Hindenburg - Pyta, Wolfram

Wolfram Pyta 

Hindenburg

Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler

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Hindenburg

Hindenburg - eine deutsche Karriere

Paul von Hindenburg ist eine der zentralen Figuren in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der als Held verehrte "Sieger von Tannenberg" war maßgeblich an entscheidenden historischen Wendepunkten beteiligt. Mit Wolfram Pytas Buch liegt nun endlich die erste umfassende Biographie Hindenburgs vor.

Als politischer Akteur wirkte Hindenburg (1847-1934) zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse in Deutschland und in Europa überschlugen: Kriegsniederlage und Revolution führten das Reich in eine tiefe Krise, Inflation und Weltwirtschaftskrise stürzten die Weimarer Republik in heftige Turbulenzen. Die Welt war aus den Fugen, und Hindenburg bestimmte an entscheidender Stelle die Geschicke Deutschlands mit, so etwa beim Sturz der Monarchie im November 1918, oder im Januar 1933, als er Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Hindenburg war eine Herrscherpersönlichkeit, die in drei politischen Systemen Entscheidungen von welthistorischer Dimension traf.

Wolfram Pyta, der beste Kenner Hindenburgs, erzählt in seinem Buch die Geschichte einer atemberaubenden politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Republik überdauerte und während der Diktatur endete. Thesenfreudig und umfassend, originell und anschaulich: Eine historische Biographie, die Standards setzt; ein Muss für jeden historisch interessierten Leser.

"Pytas quellensatte Biographie überzeugt trotz einiger Redundanzen durch eine schlüssige Argumentation." Berliner Zeitung

"Pytas Buch ist nach dem Urteil eines Mannes, der so etwas wissen muss, ein großartiges Werk mit einer "eigenartige(n), aber rundum überzeugende(n) Textur. Diese Textur, schreibt der Mann, der es wissen muß, "verbindet nämlich alle biographischen Informationen, die zum Verständnis Hindenburgs unerlässlich sind (und dank einer unermüdlichen Quellensuche sind sie hier aufschlussreicher als je zuvor versammelt), mit scharfsinnigen analytisch-systematischen Erörterungen der deutschen politischen Kultur, die Hindenburg so verblüffend weit emportrug, der Herrschaftsproblematik, der Charismawirkung." Jungle World

"Zweiflern an Pytas Hindenburg Biographie sei gesagt, dass der Autor seine 870 Textseiten auf die Arbeit in 96 Nachlässen und 42 Archiven von Harvard bis Moskau stützt und auf 185 Anmerkungsseiten präzise über seine Quellengrundlage Auskunft gibt. Seine Stärke liegt aber nicht allein in der mustergültigen empirischen Fundierung, sondern vor allem in der analytischen Durchdringung eines biografischen Themas, in der fern jeder Dogmatik ausgeführten Analyse von Entscheidungsprozessen, in der scharf konturierten Herausarbeitung der Symbolpolitik und der charismatischen Züge von Hindenburgs Herrschaft und in der konsequent durchgehaltenen Kritik am Nationalsozialismus als handlungsleitendem Weltbild. Das Ergebnis ist ein großartiges Beispiel moderner Zeitgeschichte, deren Reflexionsniveau sich auf der Höhe der gegenwärtigen Diskussion bewegt. Es verdient nicht nur zahlreiche Leser, die auf eine menschenfreundliche und dennoch begriffsscharfe Prosa stoßen, sondern auch eine engagierte Debatte, da nicht wenige Positionen der zeithistorischen Geschichtswissenschaft überzeugend infrage gestellt werden." Die Zeit


Produktinformation

  • Verlag: Siedler
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 1117 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 1120
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 150mm x 57mm
  • Gewicht: 1285g
  • ISBN-13: 9783886808656
  • ISBN-10: 3886808653
  • Best.Nr.: 22826689
"Zweiflern an Pytas Hindenburg Biographie sei gesagt, dass der Autor seine 870 Textseiten auf die Arbeit in 96 Nachlässen und 42 Archiven von Harvard bis Moskau stützt und auf 185 Anmerkungsseiten präzise über seine Quellengrundlage Auskunft gibt. Seine Stärke liegt aber nicht allein in der mustergültigen empirischen Fundierung, sondern vor allem in der analytischen Durchdringung eines biografischen Themas, in der fern jeder Dogmatik ausgeführten Analyse von Entscheidungsprozessen, in der scharf konturierten Herausarbeitung der Symbolpolitik und der charismatischen Züge von Hindenburgs Herrschaft und in der konsequent durchgehaltenen Kritik am Nationalsozialismus als handlungsleitendem Weltbild. Das Ergebnis ist ein großartiges Beispiel moderner Zeitgeschichte, deren Reflexionsniveau sich auf der Höhe der gegenwärtigen Diskussion bewegt. Es verdient nicht nur zahlreiche Leser, die auf eine menschenfreundliche und dennoch begriffsscharfe Prosa stoßen, sondern auch eine engagierte Debatte, da nicht wenige Positionen der zeithistorischen Geschichtswissenschaft überzeugend infrage gestellt werden." (Die Zeit)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2007

Wer so träge ist, dem gebührt das Vertrauen
Nicht Akteur, sondern Regisseur des Untergangs: In seiner gründlichen Biographie reinigt Wolfram Pyta den Feldmarschell Paul von Hindenburg von aller patriotischen Patina. Plötzlich steht der Mann nackt da – und seine verhängnisvolle Rolle wird um so plastischer Von Johannes Willms
Nachträglich kann man sich nur wundern, dass eine Schlüsselfigur für den zweimaligen Untergang des Deutschen Reiches und die unauslöschliche Schande, die seither auf diesem Land lastet, so lange hinter den dichten Schleiern einer Legende verborgen war, die zu weben deren erfolgreichste Leistung war. In einer sehr umfangreichen und sorgfältig dokumentierten Biographie, hat der Historiker Wolfram Pyta die bislang gescheute Kärrnerarbeit auf sich genommen, die Figur des Paul von Hindenburg von der dicken Schicht patriotischer Patina zu reinigen. Jetzt steht der preußische Recke, der höchstdekorierte Feldmarschall, dessen Nimbus auf dem falschen Ruhm gründete, der „Sieger von Tannenberg” zu sein, mit einem Mal nackt da und macht eine recht erbärmliche Figur.
Die Leistung von Pyta ist es, dass er Hindenburg, der in …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Rudolf Walther ist so überzeugt von dieser in seinen Augen ersten Gesamtdarstellung Hindenburgs, dass er dazu nicht viele Worte macht. Stattdessen zeichnet er für uns Hindenburgs Aufstieg zum Reichspräsidenten nach und nennt Wolfram Pytas Buch schlicht und ergreifend einen "großen Wurf". Walther überzeugt der Umstand, dass der Autor nicht im Material aus "100 Nachlässen und Archiven" ertrunken ist, sondern es "präzise" fragend und methodisch politik- und kulturgeschichtlich vorgehend analysiert hat. Hier fehlende Einzelheiten über den Niedergang der Weimarer Republik und den Aufstieg des Nationaklsozialismus erfährt Walther ohne Not aus der einschlägigen "Spezialliteratur".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2007

Volksgemeinschafter mit Pensionärsallüren
Wolfram Pyta stellt den seit 1914 mythisch verklärten Paul von Hindenburg mit Charismatikern wie Bismarck und Hitler auf eine Stufe / Von Manfred Kittel

Als Reichspräsident Paul von Hindenburg im Januar 1933 Adolf Hitler das Kanzleramt anvertraute, da handelte kein seniler Greis, der nur den Einflüsterungen einer reaktionären Kamarilla folgte. Zwar hatte der passionierte Waidmann im Vorjahr mit Rücksicht auf die nachlassenden körperlichen Kräfte erstmals auf die geliebte Gamsjagd im bayerischen Hochgebirge verzichten müssen, doch seine geistige Frische blieb "bis fast zum Schluss völlig ungetrübt". Der 85 Jahre alte Hindenburg wusste also sehr genau, was er tat: Nicht "durch Gerüchte, falsche Nachrichten oder sinistre Intrigen" ist die Berufung Hitlers herbeigeführt worden, sondern - so der Befund Wolfram Pytas - weil sie der "Gesamtanlage" der ureigensten Politik des Generalfeldmarschalls entsprach: der Wiederbelebung des "Geistes von 1914", jener in den Schützengräben des Weltkrieges vermeintlich Gestalt gewordenen "Volksgemeinschaft", wie sie Kaiser Wilhelm in dem Aufruf "Ich kenne keine …

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"Zweiflern an Pytas Hindenburg Biographie sei gesagt, dass der Autor seine 870 Textseiten auf die Arbeit in 96 Nachlässen und 42 Archiven von Harvard bis Moskau stützt und auf 185 Anmerkungsseiten präzise über seine Quellengrundlage Auskunft gibt. Seine Stärke liegt aber nicht allein in der mustergültigen empirischen Fundierung, sondern vor allem in der analytischen Durchdringung eines biografischen Themas, in der fern jeder Dogmatik ausgeführten Analyse von Entscheidungsprozessen, in der scharf konturierten Herausarbeitung der Symbolpolitik und der charismatischen Züge von Hindenburgs Herrschaft und in der konsequent durchgehaltenen Kritik am Nationalsozialismus als handlungsleitendem Weltbild. Das Ergebnis ist ein großartiges Beispiel moderner Zeitgeschichte, deren Reflexionsniveau sich auf der Höhe der gegenwärtigen Diskussion bewegt. Es verdient nicht nur zahlreiche Leser, die auf eine menschenfreundliche und dennoch begriffsscharfe Prosa stoßen, sondern auch eine engagierte Debatte, da nicht wenige Positionen der zeithistorischen Geschichtswissenschaft überzeugend infrage gestellt werden." 'Die Zeit

"Thesenfreudig und umfassend, originell und anschaulich: Eine historische Biographie, die Standards setzt. Ein Muss für jeden Leser." Literatur Report

"Hindenburgs Name lebt weiter - wenn auch in einem ganz anderen Sinne als von diesem erwartet. Als Totengräber der ersten deutschen Republik. Dieses Schlagwort ebenso zu hinterfragen wie jenes vom strahlenden Sieger der Schlacht von Tannenberg ist das Verdienst von Wolfram Pytas monumentaler Biographie." Hartmut Schade auf mdr figaro

"Dem selbstformulierten Anspruch, Politik- und Kulturgeschichte fruchtbar zu verbinden, ist Pyta merklich besser gerecht geworden als kulturalistische Brauseköpfe vor ihm. Mit seiner höchst lesenswerten Studie trägt Pyta dazu bei, neues Interesse auf die nach wie vor "bohrende Frage" nach dem Ende der ersten deutschen Demokratie zu lenken und das alte Desiderat einer großen, quellengestützten Hindenburg-Biographie zu erfüllen." Manfred Kittel in der FAZ

"Nicht Akteur, sondern Regisseur des Untergangs: In seiner gründlichen Biographie reinigt Wolfram Pyta den Feldmarschall Paul von Hindenburg von aller patriotischen Patina. Plötzlich steht der Mann nackt da - und seine verhängnisvolle Rede wird um so plastischer...Die Leistung von Pyta ist es, dass er Hindenburg, der in der Fatalität seiner Wirkung auf die deutsche Geschichte bislang nur als Schattenriss bemerkbar war und dessen persönlich zurechenbare Verantwortung für die Katastrophe Deutschlands immer von der anderer Akteure mildtätig verdeckt wurde, in voller Größe und Plastizität darstellt." Süddeutsche Zeitung

"Der Dortmunder Historiker Wolfram Pyta hat die Herkulesarbeit auf sich genommen, die erste wissenschaftlich fundierte Biografie über Hindenburg zu schreiben." Mitteldeutsche Zeitung

"Wolfram Pyta, der beste Kenner Hindenburgs, erzählt in seinem Buch die Geschichte einer atemberaubenden politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Republik überdauerte und während der Diktatur endete. Thesenfreudig und umfassend, originell und anschaulich: Eine historische Biographie, die Standards setzt; ein Muss für jeden historisch interessierten Leser." Nürtinger Echo

"Dem selbstformulierten Anspruch, Politik- und Kulturgeschichte fruchtbar zu verbinden, ist Pyta merklich besser gerecht geworden als kulturalistische Brauseköpfe vor ihm. Mit seiner höchst lesenswerten Studie trägt Pyta dazu bei, neues Interesse auf die nach wie vor "bohrende Frage" nach dem Ende der ersten deutschen Demokratie zu lenken und das alte Desiderat einer großen, quellengestützten Hindenburg-Biographie zu erfüllen."

"Zweiflern an Pytas Hindenburg Biographie sei gesagt, dass der Autor seine 870 Textseiten auf die Arbeit in 96 Nachlässen und 42 Archiven von Harvard bis Moskau stützt und auf 185 Anmerkungsseiten präzise über seine Quellengrundlage Auskunft gibt. Seine Stärke liegt aber nicht allein in der mustergültigen empirischen Fundierung, sondern vor allem in der analytischen Durchdringung eines biografischen Themas, in der fern jeder Dogmatik ausgeführten Analyse von Entscheidungsprozessen, in der scharf konturierten Herausarbeitung der Symbolpolitik und der charismatischen Züge von Hindenburgs Herrschaft und in der konsequent durchgehaltenen Kritik am Nationalsozialismus als handlungsleitendem Weltbild. Das Ergebnis ist ein großartiges Beispiel moderner Zeitgeschichte, deren Reflexionsniveau sich auf der Höhe der gegenwärtigen Diskussion bewegt. Es verdient nicht nur zahlreiche Leser, die auf eine menschenfreundliche und dennoch begriffsscharfe Prosa stoßen, sondern auch eine engagierte Debatte, da nicht wenige Positionen der zeithistorischen Geschichtswissenschaft überzeugend infrage gestellt werden." (Die Zeit)
Wolfram Pyta, 1960 in Dortmund geboren, studierte in Bonn und Köln und habilitierte an der Universität Köln. Seit 1999 ist er Leiter der Abteilung für Neuere Geschichte am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Geschichte der Weimarer Republik und die europäischen Mächtebeziehungen 1815-1848.

Leseprobe zu "Hindenburg" von Wolfram Pyta

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Leseprobe zu "Hindenburg" von Wolfram Pyta

Eine mehr als respektable Offizierskarriere

Paul von Hindenburg war schon fast 67 Jahre alt, als er ins Rampenlicht der Geschichte trat und aus dem preußisch-deutschen Offizier eine historische Figur wurde. Als man ihn nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus dem Ruhestand zurückholte, beförderte ihn nicht zuletzt der Zufall binnen kurzem an die Spitze der deutschen Truppen im Osten, wo er zum populärsten Deutschen aufstieg. Dieser wahrlich atemberaubende zunächst militärische und dann mehr und mehr politische Aufstieg Hindenburgs war nicht mehr zu erwarten gewesen. In seiner Berufslaufbahn deutete bis zum August 1914 nichts darauf hin, daß sein Name einstmals die Schlagzeilen beherrschen sollte. Infolgedessen sind die dokumentarischen Zeugnisse der 67 Jahre von 1847 bis zum August 1914 mehr als dürftig. Hindenburg führte bis dahin das unspektakuläre Leben eines preußisch-deutschen Militärs, der das Licht der Öffentlichkeit nicht suchte. Vor seiner militärischen Reaktivierung war er nur einem kleinen Kreis militärischer Insider bekannt; nach dem kometenhaften Aufstieg war jedoch ganz Deutschland begierig, mehr über den neuen Nationalhelden zu erfahren.

Die erste zuverlässige Biographie Hindenburgs erschien bereits 1915. Sie war das Werk seines literarisch ambitionierten elf Jahre jüngeren Bruders Bernhard und enthielt zahlreiche Dokumente und fotografische Zeugnisse. Aufgrund ihres Materialreichtums ist diese Schrift auch heute noch unentbehrlich, wenn man die beruflichen und privaten Schritte Paul von Hindenburgs von 1847 bis 1914 verfolgen will. Auch das hier vorliegende Werk stützt sich auf diese Publikation, reichert sie aber um zum Teil bislang unbekannte Dokumente an. Allerdings geht es hier nicht darum, das Leben Paul von Hindenburgs bis zum August 1914 in erschöpfender Ausführlichkeit nachzuzeichnen, denn dafür reicht die magere Quellenlage nicht aus. Vielmehr sollen die vorliegenden Zeugnisse daraufhin befragt werden, ob sich aus ihnen eine militärische und politische Grundauffassung herauslesen läßt, die dem Generalfeldmarschall des Jahres 1914 und dem späteren Reichspräsidenten als verläßlicher Kompaß diente. Die Frage lautet also: Gab es grundlegende Prägungen in Hindenburgs ersten 67 Jahren, die sein Leben als Feldmarschall und später als Reichspräsident bestimmt haben?

Betrachten wir zunächst die militärische Laufbahn Hindenburgs bis zur Übernahme eines Regiments im Jahre 1893. Bereits in diesen 36 Jahren hat der aufstrebende Offizier Grundauffassungen verinnerlicht, die sein militärisches Credo bestimmten und sich im Ersten Weltkrieg nachdrücklich bemerkbar machen sollten. Man wird Hindenburg nicht gerecht, wenn man ihn als reine Soldatennatur begreift, deren geistiger Horizont nicht über das preußische Exerzierreglement hinausreicht. Er selbst verstand sich als kriegswissenschaftlich ausgebildeter Militär, der die Schlachten gewissermaßen lesen konnte; und er fühlte sich den Nur-Soldaten, denen es an einer solchen fundierten Ausbildung fehlte, turmhoch überlegen. Schon in jungen Jahren zählte er zur militärischen Führungsreserve und konnte sich berechtigte Hoffnungen auf eine beachtliche militärische Karriere ausrechnen.

Die Grundlagen für Hindenburgs Laufbahn wurden früh gelegt. Schon als Kind lernte er das militärische Leben kennen, und er hat sich wohl niemals etwas anderes gewünscht, als Offizier zu werden. Das Soldatische lernte er aus nächster Nähe durch seinen Vater Robert kennen, der sich ebenfalls dem Dienst im Waffenrock verschrieben hatte. Als Paul von Hindenburg am 2. Oktober 1847 in Posen das Licht der Welt erblickte, war sein Vater dort als Leutnant stationiert. Angesichts der Neigungen des Knaben war es nur konsequent, daß der junge Paul 1859 in eine Kadettenschule - im schlesischen Wahlstatt - eintrat. In diesen Einrichtungen verband man die schulische Ausbildung auf dem Niveau eines Realgymnasiums mit der Einübung militärischer Grundfertigkeiten. Paul von Hindenburg hat während der Kadettenzeit Pflichtbewußtsein und Ausdauer erkennen lassen, ohne im schulischen oder militärischen Unterricht durch herausragende Leistungen zu glänzen. Im April 1863 setzte er seine Ausbildung auf der Hauptkadettenanstalt in Berlin fort, wurde zwei Jahre später in die höchste Klasse, die Selekta, versetzt und erwarb damit das Anrecht, unmittelbar nach bestandenem Fähnrichsexamen in das Offizierskorps einzutreten. Das war der schnellste Weg zum Leutnant. Als Hindenburg im April 1866 in das gerade gebildete 3. Garderegiment zu Fuß als Leutnant aufgenommen wurde, hatte er sein erstes Ziel erreicht: Mit 18 Jahren war er in das prestigeträchtige preußische Offizierskorps aufgerückt. Nun standen ihm alle militärischen Aufstiegsmöglichkeiten offen.

Für Hindenburgs persönlichen Reifeprozeß spielten der Preußisch-Österreichische Krieg von 1866 und der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 eine entscheidende Rolle. Hier sammelte er praktische Kriegserfahrungen, was auch bedeutete, sein Leben aufs Spiel zu setzen - aus seiner Sicht eine Selbstverständlichkeit für einen Berufssoldaten, der den Eid auf den preußischen König geschworen hatte. Vor Beginn der Kampfhandlungen auf dem böhmischen Kriegsschauplatz vertraute er seinen Eltern an: "So freue ich mich doch über diese bunt belebte Zukunft, für einen Soldaten ist ja der Krieg der Normalzustand und außerdem stehe ich in Gottes Hand. Falle ich, so ist es der ehrenvolle und schönste Tod, eine Verwundung muß ja auch nur zum Besten dienen, und kehre ich unverletzt zurück, um so schöner." Fast hätte er bei diesem Feldzug sein Leben hingegeben, als am 3. Juli 1866 in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz eine feindliche Kugel seinen Helm durchschlug, seinen Kopf aber nur streifte. Daß er um Haaresbreite dem Tod entronnen war, nahm er kaltblütig zur Kenntnis und erledigte seine Aufgabe ungerührt weiter.

Als das preußische Gardekorps vier Jahre später im Deutsch-Französischen Krieg eingesetzt wurde, stand die nächste Bewährungsprobe für den jungen Leutnant bevor. Hindenburg hat in zwei ausschlaggebenden Gefechten an vorderster Front mitgefochten: am 18. August 1870 bei der Einnahme von St. Privat und zwei Wochen später bei der Schlacht von Sedan, die den französischen Kaiser Napoleon III. Freiheit und Thron kostete. Hindenburg verschloß dabei die Augen keineswegs vor den Schrecken des Krieges, denn er beklagte die "entsetzlichen Verluste" des Gardekorps in der Schlacht von St. Privat. Doch die ihm eigene Nüchternheit, die zu einem hervorstechenden Charakterzug werden sollte, ließ ihn auch im lautesten Schlachtengetümmel Gleichmut bewahren: "Ich begreife selbst nicht, wie ich bei der ganzen Aktion so kaltblütig bleiben konnte."

In dieser Zeit schälten sich die Konturen seiner politischen Grundanschauung heraus. Daß Hindenburg infolge seiner Sozialisation und seines Werdegangs königstreu sowie gut preußisch fühlte und dachte, bedarf keiner besonderen Begründung.

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