Denken und Sein bei Platon und Descartes - Schmitt, Arbogast

Arbogast Schmitt 

Denken und Sein bei Platon und Descartes

Kritische Anmerkungen zur Überwindung der antiken Seinsphilosophie durch die moderne Philosophie des Subjekts

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Denken und Sein bei Platon und Descartes

Durch den Aufweis, dass allein das Ich denke durch keinen Zweifel in Frage gestellt werden kann, hat Descartes im Sinn einer langen philosophiegeschichtlichen Tradition eine epochale Wende des Denkens auf sich selbst bewirkt und eine unreflektiert naive Ausrichtung auf die äußeren Dinge überwunden. Obwohl viele cartesianische Positionen heute als problematisch oder sogar als überholt beurteilt werden, scheint diese ihm zugeschriebene Wende ein Standpunkt zu sein, hinter den kein modernes Denken mehr zurückfallen darf. Die Tatsache, dass Descartes die Sicherheit des Ich denke darauf gründet, dass es clare et distincte erkennbar sei, während die Anschauung nur zu dunklen und konfusen Erkenntnissen führe, wird in diesem Buch zum Anlass genommen, einen Blick zurück auf Platon zu werfen, der zum ersten Mal an eben diesen Kriterien Anschauung und Verstand unterschieden hat. Das frappierende Ergebnis dieses Vergleichs ist, dass auch Platons Seinsphilosophie auf einer Reflexion des Denkens auf seine sicheren Grundlagen beruht, dass er aber dabei zu einem grundlegend anderen Begriff des Denkens gekommen ist. Die Überzeugung, die Antike sei durch ein seiner selbst bewusstes Denken in der Moderne überwunden worden, erweist sich als ein Vorurteil, das den Eindruck erweckt, die von Platon über Aristoteles bis ins hohe Mittelalter vertretene Seinsphilosophie sei nur noch historisch verstehbar, eine systematische Auseinandersetzung um die Sache sei nicht mehr sinnvoll. Am Beispiel der Erkenntniskritik durch Descartes und Platon zu zeigen, dass diese Auseinandersetzung dennoch lohnend ist, ist das Ziel dieses Buches.


Produktinformation

  • Abmessung: 246mm x 163mm x 18mm
  • Gewicht: 430g
  • ISBN-13: 9783825358242
  • ISBN-10: 3825358240
  • Best.Nr.: 31876037

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Das rein Gegebene bei Descartes findet Hannah Lühmann nun doch etwas zu simpel. Das platonische Denken hingegen kann sie nach der Lektüre von Arbogast Schmitts Schrift über "Denken und Sein bei Platon und Descartes" gleich viel höher schätzen. So nüchtern und zugleich liebevoll der Autor seine Exegese betreibt, so klar stellt er der Rezensentin die Lebendigkeit und Differenziertheit antiker Philosophie vor Augen, namentlich des Seinsbegriffs beim alten Platon. Im Hinblick auf die andauernde Verkennnung platonischer Ideen im direkten Vergleich zum Cartesianismus eine bemerkenswerte Arbeit, findet Lühmann.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.12.2011

Descartes hat die Fußnoten vergessen
Arbogast Schmitt analysiert die moderne Wende der Philosophie – und räumt mit hartnäckigen Vorurteilen über das damit „überwundene“ Denken auf
Die Moderne begann um 1641. Sie begann damit, dass ein französischer Philosoph, vor dem Kaminfeuer sitzend, sich fragte, ob es denn sein könne, dass alles, was er in diesem Moment glaubte wahrzunehmen, in Wahrheit nichts als Täuschung, nichts als Einbildung sei. Träumte er nur, am Kaminfeuer zu sitzen? Lag er nicht vielleicht in Wahrheit entkleidet auf dem Bett? Waren sein Kopf, seine Arme und Füße in Wahrheit sein Kopf, seine Arme, seine Füße, oder halluzinierte er nur? Ja, könnte es nicht sein, dass ein böser Dämon ihm Wahrheiten einflüsterte, die keine waren, ihn sogar täuschte, wenn er glaubte zu wissen, dass zwei plus zwei vier sei? Könnte es sein, dass Gott gar nicht existiert?
Der französische Philosoph war natürlich René Descartes, und der Glockenschlag, der in dieser Konstruktion von Philosophiegeschichte die Moderne – im Gegensatz zur mittelalterlichen Philosophie der Scholastik, vor allem aber zur „naiven“ Seinsphilosophie der Antike –- …

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Arbogast Schmitt, Professor für Literatur und Philosophie der griechischen Antike in Marburg. Forschungsschwerpunkte: Homer, Tragödie, Platon, Aristoteles, die Antithese von 'antik' und 'modern' und ihre Folgen für das Selbstverständnis der Moderne und die Deutung der Antike in der Moderne.

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