Die Moselreise - Ortheil, Hanns-Josef

Hanns-Josef Ortheil 

Die Moselreise

Roman eines Kindes

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Die Moselreise

'Ein zauberhaftes Kleinod, das wie aus der Zeit gefallen wirkt' -- .Der Spiegel


Produktinformation

  • Abmessung: 203mm x 125mm x 21mm
  • Gewicht: 316g
  • ISBN-13: 9783630873435
  • ISBN-10: 363087343X
  • Best.Nr.: 29501310

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

"Die Moselreise" ist das überraschende und rührende Werk eines begabten Kindes, das von seinem Vater durch eine Wanderung an der Mosel in den 60er Jahren aus seiner Isolation und Stummheit geholt werden soll, lobt Rezensent Hans-Peter Kunisch. Es handelt sich, stellt der Rezensent klar, nicht etwa um eine Kindheitserinnerung, sondern um Reisenotizen, die sich der 11-jährige Hanns-Josef Ortheil notiert und, wieder zu Hause, ausgearbeitet hat, ergänzt mit Postkarten an die Mutter. Das Vorwort, in dem der Autor seine eigene Kindheit deutet, findet der Rezensent mitunter zu "redselig". Dafür bewundert er umso mehr die für das Alter des schreibenden Kindes erstaunliche dramaturgische Umsetzung und die "souveräne" Konstruktion der Reiseerzählung, die auch von einer bewegenden Vater-Sohn-Beziehung erzählt, so der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.11.2010

Und an der Porta Nigra wartet Mutter
Wenn der Vater mit dem Sohne: Hanns-Josef Ortheils Roman einer Wanderfahrt „Die Moselreise“
„In Cochem sah es sehr merkwürdig aus. Ganz anders als in den anderen Orten an der Mosel. Überall standen Schilder und hingen Tafeln herum, auf denen geschrieben stand, was man in den Häusern hinter den Schildern und Tafeln so essen konnte.“ Der Junge, der das schreibt, ist elf Jahre alt und kommt aus Köln. 1963, Ende Juli, das Wirtschaftswunder blüht und schwelgt in Beton. Der Junge sollte Gaststätten-Reklame aus seiner eigenen Stadt schon kennen. Er könnte auch schon in Italien gewesen sein, aber der Hintergrund, vor dem dieser Text geschrieben wurde, ist ein anderer.
Im vergangenen Jahr erschien Hanns-Josef Ortheils autobiographischer Roman „Die Erfindung des Lebens“. Darin ging es, nicht zum ersten Mal in seinem Werk, aber diesmal zentral, um einen bestürzenden Teil der Familiengeschichte: Die vier älteren Brüder Ortheils kommen in Krieg und Nachkriegszeit auf unterschiedlichen Wegen um (der erste wird während eines Luftangriffs tot geboren; jener, der am längsten lebt, stirbt mit drei). Die Mutter …

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"Ein zauberhaftes Kleinod, das wie aus der Zeit gefallen wirkt".

"Ein zauberhaftes Kleinod, das wie aus der Zeit gefallen wirkt".
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren, er lebt in Stuttgart, Hildesheim und Wissen a.d. Sieg. Er gehört zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern der Gegenwart, sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Brandenburger Literaturpreis und dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck. 2009 erhielt Hanns-Joseph Ortheil den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis der Stadt Alzey. Der Autor lehrt als Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim.

Leseprobe zu "Die Moselreise" von Hanns-Josef Ortheil

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Leseprobe zu "Die Moselreise" von Hanns-Josef Ortheil

Die Wiederholung der Moselreise (S. 116-117)

1


Die Moselreise im Sommer 1963 war die erste längere Reise, die ich allein mit meinem Vater unternahm. Sie hinterließ in der Geschichte unserer Familie so auffällige und merkwürdige Spuren, dass es sich lohnt, diese Spuren noch ein wenig weiterzuverfolgen. Die erste, sichtbarste Spur war natürlich die hier erstmals gedruckt vorliegende Reise-Erzählung, die ich nach unserer Rückkehr nach Köln aus all den vielen während der Reise gemachten Notizen komponierte. Ich schenkte sie schließlich meinen Eltern, und ich erlebte schon bald, dass dieses Geschenk auf sie einen außerordentlich starken Eindruck machte. Immer wieder lasen beide Eltern darin, und immer wieder kreisten die Gespräche um Themen und Motive dieser Erzählung.

Zwar erfuhr ich als Kind nicht genau, was meine Eltern an meinem Text so beeindruckte, doch konnte ich späteren Kommentaren entnehmen, dass mein Vater die Moselreise vor allem deshalb als einen Erfolg betrachtete, weil ein Reisen in genau dieser Form mir offensichtlich viel von der immer virulenten Angst vor der Fremde und allem Unvertrauten nahm. Als kleines Kind hatte ich mich nämlich viele Jahre tagsüber mit der Mutter in einem nur sehr begrenzten Terrain im Norden Kölns aufgehalten. An den Vormittagen waren wir spazieren gegangen oder hatten kleinere Einkäufe gemacht, die übrige Zeit aber waren wir meist in der Wohnung geblieben.

Meine Mutter hatte sehr viel gelesen, von Beruf war sie Bibliothekarin, und ich hatte in den vielen Bilderbüchern und all den Kinderzeitschriften und Zeitungen geblättert, die der Vater an den Abenden oft mit nach Hause brachte. Seit dem vierten Lebensjahr hatte ich darüber hinaus Klavier gespielt und viele Stunden des Tages mit Klavierüben verbracht. Diese Tätigkeit hatte mich noch enger an die Wohnung und das vertraute Haus gebunden, so dass ich schon bei geringer Entfernung von diesem Zuhause oft unruhig geworden war und zu fremdeln begonnen hatte. Immer wieder hatte ich mich in solchen Momenten nach zu Hause zurückgesehnt, so dass mein Widerwille, mich in fremden Terrains zu bewegen, zu einer starken Belastung für die ganze Familie geworden war.

Mit dem Vater zu reisen und mit ihm zusammen die Fremde zu erleben - dieses Vorhaben entwickelte sich während der Moselreise dann aber zu einem überraschend geeigneten Mittel, um mir das Unbehagen an jeder Form von Fremde zu nehmen. Dazu gehörte zum einen ein nicht zu rasches Reisetempo, das eine genaue, geduldige und daher beruhigende Beobachtung der Umgebung ermöglichte, zum anderen aber vor allem das Schreiben und Notieren, das mir während eines Tages immer wieder erlaubte, mich in meine eigene Gedankenwelt zurückzuziehen.

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