Reclam Universal-Bibliothek (15346). Jakob der Lügner. Lektüreschlüssel für Schüler - Becker, Jurek

Jurek Becker 

Reclam Universal-Bibliothek (15346). Jakob der Lügner. Lektüreschlüssel für Schüler

Von Olaf Kutzmutz
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Jakob der Lügner. Lektüreschlüssel für Schüler

Lektüreschlüssel für Schüler erschließen einzelne literarische Werke. Um eine Interpretation als Zentrum gruppieren sich 10 wichtige Verständniszugänge:
* Erstinformation zum Werk
* Inhaltsangabe
* Personen (Konstellationen)
* Werk-Aufbau (Strukturskizze)
* Wortkommentar
* Interpretation
* Autor und Zeit
* Rezeption
* "Checkliste" zur Verständniskontrolle
* Lektüretipps mit Filmempfehlungen
* Raum für Notizen


Produktinformation

  • Reclam Universal-Bibliothek (15346)
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 80 S.
  • Seitenzahl: 80
  • Reclam Universal-Bibliothek Nr.15346
  • Best.Nr. des Verlages: 15346
  • Deutsch
  • Abmessung: 148mm x 95mm x 3mm
  • Gewicht: 45g
  • ISBN-13: 9783150153468
  • ISBN-10: 3150153468
  • Best.Nr.: 12351387
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.10.2007

Wundervolles Deutsch
Jurek Becker liest „Jakob der Lügner”
Wie alt Jurek Becker war, als er 1976 in Berlin im Studio für eine jetzt neu herausgegebene Sprechplatte Auszüge aus seinem berühmten Roman vorlas, ist nicht genau zu sagen. Er und seine Eltern wurden getrennt voneinander aus dem Ghetto in Lodz in deutsche Konzentrationslager verschleppt, Jurek Becker erst nach Ravensbrück, später nach Sachsenhausen. Unter den Ermordeten der Familie befand sich auch seine Mutter; der Vater überlebte das KZ Auschwitz und fand den Sohn mit Hilfe amerikanischer Hilfe wieder. Dass Jurek Becker vierzig Jahre alt war, 1976, geht auf eine Entscheidung seines Vaters zurück, der ihn im Ghetto älter genannt hatte, weil die Deutschen ihn seinen Eltern sonst noch eher weggenommen hätten. Der 30. September 2007 galt daher als sein siebzigster Geburtstag.
Der Vater von Jurek Becker entschied 1945 auch, mit dem Sohn in Ost-Berlin zu bleiben. In der Hörbuchausgabe befindet sich ein Beiheft mit einem Aufsatz Beckers, worin er ein wenig spekuliert: Sein Vater hatte wohl angenommen, dass der Antisemitismus dort, wo seine härtesten Züge ausgebildet worden waren, am …

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Jurek Becker, geb. am 30. September 1937 in Lódz (Polen), wuchs im Ghetto auf und wurde später mit seiner Mutter in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Seine Mutter starb kurz nach der Befreiung, seinen Vater, der nach Auschwitz deportiert worden war, fand er nach Kriegsende mithilfe einer Suchorganisation wieder. 1945 zog er gemeinsam mit ihm nach Ost-Berlin. Sein erster Roman Jakob der Lügner (1969) wurde über die Grenzen der DDR hinaus bekannt. Als Becker 1976 gegen den Ausschluss Rainer Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte, wurde er selbst aus der SED und dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Ein Jahr später verließ er die DDR. Großen Erfolg hat er in der Bundesrepublik mit seinen Drehbüchern für die Erfolgsserie 'Liebling Kreuzberg'. Jurek Becker starb am 14. März 1997 in Sieseby, Schleswig-Holstein.

Leseprobe zu "Jakob der Lügner. Lektüreschlüssel für Schüler"

Erzählen als Lügen (S. 11-12)

Zentrales Erzählprinzip ist dafür das Lügen, Fingieren, Erfinden: dazu zählt der gesamte Roman als literarische Schöpfung Beckers, die Phantasien des Ich-Erzählers, mit denen er Erzähllücken füllt, und Jakob als findiger Nachrichtenmonopolist. In einer Welt des Terrors streut Jakob seine segensreichen Lügen pikanterweise mit einem technischen Hilfsmittel aus, das ansonsten die Nazis zur Verbreitung ihrer staatstragenden Lügen, ihrer Propaganda verwendet haben. Er verkörpert durch seine Radiolügen das Prinzip Hoffnung, das immer nah am Prinzip Vertröstung bleibt. Diese Rolle als Mutmacher ist Jakob durchaus vertraut. Bereits vor der »Radiozeit« sind die Menschen auf einen Schnaps zu ihm gekommen, »weil die Welt nach solchem Besuch ein kleines bißchen rosiger ausgesehen hat, weil er eine Kleinigkeit überzeugender als andere ›Kopf hoch‹ sagen konnte oder ›es wird schon wieder werden‹ oder etwas in der Art« (255). Ihrem Namen macht die Hauptfigur alle Ehre, denn schon der biblische Jakob ist zugleich Lügner (er erschleicht sich sein Erbe) wie Hoffnungsträger.21 Auch sein Nachname Heym ist Programm, wenn man ihn in Anlehnung an das Hebräische ›Chaim‹ schreibt, was übersetzt ›Leben‹ heißt – oder in der Kurzformel des Romans: »Jakobleben« (113).

Jakobs Lügen wirken auf sein Umfeld nicht nur als Durchhalteparolen, sondern fast schon wie eine Überlebensphilosophie. Seine erste Lüge – elementare Menschlichkeit zwingt ihn, »verantwortungslose Behauptungen in die Welt zu setzen« (34) – hält Mischa von einem lebensgefährlichen Kartoffel-Diebstahl ab, eine weitere Lüge rettet dem völlig entkräfteten Leonard Schmidt das Leben. Geradezu ein »winziges Lustspiel« (66) ist die Episode um die Verliebten Rosa und Mischa, die nur zueinander kommen können, da Mischas Mitbewohner, Isaak Fajngold, angeblich taubstumm ist. Es ist eine Geschichte, »wie jemand belogen werden muß, damit er ein bißchen glücklich sein kann« (63).

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