Driver - Sallis, James

James Sallis 

Driver

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie International 2008

Aus d. Amerikan. v. Bürger, Jürgen
Broschiertes Buch
 
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Driver

"Da ist kein Satz zu viel, kein Attribut, kein Verb." Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Ein perfekter Krimi." Max

"Unter der Philip-Marlowe-mäßigen Oberfläche verbirgt sich die sehr zarte Erzählung eines Lebens, in dem zu viel schiefgelaufen ist." KulturSpiegel

Ein schäbiges Motel. Mehrere Leichen im Zimmer. Und eine Tasche voller Geldscheine. Dabei ist Driver kein Verbrecher. Jedenfalls nicht im engeren Sinne. Er ist nur der beste Stuntfahrer, den man in Hollywood kriegen kann. Gelegentlich verdient er sich als Fluchtfahrer bei Raubüberfällen etwas dazu. Aber dann läuft einer dieser Überfälle schief. Eigentlich sollte Driver tot sein. Undjetzt dreht er den Spieß um.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 158 S.
  • Seitenzahl: 157
  • Heyne Bücher Nr.40626
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 14mm
  • Gewicht: 146g
  • ISBN-13: 9783453406261
  • ISBN-10: 3453406265
  • Best.Nr.: 23816880
»Da ist kein Satz zu viel, kein Attribut, kein Verb.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Unter der Philip-Marlowe-mäßigen Oberfläche verbirgt sich die sehr zarte Erzählung eines Lebens, in dem zu viel schiefgelaufen ist."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.02.2008

Ich bin nur der Fahrer
Klingt kurios, funktioniert aber großartig: „Driver” von James Sallis
Am Steuer eines Autos ist Driver so gut wie kein Zweiter. Mehrere Jahre war er der begehrteste Stuntman der Traumfabrik, bis er feststellte, dass man auch anders Geld verdienen kann. Wenn irgendwo an der Westküste ein großer Überfall steigt, ist er dabei – und versucht zugleich am Rande zu bleiben. Sein Credo lautet: „Ich beteilige mich an nichts, ich kenne niemanden, ich bin unbeteiligt. Ich fahre.” Dann aber geht eines Tages alles schief. Um zu überleben, muss der von der Mafia Gejagte plötzlich tun, was er zuvor vermieden hat: Er muss handeln. Und töten.
Einmal hat er am Remake eines Films von Robert Mitchum mitgewirkt. Das passt. Driver ist so gebrochen, so stoisch wie die Männer, die der ungewöhnlichste aller männlichen Stars des alten Hollywood in seinen besten Rollen verkörpert hat. Worte macht der Einzelgänger nicht viele, und auch sein Autor tut dies nicht. Gerade in den dramatischsten Momenten nimmt James Sallis sich gerne zurück. Wenn ein mit Schrotflinte bewaffneter Gangster in einem Fenster stecken bleibt, heißt es nur: „Driver sah …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.11.2007

Tarantinnitus

Das abgeschnittene Ohr aus "Reservoir Dogs", die kernigen Sprüche aus "Pulp Fiction", die durcheinandergeratene Chronologie der Episoden aus "Jackie Brown" und schließlich den Stuntman als Hauptfigur aus "Death Proof": alle diese Zutaten aus den Filmen Quentin Tarantinos vereint James Sallis in seinem Kriminalroman "Driver". Der so getaufte junge Titelheld tut nichts, will eigentlich nur Fluchtwagen fahren - bis man ihm ans Leder geht und er sich zwangsläufig verteidigen muss. Dies unternimmt er mit größter Kaltblütigkeit, etwa so, wie man es bei "Kill Bill" sehen konnte: bis auch der letzte Gegner dahingemetzelt ist. Gegen die unappetitliche Gewalt setzt Sallis zwar noch die kulinarische Vielfalt Südkaliforniens; das ist jedoch schwer genießbar, wenn man so viel Blut vor Augen und das Lied vom Tod ständig im Ohr hat. (James Sallis: "Driver". Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Bürger. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2007. 159 S., geb., 16,90 [Euro].) wiel

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Er nennt sich Driver, und alles, was er kann, ist Autofahren. Sein Geld verdient er als Stuntfahrer, er gilt als einer der besten Hollywoods. Ab und zu bessert er sein Einkommen auf, indem er bei Raubüberfällen den Fluchtwagen fährt - aus den Verbrechen selbst hält er sich raus, er will nur fahren, rasen, entkommen. Als einer dieser Überfälle schiefgeht und Driver plötzlich mit einem Sack voll Geld und drei Leichen in einem Hotelzimmer liegt, kommt er mit seiner stoischen Gleichgültigkeit allerdings nicht mehr weit. Auf gerade mal 160 Seiten entwirft der Amerikaner James Sallis in stakkatohaften Sätzen die Biografie eines einsamen Helden. Dessen rasanter Fahrstil und der Job als Fluchtwagenfahrer stehen dabei allegorisch für seine Flucht vor den eigenen Erinnerungen. Dass Drivers Mutter seinen Vater beim Abendessen abstach, als er ungefähr zwölf war, rauscht ebenso in einem Halbsatz vorbei wie seine wenigen Freundschaften, seine Rivalitäten, seine Frauengeschichten. Warum aus seinem Protagonisten ein so harter, emotionsloser Mann wurde, lässt James Sallis nur erahnen. Und so rauscht auch dieser Thriller irgendwie am Leser vorbei. (jul)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Allzu klar ist Tobias Gohlis' Nacherzählung des Thrillers nicht. Vielleicht ist es die Ergriffenheit, die ihn noch um Worte ringen lässt. Denn dass er "Driver" meisterhaft findet - daran lässt der Rezensent keinen Zweifel. Es geht noch mal um einen einsamen amerikanischen Helden wie aus dem Kino, einen "Driver", der in Hollywood mit Virtuosität Autos zu Schutt fährt, der hier in eine unklare Rachehandlung gerät und dabei stets ein kühler Beobachter bleibt. Nebenbei findet er Zeit, mit seinem Wohnungsgenossen, einem Drehbuchschreiber, Gespräche über Celan zu führen. Sind nur 160 Seiten, aber sie haben Gohlis gepackt.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Wie Sallis die Geschichte erzählt, ist absolut meisterhaft - ein grandioser Thriller."
[Quelle: Tobias Gohlis, DIE ZEIT]
James Sallis wurde 1944 in Arkansas geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er studierte Literaturwissenschaften in New Orleans und arbeitete anschließend als Lektor und Drehbuchautor. Er übersetzte Raymond Queneau und Puschkin ins Englische und veröffentlichte eine Biografie von Chester Himes. Bekannt wurde er mit einer Romanreihe um den farbigen Privatdetektiv Lew Griffin. Für seinen Roman "Driver" wurde er 2008 mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. James Sallis lebt in Phoenix, Arizona.

Leseprobe zu "Driver" von James Sallis

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Leseprobe zu "Driver" von James Sallis

Als er viel später in einem Motel am nördlichen Stadtrand von Phoenix mit dem Rücken an die Zimmerwand gelehnt dasaß und beobachtete, wie die Blutlache sich ihm langsam näherte, fragte sich Driver, ob er einen schrecklichen Fehler begangen hatte. Bald darauf gab es daran keinen Zweifel mehr. Aber noch befand sich Driver, wie man so sagt, ganz im Jetzt. Und zu diesem Jetzt gehörten das sich langsam in seine Richtung ausbreitende Blut, das Licht der bereits fortgeschrittenen Morgendämmerung, das durch Fenster und Tür drang, der Verkehrslärm von der nahe gelegenen Interstate, das leise Weinen von jemandem im Zimmer nebenan.

Das Blut sickerte aus der Frau, die sich Blanche nannte und behauptet hatte, aus New Orleans zu stammen, obwohl doch bis auf den aufgesetzten Akzent alles an ihr auf die Ostküste hindeutete - Bensonhurst vielleicht oder irgendeine andere entlegene Gegend Brooklyns. Blanches Schultern lagen quer über der Schwelle der Badezimmertür. Von ihrem Kopf war nicht mehr viel übrig, das wusste er.

Sie waren in Zimmer 212 im ersten Stock, der Boden war eben, sodass die Blutlache sich nur langsam ausbreitete und die Kontur ihres Körpers nachzeichnete, genau wie er es getan hatte. Das Blut bewegte sich auf ihn zu wie ein anklagender Finger. Er hatte starke Schmerzen im Arm. Die zweite Sache, die er wusste: schon bald würde es noch sehr viel mehr wehtun.

Dann wurde Driver sich bewusst, dass er den Atem anhielt. Er lauschte auf Sirenen, auf die Geräusche von Menschen, die sich unten auf dem Parkplatz versammelten, auf hektische Schritte vor der Tür.

Wieder wanderte Drivers Blick durch das Zimmer. Neben der halb offen stehenden Zimmertür lag eine Leiche, ein dünner, ziemlich großer Mann, vielleicht ein Albino. Komischerweise war dort nur wenig Blut. Vielleicht wartete das Blut nur noch etwas. Wenn sie ihn hochhoben, ihn umdrehten, vielleicht sprudelte dann alles auf einmal heraus. Aber im Moment sah man nur den matten Widerschein von Neonlicht auf der fahlen Haut.

Die zweite Leiche befand sich im Bad, fest eingeklemmt im Fensterrahmen. Dort hatte Driver ihn überrascht. Der Kerl hatte eine Schrotflinte gehabt. Blut aus seiner Halswunde hatte sich im Waschbecken darunter gesammelt, ein zähflüssiger, dicker Pudding. Driver benutzte zum Rasieren ein einfaches Rasiermesser. Es hatte mal seinem Vater gehört. Wann immer er ein neues Zimmer bezog, breitete er als Erstes seine Utensilien aus. Das Rasiermesser hatte mit Zahnbürste und Kamm dort neben dem Waschbecken gelegen.

Bislang nur die zwei. Dem Ersten, dem Kerl, der im Fenster eingeklemmt war, hatte er die Schrotflinte abgenommen, mit der er den Zweiten niederstreckte. Es war eine Remington 870, der Lauf abgesägt auf die Länge des Magazins, knapp vierzig Zentimeter. Das wusste er von einem billigen Mad-Max-Remake, an dem er mitgewirkt hatte. Driver achtete auf alles.

Jetzt wartete er. Lauschte. Auf Schritte, Sirenen, zuschlagende Türen.

Was er hörte, war das Tropfen des Badewannenhahns. Die Frau im Zimmer nebenan weinte immer noch. Doch da war noch etwas anderes. Ein scharrendes Geräusch...

Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass es sein eigener Arm war, der zuckte, seine Knöchel, die auf den Fußboden klopften, seine Finger, die scharrten, wenn die Hand sich zusammenzog.

Dann hörten die Geräusche auf. Überhaupt kein Gefühl mehr im Arm. Er hing einfach nur bewegungslos da, losgelöst von ihm, wie ein vergessener Schuh. Driver befahl ihm, sich zu bewegen. Nichts passierte.

Mach dir später darüber Gedanken.

Er blickte wieder zur offenen Zimmertür. Vielleicht war's das, dachte Driver. Vielleicht kommt keiner mehr, vielleicht ist es vorbei. Vielleicht sind, vorläufig, drei Leichen genug.

Driver war kein großer Leser. Eigentlich auch kein großer Kino-Fan. Road House hatte ihm gefallen, aber das war schon lange her. Er sah sich nie die Filme an, in denen er gefahren war, aber manchmal, wenn er mit Drehbuchautoren herumhing, die außer ihm die Einzigen am Set waren, die den größten Teil des Tages nicht viel zu tun hatten, las er manchmal die Bücher, auf denen die Filme basierten. Er hatte keine Ahnung, warum.

Das jetzt war einer dieser irischen Romane, in denen Leute tierischen Stress mit ihren Vätern haben, dauernd auf Fahrrädern durch die Gegend strampeln und zwischendurch immer mal wieder irgendwas in die Luft jagen. Auf dem Foto auf der hinteren Innenseite des Schutzumschlags blinzelte der Autor wie eine frisch entdeckte Lebensform, die gerade ins grelle Sonnenlicht gezerrt worden war. Driver hatte das Buch in einem Antiquariat auf dem Pico gefunden und sich gefragt, was muffiger roch, der Pullover der alten Ladenbesitzerin oder die Bücher. Oder es war die alte Dame selbst. Alte Leute hatten manchmal diesen Geruch. Er hatte einen Dollar und zehn Cents bezahlt und war wieder gegangen.

Aber er konnte nicht erkennen, dass der Film irgendwas mit diesem Buch zu tun hätte.

Driver hatte in dem Film ein paar Szenen als Killer gespielt. Der Held haute darin heimlich aus Nordirland in die Neue Welt ab (das war übrigens der Titel des Buches: Seans Neue Welt), hundert Jahre Zorn und Groll im Gepäck. Im Buch ging Sean nach Boston. Die Filmfritzen machten L.A. daraus. Zum Teufel damit. Bessere Straßen. Auch das Wetter bereitete den Produzenten hier weniger Kopfschmerzen.

Driver trank einen Schluck von seiner Horchata und warf einen Blick auf den Fernseher, wo Jim Rockford sein übliches verbales Tänzchen veranstaltete. Er schaute wieder in das Buch, las ein paar weitere Zeilen, bis er an dem Wort Ungebräuchlichkeit hängen blieb. Was für ein Scheißwort war das denn? Er schlug das Buch zu und legte es auf den Nachttisch. Dort leistete es anderen von Richard Stark, George Pelecanos, John Shannon und Gary Phillips Gesellschaft, alle aus demselben Laden am Pico, in dem stündlich Damen jeden Alters Armladungen von Liebesromanen und Krimis anschleppten, um sie zwei zu eins einzutauschen.

Ungebräuchlichkeit.

Im Denny's zwei Blocks weiter fütterte Driver das Telefon mit Münzen und wählte Manny Gildens Nummer, beobachtete dabei, wie Leute das Restaurant betraten und verließen. Ein beliebtes Lokal, jede Menge Familien, jede Menge Typen, bei denen man ein Stück zur Seite rutschen würde, wenn sie sich neben einen setzten. Und das in einem Viertel, in dem die Sprüche auf den T-Shirts und Grußkarten bei Walgreen's in der Mehrzahl auf Spanisch waren.

Vielleicht würde er anschließend frühstücken, dann hatte er wenigstens was zu tun.

Er und Manny hatten sich bei den Dreharbeiten zu einem Science-Fiction-Film kennen gelernt, bei dem Driver in einem Post-Apokalypse-Amerika einen El Dorado unter dem Hintern hatte, der rein optisch an einen Panzer erinnerte. Das traf auch für das Handling zu.

Manny war einer der angesagtesten Autoren in Hollywood. Es hieß, er hätte schon Millionen gebunkert. Vielleicht stimmte das ja auch, wer wusste das schon?

Kundenbewertungen zu "Driver" von "James Sallis"

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Bewertung von Polar aus Aachen am 31.10.2007 ***** ausgezeichnet
Der amerikanische Thriller spielt auf der Straße, in Motels, führt abgehalfterte Gangster zusammen, mitten drin einen Helden, der irgendwie mit dem Leben zu Recht zu kommen versucht. James Sallis gelingt der Kunstgriff Fiktion und Realität miteinander zu verschränken, indem er die Geschichte eines Stuntmans erzählt, dessen eigentliches Leben darin besteht, für den Film die halsbrecherischen Sekunden herauszuholen, die einen Actionstreifen seine besondere Brisanz liefern. Daß sein privates Leben dabei vielmehr Spannung abliefert, er ein Doppelleben als Fluchtfahrer führt, den nur interessiert, wie viel er verdient, wohin die Reise geht und nicht, wie Plan aussieht, ist pure Ironie. Der bessere Film spielt sich im Leben ab. Mögen die Stunts vor der Kamera noch so gewagt sein. Sallis schneidet seine Kapitel kurz, filmisch, wie Szenen. Sein Tempo ist atemberaubend. Er braucht nicht viele Seiten, um seine Geschichte zu erzählen, und trotzdem hat man das Gefühl, mehr gelesen zu haben. Was daran liegt, daß Sallis auf das schmückende Beiwerk verzichtet, das anderen Thrillern die Luft nimmt. In Rückblick und Gegenwart setzt Sallis das Leben seines Drivers zusammen, ödet einen Leser nicht mit Sozialkritik an, sondern zeigt den American Way of Life abseits des gesicherten Einkommens. Jeder ist sich der Nächste. Und im guten amerikanischen Sinn glaubt auch jeder, daß er es schaffen wird. Meisterhaft in der Charakterzeichnung, überzeugend im Plot, überraschend und subtil zugleich. Selten ist das Leben eines Überlebenden auf der letzten Seite so vollendet mit einem Satz abgeschlossen worden. Sallis kann schreiben. Wir sollten ihn lesen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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