Leichen im Keller - Frenzel, Markus

Markus Frenzel 

Leichen im Keller

Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt

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Leichen im Keller

Ausgerechnet Deutschland ist nach wie vor Rückzugsraum und Drehscheibe für internationale Kriegsverbrecher. Sie bleiben unbehelligt, obwohl sie auf der Black-List der UN stehen und von Interpol gesucht werden. So kam es, dass der Chef der berüchtigten FDLR-Rebellen im Kongo von einem Wohnzimmer in Mannheim aus in aller Ruhe einen Vernichtungskrieg gegen die dortige Zivilbevölkerung dirigieren konnte. In diesem Fall hat Markus Frenzel mit einem aufsehenerregenden Bericht bei "FAKT" dafür gesorgt, dass sich das ändert. Der Mann wurde festgenommen. In Deutschland wird ihm der Prozess gemacht. Doch das ist nicht der einzige Fall. Seit Jahrzehnten etwa machen ausländische Militärs Schulungen bei der Bundeswehr. Wer zu uns geschickt wird, das ist Sache der dortigen Regierungschefs, auch wenn es sich um brutale Diktatoren handelt, deren Abgesandte keineswegs im Sinn haben, sich außer dem Kriegshandwerk noch die demokratische Denkart anzueignen.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 434 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 434
  • dtv Taschenbücher Bd.24876
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 38mm
  • Gewicht: 527g
  • ISBN-13: 9783423248761
  • ISBN-10: 3423248769
  • Best.Nr.: 32574841

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein bisschen zu aufgeregt im Gesamtgestus erscheinen die Fallstudien und die daraus abgeleitete Kritik am Moralverständnis der deutschen Regierung beim Umgang mit internationalen Kriegsverbrechern dem Rezensenten. Was der Journalist Markus Frenzel da etwa über den bei uns beheimateten Chef der Hutu-Rebellen, Ignace Murwanashyaka, ans Licht bringt, schätzt Wilfried von Bredow zunächst zwar als gute Aufklärungsarbeit. Bei den Gründen für das Fehlverhalten der Regierung macht es sich Frenzel für Bredows Empfinden allerdings zu leicht. Schlamperei, Naivität, Verantwortungslosigkeit kann Bredow nicht erkennen. Eher schon das schwierige Geschäft der Diplomatie. Der am Ende des Buches vom Autor interviewte Stephane Hessel mache es vor: behutsam abwägend, politisch weise.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Ein netter Mann sei er, einer, der seinen Sohn täglich mit dem Fahrrad vom Kindergarten abholt und in der Kirchengemeinde alten Leuten hilft. So beschreiben Nachbarn und Bekannte Ignace Murwanashyaka, dem in Stuttgart der Prozess gemacht wird. Er soll einer der grausamsten Kriegsherren Afrikas sein, Chef der berüchtigten Hutu-Rebellentruppe FDLR. Seine Soldaten haben im Kongo Zivilisten mit Macheten erschlagen, sie haben Frauen vergewaltigt, Schwangeren die Föten aus dem Leib geschnitten und Kinder verbrannt.
Das Aufsehenerregende daran ist vor allem, dass dieser Mann unbehelligt in Deutschland leben konnte, obwohl er von Interpol gesucht wurde und auf der schwarzen Liste der UN stand. Aus Mannheim schickte Murwanashyaka SMS wie „Richtet eine humanitäre Katastrophe an!“ nach Afrika. Über eine Homepage hielt er Kontakt mit seinen Leuten, er nahm Geld entgegen und leitete es weiter. Mit seinen Helfern stieß er mit Dosenbier im Hobbykeller an.
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Am ausführlichsten schildert Frenzel den Fall des Dr. Ignace Murwanashyaka, der 1989 als Student aus Ruanda nach Deutschland kam. Während er hier studierte, eskalierte in seiner Heimat der Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi. Es kam zum Völkermord von 1994. Etwa 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu wurden von …

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"In dem Buch lernt man über Diktaturen genauso viel wie über westliche Demokratien, die es sich im profitablen, bilateralen Wirrwar gemütlich machen."
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»Warlords unter uns - geduldet, gestützt, gefördert. Ein bisher wenig beachtetes Thema wird endlich aufgearbeitet. Akribisch recherchiert und detaillreich erzählt.« Eric Beres, REPORT MAINZ 31. Januar 2011

"Ein echter Krimi, wenn's nicht so bitter wäre! Brillante Recherche, spannend geschrieben." -- Fabian Elsäßer, Deutschlandfunk

"Warlords unter uns - geduldet, gestützt, gefördert. Ein bisher wenig beachtetes Thema wird endlich aufgearbeitet. Akribisch recherchiert und detaillreich erzählt." -- Eric Beres, REPORT MAINZ

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»Frenzels Werk stellt einen brillanten und lesenswerten Beitrag zur Untersuchung einer unangenehmen Frage dar: Muss Deutschland als globaler Spieler auch mit den Wölfen heulen?«
Yvonne van Diepen, Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik 20.Dezember 2012
Markus Frenzel, geboren 1976, studierte Politische Wissenschaft in Berlin und Paris, war unter anderem für Deutsche Welle und Arte tätig und arbeitet seit 2008 als Redakteur für das ARD-Magazin FAKT. Als Fernsehreporter berichtete er aus zahlreichen Krisengebieten, darunter dem Kongo, Ruanda, Liberia, dem Horn von Afrika und dem Nahen Osten. Für seine Berichte über afrikanische Kriegsverbrecher in Deutschland erhielt er 2009 den Marler Fernsehpreis für Menschenrechte von Amnesty International.

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Bewertung von Joschne aus Sittensen am 19.05.2013 ***** sehr gut
Aufsehenerregender Bericht

Ausgerechnet Deutschland ist nach wie vor Rückzugsraum und Drehscheibe für internationale Kriegsverbrecher. Sie bleiben unbehelligt, obwohl sie auf der Black-List der UN stehen und von Interpol gesucht werden. So kam es, dass der Chef der berüchtigten FDLR-Rebellen im Kongo von einem Wohnzimmer in Mannheim aus in aller Ruhe einen Vernichtungskrieg gegen die dortige Zivilbevölkerung dirigieren konnte. In diesem Fall hat Markus Frenzel mit einem aufsehenerregenden Bericht bei „Fakt“ dafür gesorgt, dass sich das ändert. Der Mann wurde festgenommen. In Deutschland wird ihm der Prozess gemacht. Doch das ist nicht der einzige Fall. Seit Jahrzehnten etwa machen ausländische Militärs Schulungen bei der Bundeswehr. Wer geschickt wird, das ist Sache der dortigen Regierungschefs, auch wenn es sich um brutale Diktatoren handelt, deren Abgesandte keineswegs im Sinn haben, sich außer dem Kriegshandwerk noch die demokratische Denkart anzueignen.

Markus Frenzel: „Leichen im Keller“, Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt. Mit farbigem Bildteil, dtv premium, 440 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-324-24876-1

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