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Heinz Buschkowsky schlägt Alarm: Zoff auf den Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, Überfremdungsängste bei der einheimischen Bevölkerung das ist die Realität in Berlins Problembezirk Nr. 1. Doch Neukölln ist überall. Buschkowsky sagt, was sich in Deutschland dringend ändern muss. Heinz Buschkowsky ist i Berlin-Neukölln geboren und lebt seitdem dort. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Dank öffentlicher Schulen und staatlicher Unterstützung hat er es zu etwas gebracht. Diese Erfahrung hat ihn geprägt. Aus ihr schöpft er die Kraft für sein politisches Engagement. Armut soll kein Schicksal sein…mehr

Produktbeschreibung

Heinz Buschkowsky schlägt Alarm: Zoff auf den Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, Überfremdungsängste bei der einheimischen Bevölkerung das ist die Realität in Berlins Problembezirk Nr. 1. Doch Neukölln ist überall. Buschkowsky sagt, was sich in Deutschland dringend ändern muss.
Heinz Buschkowsky ist in Berlin-Neukölln geboren und lebt seitdem dort. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Dank öffentlicher Schulen und staatlicher Unterstützung hat er es zu etwas gebracht. Diese Erfahrung hat ihn geprägt. Aus ihr schöpft er die Kraft für sein politisches Engagement. Armut soll kein Schicksal sein, allenfalls eine schwere Ausgangslage, lautet seine Devise. Er glaubt, dass man Menschen durch Bildung verändern kann. Und er ist davon überzeugt: Wer gefördert werden will, muss sich an Regeln halten. Denn gerade diejenigen, die Gefahr laufen, gesellschaftlich abgehängt zu werden, sind auf gute Schulen, ein sicheres Viertel und eine bürgerfreundliche Polizei angewiesen. Buschkowsky weiß, wo der Schuh drückt, und er hat den Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Ullstein Hc
  • Seitenzahl: 397
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 400 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 125mm x 40mm
  • Gewicht: 648g
  • ISBN-13: 9783550080111
  • ISBN-10: 3550080115
  • Best.Nr.: 35683492

Autorenporträt

Heinz Buschkowsky, Jahrgang 1948, ist Diplom-Verwaltungswirt. 1973 trat er der SPD bei. Seit 2001 ist er zum vierten Mal Bezirksbürgermeister von Neukölln.

Rezensionen

Besprechung von 20.09.2012
Das Zuschauen muss ein Ende haben

Er leitet Deutschlands größtes Integrationslabor: Der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky legt mit "Neukölln ist überall" eine beunruhigende Analyse des Zustandes unserer Gesellschaft vor.

Dieses Buch ist kein Horrortrip ins Herz der Finsternis. Aber Wohlfühllektüre für den Sessel vor dem Kaminfeuer ist es auch nicht. "Neukölln ist überall" (Ullstein Verlag) ist ein aufregender, hochpolitischer Zustandsbericht aus einem Zukunftslabor namens Neukölln. Hauptperson ist der Autor, Bürgermeister einer mittleren Großstadt, die zur deutschen Hauptstadt gehört, was diese oft vergisst. Er erzählt von Verwahrlosung, Gewalt und Verlust der Zivilität, von Misserfolgen ohne Zahl, so dass einem beim Lesen schwindlig werden kann. Und er verblüfft, wenn sich Verzweiflung breitmacht, sogleich mit seiner Überzeugung, dass die Vernunft und ein klarer Blick für das wirkliche Leben immer auch Auswege finden lassen. Die nicht unbedingt zum Erfolg führen, aber nicht selten eben doch. Er beruft sich dabei auf Lassalle, wonach alle politische Kleingeisterei im Verschweigen und Bemänteln dessen besteht, was ist.

Man muss sich also streiten wollen und darf nicht feige sein, es braucht dafür Leidenschaft und Empathie. Das alles scheint der Sozialdemokrat Heinz Buschkowsky im Überfluss zu haben, hinzu kommt Berliner Mutterwitz, ein ausgeprägtes Desinteresse an einer glatten Parteikarriere, die verlässliche Abneigung gege "Sonnenscheinthesen" zur Integrationspolitik sowie ein exzellentes Frühwarnsystem für Katastrophen im Alltag eines Gemeinwesens wie Neukölln, dessen guter Geist er ist. Heinz Buschkowsky ist eine Ausnahmeerscheinung, aber kein Einzelkämpfer. Er hat all jene um sich geschart, die sich dieser schier ausweglosen Situation stellen, in die Neukölln geraten ist dank verantwortungsloser Wirtschaftspolitik und der Blindheit politischer Entscheidungsträger.

In diesem Buch benennt er jede Menge bisweilen absurd anmutender politischer Fehlentscheidungen, die er nicht verhindern konnte, die aber ganze Wohnviertel in eine Abwärtsspirale geraten ließen. Er beschreibt das Entstehen geschlossener Gesellschaften, die alles Deutsche ablehnen, und hält wenig von Durchmischung - der Zug sei längst abgefahren. Stattdessen greift Buschkowsky die unsichtbaren Mauern an, hinter denen selbsternannte Friedensrichter das deutsche Recht aushebeln, obskure Moscheevereine den schlechten Ton vorgeben und wo das Transfersystem des Wohlfahrtsstaates jeden Aufstiegswillen zu ersticken droht.

Wir singen nicht für Schläger

Buschkowsky hält die Segregation für unumkehrbar und erklärt auch, warum der denkfaule Verweis auf die Erfolge der Hugenotten dereinst in Preußen wenig taugt zum Vergleich mit der heutigen Einwanderergesellschaft in Städten wie Berlin-Neukölln. Er bricht diese geschlossenen Viertel auf, pflanzt sein Ideen hinein, sensibel für die Unterschiede, aber unnachgiebig, wenn es um Standards des guten Zusammenlebens, um den "Frieden in der Stadt" geht. Das schafft viele Feinde, nicht nur unter arabischen Patriarchen, sondern vor allem bei den Sonntagsrednern einer seiner Ansicht nach "nur beobachtenden Gesellschaft".

Heinz Buschkowsky ist ein Träumer, aber kein Phantast, die Hälfte dieser fast vierhundert Seiten sind kluge Analyse und Konzept, wie man ändern könnte, was andere lieber gar nicht erst sehen wollen. Er ist sich sicher, dass "wir den Knick im Tunnel, hinter dem das Licht ist", erreichen können. Nicht alle halten an seiner Seite durch. Aber er findet immer wieder neue Helfer - Schüler, Lehrer, Richter, Polizisten, Journalisten -, weil in Neukölln nicht nur überbordende Straßengewalt zu besichtigen ist und eine sich offenbar immer von Neuem reproduzierende Bildungsabstinenz, sondern weil dort ein Klima der Offenheit herrscht, in dem Konflikte erkannt werden und man darüber streitet in einer Art, die von der Konsenskultur des politischen Mainstreams abweicht. Das regt die Phantasie an und erzeugt Hoffnung. Man wird in Deutschland wenig Vergleichbares finden.

Buschkowsky hat man zu diesem Buch überreden müssen, und er hat sich zum Glück nicht verführen lassen, seinen erfrischenden, lakonischen Stil aufzugeben; kurzum, er schreibt so authentisch und klar, wie er redet. Das erste Kapitel ist ein wenig Heimatkunde, sein "Werbeblock", bevor es zur Sache geht, zur sozialen Lage und zur Einwanderung - denn in diesem Sinne hält Heinz Buschkowsky sein Neukölln für systemrelevant. Kluge Integrationspolitik, schreibt er, sei kein Wettbewerb um den Mutter-Teresa-Preis, aber eine Überlebensfrage für unsere Gesellschaft: "Das Humankapital unseres Landes liegt nicht auf der Elbchaussee in Hamburg, in Dahlem-Dorf in Berlin oder am Starnberger See. Es liegt vielmehr dort, wo viele Kinder sind." Zum Beispiel in Neukölln. Er lässt die Zahlen sprechen und will sich nicht abfinden, dass unter diesen Kindern zu viele sind, die als abgehängt gelten, verlangt größere Anstrengungen, sie auszubilden, egal, wie schwierig und teuer das wird. Und er verweist auf andere europäische Länder, die den Preis für die Lebenslügen der Integrationspolitik mit einem Erstarken der radikalen Ränder bezahlt haben. Davon sei Neukölln zum Glück weit entfernt.

Wenn er von Gewalt und Verwahrlosung erzählt, geht es ihm nicht nur um den Schrecken, der sich so verbreitet und der "Gift für die Integration" ist. Ihn treibt vor allem um, dass er in seinem Integrationslabor sehr genau beobachten kann, wie sich die Gesellschaft spaltet. Nicht in Arm und Reich, das wäre ihm zu simpel. Sondern in Viertel, wo die Straße Ton und Verhalten vorgibt und ein "Täteradel" regiert, und in andere, wohin sich Resignierte, darunter viele erfolgreiche Einwanderer, zurückziehen, die aber auch nicht sicher sind vor Übergriffen. Manchmal ist er erschrocken, was er bei Schulbesuchen oder in seinen sehr gut besuchten Sprechstunden erfährt. So wollte er einen Schulchor zur Einbürgerungsfeier einladen und bekam eine Absage: "Wir singen nicht für die, die uns auf der Straße verprügeln."

Was ist uns Zivilität wert?

Arabische Schüler kamen zu ihm ins Rathaus, um ihn zu bitten, gegen die Fremden, die immer wieder in Schulen eindringen und Drogen verkaufen und Kinder und Lehrer verprügeln, etwas zu unternehmen. Die Polizei war überlastet, und so entstand das Projekt Wachschutz. Es hat glänzend funktioniert, auch wenn man Buschkowsky dafür jenseits von Neukölln beschimpfte. Sogar von "paramilitärischen Einheiten" war die Rede. Dann aber fand nicht einmal der schlaue Buschkowsky noch Geld in der chronisch klammen Bezirkskasse, also keine Wachschützer mehr. Die brutalen Übergriffe begannen von Neuem. Im nächsten Jahr soll es wieder Schutz geben.

Und wie erreicht man die Aussteiger, die Verliererkinder, die "verlorene Generation"? Kinder, die in die Schule kommen, aber keiner normalen Unterhaltung folgen können, weil sie über keinen Wortschatz verfügen. Kinder, deren Eltern das komplizierte Hartz-IV-Antragswesen gut beherrschen und ihrem Nachwuchs den Glauben mitgeben, das sei das Lebensziel an sich. Heinz Buschkowsky hängt dem noblen Traum vom Aufstieg durch Bildung an, unerschütterbar, auch, weil es eine ursozialdemokratische Forderung war. Aber er ist Pragmatiker. Alle, die in der Abwärtsspirale Richtung Rand der Gesellschaft gefangen sind, wird er nicht retten können. Doch Buschkowskys Rettungsinseln, seine Neuköllner Leuchtturmschulen, die können sich sehen lassen.

Die Musikschule wurde ausgebaut, das einfache Konzept lautete: Keine Familie zieht hier weg, weil das Kind keinen Geigenunterricht bekommt. Oder das Albert-Schweitzer-Gymnasium. Es befand sich in einem "kriminalitätsbelasteten Gebiet". Da schickten auch leidgeprüfte, ehrgeizige Neuköllner ihre Kinder nicht mehr hin, die Schule sollte geschlossen werden. Buschkowsky wehrte sich. Die Schule bekam einen neuen Direktor, verlängerte die Probezeit auf zwei Jahre, wurde Berlins erstes Ganztagsgymnasium und bietet Förderkurse für Deutsch bis zum Abitur an. Nach fünf Jahren hatte sich die Schülerzahl verdoppelt, die Noten liegen im Durchschnitt. Der Sonderweg dieses Gymnasiums für Einwandererkinder kostet 220 000 Euro mehr als üblich. Buschkowsky: "Das ist der Gegenwert von fünf Jugendknastplätzen." Die Gesellschaft habe also die Wahl.

Heinz Buschkowsky ist durch halb Europa gereist, um sich in Großstädten umzuhören, die wie Berlin große Einwanderergruppen integrieren sollen. Er hat sich manches abgeschaut, aber sich auch Berichte anhören müssen, die das wirkliche Leben ausblenden. Diese Wahrnehmungsschwäche scheint vor allem und überall Politiker und leitende Beamte zu befallen, wenn sie eigentlich ratlos sind. Dann nehmen sie offensichtliche Verwerfungen zur Kenntnis wie den täglichen Bericht übers Wetter, an dem man auch nichts ändern kann. Und denken sich das nächste Schönwetterprojekt aus. Buschkowsky bevorzugt den klaren Blick, nicht den verklärten. Er möchte ihn mit diesem Buch noch einmal auf die lenken, die zurückgeblieben sind. Die immer mehr werden, weil man sie nicht sehen will, und sich stattdessen daran berauscht, wie viele es doch immerhin und trotz alledem geschafft haben.

REGINA MÖNCH

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Roland Preuss ist etwas unentschlossen, wie er dem Buch "Neukölln ist überall" des Bezirksbürgermeisters und SPD-Politikers Heinz Buschkowsky begegnen soll. Das Buch sei "Text gewordene Berliner Schnauze", findet er, "geradeheraus und manchmal sehr grob". Buschkowsky sei kein Rechtspopulist und distanziere sich "klugerweise" auch von einzelnen Aussagen Thilo Sarrazins, es gebe aber große Überschneidungen beider Politiker in der Beschreibung der Probleme. Der Autor wendet sich gegen die "Rat- und Zahnlosigkeit" der Integrationspolitik. Er spreche sich dafür aus, dass Deutschland seine Grundwerte gegenüber Zuwanderern selbstbewusster vertrete: "Nur wer sich an die Regeln hält, dem wird geholfen", zitiert Preuss ihn. Der Rezensent stört sich vor allem daran, dass Buschkowsky die Situation Neuköllns zu sehr verallgemeinere, das sei es nämlich gerade nicht. Preuss hätte gern von Buschkowsky gewusst, wo in Süddeutschland denn ähnliche Zustände herrschen.

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Besprechung von 25.09.2012
Lass Abend werden
Heinz Buschkowsky meckert über falsche Lokalpolitik
  Es ist die Schulleiterin, die eine Morddrohung erhält, weil sie in ihrer Grundschule die Kopftücher verbieten will. Es ist der Schlüsseldienst eines Muslims, der erst beim Imam anfragt, ob es Sünde sei, die Tür eines Glaubensbruders zu öffnen, ehe er der Polizei hilft. Es sind aber auch Deutsch-Türken, die am Spielplatz beschimpft werden, weil sich Frau oder Tochter angeblich unkeusch kleiden, wie weltlich orientierte Türken eben – oder Deutsche. Heinz Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, hat diese Szenen aus seinem Stadtteil aufgeschrieben und viele mehr.
  Sein Buch „Neukölln ist überall“ kommt in einem so hemdsärmeligen Stil daher wie der Bürgermeister selbst, es ist Text gewordene Berliner Schnauze: schnell, geradeheraus und manchmal sehr grob. Beispiel gefällig? „Solange wir uns als Waschlappen zur Schau stellen, kann man nur sagen: Lieber Gott lass Abend werden“, poltert er. Es ist ein authentisches Buch geworden, lesenswert und ernst zu nehmen, auch wenn einige seiner Thesen zu Recht zu Streit führen werden. Allerdings sind die 400 Seiten nicht zu einem Abschiedsmanifest geraten, der Sozialdemokrat ist nicht zum Rechtspopulisten mutiert.
  Deutschland brauche Zuwanderung, schreibt Buschkowsky, weil dem Land sonst die Menschen ausgingen. Er hat Deutschland als Einwanderungsland akzeptiert – nur eben nicht die Auswüchse in Neukölln und anderswo. Di Problemviertel will er mit besonders geförderten Schulen in die Balance bringen, die Gesetze gegen die Kriminalität hält er für ausreichend. Doch auf dieser Basis forciert er die Verbrechensbekämpfung, ähnlich wie einst der britische Premier Tony Blair die Sicherheit auf der Straße als linkes Thema ausrief, tut dies Buschkowsky als Politiker und Autor. Er will, dass Deutschland seine Grundwerte selbstbewusst vertritt und von den Zuwanderern erwartet, dass sie sie respektieren. Nur wer sich an die Regeln hält, dem wird geholfen – so das knappe Credo. Von Thilo Sarrazin und seinen Integrationsthesen setzt er sich klugerweise ab, trotz der Parallelen in der Beschreibung der Probleme. Thesen zu genetisch bedingter Dummheit unter Zuwanderergruppen findet man bei Buschkowsky nicht.
  Buschkowsky hat aus Neuköllner Perspektive geschrieben, diese zieht sich durch das Buch. Das bekennt er schon im Vorwort, das im übrigen mit provokanten Thesen die Leselust anregen soll. Er nehme hier die „Bösewichtrolle“ ein, schreibt er. Der Integrationspolitik bescheinigt er „Rat- und Zahnlosigkeit“. Im Folgenden gibt der Bezirksbürgermeister einen Crashkurs in Neuköllner Geschichte, und wie das Elend kam, das er heute zu verwalten hat. Buschkowsky kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, er wurde in Neukölln geboren und wirkte seit 1973 in der lokalen SPD mit. Der Abstieg habe Mitte der 1990er-Jahre begonnen, als die Berlin-Förderung des Bundes auslief und eine massive Zuwanderung das Gesicht des Viertels veränderte. Nostalgie schwingt da mit. Die Ignoranz gegenüber Gesetzen, die Misere Hunderter Schulabbrecher und die Angst vor dem Islam: All dies ist detailreich unterfüttert mit Aussagen von Lehrern, Sozialarbeitern, Polizisten.
  Buschkowsky provoziert, spitzt zu – und hier offenbaren sich auch die Schwächen des Buches. Er suggeriert, dass es viele Neuköllns gebe, „überall“. Doch schon seine Daten zeigen, dass es so nicht sein kann: Das Stadtviertel liegt beim Anteil der Hartz-IV-Bezieher bundesweit an der Spitze, die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 40 Prozent. Das ist nah am Ruhrgebiet, aber weit entfernt von den meisten anderen Großstädten. Wo liegen Neukölln in Süddeutschland, in Stuttgart oder München?
  Auch einige seiner Lösungsvorschläge taugen nichts. So will er eine Kita-Pflicht für alle Kleinkinder vom 13. Monat an, was schlicht illusorisch sein dürfte. Und das Problem der Schulschwänzer bringt er auf die Formel „Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto.“ Das bringt ihm sicher einen schnellen Applaus ein, doch es wird in vielen Fällen nichts bringen: Hartz-IV-Empfänger erhalten schon jetzt kein Kindergeld. Immerhin durchzieht das Buch ein gewisser Optimismus, trotz aller schaurigen Anekdoten. Denn letztlich schreibt Buschkowsky auch: „Es geht.“
ROLAND PREUSS
  
Heinz Buschkowsky: Neukölln ist überall. Ullstein Verlag, Berlin 2012, 400 Seiten, 19,99 Euro
Trotz aller schaurigen Anekdoten
aus Neukölln bleibt noch
ein gewisser Optimismus
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"Anders als der Statistikjunkie Sarrazin weiß Buschkowsky aus eigener Erfahrung, wovon er redet.", Süddeutsche Zeitung, Roland Preuss, 22.09.2012"Differenzierter, praxisnäher und mit mehr Gefühl und Hoffnung für die Menschen als Parteifreund Sarrazin.", dpa, Andreas Rabenstein, 21.09.2012"Interessante, teils erschütternde Lektüre.", Focus, 24.09.2012"Man kann die Welt auch durch ein Buch sehen und sieht sie dann mit anderen Augen.", Die Presse, Karl Gaulhofer, 13.10.2012"Unbequeme Wahrheiten von einem unbequemen Mann, der noch nie um den heißen Brei herumgeredet hat.", Stern, 27.09.2012"Wir müssen Buschkowsky ernst nehmen.", Frankfurter Rundschau, Harry Nutt, 24.09.2012„Ein aufregender, hochpolitischer Zustandsbericht“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Regina Mönch, 20.09.2012„Ein authentisches Buch, lesenswert und ernst zu nehmen“, Süddeutsche Zeitung, Roland Preuß, 25.09.2012