Arbeitstexte für den Unterricht, Reclam Universal-Bibliothek (15359). Der Vorleser. Lektüreschlüssel für Schüler - Schlink, Bernhard
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Bernhard Schlink 

Arbeitstexte für den Unterricht, Reclam Universal-Bibliothek (15359). Der Vorleser. Lektüreschlüssel für Schüler

Von Sascha Feuchert u. Lars Hofmann
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Der Vorleser. Lektüreschlüssel für Schüler

Lektüreschlüssel für Schüler erschließen einzelne literarische Werke. Um eine Interpretation als Zentrum gruppieren sich 10 wichtige Verständniszugänge:
* Erstinformation zum Werk
* Inhaltsangabe
* Personen (Konstellationen)
* Werk-Aufbau (Strukturskizze)
* Wortkommentar
* Interpretation
* Autor und Zeit
* Rezeption
* "Checkliste" zur Verständniskontrolle
* Lektüretipps mit Filmempfehlungen
* Raum für Notizen


Produktinformation

  • Arbeitstexte für den Unterricht, Reclam Universal-Bibliothek (15359)
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 75 S.
  • Seitenzahl: 80
  • Reclam Universal-Bibliothek Nr.15359
  • Deutsch
  • Abmessung: 149mm x 95mm x 7mm
  • Gewicht: 42g
  • ISBN-13: 9783150153598
  • ISBN-10: 315015359X
  • Best.Nr.: 14446088
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.03.2009

Heller Schleim

"Die blaßblaue, geblümte Kittelschürze, unter der sie keine Wäsche trug, klebte in der heißen, feuchten Luft an ihrem schwitzenden Körper. Sie erregte mich sehr. Als wir uns liebten, hatte ich das Gefühl, sie wolle mich zu Empfindungen jenseits alles bisher Empfundenen treiben, dahin, wo ich's nicht mehr aushalten konnte. Auch ihre Hingabe war einzig. Nicht rückhaltlos; ihren Rückhalt hat sie nie preisgegeben. Aber es war, als wolle sie mit mir zusammen ertrinken."

Seite 77 der Schullektüre, zu der "Lektürehilfen" bei Klett vorliegen, ein "Lektüreschlüssel" bei Reclam, "Oldenbourg Interpretationen", ein "LiteraNova"-Heft von Cornelsen, eine "Interpretationshilfe Deutsch" und ein Heft der unverwüstlichen "Königs Erläuterungen". In diesen Materialien fehlen wohl Hinweise zur Intertextualität zwischen Bernhard Schlinks Roman und den Heftchen, die der Romanheld, ein Heidelberger Professorensohn, in den fünfziger Jahren natürlich nicht gelesen hat. Seine Jungmännerphantasien hatten andere Vorlagen: "Ich nahm an der Beziehung von Julien Sorel zu Madame de Rênal mehr Anteil als an der zu Mathilde de la Mole." Bleibt zu Seite 77 …

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Sascha Feuchert ist Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Honorarprofessor für "German and Holocaustliterature" an der Eastern Michigan University, Michigan (USA). Mitglied im internationalen PEN.

Leseprobe zu "Der Vorleser. Lektüreschlüssel für Schüler"

Krieg zwischen den Generationen (S. 8)

Hanna Schmitz ist eindeutig Täterin, sie gehört der Tätergeneration, Michael der folgenden Generation an. Hanna wurde in den Text als mutterähnliche Figur eingeführt (sie badet Michael in der Weise, wie der Junge es schon bei seiner Mutter genossen hatte). Das Liebesverhältnis bekommt so einen inzestuösen Beigeschmack. Auf Grund seines Alters – Michael ist wie sein Autor 1944 geboren – ist er weder direkt Opfer, noch konnte er zum Täter werden. Über die inzestuös gefärbte Liebe zu der älteren Frau – bei ihren Übernachtungen in Gasthöfen trägt Michael beide als Mutter und Sohn ein – bekommt die Beziehung zwischen beiden beispielhaften Charakter für das komplizierte Verhältnis zwischen den Generationen, wird zum repräsentativen Abbild des Verhältnisses zwischen der Täter- und den Nachfolgegenerationen:

»Wie sollte es ein Trost sein, daß mein Leiden an meiner Liebe zu Hanna in gewisser Weise das Schicksal meiner Generation, das deutsche Schicksal war, dem ich mich nur schlechter entziehen, das ich nur schlechter überspielen konnte als die anderen.« (163) Fehlende Konflikt- oder auch nur Kommunikationsbereitschaft oder -fähigkeit werden als exemplarisch hingestellt. Sie ist Beispiel für das entsetzliche Schweigen zwischen den Generationen, denn während »die Täter und Mitläufer der ersten Generation eher schwiegen aus Angst vor äußeren Angriffen, Vorwürfen und möglichen Strafen, schwiegen die Kinder eher aus Scham und übernommener Schuld«. Kinder werden so zu Stellvertretern der Tätergeneration, die Tätergeneration reagiert auf Nachfrage aus dieser Gruppe oft paranoid oder mit Kontaktabbruch.

Ein Auskämpfen, eine Auseinandersetzung, auch nur eine Kontaktaufnahme über Nachfragen in Bezug auf Vergangenheit sind unmöglich. Dörte von Westernhagen hat als eine der Ersten dieses Verhältnis zwischen den Generationen untersucht, hat damit ein Tabu gebrochen und wurde schärfstens attackiert. Sie bemerkt, es gebe ein »verdrängtes, verschüttetes Erbe«, »verborgene Identifizierungen und verzweifelte Versuche, unter keinen Umständen so zu sein, wie die Eltern«. Die »von den NS-Verbrechen ausgehende Spaltungs- und Projektionsgewalt schuf Beziehungsformen zwischen den Generationen, die selbst wieder paranoid waren«.

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