In seiner opulent bebilderten Dokumentation versucht Ciro Cappellari, aus der Perspektive eines elfjährigen Chorknaben einen Blick auf den "privaten" Benedikt XVI. zu erhaschen.
Das geflügelte Sprichwort, man sei schwieriger zu erreichen als der Papst, bekommt neue Nahrung in dem ungewöhnlichen und hoch ambitionierten Dokumentarfilm von Ciro Cappellari. Der gebürtige Argentinier und dffb-Absolvent, der bereits 1997 mit seinem poetischen Spielfilm "Sin Querer - Zeit der Flamingos" international auf sich aufmerksam machen konnte, versucht mit "Francesco und der Papst" einen "privaten" Blick auf Benedikt XVI. zu werfen. Ein unmögliches Unterfangen - wie sein Film in eindrucksvollen Bildern und dank eines originellen Ansatzes zeigt.
Cappellari nimmt bei seinem hehren Ansinnen, die meterdicken Mauern des Vatikans zu überwinden, fremde Hilfe in Anspruch - die des elfjährigen Chorknaben Francesco. Der begnadete Sänger, der zusammen mit seinen beiden Brüdern und der allein erziehenden Mutter im römischen Stadtteil Portuense lebt, ist dazu auserwählt worden, bei einem Privatkonzert des Papstes ein Solo zu singen. Während Cappellari in der Folge Francescos Schulalltag an der Schola Cantorum und vor allem die mühsamen, zeitraubenden Proben für den großen Auftritt zeigt, begleitet er parallel dazu den Papst bei dessen zahlreichen Auslandsreisen, unter anderem nach Kamerun, Angola und Jordanien.
Wirklich nahe kommt er dem für seine Medienscheue bekannten Benedikt XVI. jedoch nicht. So stammen sämtliche verwendete O-Töne nicht aus einem exklusiven Interview, sondern aus einer Pressekonferenz, die der Papst während seines Fluges nach Afrika gegeben hat. Ein Hauch von Exklusivität kommt immer dann auf, wenn Cappellari - etwa bei einem Ausflug von Francescos Chor - Zugang zum Vatikan erhält. Ob die prächtige Schweizer Garde oder preziöse Devotionalien, das Grab des Heiligen Petrus, der klösterliche Gemüsegarten oder auch ein kurzer Blick in einen mit Hunderten von Monitoren bestückten Überwachungsraum, all das macht den römischen Stadtstaat zumindest für ein paar Augenblicke transparent.
Dabei lässt der Filmemacher auch immer wieder sein großes Talent als Kameramann und vor allem Fotograf aufblitzen. Die wohl dem jungen Publikum geschuldete Entscheidung, den kleinen Francesco und einige weitere Protagonisten zu synchronisieren, nimmt dem Ganzen etwas von seiner Authentizität. Zudem hätte man sich mehr zum Thema Zusammenprall der Kulturen/sozialen Schichten gewünscht. So bleibt es bei Impressionen vom prunkvollen Palast auf der einen und Francescos bescheidener Mietskaserne auf der anderen Seite bzw. beim Culture Clash auf Tonebene, wenn kirchlicher Chorknabengesang auf italienischen Hiphop trifft.
Wie nah und doch so fern man dem Papst auch in dieser Dokumentation ist, kommt in zwei Sequenzen zum Ausdruck: Als Benedikt für einen Spaziergang die Schuhe wechselt, wird Cappellari gebeten, diesen "intimen" Augenblick doch bitte nicht zu filmen. Und als Francesco nach seinem Solo vom Papst empfangen wird, kommt es zwischen den beiden zu folgendem "Gespräch": Wie heißt Du? - Francesco. - Wie alt bist du? - elf Jahre. - Du hast eine schöne Stimme. - Danke. Wer mehr über Benedikt XVI. erfahren will, muss sich mit Aussagen wie "er sieht oft traurig aus" oder "das ist kein gewöhnlicher Mensch" begnügen, wer aber die prächtige Architektur des Vatikans, untermalt von großartiger Kirchenmusik, kennen lernen will, ist hier goldrichtig. lasso.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Joseph Ratzinger, 1927 in Markl am Inn geboren, war Professor für katholische Theologie in Freising, Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. Ab 1962 einer der führenden Konzilstheologen, wurde er 1977 Nachfolger von Kardinal Döpfner als Erzbischof von München und Freising, 1981 dann zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt, der zentralen Instanz für die Interpretation und die Verteidigung der kirchlichen Lehre. Von Joseph Kardinal Ratzinger erschien 1996 der internationale Bestseller 'Salz der Erde'. Am 19.04.2005 wurde er zum Papst gewählt und gab sich den Namen Benedikt XVI.
Am 28.2.2013 trat Benedikt XVI. vom Amt des Papstes zurück.
Videoclip zu "Francesco und der Papst"
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