Wirkung und Akzeptanz prosodischer Interferenzen Fremdsprachenlernender auf Muttersprachler
Sprachenlernen wird noch immer zu stark auf die Vermittlung von
Lexik und Grammatik reduziert. Wenn zwischenmenschliche
Kommunikation von Sprechern verschiedener Sprachen und Kulturen
jedoch glücken soll, muss die Ausbildung einer muttersprachnahen
Aussprache als Fundament für alle Disziplinen des Sprachenlernens
eine zentrale Rolle erhalten. Dies erfolgt bislang weder im
schulischen noch im universitären Bereich in einem angemessenen
Maße. Silke Cohrs macht auf diesen Missstand aufmerksam und trägt
damit zur Wahrnehmungssensibilisierung Fremdsprachenlehrender und
-studierender bei. In verschiedenen Experimenten mit ungarischen
Deutschlehrern sowie deutschen und ungarischen Hörern wurde
versucht, Lehrende und Studierende des Fachs Deutsch als
Fremdsprache mit den Ursachen für Ausspracheschwierigkeiten
vertraut zu machen und ihnen den Einfluss prosodischer
Interferenzen auf die Beurteilung der Fremdsprachenkompetenz und
Persönlichkeit durch Muttersprachler zu verdeutlichen. So führt
eine von der Norm und den Erwartungen deutscher Muttersprachler
abweichende Aussprache fremdsprachiger Deutschlerner zu einer
negativeren Persönlichkeitsbeurteilung durch die deutschen Hörer,
was die Relevanz der Zielsetzung unterstreicht.