Garou / Schaf-Thriller Bd.2 - Swann, Leonie
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Leonie Swann 

Garou / Schaf-Thriller Bd.2

Ein Schaf-Thriller

Gebundenes Buch
 
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Garou / Schaf-Thriller Bd.2

Das Blöken geht weiter: Ein neuer Fall für Miss Maple und Co.Es ist soweit: Für die Schafe von Glennkill beginnt ein neues, wollsträubendes Abenteuer. Gemeinsam mit ihrer Schäferin Rebecca haben sie die irische Heimat verlassen und ihre ersehnte Europareise angetreten! In Frankreich beziehen sie Winterquartier im Schatten eines entlegenen Schlosses, und eigentlich könnte es dort recht gemütlich sein - wären da nicht die Ziegen auf der Nachbarweide, die mysteriöse Warnung eines fremden Schafes und das allgemeine Unbehagen vor dem Schnee. Ein Mensch im Wolfspelz! - wispern Ziegen und Menschen. Ein Werwolf! Ein Loup Garou! Oder doch nur ein Hirngespinst? Als dann ein Toter am Waldrand liegt, ist schnell nicht mehr klar, wer gefährlicher ist: der Garou oder seine Jäger. Fest steht, dass die Schafe schnell Licht ins Dunkel bringen müssen, um sich selbst und ihre Schäferin zu schützen. Und schon bald folgen sie mit bewährter Schafslogik einer ersten Spur, die sie durch die Gänge des Schlosses und das Schneegestöber der Wälder führt ...


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 414 S.
  • Seitenzahl: 416
  • Miss Maple & Co. Bd.2
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 40mm
  • Gewicht: 600g
  • ISBN-13: 9783442312245
  • ISBN-10: 3442312248
  • Best.Nr.: 26924759
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Schafe sind die besseren Ermittler. Das wissen wir spätestens seit dem Bestseller "Glennkill". Und es ist ja auch nur logisch, denn sie haben einfach mehr Wollensstärke, allen voran Cloud. Als das wolligste Schaf der Herde aus Angst vor dem Tierarzt in den Wald flüchtet, wollen die anderen es natürlich finden. Und den Garou, den Werwolf, wie die Menschen munkeln, am besten gleich dazu. Denn wer Rehe brutal hinrichtet, macht sicher auch vor Schafen nicht halt. Und vielleicht ja nicht mal vor ihrer schönen Schäferin Rebecca! An der hängen die Schafe nach Georges Tod sehr - auch wenn sie mit der Wahl ihres neuen Quartiers in Frankreich wenig einverstanden sind und Mama, die sich seit Wochen in Rebeccas Schäferwagen eingenistet hat, mit ihren Karten und ihren zweiten und dritten Gesichtern ganz schön Unruhe ins einst beschauliche Schafsleben bringt. Swann erzählt erneut mit Wahn- und Wortwitz, wie die Schafe ihrer ganz eigenen Logik folgen, damit gleich mehrfach in die Irre laufen und letztlich doch genau richtig liegen. Fast schon philosophisch ist es, wie die Schafe uns Menschen betrachten. Kein klassischer Krimi - aber ein klasse Krimi! (kab)

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Beglückt hat Katharina Granzin diesen zweiten Schafskrimi gelesen, in dem, jawohl, Schafe in einem Kriminalfall ermitteln. Denn die Geschichte über einen Werwolf, der ein Reh zerfetzte, versichert die Kritikerin uns, hat Charme, Witz und sogar eine beträchtliche Spannung. Auch hat sie sich mit einigem Vergnügen in die Perspektive der Schafe eingefühlt und von ihnen gelernt, was wirklich wichtig im Leben ist. Nämlich Süßgras, Gänseblümchen und Kraftfutter.

© Perlentaucher Medien GmbH

",Garou' ist ein Spaß. Ein Spaß mit ein paar dunklen Ecken: Geisterschafen, dämonischen Ziegen, Mysteriösen Menschen. Aber was wäre ein Schafkrimi, ohne dunkle Ecken? Nur eine Geschichte über ein paar nicht gerade gescheite Tiere."

",Garou' ist ein Spaß. Ein Spaß mit ein paar dunklen Ecken: Geisterschafen, dämonischen Ziegen, Mysteriösen Menschen. Aber was wäre ein Schafkrimi, ohne dunkle Ecken? Nur eine Geschichte über ein paar nicht gerade gescheite Tiere."
Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Die Idee zu ihrem Buch entstand während eines Aufenthaltes in Paris, als sie plötzlich eine große Sehnsucht nach dem Landleben überkam - und nach Schafen, mit denen sie auf einer Irlandreise Bekanntschaft geschlossen hatte. Ihr Debüt-Roman sorgte auf Anhieb auch international für Furore.


Leseprobe zu "Garou / Schaf-Thriller Bd.2" von Leonie Swann

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Leseprobe zu "Garou / Schaf-Thriller Bd.2" von Leonie Swann

Vorbei.
Vorüber.
Danach war es immer schön.
Er stand dann gerne einfach nur da, an einen Baum gelehnt, und hörte zu, wie die Erregung der Jagd im Schnee versickerte. Wie Blut. Über ihm der Himmel und das Rauschen des Waldes, unter ihm der Boden. Und vor ihm ? ein Bild.
Alles so friedlich. Ohne Angst. Ohne Eile. Er fühlte sich frei. Neugeboren. Überrascht, Hände zu haben - wie rot sie waren! - und Beine und eine Form.
Während der Jagd war alles formlos, nur ein Vorne und Hinten, Fährte und Beute und Geschwindigkeit. Leben und Tod. Vier Beine oder zwei? Es war nicht wichtig. Und manchmal entkamen sie ihm. Selten. Das war gut so. Alles war gut.
Ein Rotkehlchen landete auf einem Zweig. So hübsch, so nah, so lebendig. Er liebte den Wald. Egal, was passiert war, egal, was passieren würde, der Wald nahm ihn auf, und er wurde ein Tier wie andere Tiere. Wäre es Nacht gewesen, hätte er jetzt vor Freude den Mond angeheult.
Aber es war nicht Nacht, und auch das war gut. Es war heller Tag, und die Farben leuchteten.
Und die Zeit verging.
Er seufzte. Die Zeit danach war immer zu kurz. Bald würde er zu frieren beginnen. Er musste zurück. Seine Hände im
Schnee weiß waschen. Handschuhe anziehen. Andere Stiefel. Haken schlagen. Seine Spuren verwischen. Wieder anfangen zu denken. An Einkaufen und den Steuerprüfer und natürlich an sie. Immer an sie. Woran Menschen eben so dachten.
Ein Anzug musste in die Reinigung. Das Rasierwasser war aus. Eine Pflanze in seinem Schlafzimmer sah traurig aus. Gießen? Vielleicht. Er verstand nicht viel von Pflanzen. Die Arbeit wartete. Und das Mittagessen. Pilze, in Butter gebraten, Sahnesoße und ein Steak. Frites? Warum nicht! Gänseleberpastete? Was für ein Tag war heute? Und frisches Brot! Brot mit knuspriger Rinde wäre gut.
Er warf einen letzten Blick auf das Bild - wieder der Fuchs! Der Fuchs war ein interessanter Akzent - dann ging er los, auf seinen zwei Beinen, und mit jedem Schritt veränderte er sich ein bisschen.
Als er aus dem Wald trat, musste er lächeln. Schafe! Das Schloss sah so viel interessanter aus mit Schnee und Schafen. Wie weiß sie waren - alle bis auf eines. Das schwarze Schaf machte ihn nervös.
Er ging weiter, am Zaun entlang auf das Schloss zu, und schielte verstohlen nach ihrem Fenster. Er konnte nicht anders.
Nichts.
Der Garou rollte sich tief in seinem Inneren zu einem satten, zufriedenen Knäuel zusammen ? und schlief.

I.Teil
Felle
Und dann?«, fragte das Winterlamm.
»Dann brachten die Mutterschafe die Lämmer weg von dem Mann mit dem kleinen Hund, in Sicherheit. Und sie fanden einen einen Cloud, das wolligste Schaf der Herde, wusste nicht weiter.
»Einen Heuhaufen!«, schlug Cordelia vor. Cordelia war ein sehr idealistisches Schaf.
»Genau, einen Heuhaufen!«, sagte Cloud. »Und die Mutterschafe fraßen, und die Lämmer rollten sich im Heu zusammen - und schwiegen!«
Die Schafe blökten begeistert. Die Geschichte vom »Schweigen der Lämmer« hatte beim wiederholten Erzählen nach und nach einige Änderungen erfahren, und jedes Mal hatte sie dabei ein wenig gewonnen.
Rebecca die Schäferin hatte ihnen das Buch diesen Herbst vorgelesen, als die Blätter schon gelb waren, die Sonne aber noch rund und reif und gesund. Mittlerweile konnten sich die Schafe nicht mehr erklären, warum sie sich damals, in den ersten kalten silbrigen Herbstnächten, so vor dem Buch gegruselt hatten. Nur Mopple the Whale, das dicke Gedächtnisschaf, erinnerte sich noch daran, dass in dem Buch, das Rebecca ihnen damals auf den sonnenwarmen Schäferwagenstufen vorgelesen hatte, kaum Lämmer vorgekommen waren ? und herzlich wenig Heu.
Der Wind trieb Fäden von Schnee zwischen ihren Beinen hindurch, die kahlen Sträucher unten am Weidezaun zitterten, und die Geschichte war vorbei.
»War es ein großer Heuhaufen?«, fragte Heide, die noch jung war und nicht wollte, dass Geschichten so einfach aufhörten.
»Sehr groß!«, sagte Cloud mit Überzeugung. »So groß wie ^ so groß wie
Sie sah sich nach großen Dingen um. Heide? Nein. Heide war nicht besonders groß für ein Schaf. Mopple the Whale war schon größer. Und dicker. Größer als alle Schafe war der Schäferwagen, der mitten auf ihrer Weide stand, noch größer der Heuschuppen und am größten die alte Eiche, die nahe am Waldrand wuchs und im Herbst unzählige knirschende bittere braune Blätter abgeworfen hatte. Es war eine Heidenarbeit gewesen, um diese ganzen Blätter herumzugrasen.
An den Flanken der Weide waren links der Obstgarten und rechts die Ziegenweide. Auf der Ziegenweide gab es gar nichts Großes. Nur Ziegen. Hinter den beiden Weiden war der Wald, fremd und flüsternd und viel zu nah, vor ihnen der Hof mit Stallungen und Wohnhäusern, Kaminen, die rauchten, und Menschen, die Krach machten, und direkt daneben, nah und grau und massiv wie ein Kürbis, das Schloss. Weil ihre Weide zum Wald hin etwas anstieg, konnte man es hervorragend sehen.
»So groß wie das Schloss!«, sagte Cloud triumphierend.
Die Schafe staunten. Das Schloss war wirklich ausgesprochen groß. Es hatte einen spitzen Turm und viele Fenster und schnitt ihnen jeden Abend viel zu früh die Sonne ab. Ein Heuhaufen wäre da eine willkommene Abwechslung gewesen.
Etwas knallte. Die Schafe erschraken.
Dann streckten sie neugierig die Hälse.
Etwas war aus dem Schäferwagenfenster geflogen. Schon wieder!
Die Herde setzte sich in Bewegung. Neuerdings flogen öfters Dinge aus dem Schäferwagen, und manchmal war etwas Interessantes dabei. Ein Topf mit nur leicht angebranntem Haferbrei zum Beispiel, eine Zimmerpflanze, eine Zeitung. Die Zimmerpflanze hatte Blähungen verursacht. Die Zeitung hatte nur Mopple geschmeckt.
Heute war kein schlechter Tag: vor ihnen, im Schnee, lag ein Wollpullover. Rebeccas Wollpullover. Der Wollpullover. Die Schafe mochten diesen Pullover mehr als alle anderen. Er war das einzige Kleidungsstück, das sie verstanden. Schön und schafsfarben, dick und fellig - und er roch. Nicht nur einfach vage nach Schaf wie viele Wollpullis, sondern nach bestimmten Schafen. Einer Herde, die am Meer gelebt hatte, salzige Kräuter gegrast, sandigen Boden betrabt, weit gereisten Wind geatmet. Wer ganz genau hinroch, konnte sogar einzelne Schafspersönlichkeiten herauswittern. Da war ein erfahrenes, milchiges Mutterschaf, ein harziger Widder und das hagere, zottige Schaf vom Rande der Herde. Da waren Löwenzahn und Sonne und Möwenschreie im Wind.
Die Schafe sogen das wollige Aroma des Pullovers ein und seufzten. Sie sehnten sich nach ihrer alten Weide in Irland, nach der Weite und dem grauen Murmeln des Meeres, nach Klippen und Strand und Möwen und sogar nach dem Wind. Mittlerweile war die Sache klar: der Wind sollte reisen - Schafe sollten daheimbleiben.
Die Schäferwagentür ging auf, und Rebecca die Schäferin stapfte die Stufen herunter, mit schmalen Lippen und kurzen, wütenden Schritten. Sie hob den Pullover aus dem Schnee und machte dem Geruchsvergnügen ein jähes Ende.
»Es reicht!«, murmelte sie mit gefährlich gerunzelten Brauen und klopfte Schneekristalle aus dem Wollstrick. »Es reicht! Sie fliegt raus! Diesmal fliegt sie raus!«
Die Schafe wussten es besser. Alles Mögliche flog aus dem Schäferwagen, aber nicht sie. Sie bewegte sich überhaupt selten, dann aber überraschend schnell. Die Schafe bezweifelten sogar, ob sie durch das Schäferwagenfenster passen würde.
Rebecca schien es auch zu bezweifeln. Sie blickte auf ihren Pulli hinunter und seufzte tief.
Ein Gesicht erschien, seltsam weich und breit im milchigen Glas des Schäferwagenfensters, und starrte missbilligend auf Rebecca und die Schafe herunter. Rebecca sah nicht hin. Die Schafe starrten fasziniert zurück. Dann war das Gesicht auch schon wieder verschwunden, dafür ging die Schäferwagentür auf. Aber niemand trat heraus.
»Das stinkende Ding kommt mir nicht mehr ins Haus!«, zeterte es aus dem Schäferwagen.
Rebecca holte tief Luft.
»Es ist kein Haus«, sagte sie gefährlich leise. »Und es ist schon gar nicht dein Haus. Das ist ein Schäferwagen. Mein Schäferwagen. Und der Pulli stinkt nicht. Er riecht nach Schaf! Das ist normal, wenn er feucht wird. Schafe riechen auch nach Schaf, wenn sie feucht sind! Schafe riechen immer nach Schaf!«
»Genau!«, blökte Maude.
»Genau!«, blökten die anderen Schafe. Maude war das Schaf mit der besten Nase der Herde. Sie kannte sich mit Gerüchen aus.
Eisiges Schweigen wehte aus dem Schäferwagen.
»Und sie stinken nicht!«, fauchte Rebecca. »Das Einzige, was hier stinkt, sind deine
Sie brach ab und seufzte wieder.
»Fläschchen!«, blökte Heide.
»Puder!«, blökte Cordelia.
»Und die Ziegen!«, ergänzte Maude der Vollständigkeit halber.
Die Schafe konnten spüren, wie sich das Schweigen im Schäferwagen zu einer kleinen dunklen Wolke verdichtete. Und die Wolke dachte.
»Na und?«, kreischte sie dann. »Von mir aus können sie nach Schaf riechen! Sie können den ganzen lieben langen Tag herumstehen und nach Schaf riechen! Da draußen! Aber nicht hier drinnen. Schafe haben hier drinnen nichts zu suchen!«
»Genau!«, blökte Sir Ritchfield, der alte Leitwidder. Sir Ritchfield war sehr für Ordnung zu haben. Die anderen schwiegen. Das Innenleben des Schäferwagens mit all seinen Futtergerüchen und Zimmerpflanzen hätte sie schon interessiert.
»Wirklich, Reba, ein bisschen Hygiene!«, sagte die Stimme, sanft diesmal und mütterlich.
Hygiene klang nicht schlecht. Ein bisschen wie frisches, grünes, glänzendes Gras.
»Hygiene!«, blökten die Schafe anerkennend. Alle bis auf Othello, den neuen, rabenschwarzen Leitwidder. Othello hatte seine Jugend im Zoo verbracht und dort von ferne einige Hygiänen gesehen - und vor allem gerochen - und wusste, dass sie kein Grund zur Begeisterung waren. Ganz und gar nicht.
Rebecca ließ die Hände sinken, und ein Pulloverärmel, den sie gerade noch sorgfaltig sauber geklopft hatte, landete wieder im Schnee. Sie sah verloren aus, ein bisschen wie ein junger Widder, der nicht genau weiß, ob er weglaufen oder angreifen soll.
»Angriff!«, blökte Ramses. Ramses war selbst ein junger Widder, und meistens entschied er sich fürs Weglaufen.
Rebecca senkte die Stirn, knautschte den Wollpullover gegen ihre Brust und machte sich groß. Sie war nicht besonders groß. Aber sie konnte sich sehr groß machen, wenn sie wollte.
»Das ist mein Schäferwagen. Und meine Schafe. Und mein Pulli. Und niemand braucht hier deine Erlaubnis, um nach Schaf zu riechen. Und ich brauche deine Ratschläge nicht. Ich habe das alles von Papa geerbt, weil er mir getraut hat, und weißt du was: Ich mache es gar nicht so schlecht!«
Die Schafe konnten spüren, wie sich etwas im Schäferwagen veränderte. Die Wolke dehnte sich aus, wurde heller und feuchter. Dann begann sie zu regnen.
»Dein Vaaater!«, flüsterte Heide Lane ins Ohr.
»Dein Vaaaaater!«, stöhnte es aus dem Schäferwagen.
»Na toll. Gut gemacht, Rebecca!«, murmelte Rebecca.
Der Schäferwagen seufzte tief, dann erschien eine Frau in der Tür. Es sah nicht so aus, als würde sie einfach dort stehen. Es sah aus, als hätte sie sich im Türrahmen festgesaugt wie eine elegante Nacktschnecke, adrett und braun und glänzend. Wasser rann ihr aus den Augen und ließ ihr Gesicht verschwimmen.
Die Schafe sahen sie beunruhigt an.
Das erste Mal hatten sie dieses Gesicht in strömendem Regen gesehen, genauso seltsam und nass.
Mittlerweile waren die Schafe überzeugt davon, dass sie den Regen gebracht hatte, vielleicht in ihrer ozeanblauen Handtasche, vielleicht in ihrem glänzenden kleinen Metallkoffer, möglicherweise auch in den Taschen ihres makellosen Mantels. Der Regen war ihr Verbündeter gewesen, als sie an die Schäferwagentür geklopft hatte - der Regen und selbst gemachter Sahnelikör.
Rebecca hatte die Tür geöffnet, und die Worte der Regenbringerin hatten zu prasseln begonnen: Sehnsucht, Tochter, was für ein Nest, ab jetzt fliege ich nur noch erster Klasse, Tochter, Sorgen, nur über die Feiertage, dünn siehst du aus, und den guten Sahnelikör habe ich auch mitgebracht.
Rebecca hatte die Arme hängen lassen.
»Mama!«
Es hatte nicht gerade einladend geklungen, trotzdem waren die Frau und der Regen geblieben. Vorher hatte es nie Regen gegeben, den ganzen Herbst nicht - höchstens mal einen Gewitterschauer, der die Frösche im Schlossgraben beglückt quaken ließ. Sonst nichts.
Von da an gab es nur noch Regen. Im Heuschuppen tropfte es. Der Boden war matschig und glitschig, vor allem unten am Futtertrog. Das Kraftfutter schmeckte feucht. Der kleine Bach auf ihrer Weide war braun und reißend geworden, und Mopple the Whale war auf der Jagd nach einem Böschungskraut hineingefallen.
»Panta rhei«, sagten die Ziegen am Zaun.
Zuerst fiel Regen. Dann Schnee. Dann flog der Sahnelikör aus dem Fenster. Dann andere Dinge. Manche der verbannten Dinge holte Rebecca wieder in den Schäferwagen, manche Mama, manche niemand, und Mopple hatte die Zeitung gefressen und nachts von einem Menschen mit Fuchskopf geträumt.
Es hing alles irgendwie zusammen - aber die Schafe verstanden nicht, wie.
»Mit Papa hat das gar nichts zu tun«, sagte Rebecca, sanft jetzt, und zog sich den Wollpullover über. »Nur mit dir und mir. Du bist hier Gast, und ich will, dass du dich verhältst wie ein Gast. Das ist alles. Okay?«
»Okay«, schniefte Mama aus der Tür und tupfte sich mit einem weißen Tuch die Augen.
»Okay!«, blökten die Schafe. Sie wussten, was als Nächstes kommen würde: Zigaretten. Mama auf den Stufen des Schäferwagens, Rebecca etwas weiter oben am Hang, an den Schrank gelehnt, der unerklärt und unerklärbar unter der alten Eiche stand.
Rauch und Schweigen.
Auch die Schafe schwiegen, scharrten im Schnee, grasten feuchtes Wintergras oder taten wenigstens so. Alle warteten auf etwas, das gleich passieren würde. Etwas, das man kaum sehen, dafür aber sehr gut riechen konnte.
Auf ihrer Weide gab es ein fremdes Schaf. Es war vor ihnen hier gewesen, nicht auf der Schafweide, aber im Apfelgarten und auf dem schmalen Wiesenstück zwischen Weide und Waldrand. Jetzt war es bei ihnen und drückte sich Tag für Tag am Weidezaun herum.
Immer wenn Rebecca sich rauchend an den Schrank lehnte, erstarrte der Fremde. Er bewegte nichts, kein Ohr, keine Wimper, nicht einmal die Schwanzspitze. Aber er roch. Roch wie reinste, blindeste Panik. Wie ein Lamm, das vor wilden Hunden über das Moor flieht. Nicht dass die Schafe je vor wilden Hunden über das Moor geflohen waren, zum Glück nicht, aber sie konnten es sich sehr gut vorstellen.
Die Sache machte die Schafe nervös.
Der Fremde war im Allgemeinen kein furchtsames Schaf. Er fürchtete sich nicht vor Tess, der alten Schäferhündin, die meistens auf den Stufen des Schäferwagens schlief, und vor Othellos vier schwarzen Hörnern fürchtete er sich auch nicht. Aber er fürchtete sich vor Rebecca, wenn sie rauchend am Schrank lehnte und über die Weide blickte. Er fürchtete sich wie verrückt.
Endlich drückte Rebecca ihre Zigarette aus, steckte sie sorgfaltig in die Tasche und ging wieder hinunter zum Schäferwagen. Der Fremde entspannte sich und begann zu murmeln. Die anderen Schafe schlackerten mit Ohren und Schwänzen und versuchten, das Schweigen wieder abzuschütteln.
Der Fremde ging ihnen auf die Nerven. Er roch nicht wirklich wie ein Schaf, er verhielt sich nicht wie ein Schaf, und vor
allem sah er nicht aus wie ein Schaf. Eher wie ein großer, unförmiger, bemooster Stein.
Miss Maple, das klügste Schaf der Herde und vielleicht der Welt, behauptete, dass er trotzdem ein Schaf war. Ein einsames Schaf, das seit Jahren niemand mehr geschoren hatte, mit einer großen Masse filziger, steifer grauer Wolle auf dem Rücken - und einer Geschichte, die niemand kannte.
»Sie werden sich aneinander gewöhnen!«, hatte Rebecca gesagt, als sie zusammen mit dem Ziegenhirten das Fremdlingsschaf aus dem Apfelgarten auf ihre Weide hinüber getrieben hatte.
Der Ziegenhirt hatte die Augen zusammengekniffen und gehustet. Vielleicht war es auch ein staubiges Lachen gewesen.
Sie hatten sich nicht gewöhnt, kein bisschen. Im Gegenteil: mit jedem Tag kam ihnen der ungeschorene Widder ein wenig fremder vor. Und ein bisschen ferner.
Er war unter ihnen, aber nicht bei ihnen, er bewegte sich in einer Herde, aber nicht in ihrer Herde. Manchmal hatten sie das Gefühl, dass der Fremde sie gar nicht sah. Er sah andere Schafe, Schafe, die sonst niemand sehen konnte.
Geisterschafe.
Gespenster.
Jetzt gab der Ungeschorene seinen Spähposten oben am Waldrand auf und trabte quer über die Weide, vorbei an Heuschuppen und Schäferwagen, mit einem Hops über den kleinen Bach bis hinunter zu der Ecke am Apfelgarten, murmelnd und mahnend, eine Schar unsichtbarer Schafe im Schlepptau.
Die Schafe sahen nicht hin. Alle bis auf Sir Ritchfield.
»Ich glaube das ist ein Schaf!«, blökte Ritchfield aufgeregt. Der alte Leitwidder interessierte sich momentan sehr für die Frage, wer ein Schaf war - und wer nicht.
Die anderen seufzten.

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Kundenbewertungen zu "Garou / Schaf-Thriller Bd.2" von "Leonie Swann"

6 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 6 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Monili84 aus Aachen am 05.09.2011 ***** ausgezeichnet
Im neuen Werk von Leonnie Swan geht die Schafherde von Glenkill mit ihrer neuen Hüterin Rebecca auf Europareise. In Frankreich landen sie u sollen dort überwintern. Was schon in Teil I an eigentümlicher Komik den Leser erfreute, wird nun noch weiter getoppt. Die Logik der Schafe war schon immer speziell, aber wie sie in Europa die dortigen ihnen unbekannten Gegeben- und Geflogenheiten bestaunen, bringt einen allzu oft zum schmunzeln. Aber auch die ordentliche Prise Spannung kommt in dem Schafthriller nicht zu kurz. Er ist um einiges aufregender als Teil I, so finde ich u der Überraschungsmoment kommt wirklich plötzlich daher. Mit der Auflösung des Mordfalls hätte ich so nicht gerechnet. Auf jeden Fall lesenswert!

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Bewertung von paul aus Bad Berka am 29.07.2011 ***** ausgezeichnet
Wieder einmal ist es der jungen Schriftstellerin Leonie Swann gelungen, einen super Schafskrimi zu kreieren. Als Nachfolger von Glennkill, in dem eine Herde Schafe den Mord an ihrem Schäfer aufklären, ist auch Garou ein sehr spezielles Buch. Alles beginnt damit, dass die Schafsherde rund um Miss Mapel, Moppel und den anderen Schafen nach Frankreich reist. Dort angekommen stehen sie mit ihrer neuen Schäferin Rebecca (Tochter des in Glennkill ermordeten Schäfers) einem gefährlichen Problem gegenüber: dem Garou. Der macht nämlich die schneebedeckte Weide der Schafe unsicher und hinterlässt blutüberströmte Rehe als Markenzeichen seiner Anwesenheit. Doch die cleveren Schafe wittern schon die ersten Fährten und beginnen augenblicklich mit ihrer schafsgenialen Ermittlungsarbeit. Schlussendlich zieht der Garou die Schlinge zu. Doch das klügste Schaf der Herde, Miss Marple, hat sicher schon eine Idee…
Garou ist ein unberechenbarer und undurchschaubarer Wolf. Diese Figur zieht die Spannung konsequent durch die ganze Handlung des Buches und gibt den Schafen einen ebenbürtigen Gegner. Ich war jedoch am meisten von den interessanten Gedankengängen der eigentlichen Hauptfiguren gefangengenommen. Verzeihung, Hauptschafen. Miss Marpel, Moppel the Wale und auch das Winterlamm waren fähig der Geschichte immer wieder einen amüsanten Hauch zu verleihen. Schlussendlich würde ich jedem dieses Buch empfehlen, der nach einer unvergleichlich fetzigen und spannenden Geschichte sucht.

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Bewertung von anne60 aus verden am 15.07.2011 ***** ausgezeichnet
Als großer Fan des ersten Teils, war ich schon sehr gespannt auf den zweiten Teil und tatsächlich schafft es die Autorin wieder den Leser in Bann zu ziehen.
Für die Schafsherde, die in diesem Teil nach Frankreich ziehen musste, wird es schnell bedrohlich, schließlich soll in der Umgebung ein Garou, ein Werwolf sein Unwesen treiben.
Die Schafe, denen man abnimmt, der menschlichen Sprache mächtig zu sein und jedwede Schlussfolgerung aus den Beobachtungen der Menschen zu ziehen, kommen an ihre Grenzen, denn sie verstehen die französische Sprache nun gar nicht.
Zum Glück leben auf der Weide nebenan französische Ziegen und nach einigen Anfangsproblemen verstehen die Schafe sich darauf, das Wissen der Ziegen für ihre Ermittlungen zu nutzen.
Ganz wunderbar beschreibt die Autorin die Annäherungen und die Abenteuer der Schafe und Ziegen. Unendlich sympathisch kommen die Tiere daher, unheimlich gruselig, aber nicht brutal, die Geschichte und manchmal muss man den Atem anhalten, so sehr spannend und aufregend ist der Wald und alles, was sich darin abspielt. Man zittert immerzu mit und hofft inständig, dass sämtliche Abenteuer auch gut ausgehen mögen....
Die liebevollen Beschreibungen der Tiere und dazu noch die wunderschönen Formulierungen, machen diese Geschichte wieder zu etwas ganz Besonderem.
Für jeden, aber vorallem für den der Tiere mag, sehr zu empfehlen!

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Bewertung von paul schmidt aus Friedrichsdorf am 23.05.2011 ***** ausgezeichnet
In dem Buch geht es um eine Schafsherde, die aus Irland nach Frankreich kamen. Dort sterben jedoch Rehe und andere Tiere und irgendwann erfahren sie, dass bevor sie hierher kamen auch schon eine Schafsherde hier war. Von dieser ist nur noch ein Schaf übrig. Eines Tages lag ein Toter (ein Diener aus dem Schloss), auf der Weide der Schafe. Nun versuchen die Schafe den Mord aufzuklären, indem sie die Gespräche der Menschen mithören. Sie schleichen sich dann ins Schloss um den Hauptverdächtigen, jedenfalls aus der Sicht der Schafe, zu observieren. Als dann noch der Schäferhund stirbt, ist es für die Schafe klar. Das war der Mann, der den Ziegenkäse herstellte. Er hasst nämlich Hunde. Die Schafe denken, dass er zur Hälfte ein Wolf ist. Dann lockt er die Schäferin in den Wald. Und das auch noch an einem Tag, wo sie nur rot anhat. Rot ist die Lieblingsfarbe der Wölfe, denken die Schafe, da rot die Farbe des Blutes ist, und Wölfe lieben Blut. Dann sammeln die Schafe, und auch die Polizei, mehr Beweise, die wieder vom Ziegenmilch Hersteller ablenkt. Nun sind auch der Ziegenhirt, ein ehemaliger Sträfling aus dem Schloss und zwei Spaziergänger verdächtig. Aber die Schafe haben einen Plan. Wölfe können nur Jagen, wenn genug Mondlicht scheint. Also versuchen die Schafe nun, den Mond aufzufressen, damit er nicht mehr scheinen kann. Aber ob das klappt?
Mir hat das Buch super gut gefallen, da es eine Art Horrorgeschichte ist, aber durch die Art der Schafe und durch das was sie denken, wird das Buch wieder lustig. Dann gibt es aber auch in den spannendsten Momenten wieder Pausen, in dehnen erst einmal andere Situationen beschrieben werden, was einen zum weiterlesen bringt. Ich würde das Buch an alle Leute weiterempfehlen, die die Zeit haben, das Buch zu lesen. Denn wenn man das Buch in Etapen liest, ist es nicht halb so spannend, als wie wenn man es am Stück liest.

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Bewertung von Bücherwolf99x aus Köln am 05.05.2011 ***** sehr gut
Die Schafsherde von Glennkill zieht mit ihrer neuen Schäferin nach England an eine alte Burg. Nur die dummen Ziegen von der Nachbarweide nerven aber sie bekommen vorgelesen. Doch dann wird am Waldrand ein zerfleischtes Reh gefunden und bald darauf noch eins. Miss Maple wittert auch diesmal einen guten Fall und die Herde versucht den Schuldigen zu fassen der nun auch ihre Schäferin bedroht. Wer ist der mysteriöse Garou?
Ein etwas langatmiger Schafskrimi mit Humor, Spannung, mal aus der Sicht von Schafen.

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Bewertung von Lisa. aus Bad Berka am 01.08.2010 ***** sehr gut
Wiedereinmal ist es der jungen Schriftstellerin Leonie Swann gelungen einen vor Genialität strotzenden Schafskrimi zu kreieren. Als Nachfolger von Glennkill, in dem eine Herde Schafe den Mord an ihrem Schäfer aufklären, ist auch Garou ein sehr spezielles Buch.
Alles beginnt damit, dass sich die Schafsherde rund um Miss Mapel, Moppel und vielen anderen interessanten Schafen auf nach Europa macht. Genauer gesagt den französischen Teil Europas. Dort angekommen stehen sie mit ihrer neuen Schäferin Rebecca (Tochter des in Glennkill ermordeten Schäfers) einem gefährlichen Problem gegenüber. Dem Garou. Der macht nämlich die schneebedeckte Weide der Schafe unsicher und hinterlässt blutüberströmte Rehe als Markenzeichen seiner Anwesenheit. Doch die Schafe wittern schon die ersten Fährten und beginnen augenblicklich mit ihrer schafsgenialen Ermittlungsarbeit. Diese wiederum bringt sie in Kontakt mit falschen Garous, Garoujägern und natürlich den benachbarten ,,stinkenden’’ Ziegen. Schlussendlich zieht der Garou die Schlinge zu. Doch wer weiß, ob es den Schafen nicht mit der Hilfe von der Klügsten unter Ihnen, Miss Mapel, doch noch gelingt dem Garou ein Schnippchen zu schlagen?
Garou, ein Wolf so unberechenbar und undurchschaubar. Diese Figur zieht die Spannung konsequent durch die ganze Handlung des Buches und gibt den Schafen einen ebenbürtigen Gegner. Ich für meinen Teil war jedoch am meisten von den interessanten Gedankengängen der eigentlichen Hauptfiguren gefangengenommen. Verzeihung, Hauptschafen. Miss Mapel, Moppel the Wale und auch das Winterlamm waren fähig der Geschichte immer wieder einen amüsanten Hauch zu verleihen. Schlussendlich würde ich jedem dieses Buch empfehlen, der nach einer unvergleichlich fetzigen und spannenden Geschichte sucht.

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