Schlimmes Ende - Ardagh, Philip

Philip Ardagh 

Schlimmes Ende

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2003

Übersetzung: Rowohlt, Harry
Broschiertes Buch
 
7 Kundenbewertungen
**** ausgezeichnet
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Schlimmes Ende

Eddies Eltern leiden an einer seltsamen Krankheit. Ganz gelb sind sie, dazu wellig an den Rändern, außerdem stinken sie nach alten Wärmflaschen. Damit Eddie sich nicht ansteckt, wird er zu Verwandten geschickt. Pech für ihn, dass es sich dabei um seinen Wahnsinnigen Onkel Jack und seine Wahnsinnige Tante Maud handelt, und dass ihr Haus "Schlimmes Ende" heißt ....

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2003


Produktinformation

  • Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 125 S. m. Illustr. v. David Roberts.
  • Seitenzahl: 128
  • Omnibus Taschenbücher Bd.21507
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 126mm x 14mm
  • Gewicht: 143g
  • ISBN-13: 9783570215074
  • ISBN-10: 3570215075
  • Best.Nr.: 12857163
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.12.2010

Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek Band 10

Das Leben voller
törichter Abenteuer
„Schlimmes Ende“
von Philip Ardagh
„Schlimmes Ende“ ist der provozierende Titel dieses Erstlings, und im Vorwort begrüßte der englische Autor Philip Ardagh seine jungen Leser des Jahres 2000 mit dem aufmunternden Wunsch: „Möge euer Leben voll törichter Abenteuer sein.“ Das „Schlimme Ende“ fing gut an, der Erfolg auf dem Markt und bei den Lesern stellte sich über Nacht ein, und der Wunsch nach weiteren törichten Abenteuern wurde von Ardagh erfüllt.
Seine Galionsfigur als Abenteurer ist der kleine Eddie Dickens, der im viktorianischen England lebt, unbedeutend sieht er aus, klein ist er – klein, aber oho. Seine Eltern leiden an einer seltsamen Krankheit, einer Art Gelbsucht, die sie wellig an den Rändern macht. Und schlecht riechen tun sie außerdem. Wonach denn? Nach alten Wärmflaschen! Wie bitte? Ja, so ist es. Doch weiter in der Geschichte. Besorgt wie sie sind um Eddies Wohl, schicken die kranken Eltern ihr Kind zu Verwandten, dem Wahnsinnigen Onkel Jack und der Wahnsinnigen Tante Maud. Bei denen …

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"Ein Götterfunke skurrilen Humors." (Deutschlandfunk)

Ein Götterfunke skurrilen Humors.<br />(Deutschlandfunk)<br/><br/>Das ist Wahnsinn.<br />(Süddeutsche Zeitung)<br/><br/>Aber Vorsicht: Wer das liest, lacht sich wellig.<br />(Brigitte)

Aber Vorsicht: Wer das liest, lacht sich wellig.

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2003 in der Sparte Kinderbuch!<br/><br/>Schräg sieht er aus - schräg schreibt er auch!<br /> Die Rede ist von dem mehr als zwei Meter großen Philip Ardagh, der für den vorliegenden Roman von der Jury von DIE ZEIT und Radio Bremen mit dem Luchs 2002 ausgezeichnet wurde - womit wieder einmal bewiesen wäre, dass gut gemachte Kinderbücher auch bei den Lesern jenseits der 1,20 Meter-Marke ihre Fans finden.<br /> Prächtiges Cover - aberwitzige Inhalte<br /> Und es würde wohl keinen wundern, wenn - wie weiland bei den Harry-Potter-Büchern - demnächst eine "Erwachsenen-Edition" auf den Markt käme. Obschon es ausnehmend schade wäre um das Cover von David Roberts (der auch für die wunderbaren Illustrationen IM Buch verantwortlich zeichnet), das auf selten präzise Weise das Wesen dieses hervorragenden Jugendbuches erfaßt hat: Der wahnsinnige Onkel Jack, ein säuferrotnasiger Lulatsch, greift mit knochigen Fingern nach dem armen Helden, dessen Blick zwischen Angst und Verwunderung schwankt, während im Hintergrund die wahnsinnige Tante Maud mit ihrem ausgestopften Wiesel (von dem bis zum Schluß nicht klar ist, ob es nun Malcolm oder Sally heißt, was aber eigentlich auch egal ist) droht.<br /> Ein Wahnsinnsbuch<br /> Kleine und große lieben sie, diese Geschichten, in denen arme (Waisen-) Kinder vom Schicksal gebeutelt in die Hände merkwürdiger Anverwandter geraten und/oder sonderbare Zeitgenossen treffen (man denke in diesem Zusammenhang nur an die hochgelobte amerikanische Serie <em>Die schaurige Geschichte von Violet, Sunny und Klaus</em> von Lemony Snicket).<br /> Und diesbezüglich kommt der Leser in den 11 Folgen (nicht Kapitel - hatte der Autor doch nach eigenem Bekunden die ganze Story als Fortsetzungsgeschichte zu seinem Neffen ins Internat geschickt) dieses Buches in seiner viktorianischen Kulisse so richtig auf ihre Kosten.<br /> Da wimmelt es von durchgeknallten Zeitgenossen mit absonderlichen Angewohnheiten - wovon die des guten Onkels, seine Zeche im "Zum Ausspann" nur mit Trockenfisch zu bezahlen oder die der Frau Theaterdirektor Mrs. Pumblesnook, ihre Haut in Fetzen abzupolken und sie in eine spezielle Tasche vorn an ihren Kleidern zu stecken, nur die Spitze des Eisberges sind.<br /> Die siechen und (wir erinnern uns) schon ganz gelben und welligen Eltern des Protagonisten vertreiben sich ihre Zeit vorzugsweise mit Arm drücken, Schwert fechten und Haie fischen. Zimmermädchen, die durch die Prüfung gefallen sind, leben in einem Schrank unter der Treppe (ein Schelm, dem jetzt sofort Harry Potter einfällt). Pferde schlafen in Gastzimmern oder erhalten - falls sie doch im Stall nächtigen müssen - eine Auswahl erlesener Weine.<br /> Viele Schicksalsschläge und ein Happy End<br /> Durch das Gewirr all dieser außerordentlich skurrilen Personen und Situationen zieht sich der rote Faden einer Handlung, die sich in wenigen Sätzen erzählen läßt: Eddies Vater und Mutter leiden an einer mysteriösen Krankheit und damit er sich nicht ansteckt, wird er in die Obhut seines Großonkels und dessen Gattin gegeben. Auf der Reise zum Familiensitz der beiden landet er durch eine Verwechslung in einem Waisenhaus, aus dem der clevere Junge aber zum Glück entfliehen kann - nicht ohne die anderen Zöglinge zu befreien - um am Ende wieder mit seinen, wie durch ein Wunder genesenen Eltern vereint zu sein.<br /> Spannend, komisch und faszinierend<br /> Doch was so simpel klingt, ist, nicht zuletzt durch die hinreißend aberwitzigen inhaltlichen Schnörkel, sprachlichen Kapriolen (meisterhaft von Harry Rowohlt ins Deutsche übertragen) und Exkurse in diese oder jene Materie (von der kleinen Revolverkunde bis zur Wächterfunktion von Gänsen), fesselnd spannend, brüllend komisch und so faszinierend, dass kein Einhalten möglich ist, bis auch die letzte Zeile verschlungen wurde.<br /> Da muss der Rezensent sich schon sehr zurückhalten, um seine lobenden Worte nicht länger werden zu lassen als es das Werk selbst mit seinen 126 Seiten ist - zu viele köstliche Details laden dazu ein, zitiert zu werden - und das nicht etwa nur der Hausbrand zur Halbzeit.<br /> Aber genug der vielen Worte, die doch den Inhalten nur ansatzweise gerecht werden können: Diese Geschichte MUSS man selbst gelesen haben. Oder aber - ganz besonders in Anbetracht der vielen sprachlichen Eigenarten die den unterschiedlichen Figuren anhaften - man läßt sie sich vorlesen. Von einem Profi. Nämlich the one and only Harry Rowohlt. Denn wer besser als der Übersetzer könnte auch die kleinste Nuance des Originals einfangen und an die Zuhörer weitergeben?<br /> (Michaela Pelz, www.krimi-forum.de)<br/><br/>"Dieses Buch zu übersetzen, war nicht nur eine Ehre und ein Privileg, sondern auch ein riesengroßer Spaß!!! Von den 108 Büchern, die ich bislang übersetzt habe, ist dies eines der besten." (Harry Rowohlt)<br/><br/>"Eine fabelhafte Mischung aus Dickens und Monty Python. Brillant!" (Guardian)<br/><br/>"Ein köstlich komisches Buch. Ein wahrer Fund." (Bookseller)<br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

In schlechten Zeiten sollte man besser von noch schlechteren Zeiten lesen oder einfach "unglaublichen Unsinn", erklärt Rezensent Konrad Heidkamp. Philip Ardaghs "Ein schlimmes Ende" ist wohl eher letzteres. Der Roman für Kinder von dem 41-jährigen Engländer Philip Ardagh erhielt den Preis "Luchs des Jahres 2002". Zurecht, urteilt der Rezensent. Ardgah, der schon über 60 Bücher geschrieben hat, sei der "geborene Pädagoge": ständig unterbreche er die Geschichte vom zehnjährigen Eddie, den seine kranken Eltern zum Wahnsinnigen Onkel und der Wahnsinnigen Tante schicken, mit "Unwissenswertem und irrsinnigen Einschüben". Das Buch, so Heidkamp, ist eine Groteske, geht aber (vorläufig) glücklich aus. Eine Fortsetzung ist offenbar geplant. Hingerissen ist Heidkamp vor allem vom Wortwitz Ardaghs: Das sei das "Land von Laurence Sterne und Charles Dickens, von Terry Jones und Monty Python." Was für ein Glück, freut sich der Rezensent, dass gerade der "Wortschöpfer- und verrücker" Harry Rowohlt den Roman übersetzt hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Ardagh überschüttet uns mit seinen verquer-komischen Einfällen, bis man es vor Lachen nicht mehr aushält. Dieses Buch ist der absolute Knüller und ich liebe es."
Über zwei Meter lang, ein buschiger Bart - Philip Ardagh ist nicht nur sehr groß und sehr haarig, sondern er hat auch mehr als 50 Bücher geschrieben für Kinder jeden Alters. Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie "Schlimmes Ende". Ardagh, der mit seiner Frau und zwei Katzen in einem kleinen Küstenort in England lebt, arbeitete u. a. als Werbetexter, als Reinigungskraft in einer Klinik, als (höchst untauglicher) Bibliothekar und als Vorleser für Blinde. Derzeit ist er Vollzeit-Schriftsteller. Seine Bücher, die er unter verschiedenen Namen veröffentlicht, wurden bislang in neun Sprachen übersetzt. "Schlimmes Ende" wurde mit dem "Deutschen Jugendliteraturpreis" und mit dem "LUCHS" ausgezeichnet, der von einer Jury der "Zeit" und Radio Bremen verliehen wird.

Leseprobe zu "Schlimmes Ende" von Philip Ardagh

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Leseprobe zu "Schlimmes Ende" von Philip Ardagh

FOLGE 1

In welcher Eddie Dickens zu seinem eigenen Besten weggeschickt wird

Als Eddie Dickens elf Jahre alt war, bekamen seine bei den Eltern so eine abscheuliche Krankheit, von der sie gelb und an den Rändern etwas wellig wurden und nach alten Wärmflaschen rochen.

Damals gab es viele solcher Krankheiten. Vielleicht hatte das mit dem vielen dicken Nebel zu tun, mit dem knubbeligen Kopfsteinpflaster und damit, dass sich alle zu Pferde fortbewegten... sogar aufs Klo. Wer weiß?

"Es ist sehr epidemisch", sagte sein Vater.

"Und ansteckend", sagte seine Mutter, die an einem Eiswürfel in Gestalt eines berühmten Generals lutschte.

Sie waren im Schlafzimmer von Eddies Eltern, welches sehr dunkel und dreckig war und in dem es außer einem großen Doppelbett, einem noch größeren Kleiderschrank und zweiunddreißig verschiedenen Stühlen, die alle so gebaut waren, dass man kerzengerade auf ihnen sitzen musste, selbst wenn man mit den Hand- an die Fußgelenke gefesselt war, keine Möbel gab.

"Warum lutschst du an einem Eiswürfel in Gestalt eines berühmten Generals?", fragte Eddie beide Eltern, die, gegen Stapel von Kissen gelehnt, aufrecht in ihrem beeindruckend hässlichen Doppelbett saßen.

"Doktor Keks sagt, das hilft gegen die Schwellung", sagte seine Mutter. In Wirklichkeit sagte sie, weil sie einen berühmtergeneralsförmigen Eiswürfel im Mund hatte, natürlich: "Bokbor Keeksch wagt, basch hiff gegbe bie Schwewwugg", aber Eddie gelang es, das zu übersetzen.

"Welche Schwellung?", fragte er höflich.

Seine Mutter zuckte die Achseln und sah plötzlich noch gelber und an den Rändern noch welliger aus.

"Und warum müssen sie berühmtergeneralsförmig sein?", fragte Eddie. Er stellte immer viele Fragen, und immer wenn er viele Fragen stellte, sagte sein Vater: "Fragen! Fragen!"

"Fragen! Fragen!", sagte sein Vater.

Sag ich doch.

"Aber warum wie ein berühmter General?", wiederholte Eddie. "An der Form des Eiswürfels kann es doch nicht liegen, oder?"

"Bakammamma wehn, baschu keibme Fimme hasch", maulte seine Mutter, und das hieß (und heißt es immer noch): "Da kann man mal sehen, dass du keinen Schimmer hast."

Sein Vater raschelte mit dem Bettzeug. "Man stellt den guten Onkel Doktor nicht infrage", sagte er. "Besonders nicht, wenn man ein Kind ist." Er war ein kleiner Mann, außer wenn er im Bett saß. In dieser Stellung wirkte er überaus groß.

Dann raschelte Eddies Mutter mit dem Bettzeug. Es war leicht, mit dem Bettzeug zu rascheln, denn es war ausschließlich aus braunen Papiertüten hergestellt, die mit diesen Extrastreifen gummierten Papiers aneinander geklebt waren, die man kriegt, wenn man auf dem Postamt mehr als eine Briefmarke kauft.

Briefmarken waren damals noch eine ziemlich neue Erfindung und alle - außer eine meiner Ururgroßtanten mütterlicherseits - fanden sie sehr aufregend.

Das Gute daran, dass es damals so wenig Briefmarken gab, war, dass noch niemand auf die Idee gekommen war, sie zu sammeln und in Alben zu kleben und einen richtig damit zu langweilen. Es gab keine Briefmarkensammler. Außerdem war es gut, dass es keine Briefmarkensammler gab, weil Lehrer sich nicht an ein wehrloses Kind anschleichen und es fragen konnten, wie "Philatelist" geschrieben wird.

Jedenfalls war es selbst für damals eher ungewöhnlich, Bettzeug aus braunen Papiertüten zu besitzen. Sogar außergewöhnlich ungewöhnlich. Um Bettzeug wurde damals noch mehr Aufhebens gemacht als heutzutage.

Es gab keine polyestergefüllten Daunendecken mit separat waschbaren Bettbezügen. Aber nein. Damals gab es Unterdecken und Unterlaken und Überlaken und Mittellaken und sieben verschiedene Sorten von Überdecken. Diese rangierten von solchen, die dicker waren als eine Holzplanke (aber nicht so weich), bis zu welchen, die Löcher hatten und auch haben sollten.

Um ein Bett ordentlich machen zu können, durchlief das durchschnittliche Zimmermädchen eine sechs- bis achtwöchige Ausbildung in einem speziellen Lager. Selbst dann bestanden nicht alle die Prüfung, und wenn eine durchgefallen war, verbrachte sie den Rest ihres arbeitsfähigen Lebens in einem Schrank unter der Treppe.

Der Schrank unter der Treppe des Dickens'schen Haushalts wurde von der Laberliese bewohnt. Sie verbrachte ihre Tage im Finstern mit verschiedenen Aufnehmern, Eimern und Besen und murmelte Sachen wie "auch in den Ecken wischen" und "der aufgeraute Teppichsaum ist der schlimmste". Sie kam nie heraus und wurde mit Schinkenscheiben und allen Nahrungsmitteln gefüttert, die dünn genug waren, um unter der Schranktür durchzupassen.

Der Grund dafür, dass Mr und Mrs Dickens raschelnde braune Papierlaken und -decken hatten, war, dass dies Teil der Behandlung war. Dr Keks gab immer sehr strikte Anweisungen, was die Behandlung betraf.

Der Geruch nach alten Wärmflaschen hatte auf Eddies Das-geht-gerade-noch-Skala schon beinahe die "Unerträglich"-Marke erreicht und er hielt sich sein Taschentuch vors Gesicht.

"Du wirst den Raum verlassen müssen, mein Junge", sagte sein Vater.

"Du wirst das Haus verlassen müssen, mein Junge", sagte seine Mutter. "Wir können nicht riskieren, dass du ganz gelb und wellig und übel riechend wirst. Nach den Unsummen, die wir dafür ausgegeben haben, dass du ein richtiger kleiner Gentleman wirst, wäre das rausgeschmissenes Geld."

"Weshalb wir dich zum Wahnsinnigen Onkel Jack schicken werden", erklärte sein Vater.

"Ich wusste gar nicht, dass ich einen Wahnsinnigen Onkel Jack habe", staunte Eddie. Er hatte noch nie von ihm gehört. Er hörte sich nach einem ziemlich aufregenden Verwandten an.

"Ich habe nicht gesagt, dein Wahnsinniger Onkel Jack. Er ist mein Wahnsinniger Onkel Jack", sagte sein Vater. "Wenn du nur mal zuhören wolltest. Demnach ist er dein Großonkel."

"Och", sagte Eddie enttäuscht. "Du meinst den Wahnsinnigen Großonkel Jack." Dann wurde ihm klar, dass er von dem auch noch nie gehört hatte, und er hörte sich genauso aufregend an wie der andere. "Wann lerne ich ihn kennen?"

"Er ist im Kleiderschrank", sagte seine Mutter und zeigte auf den großen Kleiderschrank am Fußende des Bettes, falls ihr Sohn vergessen hatte, wie ein Kleiderschrank aussah.

Eddie Dickens öffnete zitternd (der Kleiderschrank war aus Espenholz) die Kleiderschranktür.

Drin, inmitten der Kleider seiner Mutter, stand ein sehr, sehr, sehr großer und sehr, sehr, sehr dünner Mann mit einer Nase, die einen Papageienschnabel gleich viel weniger schnabelhaft wirken ließ. "Tag", sagte er, mit einem "g", nicht mit einem "ch". Es war eindeutig ein "Tag" und kein "Tach". Der Wahnsinnige Onkel Jack streckte die Hand aus.

Eddie ergriff sie. Seine Kleiner-Gentleman-Lektionen waren also doch nicht komplett rausgeschmissenes Geld gewesen.

Der Wahnsinnige Onkel Jack stieg aus dem Kleiderschrank und auf eine ovale Matte, die von Kindern im Sankt-Fürchterlich-Heim für dankbare Waisen gestrickt worden war. Merkt euch dieses Haus: Sankt-Fürchterlich-Heim für dankbare Waisen. So. Ich habe es noch einmal für euch hingeschrieben. Soll bloß keiner sagen, dass ich nichts für euch tu. Merkt euch den Namen. Eines Tages werdet ihr ihm wieder begegnen, und das wahrscheinlich zwischen den Deckeln dieses Buches.

"Du bist also Edmund Dickens", sagte der Wahnsinnige Onkel Jack und studierte den Jungen.

"Stimmt, Sir", sagte Eddie, der in Wirklichkeit Edmund mit Vornamen hieß.

Eddie Dickens' Vater räusperte sich, wozu er ein fachmännisches Räusperstäbchen verwendete. Das gehörte alles zu Dr Keks' Behandlung.

"Edmund", sagte Mr Dickens, "du gehst jetzt mit meinem Onkel mit und wohnst bei ihm, bis deine liebe, süße Mutter und ich...", er hielt inne und küsste Mrs Dickens auf die Stelle ihres Gesichts, die am wenigsten gelb und am wenigsten wellig an den Rändern war (ein kleiner Abschnitt direkt hinter dem linken Ohr), "...wieder wohlauf sind. Du darfst in seiner Gegenwart nie etwas Grünes tragen, du musst jeden Tag mindestens fünf Gläser lauwarmes Wasser trinken, und du musst immer tun, was er dir sagt. Ist das klar?"

"Ja, Vater", sagte Eddie.

"Und, Jonathan", fügte seine Mutter hinzu, denn Jonathan war ihr Kosename für Eddie, wenn sie nicht auf seinen richtigen Namen kam.

"Ja, Mutter?"

"Pass bitte auf, dass du nicht fälschlich für ein Waisenkind gehalten wirst, welches ausgerissen ist, denn dann wird man dich ins Waisenhaus bringen, allwo du Grausamkeit, Not und Elend erleiden wirst."

"Mach dir keine Sorgen, Mutter. Das wird nie passieren", sagte Eddie Dickens und tat den Gedanken als lachhaft ab.

O, hätte er es sich doch zu Herzen genommen.

Der Wahnsinnige Onkel Jack wollte noch schnell aufs Klo, bevor er aufbrach, und da er mit dem Haus nicht vertraut war, hatte er Schwierigkeiten damit, sein Pferd die Treppe hinaufzuzwingen, ohne ein bis zwei Familienporträts von der Wand zu fetzen.

Dass er die Porträts nur Minuten zuvor dort angenagelt hatte, machte alles noch lästiger. Er nahm die Gemälde immer mit, wenn er sich weiter als elf Meilen von zu Haus entfernte. Weil sein Haus zwölf Meilen vom nächsten Haus entfernt war, bedeutete das, dass er sie immer bei sich hatte.

Ein Hauptbestandteil der Behandlung war, dass weder Mr Dickens noch seine Frau, Mrs Dickens, ihr Bett häufiger als dreimal täglich verlassen durften. Weil sie an jenem Tag bereits zweimal aufgestanden waren und beide planten, später noch einmal aufzustehen, um gegen ihre Freunde und Nachbarn Mr und Mrs Thackery, die drüben auf dem Kleinen Gutshof wohnten, im Armdrücken anzutreten, konnten Eddies Eltern nicht aufstehen, um sich von ihm zu verabschieden.

Stattdessen wurde das Bett aus dem Fenster vermittels einer Winde und Seilen herabgelassen, die aus den Laken geflochten worden waren, welche man, seitdem die Behandlung begonnen hatte, nicht mehr brauchte.

"Viel Glück, mein Junge", sagte Eddies Vater. "Unter diesen extremen Umständen würde ich dich sogar küssen, aber ich möchte nicht, dass du dich ansteckst."

"Gute Besserung, Vater", sagte Eddie.

"Benimm dich, Simon", sagte seine Mutter. Simon war der Name, den Mrs Dickens benutzte, wenn sie nicht darauf kam, dass er eigentlich Edmund hieß und dass sein Kosename Jonathan war. "Benimm dich."

"Mach ich", sagte Eddie. "Gute Besserung, Mutter."

Es hatte angefangen zu regnen, und die Regentropfen vermischten sich mit den Tränen, die auf dem Gesicht seiner Mutter herunterkullerten. Sie schälte gerade eine Zwiebel.

Leseprobe zu "Schlimmes Ende" von Philip Ardagh

"FOLGE 8 (S. 49-50)

Beeilung, bitte!

In welcher ein Schokoladenplätzchen auch ein Mäusekötel sein könnte


Nachdem der Theaterdirektor Mr Pumblesnook sich zu ihnen - und, nicht zu vergessen, Malcolm, dem ausgestopften Wiesel - in die Kutsche gesetzt hatte, wurde es für Eddie immer schlimmer. Wer konnte Malcolm schon vergessen? Eddie nicht, so viel ist schon mal sicher, denn die Schnauze des Wiesels stak in seinem Ohr. »Warum sind wir hier eigentlich so zusammengequetscht?«, fragte er, immer noch böse auf Mr Pumblesnook, weil der vorgegeben hatte, ein Schurke zu sein, und mit seinem Revolver auf ihn gezielt hatte. »Könnte nicht einer von uns auf der Sitzbank gegenüber sitzen?«

Die Frage schien durchaus berechtigt zu sein, weil sie alle drei (plus Wiesel) nebeneinander saßen, während die Sitzbank gegenüber V - A - K - A - N - T (das spricht man »leer« aus) war. »Ich bin für das Sitzarrangement zuständig, und ich sage, dass wir haargenau so sitzen, wie wir sitzen!«, röhrte die Wahnsinnige Tante Maud. »Haben Sie nicht sogar mal einen Sommer auf der Höheren-Töchter-Schule für Angewandtes Platznehmen verbracht?«, fragte Mr Pumblesnook, welcher Eddies Meinung nach lediglich versuchte, sich bei ihr einzuschmeicheln. »Sie haben Recht wie immer, Mr Pumblesnook«, säuselte die Wahnsinnige Tante Maud und errötete wie ein Schulmädchen, wodurch sie - bei ihrem Alter und mit ihren Runzeln - wirkte wie eine unreife Backpflaume.

»Allerdings habe ich keinerlei Sommer auf der Höheren-Töchter-Schule für Angewandtes Platznehmen verbracht, sondern mein Wissen um Sitzarrangements ist instinktiv. Ich kam mit dieser Tugend bereits zur Welt!« »Aber das ist doch lächerlich!«, sagte Eddie, der jetzt das Pech des Ellbogens seiner Großtante in den Rippen hatte, sowie zusätzlich das Wiesel im Ohr. »Still, Junge!«, kreischte die Wahnsinnige Tante Maud. »Als ich ein Mädchen war, konnte man Kinder sehen, aber nicht hören!«

»Als ich in meiner frühen Jugend mich befand…«, begann der Theaterdirektor, der, wie du dich erinnern wirst, viele Wörter verwendete, wo wenige vollauf gereicht hätten, »…als ich in meiner frühen Jugend mich befand, waren Kinder weder zu sehen noch zu hören, sondern…« »Nur zu riechen?«, schlug die Wahnsinnige Tante Maud vor. Eddie war klar, dass Mr Pumblesnook gar nicht »nur zu riechen« hatte sagen wollen, aber er war zu höflich, das zu sagen.

»Sie waren nicht zu sehen und nicht zu hören, sondern nur zu riechen!«, kreischte die Wahnsinnige Tante Maud. »Mit Zwiebel eingerieben, sodass sie nur rochen!« Die Erwähnung einer Zwiebel erinnerte Eddie an seine eigene liebe Mutter, die vor kurzem dazu übergegangen war, sich ganze, geschälte Zwiebeln in den Mund zu stopfen, um ihre Kopfform zu verbessern. Erraten. Auch dies gehörte zu Dr. Keks’ Behandlung. Er seufzte. »Sei nicht traurig, mein Kind«, sagte der Theaterdirektor. »Lasst uns die vielen Meilen und Stunden, gemeinsam zurückgelegt und verbracht, nutzen, um zu sehen, ob du das Zeug zum Thespisjünger hast!«"

Kundenbewertungen zu "Schlimmes Ende" von "Philip Ardagh"

7 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.6 von 5 Sterne bei 7 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von J.T.m aus Bonn am 18.05.2011 ***** ausgezeichnet
In dem Buch geht es um den Jungen Eddie Dickens, dessen Eltern an einer merkwürdigen Krankheit leiden. Sie stinken nach alten Wärmflaschen und sind ganz gelb und wellig an den Rändern. Um nicht angesteckt zu werden, soll Eddie, mit richtigem Namen Edmund, zu seinem wahnsinnigen Onkel Jack und zu seiner noch wahnsinnigeren Tante Maud reisen. Allerdings sind die beiden zwei sehr merkwürdige Gestalten... Der wahnsinnige Onkel Jack zum Beispiel, der sogar sein Pferd mit auf die Toilette nimmt...und sein Heim Schlimmes Ende genannt hat.
Ich habe dieses Buch ausgesucht, weil es sehr humorvoll geschrieben wurde. Wenn man das Buch einmal liest, kann man nicht mehr aufhören! Deswegen empfehle ich dieses Buch weiter.

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Bewertung von AxTod aus Leipzig am 18.08.2010 ***** sehr gut
Dieses Buch spielt in Großbrittanien und es geht um einen Jungen namens Edmund, der aus dem Haus seiner Eltern ausziehen muss, weil sie eine hochansteckende Krankheit haben, durch die sie nach alten Wärmflaschen riechen und wellig an den Rändern sind. Edumund, der im Buch (fast) immer Eddie genannt wird, reist mit seinem wahnsinnigen (Groß-)Onkel Jack und seiner noch wahnsinnigeren (Groß-) Tante Maud zu deren Anwesen, Schlimmes Ende. In der Familie von Eddie haben aber alle (mindestens) eine Macke. Und so beginnt Eddie eine völlig verrückte Reise zum Haus seiner noch wahnsinnigeren Großtante Maud (NWTM) und seinem wahnsinnigen Großonkel Jack (WOJ).
Das Buch hat mir gefallen, weil es sehr lustig ist und die Handlung trotz vieler Lustiger Kommentare des Autors nicht zu verworren ist (obwohl der Autor manchmal ganze Seiten damit füllt....). Es gibt auch noch fünf Fortsetzungen des Buches, dieser Teil gefällt mir aber am besten.

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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 06.06.2010 ***** ausgezeichnet
Wie kommt man nur auf solche Ideen :-) ????
117 Seiten völliger Nonsense, Wortspielereien, Klamauk auf hohem Niveau und dazu noch die genialen Zeichnungen von David Roberts - man bekommt die Mundwinkel gar nicht mehr nach unten. Doch Achtung! Leserinnen und Leser, die ein Mindestmaß an Sinn in einer Geschichte brauchen um diese genießen zu können, sollten die Finger davon lassen. Hier zählt nichts außer der Freude am Erzählen - und zwar völlig sinnfrei.
Die Geschichte ist schnell wiedergegeben: Edmund, genannt Eddie oder Jonathan oder auch Simon, je nachdem ob seiner Mutter gerade sein Name oder Kosename nicht einfällt, muss eine Zeitlang zu seinem Großonkel, dem Wahnsinnigen Jack, da seine Eltern an einer abscheulichen, sehr ansteckenden Krankheit leiden, von der man gelb und an den Rändern (welchen???) etwas wellig wird sowie nach alten Wärmflaschen riecht. Auf der Reise nach 'Schlimmes Ende', dem Haus seines Großonkels, zusammen mit dem 'Wahnsinnigen Jack', der 'Wahnsinnigen Maud' (seiner Großtante) und dem ausgestopften Wiesel das Sally bzw. Malcolm, aber vielleicht auch Cornelius oder Edna heißt, begegnet er merkwürdigen Gestalten und landet unter obskuren Umständen im Waisenhaus 'Sankt-Fürchterlich-Heim für dankbare Waisen' bei der schrecklichen Frau Direktor Grausam-Unsäglich.
Ardagh liebt es, überall noch weitere kleine Geschichten einzubauen, die eine skurriler als die andere (wie sich beispielsweise der Theaterdirektor auf seine Rolle als Lachs in dem Stück 'Wir kleinen Fische' vorbereitete. Er verbrachte einen ganzen Monat in der Badewanne und ernährte sich ausschließlich von Wattwürmern und Ameiseneiern.). Dazu die in jeder Hinsicht spitzen Zeichnungen von David Robert: Figuren mit den spitzesten Nasen die man sich vorstellen kann, spitzen Fingern, spitzen Beinen, Ellbogen, Schulten, Füße - es ist eine wahre Freude sich beim Durchlesen diese herrlichen Bilder anzuschauen.
Harry Rowohlt hat hier sicherlich eine erstklassige Übersetzung geliefert (ich kenne das Original nicht). Wie kommt man nur auf Wörter wie 'Augenbrauenaufrauer' oder 'berühmtergeneralsförmiger Eiswürfel'? Sowas findet doch man nicht im Wäörterbuch - oder doch :-) ?
Also: Unbedingt Lesen!!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Dem Autor für die Bewertung danken
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Bewertung von xilef aus Kirchseeon am 02.05.2010 ***** ausgezeichnet
Im Buch geht es um den Jungen Eddie Dickens, der zu seinem verrückten Großonkel und seiner wahnsinnigen Tante Maud zu Besuch fährt. Seine Eltern sind krank, sie sind gelb und wellig an den Rändern und außerdem stinken sie nach alten Wärmflaschen
Das Buch war total lustig und völlig verrückt. Ich würde es nur jemanden empfehlen, der viel Humor hat.

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Bewertung von Harry K aus Ottobrunn am 15.04.2010 ***** gut
Eddie lebt bei seinen Eltern. Als diese krank werden, muss er zu seiner verrückten Verwandtschaft umziehen. - Dabei erlebt er viele verrückte Dinge.
Das Buch hat unserem Lehrer besser gefallen als den Schülern. Es ist alles schon SEHR verrückt. Wer auf so verrückte Dinge steht - der kann es lesen - ansonsten ist es zumindest eine kurzweilige Sache, da das Buch recht dünn ist.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Schlumm aus Medelby am 10.08.2008 ***** ausgezeichnet
Ein herrlich komisches Buch!
Habe mir dieses Buch gekauft weil ich von der Beschreibung so neugierig wurde dass ich es mir unbedingt kaufen musste. Es ist von Anfang bis Ende wirklich sinnlos komisch und echt zum schreien lustig geschrieben! Nicht nur was für verregnete Tage! Ich hatte das Buch an einem Tag durch weil ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte!

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Bewertung von Susann Prause aus Wolmirstedt am 29.06.2007 ***** ausgezeichnet
Ein Wunderwerk des skurrilen Humors!
Der Autor strickt beim Schreiben an sich sinnlose (weil auch nicht zwangsläufig richtige) Erklärungen, verheddert sich aber nie, stellt alles so dar, dass es im ersten Moment tatsächlich logisch scheint, dass die Leute im 19. Jh. ihre Unterhemden und Unterhosen für ihre Haut hielten: "aus anderem Material hergestellt als Gesicht, Hände und Füße, und mit Knöpfen dran."
Wer in diesem Buch keine Überraschungen erwartet, wird enttäuscht - immer abstraktere und verrückter erscheinende Figuren tauchen während der Reise, durch das Buch, und mit der Hauptperson Eddie zum Haus seines wahnsinnigen Großonkels Jack und seiner wahnsinnigen Großtante Maud, auf. Das wahnsinnig Komische: Eddie ist dabei die Person, die als einziges bei wirklich klarem Verstand zu sein scheint, da auch der Autor teilweise auf angenehme Weise etwas verwirrt wirkt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein gekauftes Buch beim Lesen nicht "wellig an den Rändern" wird - vor lauter Lachtränen!

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