Küss mich, halt mich, lieb mich", ihre Version des Titellieds
aus dem tschechischen Märchenfilm "Drei Nüsse für
Aschenbrödel", öffnete der Sängerin Ella Endlich die Tür zum
Schlagerfach. Doch in diesem Fall wird es ihr schon zu eng. Das
zeigt sich mit dem zweiten Album, das genau ein Jahr nach dem
ersten bei Warner Music erscheint. "Ich habe nach der
Veröffentlichung des ersten Albums gar nicht aufgehört, Songs zu
schreiben. Und als es dann hieß, dass wir ein zweites machen, war
ich innerhalb von zwei Monaten gut aufgestellt", sagt Ella
Endlich im Gespräch mit MusikWoche. Zwar fertige sie ihre Lieder
komplett in Eigenregie, aber natürlich sei es wichtig, zusätzlich
noch andere Meinungen einzuholen. "Manchmal ist man einfach zu
tief drin und kann gar nicht mehr objektiv urteilen", sagt die
Sängerin, "deswegen lasse ich auch die Plattenfirma
mitentscheiden". Am Ende des Entscheidungsprozesses stehen 13
neue Titel, die Ella Endlich ein wenig vom Schlagerfach wegführen,
allen voran die erste Singleauskopplung "Meilenweit".
"Ich wollte einfach ein Lied machen, das hymnenartig ist und
die volle Bandbreite meiner Stimme richtig ausreizt. Ich wollte an
die Grenzen gehen." Gegen diesen Richtungswechsel gab es
allerdings im Vorfeld Widerstand, der auch von ihrem Vater kam, dem
Produzenten Norbert Endlich. "Man merkt dem Song an, wie viel
Kraft es mich gekostet hat, ihn entstehen zu lassen und
durchzusetzen. Aber jetzt bin ich echt glücklich." Als Tribut
an ihre Anfänge als Ella Endlich ist die französische Fassung von
"Küss mich, halt mich, lieb mich" vertreten: Der Song war
43 Wochen in den deutschen Singles-Charts und machte sie zur
"Newcomerin des Jahres" bei iTunes. Dieses Lied habe
einfach in der deutschen wie in der französischen Fassung
"magische Qualität", sagt Ella Endlich. Allerdings
verankerte er die Sängerin auch im Schlagergenre. "Ich habe
noch einen Weg zu gehen", sagt sie. "Küss mich, halt
mich, lieb mich" werde im Schlagerfach verehrt. "Jetzt
muss ich gucken, dass die Musik, die folgt, mehr mir und meinem
Stil entspricht; damit es eine Zukunft gibt für mich. Denn ich
möchte definitiv nicht Schlager oder Volksmusik machen."
Deshalb nahm sie beim zweiten Album Abstand vom
"Big-Band-Sound" des Debüts und arbeitete an einem
modernerem Stil, der "rhythmischer und erdiger" ist. Zu
Gast war sie bereits am 15. Oktober bei Florian Silbereisen im
"Herbstfest der Abenteuer", es folgen weitere Termine bei
"Carmen Nebel" (ZDF, 22. Oktober) und im
"Herbstfest" (ZDF, 30. Oktober). "Ich bin nicht
immer einverstanden damit, was in den Shows abläuft, vor allem der
ästhetische Aspekt stört mich. Aber ich nutze die drei Minuten und
15 Sekunden, um meinen Namen und die Songs, zu denen ich stehe, mit
Würde zu präsentieren." Sie sehe die Sendungen als Plattformen
an - unabhängig von der Beziehung ihres Vaters mit der Moderatorin
Carmen Nebel, die in der Yellow Press für Aufmerksamkeit sorgte.
Ella Endlich sähe sich eher in Formaten wie "Zimmer frei"
(WDR) mit Götz Alsmann und Christine Westermann, "tv
total" (Pro-Sieben) mit Stefan Raab oder "Inas
Nacht" (NDR) mit Ina Müller gut aufgehoben. "Aber daran
muss ich noch arbeiten." Nun erscheint erst einmal
"Meilenweit", mit dem sie die Top 50 anpeilt. "Der
Erfolg wäre eine Bestätigung für meine Arbeit und dafür, dass ich
nicht nur aus Therapiegründen Songs schreibe." Birgit
Schlinger
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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