS-Herrschaft sind von deutschen Historikern und auch von der deutschen Justiz schon seit den sechziger Jahren intensiv erforscht worden. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass diese Studien sich meistens auf eine Chronologie des Verbrechens beschränkten, aber nur selten die Hintergründe und Triebkräfte der Verbrechen nachforschten.

In den vergangenen Jahren fand ein bemerkenswerter Wandel in der Historikerzunft bezüglich der Bewertung des NS-Systems statt. Wurden bisher die Historiker in die Lager der "Funktionalisten" und "Intentionalisten" getrennt, je nachdem, ob sie den Judenmord als Improvisation oder als von Anfang an beschlossenes Programm bewerteten, sind diese Gegensätze spätestens seit dem Erscheinen der Arbeiten von Götz Aly und Christian Gerlach aufgehoben. Sie stellten fest, dass zwischen Völkermord und wirtschaftlichen Interessen wichtige …

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Christian Gerlach, geboren 1963, ist weltweit einer der besten Kenner der Geschichte von Massengewalt und Genozid. Nach Forschungs- und Lehrtätigkeiten u. a. am Hamburger Institut für Sozialforschung, der Universität Freiburg sowie der University of Maryland hat er seit 2008 den Lehrstuhl für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte am Historischen Institut der Universität Bern inne.

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