In der Rodenbergstraße 8 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg
knallten am Nachmittag des 2. Juli die Sektkorken. Erstmals gelingt
es diese Woche der kleinen, feinen und auf "Ostthemen"
spezialisierten Buschfunk Vertriebs GmbH, ein Album in den Charts
zu platzieren. Auf Platz 39 steigt die aufwendige Produktion
"Ostrock in Klassik" in die Charts ein. Das freut Dr.
Karl Koch, den Buschfunk-Geschäftsführer: "Wir sind mit
,Ostrock' groß geworden. ,Ostrock' ist eine Marke und eine
klare Ansage, die wie jede Musik auch spaltet. Durch dieses
,Klassik'-Album hat er einen sehr schönen Aspekt und kräftigen
Farbtupfer hinzugewonnen." Dabei war Koch bei der ersten
Projektanfrage eher skeptisch, wie er gesteht. Aber: "Rolf
Hennig vom Puhdys-Management und Rainer Oleak als Produzent konnten
durch ihre langjährige, sehr erfolgreiche Arbeit einen
Vertrauensvorschuss einbringen, der zunächst eine überaus
gelassene, fast heitere Atmosphäre und Freude an den Aufnahmen
erzeigte. Man spürt dies angenehm beim Hören." Wohl wahr. So
entstand "ein sehr produktiver Wettstreit um das beste
Ergebnis", sagt Koch. Für Buschfunk war das Projekt "eine
unserer größten Herausforderungen, die erhebliche Risiken bereit
hielt - ein Hedgefonds hätte sich an diesem CD-Projekt ganz sicher
nicht beteiligt". Aber vor allem sei das Publikum gerührt und
"die Fachkritik des Lobes voll", und so habe sich der
hohe Einsatz allemal gelohnt. Nun geht es zwar nicht unbedingt um
ein revolutionär neues Konzept, denn es gab seit dem "Concerto
For Group And Orchestra" von Deep Purple (1969) immer mal
wieder Versuche, Rock und Sinfonik zu einer Einheit zu verkuppeln.
Doch oft genug wollten die beiden Partner nicht so recht zusammen
passen, und die Resultate machten eher die Sollbruchstellen
zwischen den musikalischen Welten hörbar, als dass sie zu höheren
Hörerlebnissen führten. Doch es gibt immer wieder rühmliche
Ausnahmen - und "Ostrock in Klassik" ist eine davon. Nach
dem etwas verwackelten Einstieg, einer Hommage an die Renft-Combo
("Wer die Rose ehrt"), fügen sich die vielen Elemente
bald gelungen zusammen, und mit jedem Song steigt auch beim Hörer
das Vergnügen - es groovt sich ein. Und es sind viele Teilnehmer,
die "Ostrock in Klassik" zum Erfolg führen: Das
Filmorchester Babelsberg webt unter Leitung von Bernd Wefelmeyer
feine Klangteppiche, ohne sich mit allzu grellen Strickmustern in
den Vordergrund zu spielen. Künstler wie Ute Freudenberg, Veronika
Fischer, Dirk Michaelis und Werther Lohse sowie die Gruppen Puhdys,
Karat und Silly zeigen jeweils eigenes Profil und schütteln
souverän Neuinterpretationen der "Greatest Hits of DDR"
aus dem Ärmel. Mit all den Könnern bietet die Kombination aus
Ostrock und großem Orchester in den 17 Songs des Albums oft genug
magische Momente. Man hat es halt mit Musikern zu tun, die ihr
Metier von der Pike auf gelernt haben und genau wissen, was sie
tun. Und deshalb erreichen sie auch 18 Jahre nach dem Fall der
Mauer noch die Herzen ihres Publikums. Das dürfte sich bald bei den
drei großen Open-Airs zeigen, die Semmel Concerts mit dem
"Ostrock in Klassik"-Programm veranstaltet - am 13. Juli
in Hohenfelden, am 14. Juli in Schwarzenberg und am 15. Juli in
Dresden. Für Buschfunk ist "Ostrock in Klassik" indes
nicht das einzige Schwerpunktthema. Das Album "Sachsendreier -
Live - Die Zweite" dokumentiert eine Kooperation der drei
legendären Bands Lift, electra und Stern-Combo Meißen, die in den
70er-Jahren zu den Artrock-Pionieren der damaligen DDR zählten und
die zum ersten Mal vor zehn Jahren gemeinsam auf Tournee gingen.
Der Live-Mitschnitt jener Tournee war im Osten Deutschlands ein
Bestseller, und so lag es nahe, zum zehnjährigen Jubiläum einen
weiteren Dreiergipfel zu veröffentlichen. Die CD enthält 16 Songs
in Konzertmitschnitten aus den Jahren 2005 und 2006.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag