Offiziell gibt es ihn nicht , den Kinzigtal-Radweg, obwohl eine
fast durchweg autofreie Radwegverbindung von der Mündung bis zur
Quelle besteht. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen fehlt die
Ausschilderung auf den letzten 20 Kilometern von Schlüchtern bis
zur Quelle in Sinntal-Sterbfritz, eine Lücke, die Joachim
Schulmerich in der neuen Fahrradbroschüre selbstverständlich
schließt.
Schon die Lektüre der reich bebilderten Broschüre zeigt, dass es
viele Gründe für eine vollständige touristische Erschließung und
eigenständige Vermarktung dieses Flussradwegs gibt. Der Radweg
durch das vom Spessart, dem Vogelsberg und im Oberlauf von der Rhön
begrenzte Kinzigtal kann neben denen an der Tauber, der Saale, an
der Fulda, an der Wern oder am Main bestens bestehen. Wer meint,
dass der Kinzigtal-Radweg mit seinen 82 Kilometern etwas kurz sei,
bekommt in der Broschüre viele Anregungen, wie er die Tour fast
beliebig ausdehnen kann.
Die zentrale Lage des Kinzigtalwegs im hessisch-bayerischen
Radwegenetz erlaubt einen abwechslungsreichen mehrtägigen Urlaub
entlang der Flüsse im Grenzgebiet zwischen Spessart, Vogelsberg und
Rhön. Joachim Schulmerich beschreibt Anbindungen von Kinzigtal aus
über den Bahnradweg zum Vulkanradweg im Hohen Vogelsberg, zur neu
eröffneten Spessart-Nord-Ost-Passage, an den Main-Radweg und den
Kahltal-Spessart-Radweg. Und wem die 82 Kilometer zu viel sind, den
verweist der Autor auf die den Kinzigtal-Radweg begleitende
Kinzigtalbahn. Die mit Fahrradabteilen ausgerüsteten Züge verkehren
auch am Wochenende in kurzen Abständen und machen so den Ausflug
durch das Kinzigtal zu einem attraktiven Angebot für Familien auch
mit kleinen Kindern. Es gibt an dem gemächlich dahinfließenden, in
vielen Bögen mäandrierenden Flüsschen keine nennenswerten
Steigungen, Autos begegnen uns nur in den Ortschaften.
Ein reiches kulturelles Erbe gilt es neben der reizvollen
Landschaft zu erkunden: die karolingische Kapelle im Schlüchterner
Kloster, das unmittelbar an der Kinzigmündung gelegene
Barockschloss Philippsruhe der Hanauer Grafen oder die zwischen
Kinzigarmen erbaute romanische Gelnhäuser Kaiserpfalz, in der
Kaiser Barbarossa auf seinen Zügen durch das Kinzigtal mit seinem
Gefolge residierte, um nur ein paar Ziele zu nennen, die direkt am
Radweg liegen.