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Erleuchtung gefällig? Dokumentarfilmer David Sieveking bringt sich mit Meditation runter vom Alltagsstress. Aber Yoga ist mehr, oder? Sieveking macht sich auf die Suche nach dem Sinn und findet (auch) Unsinn. Liebenswert skurrile, investigative Dokumentation. (kab)Extras: Interviews (Experten/Regisseur/Kameramann), Making-of, geschnittene Szenen, Trailer
Bei der Suche nach der eigenen Mitte geht Filmemacher David Sieveking tief und kurzweilig in sich. Mit profanem Ergebnis: Transzendentale Meditation kostet viel Geld.
Von den Höhen des Himalaja hat es ihn Ende der 50er Jahre in die Niederungen Hollywoods verschlagen, den Inder Maharishi Mahesh Yogi, der von den USA aus mittels Transzendentaler Meditation (TM) weltweiten Frieden schaffen wollte. Fast sechs Millionen Anhänger - etwas mehr als Finnland Einwohner - hat der 2008 verstorbene Guru um sich geschart, ihm huldig(t)en unter anderem die Beatles, Mia Farrow, Clint Eastwood und seit dem Jahr 2000 auch Kultregisseur David Lynch. An dem Mann und seiner Lehre muss folglich etwas dran sein, dachte sich ein anderer David, ebenfalls Filmemacher und Absolvent der dffb. Also begab sich David Sieveking auf Spurensuche, wollte sich erleuchten lassen, das yogische Fliegen lernen und hat seine Erfahrungen auch gleich filmisch festgehalten.
So zum Beispiel den Trip in die USA, zum großen Vorbild Lynch. Ratschläge für die Karriere erhofft der Nachwuchsregisseur sich von dessen Seminar, auf einer lupenreinen TM-Werbeveranstaltung findet er sich wieder. Erleuchtung kostet Geld. Rund 2500 Euro, sechs Blumen und Süßgebäck schlagen für einen Kurs beim Glaubenszentrum in Hannover zu Buche, kritische Fragen sind im Preis nicht inbegriffen. Des Gurus Wort ist absolutes Gebot - und mit Meister Lynch nicht zu spaßen. Dabei ist dessen Veranstaltung auf dem Berliner Teufelsberg, bei dem die Sektierer ihre Deutschland-Universität gründen und das "Unbesiegbare Deutschland" ausrufen ein Witz. Überhaupt scheint es TM weniger um Sinnsuche und Erlösung, denn um Geschäft und Zugewinn zu gehen, katastrophale Fehlinvestitionen inklusive - siehe die "Hauptstadt des Weltfriedens" in Indien.
Doch Sieveking geht weiter in sich, sucht unverdrossen - meist mit sich selbst im Bild - nach seiner Mitte. Er pilgert nach Indien, wohnt dem Begräbnis des Maharishi bei, entsagt der Freundin - oder lässt diese ihn sitzen? - und trifft Aussteiger aus der "Familie", gebrochene Menschen, finanziell und psychisch ruiniert. Nur mit dem fliegen wird's in "David Wants to Fly" nichts. Fünf Jahre hat der emsige Dokumentarist an seinem Werk und sich selbst gearbeitet, abenteuerlich, humorvoll und investigativ. Das Ergebnis ist ein kluger und kurzweiliger, selbstironischer und aufklärerischer Film, mit dem er sich den Zorn des netten Herrn Lynch zugezogen und eine Klagedrohung von TM eingehandelt hat. Vielleicht hätte er einfach dem Cabaret-Mantra glauben sollen: "Money Makes the World Go Round". geh.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag