Warum die Deutschen? Warum die Juden? - Aly, Götz

Götz Aly 

Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Gleichheit, Neid und Rassenhass. 1800-1933

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Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Träge Deutsche, rege Juden und das Gift des Neides: Götz Aly über die Vorgeschichte des Holocaust.
Warum die Juden? Warum die Deutschen? Diese beiden Fragen harren seit 1945 einer Antwort. Götz Aly gelangt in seinem neuen Buch zu verstörenden Einsichten. Er beschreibt Fortschrittsscheu, Bildungsmangel und Freiheitsangst so vieler christlicher Deutscher während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dagegen begeisterten sich die deutschen Juden für das Stadtleben, für höhere Bildung; sie wussten die Chancen der Moderne zu nutzen. Die trägen Nicht-Juden sahen ihnen mit Neid und Missgunst hinterher. Aus Schwäche erwuchsen zuerst Sehnsucht nach kollektiver Stärke, dann Rassendünkel und am Ende mörderischer Antisemitismus. Götz Aly ermöglicht es, den Holocaust als Teil der deutschen Geschichte zu verstehen.


Produktinformation

  • Verlag: S. Fischer
  • 2011
  • 3. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 351 S.
  • Seitenzahl: 352
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 152mm x 32mm
  • Gewicht: 537g
  • ISBN-13: 9783100004260
  • ISBN-10: 3100004264
  • Best.Nr.: 33371179

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr heftig kritisiert der Historiker Hans-Ulrich Wehler dieses Buch von Götz Aly, den der Rezensent zwar als "vorzüglichen Kenner des Holocausts" bezeichnet, dessen marxistische  Anfänge er ihm aber auch nicht vergessen will. Für Wehler ist das Buch "flüchtig fabriziert", ein "Flop" gar, denn als Schlüsselerklärung für den Holocaust taugt der Sozialneid in seinen Augen nicht. Laut Aly haben vor allem die aufstrebenden Mittelschichten die mit einem rasanten sozialen Aufstieg verbundene Emanzipation der Juden mit Misstrauen verfolgt. Wehler stört sich an mehrere Punkten: Zum einen lasse Aly jede vergleichende Perspektive vermissen, ungeklärt bleibe daher, ob der deutsche Sozialneid wirklich ausgeprägter war als in Ländern wie Österreich, Frankreich oder gar Russland. Zum anderen berücksichtige Aly nicht, wie traditioneller Antijudaismus, nationalistische und rassistische Ressentiments zur Radikalisierung des deutschen Antisemitismus beitrugen. Überhaupt glaubt Wehler nicht, dass der Aufstieg der Juden von den übrigen Deutschen nur negativ aufgefasst wurde.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.03.2012

Götz Aly hat nicht nur gute Quellen, sondern auch gute Argumente
Warum die These vom spezifisch deutschen Neid-Antisemitismus ernsthaft diskutiert werden sollte / Von Yehuda Bauer

Götz Alys Buch "Warum die Deutschen?, Warum die Juden" (S. Fischer, Frankfurt 2011) hat eine rege Diskussion hervorgerufen, und die vorherrschende wissenschaftliche Meinung scheint sehr scharf negativ zu sein. Von außerhalb Deutschlands betrachtet, sieht man es vielleicht etwas anders. Die Kritiker haben natürlich recht: Aly vergleicht Deutschland nicht mit anderen Ländern, und er behandelt den unter der allgemeinen deutschen Bevölkerung grassierenden, auf langer historischer Basis fundierten Antisemitismus nur am Rande, als Hintergrund. Seine Analyse führt zu dem Schluss, dass es, vor und hauptsächlich nach 1880, die noch halbfeudale deutsche Gesellschaft war, in der sich ein Antisemitismus verstärkte, der auf Neid und steigendem Hass gegen eine Minderheit beruhte, weil sich ebendiese Minderheit schneller und effektiver auf den sich entwickelnden industriellen Kapitalismus einstellen konnte.

Für die deutsche Bevölkerung, die sich noch zu einer Nation …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.12.2011

Thomas Ostermeier
Götz Aly stellt schon im Titel seines neuen Buches „Warum die Deutschen? Warum die Juden?“ (S. Fischer, 2011) die Frage, die mich schon in jungen Jahren beschäftigte und die mir meine Eltern nie beantworten konnten. Eigentlich erstaunlich, dass vor Götz Aly noch nie jemand versucht hat, darauf eine Antwort zu suchen oder zu finden. Als ich im Laufe des Erwachsenwerdens immer mehr über die deutsche Schuld am Holocaust begriff, reifte in mir die Frage, warum die Deutschen ausgerechnet das Volk der Juden vernichten wollten. Götz Aly untersucht in seiner komplexen Analyse auch die politische und soziale Wirklichkeit und die Bildungssituation im 19. Jahrhundert und legt Fährten, wie die Tragödie des Holocausts auch zu begreifen ist durch den Biedersinn in der deutschen Gesellschaft, durch Sozialneid, Unflexibilität und die Bildungsskepsis der Deutschen im Gegensatz zu ihren jüdischen Mitbürgern. Ein Buch, das viele mögliche Antworten auf diese wichtige Frage gibt, dabei aber nie oberlehrerhaft oder wissenschaftlich trocken daherkommt. Für mich ist es das Sachbuch des Jahres und ein absolutes Muss für jeden, der das Spezifische des deutschen Antisemitismus verstehen möchte.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
Götz Aly, geboren 1947, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) in Berlin. Er hat wichtige Veröffentlichungen zur Sozialpolitik und zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt. Ausgezeichnet wurde er mit dem "Heinrich-Mann-Preis" der Akademie der Künste zu Berlin, dem "Marion-Samuel-Preis" der Stiftung Erinnern und 2012 mit dem "Börne-Preis".

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