Leseprobe zu "Heilkraft aus den Tropen" von Barbara Simonsohn
Warum empfehlen Ernährungswissenschaftler, mindestens fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen? Ursprünglich war diese "5 am Tag"-Regel zur Krebsprophylaxe entwickelt worden. Mittlerweile weiß man jedoch, dass sie auch vielen anderen ernährungsbedingten Krankheiten vorbeugt, zum Beispiel krankhaftem Übergewicht (Adipositas), Diabetes Typ II, Rheuma, Gicht, Arteriosklerose und damit auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer viel Obst und Gemüse isst, schlägt den beiden Haupttodesursachen - Herzinfarkt und Krebs -gleichzeitig ein Schnippchen. Was viele nicht wissen: Früchte sind aufgrund der vielen wertvollen Vitalstoffe, die sie enthalten, nicht nur ideal zur Gesunderhaltung und Heilung unseres Organismus, sondern sorgen auch für gute Laune, heitere Gelassenheit und Lebensfreude. Damit beugen sie Überlastungen durch Stress und Depressionen vor.
"Früchte und Gemüse sind die Eckpfeiler einer gesunden Ernährung", schreibt Dr. Lothar Burgerstein in seinem Standardwerk Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Leider hat die Intensivierung der Landwirtschaft dafür gesorgt, dass Pflanzen mittlerweile niedrigere Nährstoffwerte haben als noch vor einigen Jahren (vgl. Burgerstein, a. a. O., S. 49, siehe auch die entsprechenden Kapitel in meinen Büchern Gerstengrassaft und Die Heilkraft der AFA-Alge). Ideal sind daher frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, weil sie uns die entsprechenden Nährstoffe konzentriert zur Verfügung stellen. Durch unsachgemäße Lagerung können Früchte einen großen Teil ihrer Vitamine verlieren. Dies gilt zum Beispiel für die Vitamine C und B2 (Riboflavin). Dosenobst enthält kaum noch natürliche C- und B-Vitamine und wird außerdem oft in stark zuckerhaltigem Wasser konserviert. Daher sollte man Früchte am besten frisch und roh verzehren, wenn möglich mit Schale. Am besten und nährstoffreichsten sind ausgereifte, pestizidfreie Früchte, die man beispielsweise über den Versand oder aus dem eigenen Garten bezieht. Optimal sind Wildfrüchte, weil sie etwa das Zehnfache an Vitalstoffen enthalten als Kulturobst. Bei den Anbietern von Tropenfrüchten (Adressen Seite 339 f.) kann man gezielt nach Wildobst fragen.
Früchte sind die ältesten Nahrungsmittel für Mensch und Tier. Ursprünglich, noch bevor er zum Jäger wurde, sammelte der Urzeitmensch ausschließlich wilde Beeren und Früchte. Vor etwa 10 000 Jahren wurden unsere Vorfahren sesshaft und begannen, fruchttragende Pflanzen anzubauen und zu selektieren. Das heißt, nur jene Bäume und Sträucher, welche die leckersten und größten Früchte trugen, wurden vermehrt. Und noch etwas wusste man offenbar schon in grauer Vorzeit: Früchte schmecken nicht nur lecker, viele von ihnen haben auch eine heilende Wirkung. Den Frühmenschen war auch ohne chemische Analyse klar, dass man mit Obst den Organismus stärken, Krankheiten vorbeugen und für optimale Körperfunktionen sorgen kann. Es konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass sich der Steinzeitmensch ötzi mit einem Gemisch aus zerkleinerten Trockenfrüchten und Trockenfleisch aufmachte, um die Alpen zu überqueren, und dass er neben dieser Kraftnahrung unterwegs nur noch Kräuter und Wasser zu sich nahm.
Warum verpacken Pflanzen ihre Samen so großzügig in köstliche und gesunde Hüllen? Ganz einfach: Die Pflanzen sind am Fortbestand ihrer Art interessiert, und der wird durch die Verbreitung der Samen gesichert. Früchte schmecken in der Regel dann am besten, wenn die Samen reif sind, und dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie von Menschen oder Tieren verspeist werden. Samen sind so widerstandsfähig, dass sie das Verdauungssystem von Mensch und Tier unbeschadet passieren können. An dem Ort, an dem sie wieder ausgeschieden werden, wächst dann eine neue Pflanze, gleich bestens mit dem nötigen Dünger ausgestattet. Wenn eine Frucht nur halb gefressen oder ganz als Fallobst auf dem Boden liegt, düngen die Mineralstoffe im Fruchtfleisch genau die Stelle, an der die neue Pflanze keimt.
Seit Jahrtausenden kultiviert der Mensch Obstsorten mit dem Ziel, größere, saftigere, süßere, aromatischere, buntere oder haltbarere Früchte zu erhalten. Im Laufe der Geschichte hat man so allein vom Apfel mehr als 100 000 Sorten gezüchtet, wobei nur etwa 1 500 davon in Europa angebaut werden und nur etwa hundert eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Leider wird bei der Züchtung nicht auf "innere Werte" geachtet, sondern nur auf Äußerlichkeiten wie Größe, Form, Transportfähigkeit und Haltbarkeit. Die kleinen, oft sehr leckeren Birnensorten sind kaum noch im Handel erhältlich, weil sie wegen ihrer bescheidenen Größe nicht der EU-Norm entsprechen. Schade, finde ich, und ermutige alle Leser dieser Zeilen, die einen Garten besitzen, alte Obstsorten anzupflanzen, die man von darauf spezialisierten Gärtnereien beziehen kann.
Und was ist von kernlosen Obstsorten zu halten? Es handelt sich hier um Mutationen, die ohne die im Samen gebildeten Wuchsstoffe Früchte produzieren. Diese Pflanzen werden vom Züchter auf ungeschlechtliche Weise vermehrt. Wenn wir die Wahl haben, wie etwa bei Weintrauben, Mandarinen oder Melonen, sollten wir die ursprünglichen Sorten mit Kernen bevorzugen. Professor Fritz Albert Popp hat nämlich herausgefunden, dass die meisten Biophotonen im Kern und in der Schale stecken. Abgesehen davon nehmen wir über Melonenkerne wertvolle Fruchtsäuren auf und über Traubenkerne das gesunde Traubenkernöl, ein kraftvolles Antioxidanz.
Die Autorin Brigitte Kranz bezeichnet Früchte als "die reinste Apotheke". Ihre Inhaltsstoffe, so Kranz, fördern die Funktion unseres gesamten Verdauungssystems, einschließlich Magen und Darm. Außerdem stärken sie unser Immunsystem, sind heilsam bei verschiedenen Krankheiten und regenerieren den gesamten Organismus. Obst ist ein wahres Füllhorn der lebenswichtigen Vitalstoffe: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme und bioaktive Substanzen, Pflanzenbegleitstoffe.