Mit ihrem dritten Album, "Mit Haut und Haar" (Warner),
schaffte die Band um Sängerin Jennifer Weist in der vergangenen
Woche auf Rang vier den bisher höchsten Chartseinstieg ihrer
Karriere. Beim Besuch der MusikWoche-Redaktion berichteten die
Berliner ausführlich über die Albumproduktion in den USA. Kaum eine
andere deutsche Band treibt ihre Karriere mit so viel Hingabe und
Einsatz voran wie Jennifer Rostock. Doch am Ende des
Festivalsommers 2010 konzentrierte sich die Gruppe ganz auf das
Schreiben neuer Songs. Denn fürs neue Album sollte jedes einzelne
Bandmitglied seinen gebührenden Beitrag leisten. Als Produzenten
verpflichteten Jennifer Rostock Chris Badami (The Dillinger Escape
Plane, The Early November, Midtown) aus den USA. "Und zwar
nicht, weil wir unbedingt mit einem US-Produzenten zusammenarbeiten
wollten", stellt Jennifer Weist klar, "sondern weil uns
sein Sound gefiel." Anfang 2011 begab sich die Formation für
sieben arbeitsintensive Wochen nach New Jersey. "Wir haben uns
diesmal für die Vorproduktion einfach sehr viel mehr Zeit
genommen", erklärt Keyboarder Johannes "Joe" Walter.
Und Jennifer Weist ergänzt: "Zusammengenommen haben wir ein
halbes Jahr lang an den neuen Songs gefeilt." Das führte zu
überzeugenden Ergebnissen: Das dritte Album von Jennifer Rostock
stellt die beiden Vorgänger ganz klar in den Schatten. "In den
sieben Wochen in New Jersey haben wir viel ausprobiert",
berichtet Bassist Christoph Deckert. "Die Songs waren ja schon
alle fertig, als wir in den Flieger gestiegen sind. Wir hatten also
genug Zeit, um uns dort intensiv mit den Details zu
beschäftigen." Die Produktion stand diesmal wieder ganz im
Zeichen des Bandmottos: "Qualität statt Quantität". Der
einzige gravierende Unterschied zu früher bestand darin, dass
diesmal jedes einzelne Bandmitglied am Songwriting-Prozess
beteiligt war - entsprechend kompakt, aber zugleich auch
experimentierfreudig klingen die 13 neuen Songs. So machen Jennifer
Rostock einen weiteren Schritt hin zu noch mehr musikalischer
Selbstständigkeit und Unverwechselbarkeit. "Einige Stücke auf
dem Album reflektieren auch sehr stark unsere private Vorliebe für
elektronische Musik", erklärt Christoph Deckert. "Unser
Ziel war es, dass diese Einflüsse auf der neuen Platte mehr Raum
einnehmen sollten, und das ist uns ganz gut gelungen." In der
Tat spielen elektronische Sounds auf "Mit Haut und Haar"
eine deutlich größere Rolle als bisher, ohne dass sich die Band
dadurch aber zu weit von ihren Rockwurzeln entfernen würde. Der
Song "Der Kapitän" steht am Anfang des neuen Programms -
eine sehr persönliche Abrechnung der Band mit gewissen Praktiken
der Musikindustrie. "Wir mussten in den letzten Jahren einiges
an wenig konstruktiver Kritik einstecken", berichtet Johannes
Walter, "und wurden schon gleich am Anfang unserer Karriere
ziemlich totgesagt. Es gibt in dieser Branche einfach zu viele
Lümmel und Lutscher." Mit drei Alben in vier Jahren haben
Jennifer Rostock ein ordentliches Veröffentlichungstempo vorgelegt.
"Wir wollen unsere Fans einfach nicht zu lange warten
lassen", erklärt Jennifer Weist auf der MusikWoche-Couch.
"Außerdem sind wir ja permanent live unterwegs, und da wird
uns sonst schnell langweilig, wenn wir immer die gleichen Songs
spielen müssten." Norbert Schiegl
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