Halbschatten - Timm, Uwe

Uwe Timm 

Halbschatten

Roman

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Halbschatten

Eine Wanderung über den Berliner Invalidenfriedhof und die Lebensgeschichte der jungen Fliegerin Marga von Etzdorf - Uwe Timms vielstimmiger und vielschichtiger Roman.

Marga von Etzdorf - eine Fliegerin und ihre Geschichte

Bei einem ihrer spektakulären Langstreckenflüge lernt die junge Fliegerin Marga von Etzdorf einen deutschen Diplomaten kennen und verbringt eine ungewöhnliche Nacht mit ihm, nah und doch getrennt. Wenig später, im Mai 1933, erschießt sie sich in Aleppo, Syrien. Was ist geschehen?
Uwe Timms Erzähler wandert Jahrzehnte später über den Berliner Invalidenfriedhof, wo Marga von Etzdorfs Grab liegt, aber auch die von Scharnhorst und Heydrich. Er hört die Stimmen der Toten, forscht nach Margas, nach unserer Geschichte.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 269 S.
  • Seitenzahl: 272
  • dtv Taschenbücher Bd.13848
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 121mm x 18mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783423138482
  • ISBN-10: 3423138483
  • Best.Nr.: 26361029
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.07.2009

Seufzen und Sausen

In seinem bewundernswert kunstvollen Roman über die Fliegerin Marga von Etzdorf hebt Uwe Timm den Sagenschatz des preußisch-deutschen Altertums.

Etwa in der Mitte seines Romans "Halbschatten" lässt Uwe Timm die Fliegerin Marga von Etzdorf davon erzählen, wie sie 1930 bei einem Spaziergang in der nordafrikanischen Wüste von zwei spanischen Offizieren gebeten worden sei, ein deutsches Gedicht aufzusagen. "Und als ich fragte, von welchem deutschen Dichter, antworteten beide wie aus einem Munde: Heine." Aus dem Gedicht "Abenddämmerung" aus dem "Buch der Lieder" zitiert der Roman die letzten zehn Verse, deren erste drei lauten: "Wenn wir am Sommerabend, / Auf den Treppensteinen der Haustür, / Zum stillen Erzählen niederkauerten".

Im zitierten Teil des Gedichts bleibt implizit, was vorher ausgesprochen worden ist: dass das Ich des Gedichts ein männliches ist. Der Dichter erzählt, was er "einst, als Knabe, / Von Nachbarskindern vernahm": Sagen und Märchen. Die Wahl dieses Gedichts sagt etwas über die Frau aus, die es rezitiert, und über den Roman, in dem es zitiert wird. Bei Marga von Etzdorf, die in der Luft singt und sich …

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»Ein unbedingt lesenswertes Buch!« Altmühl-Bote 24.06.2010

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.08.2008

Könnte es so gewesen sein?
Lebensumriss einer Selbstmörderin: Uwe Timms Roman „Halbschatten” über die Pilotin Marga von Etzdorf
„Ein Gebirge, aufgetürmt, schroffe Felsen, blaugrau” – eine Panoramalandschaft, mit der ein Film beginnt? Kaum ein Dutzend Zeilen dauert diese Einstellung, dann ein Schnitt, und die virtuelle Kamera ist nach oben gerichtet, „beim Eintauchen in das ziellose Grau. Feuchtigkeit, sichtlose Kühle, dann langsam, wird das Grau heller, und plötzlich dieses Blau der Tiefe.” Noch wissen wir nicht, worum es hier gehen wird. Selbst nur daran gewöhnt, die Wolkendecke hinter einem doppelt verglasten Bullauge zu durchstoßen, ahnen wir nur wenig von der Faszination des Fliegens im halboffenen Cockpit. Da ist auch schon der nächste Schnitt: Wir sind auf der Erde, auf einem Friedhof, erfahren, dass er früher militärisches Sperrgebiet gewesen ist . . .
Der rasante Wechsel von Perspektiven, Szenen, Reden ohne Anführungszeichen, wie hier gleich auf der ersten Seite des Buches, ist das Erste, was auffällt. Rasch lernt man, sich auf die skizzierten Situationen einzustellen und nimmt dann umso mehr Anteil an langen Gesprächen, …

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"Gut Ding braucht Zeit: Wenn die Vorleser Maria Schrader und Matthias Brandt nach 460 Minuten (...) am Ende von Uwe Timms 'Halbschatten' angekommen sind, dann weiß man, dass die Zeit nicht verschenkt war. (...) Stattdessen haben wir eine facettenreiche Geschichte über eine faszinierende Frau gehört. So viel Zeit muss sein." (Stuttgarter Nachrichten)<br/><br/>"... einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation." (FAZ)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Uwe Timm hat einen berührenden und beeindruckenden historischen Roman um die Langstreckenfliegerin Marga von Etzdorf geschrieben, schwärmt Patrick Bahners in seiner begeisterten Kritik, und sieht damit auch einen "Sagenschatz des preußisch-deutschen Altertums" gehoben. Nach Art eines "Oratoriums" konstruiert, wie der Rezensent Äußerungen des Autor entnimmt, mischen sich in diesem "kunstvoll" gebauten Roman die Stimmen der auf dem Berliner Invalidenfriedhof Bestatteten, wo auch die Fliegerin, die sich nach einer Bruchlandung im syrischen Aleppo erschoss, begraben ist. Der Autor erzählt das Leben Etzdorfs durchaus auf dokumentarischer Grundlage, wobei im Roman aber auch fiktive Figuren auftauchen, wie der Rezensent erklärt. Wenn im friedhöflichen Stimmengemisch "Helden, Versager und Verbrecher" zu Wort kommen, überlässt Timm Wertungen seinen Lesern, stellt der Rezensent angetan fest, der in der beeindruckend "ökonomischen" Erzählweise eine "urpreußische" Tugend entdeckt. Zudem sieht der Rezensent die Frage aufgeworfen, inwieweit das 1933 durch den Selbstmord beendete Leben der erst 25-jährigen Fliegerin nicht auch bedeutsam für "unsere Nationalgeschichte" ist.

© Perlentaucher Medien GmbH

" ... packend gelesen von Maria Schrader und Matthias Brandt."
Uwe Timm wurde am 30. März 1940 in Hamburg geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Kürschner und besuchte das Braunschweigkolleg. 1963 bestand er sein Abitur. Es folgte ein Studium der Germanistik und Philosophie in München und Paris. 1967/68 politische Tätigkeit im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). 1970-1972 Studium der Soziologie und Volkswirtschaft in München. Seit 1971 freier Schriftsteller. 1971/72 gründete die 'Wortgruppe München' und war Mitherausgeber der Zeitschrift 'Literarische Hefte'. Von 1972 - 1982 gab er die 'Autoren-Edition' heraus. 1981 'Writer in residence' an der Universität Warwick, Großbritannien. 1981-1983 Aufenthalt in Rom. 1991/92 Paderborner Gastdozentur für Schriftsteller. Seit Herbst 1994 ist er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, und des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Heute lebt er als freier Schriftsteller in München und Berlin.

Kundenbewertungen zu "Halbschatten" von "Uwe Timm"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von Ritja aus Deutschland am 06.04.2009 ***** sehr gut
Auf einem Kriegsfriedhof liegt zwischen Obersten, Generälen und Soldaten eine einzige Frau. Marga von Etzdorf, eine junge Frau, die sich mit nur 25 Jahren erschießt. Sie war mit eine der ersten Frauen, die sich in einen Flieger gesetzt haben, um neue Kontinente zu erobern. In den späten 20ern bzw. frühen 30er Jahren noch eine Sensation für die Menschen. Marga hatte als erste Frau den Flug nach Japan gewagt und geschafft und sie lernt in Japan einen Mann kennen, in den sie sich verliebt. Jedoch stößt die Liebe nicht auf Gegenliebe und auch sonst steht sie nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Ihre spektakulären Flüge werden immer wieder durch Bruchlandungen in die Ecke verdrängt und als am Ende ihr keiner mehr Geld für weitere Flüge geben möchte, nimmt sie ein Flugangebot an, welches sich im Nachhinein als Spionageflug herausstellt. Uwe Timm beschreibt mit klaren Worten das Leben der Fliegerin. Er läßt die Geschichte durch die Stimmen der Kriegsteilnehmer auf dem Friedhof erzählen. Aber nicht nur diese Geschichte kommt dabei zum Vorschein, sondern auch noch viele andere erschreckende Taten und Geschichten.

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Bewertung von Magdalena Müller aus Landsberg am 27.10.2008 ***** sehr gut
Klar und präzise und mit viel Gespühr erzählt Uwe Timm die Geschichte einer beeindruckenden Frau. Das Buch ging mir sehr unter die Haut und hat mich noch lange beschäftigt.

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