Einführung in die Dialektik (1958) - Adorno, Theodor W.

Theodor W. Adorno 

Einführung in die Dialektik (1958)

Hrsg. v. Theodor W. Adorno Archiv

Hrsg. v. Christoph Ziermann
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Einführung in die Dialektik (1958)

Die Vorlesungen, die Adorno im Sommersemester 1958 an der Frankfurter Universität gehalten hat, lösen auch heute noch ein, was ihr Titel verspricht: Sie geben eine Einführung in die Dialektik. Anders als etwa die Negative Dialektik oder Adornos Arbeiten zu Hegel setzen sie keine Kenntnisse der philosophischen Tradition voraus und lassen sich daher als Propädeutik zu diesen Schriften lesen. Sie ebnen aber auch demjenigen den Weg, der der Dialektik ablehnend gegenübersteht, weil sie systematisch von den "Schwierigkeiten" mit ihr, von den "Vorurteilen und Widerständen" gegen sie und von den "Zumutungen, vor die die Dialektik stellt", ausgehen. Wer allerdings eine fertige Gebrauchsanleitung für dialektisches Denkens erwartet, wird enttäuscht, denn es ist, wie Adorno sagt, "gerade das Wesen der Dialektik, daß sie kein Rezept ist, sondern eben der Versuch, die Wahrheit sich selber bezeichnen zu lassen."
In Adornos eigener Entwicklung markieren die Vorlesungen einen wichtigen Einschnitt, denn zum ersten Mal wird hier die Dialektik selbst zum Thema. Zwei Jahre bevor der Plan für ein eigenes Dialektikbuch Gestalt annimmt, schreitet er den Themenkreis "einer offenen, einer durchbrochenen Dialektik" ab, die in der Negativen Dialektik schließlich durchgeführt wird. Ihr innerstes und nach wie vor hochaktuelles Motiv ist ein utopisches: daß "das, was auf Versöhnung abzielt, etwas ist, was selbst in der Zerrissenheit, in dem Negativen, in dem Leiden der Welt eigentlich steckt".


Produktinformation

  • Nachgelassene Schriften
  • 4. Abt.: Vorlesungen, Bd.2
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 450 S.
  • Seitenzahl: 438
  • Best.Nr. des Verlages: 58557
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 131mm x 43mm
  • Gewicht: 565g
  • ISBN-13: 9783518585573
  • ISBN-10: 3518585576
  • Best.Nr.: 29747127
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.11.2010

Das Geschäft der intellektuellen Atomzertrümmerung

Er möchte reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Theodor W. Adornos im Sommersemester 1958 gehaltene Vorlesung "Einführung in die Dialektik" liegt nunmehr als Band zwei der Nachgelassenen Schriften vor.

Adorno, der von den Nazis Vertriebene, war mit einer skandalösen Verzögerung von fast acht Jahren 1957 endlich formell zum Ordinarius für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt ernannt worden. Seitdem ließ er seine am Dienstag- und Donnerstagnachmittag gehaltenen Vorlesungen per Tonband aufzeichnen, um sie für private Zwecke zu transkribieren. Dieser ungewöhnlichen Praxis ist es zu verdanken, dass auch die im Sommersemester 1958 gehaltene Vorlesung "Einführung in die Dialektik" als Band zwei der Nachgelassenen Schriften nunmehr vorliegt. So kann sich der Leser einen Eindruck verschaffen von der bildungspolitischen Mission Adornos, von der Faszination, die von diesem mittelgroßen Mann auf dem Podium ausging, dessen dunkle Augen lebhaft interessiert durch die Gläser der altmodisch anmutenden Hornbrille blitzen, als er seine Zuhörer anspricht: "Meine Damen und Herren, ich …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.01.2011

Keineswegs
unverständlich
Lebendiges aus dem Nachlass:
Adornos Vorlesung über Dialektik
Denken? Dialektisch? – „Rette sich, wer kann!“, sagte man schon zu Hegels Zeiten. Die Angst vor dem Denken ist nicht geringer geworden in den vergangenen zweihundert Jahren, und Dialektik hält man gemeinhin für eine sophistische Haarspalterei aus dem Arsenal des vor zwanzig Jahren verschwundenen Ostblocks.
1958, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, hielt der Frankfurter Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno, der zehn Jahre zuvor aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrt war, seine Vorlesung „Einführung in die Dialektik“. Adorno war damals keineswegs die bekannte Figur, die er Mitte der sechziger Jahre wurde, unter anderem durch das provokante Suhrkamp-Bändchen „Jargon der Eigentlichkeit“, das die vorherrschende philosophische Phrasendrescherei der westdeutschen Existentialphilosophen als postnationalsozialistisches Versteckspiel decouvrierte. Aber wer dialektisch denken kann, ahnt schon, dass es mit der Negation im Osten nicht viel besser bestellt war. Tatsächlich hatte man dort Dialektik in Gestalt des „Dialektischen Materialismus“ …

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»Dennoch bietet dieser Text einen hervorragenden Einstieg in das Denken Adornos und leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Adornos Dialektikkonzeption im engeren Sinne sowie seiner Philosophie im Ganzen.«
Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 6. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der 'Frankfurter Schule', die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging.

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