Salon Deutschland. Geist und Macht 1900-1945 - Martynkewicz, Wolfgang

Wolfgang Martynkewicz 

Salon Deutschland. Geist und Macht 1900-1945

Wie Geist und Macht Komplizen wurden. Ein provokantes Kapitel deutscher Geschichte

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Salon Deutschland. Geist und Macht 1900-1945

Ein Salon schreibt Geschichte
Über vierzig Jahre, von 1898 bis 1941, war das Haus des Münchner Verlegerehepaars Hugo und Elsa Bruckmann ein Treffpunkt der großen Geister, der Künstler, Literaten, Musiker und Gelehrten. Mit dem Auftritt Adolf Hitlers wurde der Salon zum Schauplatz, an dem das Unvereinbare zusammenkam: eine hochgeistige und kunstsinnige Elite und die radikale Rechte.
Gestützt auf zahllose Dokumente erzählt Wolfgang Martynkewicz ein provokantes Kapitel deutscher Geschichte, das geradewegs in die Abgründe und Katastrophen des 20. Jahrhunderts führt und zu dem Experimentierfeld zurückkehrt, das die Moderne zuallererst war.
Man dachte groß von der Kunst und der Literatur im Haus des Verlegerehepaars Hugo und Elsa Bruckmann. Man glaubte an die kultivierende Kraft, die das Leben umgestaltet, reinigt und erneuert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam ein elitärer Kreis von Künstlern und Literaten zusammen, eine sich unpolitisch verstehende Opposition, die ein gemeinsames Gefühl einte das Unbehagen an der Moderne. Im Salon Bruckmann rezitierten Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Stefan George ihre Gedichte, der Gelehrte Norbert von Hellingrath dozierte über die Lyrik Hölderlins, der Münchner Jugendstilarchitekt Richard Riemerschmid forderte eine Gesellschaft des guten Geschmacks , der Kulturphilosoph Rudolf Kassner sprach von menschlicher Größe, die nur dann zur Wahrheit komme, wenn sie sich über das Vulgäre, Willkürliche und Mittelmäßige erhebe, Harry Graf Kessler erzählte von Paul Gauguin, Pierre Bonnard und dem Bildhauer Maillol, und auch Thomas Mann schaute gelegentlich vorbei. Im Mittelpunkt der Geselligkeiten standen die Charismatiker, die Visionäre und Geistesaristokraten. Nach dem Ersten Weltkrieg machte der Salon eine bemerkenswerte Entwicklung durch: Das Verhältnis zur Macht veränderte sich. Im Dezember 1924 trat erstmals Adolf Hitler im Salon auf. Von nun an gehörte er mit Rudolf Heß und Alfred Rosenberg zu den Habitués. War im Hause Bruckmann ein Gesinnungswandel eingetreten? Oder liegen die Gegensätze doch enger beieinander, als es auf den ersten Blick erscheint?
"Salon Deutschland zeigt, wie Geist und Macht sich in unheiliger Allianz vereinten." Spiegel online
"Glänzend erzählt." Frankfurter Rundschau
"Eine präzise, stilsichere und differenzierte Darstellung." F. A. Z.


Produktinformation

  • Verlag: Aufbau Tb
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 624 S. m. 29 Abb. 205 mm
  • Seitenzahl: 617
  • Aufbau Taschenbücher Bd.7091
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 141mm x 40mm
  • Gewicht: 615g
  • ISBN-13: 9783746670911
  • ISBN-10: 3746670918
  • Best.Nr.: 33367699

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Nicht wirklich überraschend findet Rezensent Stefan Mahlke die Ergebnisse dieser Studie von Wolfgang Martynkewicz. Der Autor führt für ihn detailliert vor Augen, wie Teile der kulturellen Elite Münchens im Salon Bruckmann beim Aufstieg des Nationalsozialismus mitmischten. Die enorme Fülle der Belege, die Martynkewicz dafür ausbreitet, lässt ihn immer wieder erschrecken, mindert aber auch ein wenig das Lesevergnügen. Dass Adolf Hitler höchstpersönlich ab 1924 ein gern gesehener Gast des Salons war, wo er die Elite Münchens kennen lernte, wundert Mahlke dann nicht wirklich. Er hebt indes hervor, dass Hitler einen Rainer Maria Rilke, einen Stefan George oder einen Thomas Mann nicht begegnete, verkehrten sie zu dieser Zeit doch nicht mehr im Salon Bruckmann.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.01.2010

Nur eine stilvolle Wildheit

Warum begeisterte man sich im Bildungsbürgertum für die Nazis? Wolfgang Martynkewicz beschreibt den Münchner Salon Bruckmann, in dem Hitler ein und aus ging.

Zu den Rätseln, die der Aufstieg der NSDAP nach wie vor aufgibt, gehört die Frage nach den Motiven, die Mitglieder des kultivierten Großbürgertums dazu trieben, einen wildgewordenen Kleinbürger anzuhimmeln, der in schäbiger Garderobe und mit Nilpferdpeitsche zu ihren Soirees kam und es für einen Ehrentitel hielt, ein Barbar zu sein.

Was die Arbeiter und Angestellten, die Handwerker und Bauern von 1930 an in Massen zu dieser Partei drängte, ist angesichts der Weltwirtschaftskrise ja noch zu verstehen. Was aber brachte angesehene, am Schönen und den feinen Unterschieden interessierte Familien wie die Wagners, die Bechsteins, die Bruckmanns dazu, schon Jahre zuvor sich für eine Bewegung zu enthusiasmieren, die ihrem ganzen Zuschnitt nach jenseits der Grenze dessen lag, was man in diesen Kreisen noch zu tolerieren pflegte? Und die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal sonderlich erfolgreich war?

Wolfgang Martynkewicz hat dazu jetzt ein Buch …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.01.2010

Das leuchtende und das braune München
Wie die Kultur sich der Barbarei auslieferte: Wolfgang Martynkewicz erzählt vom Salon der Bruckmanns, den Thomas Mann und Adolf Hitler besuchten
Die Geschichte der großen Krise, die nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs zahlreiche Exponenten der kulturellen Elite Deutschlands zu willigen Steigbügelhaltern des Nationalsozialismus werden ließ, ist schon häufig erzählt worden. Das gilt auch für die Analyse der Ursachen, die diese Krise auslösten und die längst mit den zahlreichen, durch den verlorenen Weltkrieg vielfach potenzierten Verwerfungen und Verwirrungen dingfest gemacht wurden, mit denen der Einbruch der Moderne die Gemüter tief verunsicherte. An der Verblüffung und Entrüstung, mit der noch heute wahrgenommen wird, mit welchem Nachdruck diese Verstörungen insbesondere die Angehörigen der kulturellen Elite, die Dichter und Denker heimsuchten, ändert das jedoch nichts. Der in diesem Versagen manifest werdende Widerspruch zum geläufigen Selbstbild dieser Elite, das auf einer den meisten überlegenen Weit- und Einsicht beharrt, erweist sich als zu irritierend.
Eben dieses Erlebnis war für den …

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Wolfgang Martynkewicz ist freier Autor und Dozent für Literaturwissenschaft an den Universitäten Bamberg und Bayreuth. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und zur Psychoanalyse; u. a. über Jane Austen, Edgar Allan Poe, Arno Schmidt, Sabina Spielrein, C. G. Jung, Georg Groddeck.

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