"Denk nicht, wir bleiben hier!" - Tuckermann, Anja

Anja Tuckermann 

"Denk nicht, wir bleiben hier!"

Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2006, Kategorie Sachbuch

Broschiertes Buch
 
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"Denk nicht, wir bleiben hier!"

'Vergessen, was uns angetan worden ist? Kann man nicht.' (Hugo Höllenreiner).
1943 wird der neunjährige Hugo mit seinen Eltern, Großeltern, Geschwistern und vielen Verwandten deportiert. Er weiß nicht, wohin die Reise geht. Sie endet im 'Zigeuner-Lager' in Auschwitz-Birkenau. Zwei Jahre verbringt Hugo in Lagern. Dr. Mengele quält ihn und einen seiner Brüder mit brutalen medizinischen Experimenten, und er erlebt den Aufstand der Sinti und Roma, als die SS das 'Zigeuner-Lager' auflösen will. Über Ravensbrück und Mauthausen kommt er nach Bergen-Belsen. Dort wird er im April 1945 befreit. Von all dem vermag erst der über Sechzigjährige zu sprechen. In langen Gesprächen mit der Autorin des Buches kamen Stück für Stück lang verschüttete Erinnerungen zurück.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2012
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 299 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 299
  • dtv Taschenbücher Bd.62336
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 23mm
  • Gewicht: 342g
  • ISBN-13: 9783423623360
  • ISBN-10: 3423623365
  • Best.Nr.: 22843283
»Ein bemerkenswertes Buch über das selten thematisierte Kapitel der Diskriminierung der Fahrenden.« Baobab Books, Fremde Welten September 2011

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.12.2005

Die Hölle überlebt
Das Martyrium eines Sinto in den Nazi-Konzentrationslagern
Hugo konnte schon lesen, noch nicht so gut, aber was oben ins Tor geschmiedet stand, entzifferte er stolz: ,Arbeit macht frei‘.” Hugo war neun Jahre alt, er dachte sich: Wer gut arbeitet, kommt hier auch wieder raus. Wie durch ein Wunder kam Hugo wirklich wieder raus. Raus aus Auschwitz, raus aus Ravensbrück, raus aus Mauthausen, raus aus Bergen-Belsen. Dazwischen lagen zwei Jahre Hunger, Durst, Kälte, Krankheit, Schläge - und Angst. Jeden Tag Angst um seine Familie, jeden Minute Angst um sein Leben. 60 Jahre nach seinem Martyrium in zahlreichen Konzentrationslagern hat der Sinto Hugo Höllenreiner der Berliner Schriftstellerin Anja Tuckermann seine Lebens- und Leidensgeschichte erzählt.
Bei den Gesprächen mit Tuckermann kamen viele der verdrängten grausamen Erlebnisse wieder ins Gedächtnis des heute 72-jährigen gebürtigen Münchners zurück. Es kostete ihn viel Kraft und Überwindung, den KZ-Alltag zu schildern, schreibt Tuckermann. Sie hat den Weg Höllenreiners durch die KZ-Hölle in der dritten Person geschrieben, eingestreut sind Zitate Höllenreiners mit …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.01.2006

Reden gegen das Vergessen
Verstörend: Anja Tuckermann hört Hugo Höllenreiner zu

Hugo Höllenreiner redet und redet. Er spricht oft vor Schulklassen und bei Gedenkveranstaltungen. Es ist die immer gleiche Geschichte, die er erzählt: seine eigene. Die eines Sinti-Jungen, geboren Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, hinein in eine unruhige Zeit. Im März 1943, Hugo ist neun Jahre alt, wird ihm "Z-3529" in den linken Unterarm tätowiert, "Z" für Zigeuner, wie man Sinti und Roma zu jener Zeit nannte, womit man meinte: Arbeitsscheue, Horden umherziehender Bettler, eine artfremde Rasse, Schande für das deutsche Volk.

Vier Konzentrationslager hat Höllenreiner überlebt. Was er in dieser Zeit an Qualen ertragen und an Leid mitansehen mußte, das ist zuviel für ein einziges Leben. Sein Martyrium hat ihn traumatisiert auf ewig, noch immer riecht er den Gestank der Verbrennungen und hört die Glocke zum Appell. Kindergeschrei kann er nicht vertragen, auch lautes Lachen nicht. In den schrillen Tönen hört er die Schreie der Menschen auf dem Weg in die Gaskammern. Nach Höllenreiners Vorträgen herrscht stets Entsetzen, und selbst mit …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Reinhard Osteroth will dieses Buch nicht nur empfehlen, er muss es empfehlen. Der Sinto Hugo Höllenreiter legt darin Bericht ab über da, was ihm und seiner Familie im Nationalsozialismus angetan wurde. Schonungslos führt er dabei die Leser in die Hölle der Konzentrationslager, von Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen. Wie Osteroth berichtet, hat Höllenreiter bis zum jahr 1993 überhaupt nicht über sein Schicksal sprechen können, und auch jetzt fällt es ihm schwer, wie die Gespräche mit der Journalisten Anja Tuckermann noch immer belegen. Unverzichtbar findet Osteroth solch schmerzhafte Bücher.

© Perlentaucher Medien GmbH

"In Höllenreiners Biographie findet sich alles, was Lebensgeschichten faszinierend macht: Dramen und Abgründe, Schicksalsschläge, Liebe, Mut und Hoffnung. Anrührend und ergreifend..." Elena Geus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.06 "Gegen das Vergessen anzukämpfen ist Höllenreiners wichtigstes Anliegen." Elena Geus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.1.06
Anja Tuckermann, geboren 1961 in Selb, lebt in Berlin und arbeitet als freie Schriftstellerin und Journalistin. Sie schreibt Romane, Theaterstücke und Libretti sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Für ihre Arbeit wurde sie u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Leseprobe zu ""Denk nicht, wir bleiben hier!"" von Anja Tuckermann

"Die Verfolgung war schon 1933 da, wo der Hitler ans Ruder kam. Da bin ich geboren und meine Mama hat mir den Namen Adolf gegeben. Ich heiße Hugo Adolf Höllenreiner. Warum sie mich Adolf genannt hat, ist leicht zu erklären. Dass uns vielleicht nichts passieren kann, wenn ich den Namen habe wie der Hitler."

Hugo wachte auf, weil er Schreie und Krachen und Weinen hörte. Erschrocken kletterte er aus dem warmen Bett und rannte in die Novemberkälte hinaus. Draußen dämmerte es, der Himmel war grau. Ziellos und panisch liefen die Pferde herum, galoppierten aus dem Hof, auf die Straße. Der Pferdestall war weg, abgebrannt, schwelte und rauchte, die Pferde hatten sich losgerissen und ?üchteten, die Fuhrwerke standen noch da, aber verrußt oder vom Feuer verkohlt. Im Hof die Mama, mit einer Bürste in der Hand, sie schluchzte und schrubbte einen Leiterwagen. Was wollen die Leute von uns? Was machen die mit uns? Wir haben doch nichts getan. Dachte Hugo. Auf den Wiesen, auf der Straße irrten die Pferde, weißer Dampf stieg aus ihren Nüstern. Der Dada, Hugos Vater, und Dadas Bruder, Onkel Konrad, ?ngen eines nach dem anderen ein, sie brachten alle Pferde zurück. Und die Mama weinte.

"Das ist meine erste Erinnerung - dass die Mama so geweint hat. Da war ich fünf. Mama, warum weinst du denn? Mir hat die Mama so leid getan. Und die Traurigkeit von ihr. Haben wir erst später gemerkt, dass sie schon ungefähr gewusst hat, was uns bevorsteht."

Die Eltern, Hugo und seine fünf Geschwister wohnten in der Deisenhofener Straße 64 in München-Giesing. Damals war Frieda, die Älteste, neun Jahre alt, Manfred sechs, dann kam Hugo, Rosi war drei, Rigo eineinhalb und Januschek war noch nicht auf der Welt. Der Dada hatte das kleine Haus mit Stall und Scheune nach Hugos Geburt gekauft. Er war Fuhrunternehmer und handelte mit Pferden, besaß vier Leiterwagen und sieben Pferde. Wenn Leute umziehen wollten, transportierte Dada ihre Sachen. Onkel Konrad wohnte mit Tante Notschga und fünf Kindern gegenüber in der Nummer 79. Auch er handelte mit Pferden. Um die Ecke in der Unterbergstraße lebten die Großeltern. Babo, der Großvater, betrieb ein Kasperltheater. In München-Giesing erstreckten sich kilometerweit Wiesen und Äcker. Die meisten von Dadas Brüdern und Schwestern lebten inzwischen mit ihren Familien auch in München.

"In München war es nicht so wie heute. Heute sind da nur Straßen, Autos und Häuser, man erkennt nichts mehr. Damals hast du mit den Pferden hinfahren können, wo du gewollt hast. Da hat keiner was gesagt, außer es war eingezäunt, aber die meisten Wiesen waren frei. Das war eine schöne Zeit, die herrlichste Zeit."

Bevor Dada, seine Eltern und Geschwister sich mit ihren Familien in München niederließen, hatten manche ihren Wohnsitz in Arnstadt in Thüringen und manche in Kassel in Hessen. Aber ihre Staatsangehörigkeit war bayerisch. Sie stammten aus Burgpfarrnbach bei Fürth. Einen festen Wohnsitz und eine Staatsangehörigkeit brauchten sie lebensnotwendig, weil sie jedes Jahr einen Wandergewerbeschein beantragen mussten, den nur die Heimatgemeinde ausstellen durfte. Und nur mit dem Wandergewerbeschein konnten sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Darauf mussten auch die Wohnwagen und das Pferd oder die Pferde eingetragen sein. Babo, Onkel Peter, Onkel Friedla, Onkel Babist und Dada musizierten mit Geige, Gitarre und Drehorgel, Mami, die Großmutter, und Mama gingen mit Spitzen und Kurzwaren hausieren. Mami flickte auch Schirme. Außerdem handelten die Männer mit Anzugstoffen und Wolle, auch mit Geigen, mit Pferden - was sich ergab. Früher hatte Babo erst als Seiltänzer und Turner, später mehr als zehn Jahre lang als Scherenschleifer seine Familie miternährt. Onkel Eduard war in der Jugendzeit auch als Seiltänzer und Turner auf Jahrmärkten aufgetreten, zu ihren Nummern gehörte auch Hantelwerfen und Kettensprengen. An jedem Ort mussten sie sich anmelden, wenn sie ankamen, und um Genehmigung bitten, bleiben zu dürfen. Und sie mussten sich wieder abmelden, auch wenn sie ohnehin nur für einen Tag bleiben durften. Fast jeder Ort wollte die Familien so schnell wie möglich wieder loswerden. Manche Leute meinten, die Zigeuner würden stehlen und betteln, dabei wollten sie handeln und tauschen. Und leben. Manchmal, wenn sie nichts verdient hatten, bettelten sie auch. Um Essen für sich und Heu für die Pferde. Oft wurden sie von Gendarmen kontrolliert, dann musste Babo Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Steuernachweis, Wandergewerbeschein, eine polizeiliche Bescheinigung, dass keine Vorstrafen vorliegen, und die Anmeldung mit der festen Adresse vorzeigen können. Sie mussten nachweisen, woher sie kamen und sagen, wohin sie wollten. Deshalb ließ Babo die Aufenthaltsgenehmigungen in Schulhefte schreiben und stempeln und hatte immer alles beisammen. Er verwahrte alle Papiere in einem Lederköfferchen so groß wie eine Keksdose, darauf achtete er sehr. Auch alte Papiere hob er auf.

Früher mussten auch die Kinder ein Heft haben, in dem sie sich in den verschiedenen Orten ihre Schulbesuche bescheinigen ließen. Aber solange die Kinder schulp?ichtig waren, wohnte die Familie meistens in Fürth.

Schon als Babo noch jung war, kontrollierten die Gendarmen die Reisenden und schrieben Berichte über sie. Aber damals brauchten sie noch nicht so viele Papiere und es wurden ihnen keine Fingerabdrücke abgenommen. Und sie konnten sich manchmal gegen die Kontrollen oder sogar Festnahmen wehren. So wie Babos Onkel, Georg Duka, der Bruders seines Dadas. Über ihn schrieb ein Gendarm einen Bericht, weil es ihm nicht gelungen war, Georg Duka wegen eines ungültigen Wandergewerbescheins festzunehmen. Babos Onkel versuchte, mit den Pferdewagen zu ?iehen, der Gendarm stellte sich den Pferden in den Weg. Später schrieb er seinen Bericht: "Ich griff nun schnell den Pferden in die Zügel, um den Wagen zum Stehen zu bringen, worauf mir Georg Duka die Zügel zu entreißen suchte. Als ihm dies nicht gelang, rief er in seinen Wagen: 'Waffen her!' und nun schlugen seine Söhne mit Peitschen und Stecken auf mich und die Pferde ein, wobei ich mit einem Stecken auf die linke Hand einen derartigen Schlag erhielt, so daß mir die Hand aufschwoll und ich genöthigt war, die Zügel der Pferde fallenzulassen."

Unterwegs war Babo mit der großen Familie weniger in Bayern, da hatten sie zu viele Schwierigkeiten mit der Polizei. Ihnen wurden Fingerabdrücke abgenommen, als wären sie Verbrecher, auch den Kindern.

Als Hugos Dada 15 war, durfte in Württemberg niemand mehr auf der Reise leben. Die Regierung verbot das zigeunermäßige Umherziehen und Lagern, so nannte sie das Leben in Wohnwagen oder Planwagen. Das war nach dem Ersten Weltkrieg. Also blieb Babo meistens doch in Bayern. Bis es dort ein neues Gesetz gab. Es wurde verboten, mit mehr als einer Familie zu reisen. Reisen in Horden nannten die Behörden das. Inzwischen waren aber manche von Mamis und Babos Kindern verheiratet. Sollten sie jetzt getrennt von ihren Kindern leben? Sie hielten sich fast nur noch in Hessen auf. Bis Hessen das bayerische Gesetz übernahm. Jetzt durfte die Polizei auch dort die Reiseroute vorschreiben und die Erwachsenen in Arbeitsanstalten stecken, wenn sie nicht eine regelmäßige Arbeit nachweisen konnten. Babo und Mami wichen nach Thüringen aus. Die Geschäfte wurden immer schwieriger, die Leute hatten kein Geld für neue Pferde, Anzüge, Stoffe, und Babo kaufte sich hundert Jahre alte geschnitzte Kasperlepuppen, dachte sich Geschichten aus und trat mit seinem Theater auf. Ein, zwei seiner Söhne oder Enkel spielten mit oder sie halfen. Wenn sie ihm nicht schnell genug die Puppen reichten, haute er ihnen mit der freien Hand die Puppe auf den Kopf, während er mit der anderen oben Kasperle hüpfen und singen ließ. Außerdem handelte Babo weiter mit Pferden. Anfang der Dreißigerjahre beschloss er, sich in München niederzulassen und pachtete Wiesen. Da war er 75 Jahre alt.

Kundenbewertungen zu ""Denk nicht, wir bleiben hier!"" von "Anja Tuckermann"

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Bewertung von Maria Elena aus Essen am 03.06.2009 ***** ausgezeichnet
Es ist mir schwer gefallen, dieses Buch durchzulesen. Ich wollte immer wieder damit aufhören. Es ins Regal stellen und vergessen. Es ging nicht. Es ist unglaublich gut geschrieben. Erschreckend realistisch. Ich musste immer wieder weinen und werde nicht eine Kleinigkeit vergessen. Ich habe es gelesen, als mein älterer Sohn 12 Jahre alt war. Jetzt ist er 15 und ich werde es ihm erst jetzt zum Lesen geben. Ich fand den Inhalt einfach zu hart für einen zwölfjährigen, aber vielleicht bin ich bei diesem Thema einfach zu empfindlich.

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Bewertung von C. Jordan aus Barsinghausen am 02.11.2008 ***** ausgezeichnet
Denk nicht, wir bleiben hier
Deutscher Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner, geschrieben von Anja Tuckermann
Jugendliteraturpreis 2006

Die Autorin Anja Tuckermann ist 1961 geboren, lebt in Berlin und schreibt Romane, Theaterstücke und Libretti für Jugendliche und Erwachsene.
Die Autorin und Hugo Höllenreiner lernten sich durch die Vorsitzende des Vereins Bergen-Belsen kennen und er erzählte ihr seine Geschichte über einen Zeitraum von 14 Monaten.


Hugo Höllenreiner wurde 1933 geboren und lebte mit seiner Familie in München, wo die Großfamilie lebte, mit Pferden handelte, ein Fuhrwerksbetrieb hatten.
Er beschreibt seine „glückliche“ Kindheit, mit Freiheit, Wiesen, den Tieren, vielen Geschwistern und Verwandten.
Sein Vater meldete sich als Soldat, trotzdem wird ihnen ihre Existenz (Pferde, Fuhrwerke) weggenommen. Seine Schwester ist sogar kurzzeitig im Bund deutscher Mädchen. Aber dann beginnen schon die Hänseleien und Schläge gegenüber seiner Schwester. Hugo kommt in die Schule und dort wird es auch für ihn immer schlimmer. Er hatte dann keine Freunde mehr, die Lehrer beachteten ihn nicht mehr, er wurde geschlagen, geärgert, gedemütigt. Doch der Vater sagte zu ihm, dass er sich nicht wehren darf, bloß nicht mehr auffallen.
Dazu kommt dann schon der ewige Hunger, die Familie kann nichts mehr verdienen, wird gemieden und andere Schulkinder essen vor Hugos Augen, geben nichts ab.

Dann eines Nachts plötzlich das Haus der Familie gestürmt, alle werden weggebracht, sie können nichts mit nehmen und sie werden mit vielen anderen Sinti und Roma bei der Polizei in Zellen gesperrt. Nach Tagen werden sie dann alle in Massen wie Vieh, oder schlimmer, in dunkle Zugwaggons gesperrt, wo sie drei Tage und Nächte stehend aushalten mussten. Ohne Essen und Trinken, die Luft wurde knapp und erleichtern mussten sich die Menschen dort, wo sie standen. Die Oma fällt um und stirbt, viele Kinder und Jugendliche ebenfalls. Bei der Ankunft in Ausschwitz will jemand zu schnell raus, wird erschossen. Wer zu langsam ist, wird mit dem Gewehrkolben geschlagen.
Im Lager müssen sich alle ausziehen, bekommen irgendwelche Lagerkleidung und werden dann kahl rasiert. Absolut demütigend. Alle werden in Baracken untergebracht, totale Enge, auf dem Boden in sogenannten Buchsen. Das Lagerleben ist geprägt von Hunger, Angst, stundenlangem Appell stehen, Krankheiten, Parasiten und Toten. Die Lagerinsassen bekommen mit, wie tausende zum vergasen und verbrennen gebracht werden. Es gibt dann auch kein Wasser mehr. Hugo und sein Bruder kommen zu Dr. Mengele, der ohne Betäubung etwas in ihrem Unterleib macht. Der Vater wird Soldat, in der Hoffnung, damit seiner Familie zu helfen. Der ein Jahr ältere Bruder wird auch von der Familie getrennt.
Dann wieder Transporte, unter denselben schlimmen Bedingungen in Waggons. Erst nach Ravensburg, Mauthausen und zum Ende nach Bergen-Belsen.
Um etwas zu Essen zu bekommen, müssen alle arbeiten, wer sich aufgrund des Hungers überhaupt noch fortbewegen kann. Auch Hugo, als Kind, muss Gruben für die Toten ausheben und diese hinein schaffen, drauf stehen. Dafür können sich abends sieben Leute eine Rübe teilen!
Irgendwann geht gar nichts mehr, vor Unterernährung, Hugo kriecht auf allen Vieren, gehen kann er nicht mehr, er sieht nur noch verschwommen. Dazu weiterhin das Wahrnehmen, wie andere sterben, umgebracht werden, immer die Angst. Nur der Gedanke an die Familie hält ihn irgendwie aufrecht.
Dann kommt die Befreiung durch die Engländer, Hugo wäre wohl sonst auch in den nächsten Tagen gestorben. Die Lagerinsassen bekommen was zu essen, doch viele sterben dann auch daran. Später gehen sie zurück nach München, kommen bei Verwandten unter. Alle sind weiter schwach, schlafen viel. Das Ersparte, alles ist weg. In ihr Haus können sie erst wieder, als der Vater (verletzt) zurück kommt und die Leute, die in ihrem Haus wohnten, vertrieb. Auch der Bruder kommt wieder nach Hause, er wurde zwei Mal sterilisiert und bekam

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