Am 29. Oktober 1897 bekommen Fritz Goebbels und seine Frau
Katharina ihr drittes Kind. In Anlehnung an christliche Vorbilder
taufen sie den Neugeborenen in der Kirche ihres Heimatortes Rheydt
auf den Namen Paul Joseph. Im Alter von vier Jahren erkrankt der
Sohn an Kinderlähmung. Sein rechtes Bein bleibt verkrüppelt. Der
deformierte Fuß bereitet ihm Schmerzen; die Hänseleien der
Nachbarskinder verletzten seine Seele. In einer Atmosphäre, die von
Kleinbürgertum, tiefer Religiosität und bescheidener Lebensführung
geprägt ist, wächst der schmächtige Junge auf.
Über Joseph Goebbels existieren unzählige Legenden, Halbwahrheiten
und Lügen. Einige davon hat der spätere Propagandaleiter selbst in
die Welt gesetzt. Zu den hartnäckigsten zählt die Behauptung,
Goebbels sei Jesuitenschüler gewesen. Er war ohne Zweifel ein
überzeugter und praktizierender Katholik, der die intellektuellen
Fähigkeiten der Jesuiten bewunderte; eine Jesuitenschule aber hat
er nie besucht.
Der größte Propagandist des 20. Jahrhunderts kannte keine Tabus und
beherrschte alle Klaviaturen. Die täglichen Indoktrinationen, die
Masseninszenierungen, die Gleichschaltung von Presse, Film und
Rundfunk ruhten auf einer ausgefeilten Mischung von Dichtung und
Wahrheit. Propaganda hatte es schon immer gegeben, aber in ihrer
berauschenden Wirkung hat Goebbels sie neu entdeckt.
In einer spannenden Montage aus Zeitzeugenberichten und
Original-Tondokumenten entsteht ein konturenreiches Bild jenes
Menschen, der es wie kein anderer verstand, ein ganzes Volk zu
verführen.