Marieluise Fleißer - Häntzschel, Hiltrud

Hiltrud Häntzschel 

Marieluise Fleißer

Eine Biographie

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Produktbeschreibung zu Marieluise Fleißer

Hiltrud Häntzschel zeichnet in der ersten großen Fleißer-Biographie das Bild einer faszinierenden Frau, die sich allen Kategorisierungen entzieht: die ehrgeizige Autorin mit der ganz eigenen literarischen Begabung; die kompromißlos, bis zur Selbstaufgabe Liebende; die in schweren Zeiten verzweifelt ums Überleben Kämpfende; und schließlich die Erfolgreiche, die eine späte Würdigung ihres Werks erfährt.
Die junge, kaum dem katholischen Mädcheninternat entwachsene Marieluise Fleißer (1901 1974) findet Aufnahme im Kreis um Brecht und Feuchtwanger; sie macht Furore mit ihrem Stück Fegefeuer in Ingolstadt (1926) und wird zur Skandalperson in ihrer Heimat. Ihre dialektgefärbte, volksnahe Kunstsprache in Verbindung mit der sexuell aufgeladenen Atmosphäre und sozialkritischen Tendenz ihrer Stücke und Erzählungen (darunter Abenteuer im Englischen Garten und Ein Pfund Orangen) ist singulär in der Literatur ihrer Zeit. Für Jahrzehnte, bis in die fünfziger Jahre hinein, verstummt sie, zunächst in einer fast masochistisch anmutenden Verbindung mit dem exzentrischen Helmut Draws-Tychsen, danach in der Ehe mit dem Tabakhändler Josef Haindl. Erst Anfang der sechziger Jahre erfährt sie mit der Wiederentdeckung durch junge Dramatiker wie Franz Xaver Kroetz und Rainer Werner Fassbinder späten Ruhm.

Produktinformation


  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 410 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 410
  • Best.Nr. des Verlages: 17324
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 128mm x 29mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783458173243
  • ISBN-10: 3458173242
  • Best.Nr.: 21476607
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.04.2007

Enträtselung einer Unbequemen
Diese Frau machte es niemandem leicht. Ihren Zeitgenossen nicht, sich selbst nicht, und auch der Nachwelt nicht. Einerseits hievte die Schriftstellerin Marieluise Fleißer unbequeme Wahrheiten ans Licht, womit sie sich nicht nur in ihrem Geburtsort Ingolstadt viele Feinde machte. Andererseits verschleierte sie sowohl ihren Lebenslauf als auch ihr Werk, worunter die Fleißer-Forschung bis heute leidet. Trotz zweier Biographien aus den Jahren 1984 und 2001 blieb sie die große Unbekannte. Den dritten Versuch, das Fleißersche Rätsel zu lösen, wagt Hiltrud Häntzschel. Die Münchner Literaturwissenschaftlerin schöpft aus bisher unbekannten Quellen, füllt Lücken und trägt Legenden ab.
Vor allem stellt Häntzschel Fleißer erstmals als selbstbestimmt Handelnde dar – und nicht mehr nur als Opfer von anderen, wie mancher Forscher und die Schriftstellerin es bisher gerne taten. Marieluise Fleißer wurde spätestens 1929 durch ihr zweites Stück, „Pioniere in Ingolstadt”, berühmt, ihr Werk wurde in der Künstlerszene verehrt und in bürgerlichen Kreisen verfemt. Diese Zerrissenheit setzte sich in ihrem Leben fort. Dem frühen …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Albert von Schirnding hat mit viel Befriedigung Hiltrud Häntzschels Biografie der Schriftstellerin Marieluise Fleißer gelesen und lobt besonders die akribische Recherchearbeit der Autorin. Fleißners Werk habe nicht nur unter der unheilvollen Verwechslung zwischen Fiktion und Leben durch die Kritik gelitten, zudem habe sich die Schriftstellerin später selbst zum Opfer stilisiert, das in der NS-Zeit in die innere Emigration gezwungen worden sei, erklärt der Rezensent. Dabei kann die Autorin überzeugend zeigen, wie sich Fleißer in der leidenschaftlichen Beziehung zum Schriftsteller Hellmuth Draws-Tychsen von ihren eigenen literarischen Idealen abwandte, sich vom Kreis um Bertold Brecht löste und sich Draws-Tychsen zuliebe gar mit den Nationalsozialisten einließ, so Schirnding weiter. Er preist die Biografie als sehr gut zu lesen und von bewunderungswürdiger Genauigkeit und findet die Lesart Häntzschels sehr plausibel, Fleißer nicht allein als Opfer, sondern auch als "Handelnde" zu begreifen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.03.2007

Furor und Fegefeuer im Tabakladen
Marieluise Fleißer in einer neuen Biographie / Von Beate Tröger

Man würde die späte Marieluise Fleißer eher für eine Handarbeitslehrerin als eine Skandalautorin halten. Dieser Schein trügt. Schärfe und strenge Beobachtung sozialer Verhältnisse zeichnen ihr Werk aus, der Furor ist bisweilen beängstigend. Mit realgrotesken Stücken in der Tradition von Bühnenschockern wie Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" oder Else Lasker-Schülers "Wupper" erregte sie Aufsehen. "Fegefeuer in Ingolstadt" (1923) machte sie bekannt. 1928 wurde "Pioniere in Ingolstadt" durch die Entjungferungsszene, die Brecht während der Proben eingebaut hatte, zum Skandal.

Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Hiltrud Häntzschel stellt den Biographien von Sissi Tax (1984) und Carl-Ludwig Reichert (2001) eine weitere zur Seite. Reichert hatte angesichts der Selbststilisierungsstrategien über Marieluise Fleißer gesagt, sie sei stets Herrin ihrer Biographie geblieben. Zwar kommt grundsätzlich kein Biograph an Selbstzeugnissen vorbei. Fleißer hat allerdings ihr Leben nachträglich literarisch umgedeutet. Besonders im Verhältnis …

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"Hiltrud Häntzschel kommt auf materialreicher Basis und unter Bezug auf neu aufgefundene Briefe, dazu in angenehm unprätentiösem Ton, einem Desiderat nach. ... Es ist zu hoffen, daß sie die Aufmerksamkeit erneut auf das Werk und das Leben einer außergewöhnlichen Autorin richtet." Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Hiltrud Häntzschel kommt auf materialreicher Basis und unter Bezug auf neu aufgefundene Briefe, dazu in angenehm unprätentiösem Ton, einem Desiderat nach. ... Es ist zu hoffen, daß sie die Aufmerksamkeit erneut auf das Werk und das Leben einer außergewöhnlichen Autorin richtet.«
Hiltrud Häntzschel, Dr. phil., arbeitet freiberuflich als Germanistin und Autorin in München. Mitarbeit an der Süddeutschen Zeitung, am Bayerischen Rundfunk, als Kuratorin an mehreren Ausstellungen. Publikationen zur Literatur der Weimarer Republik, zur Exilforschung, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsemigration, Biographik und zur Literatur von Frauen; Mitarbeiterin am Projekt "NS-Dokumentationszentrum München.

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