Das Tier, das ich also bin - Derrida, Jacques

Jacques Derrida 

Das Tier, das ich also bin

Übersetzung: Sedlaczek, Markus. Herausgegeben von Engelmann, Peter
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Das Tier, das ich also bin

Die Frage nach "dem Tier" ist für Derrida stets von großer Bedeutung gewesen und in vielen Texten präsent. Der von Marie-Louise Mallet posthum zusammengestellte Band versammelt die vier Teile eines langen Vortrags, den Jacques Derrida 1997 auf einem ihm gewidmeten Kolloquium zum Thema "L'Animal autobiographique" in Cerisy-la-Salle gehalten hat. Die in der philosophischen Tradition verankerte Dichotomie von Mensch und Tier stellt dem vernunftbegabten Subjekt ein - den logos entbehrendes - homogenes "Tier" gegenüber. Sie begründet damit eine logozentrische Herrschaftsposition des Menschen, dessen potenzielle Animalität ausgelöscht wird. Derrida unterläuft diese gewaltsamen Zugriffe von Sprache und Denken, indem er ein neues Wort einführt: animot. Es zeigt, dass die Rede von "dem Tier" nur ein Wort (mot) ist, und gibt homophon zu hören, dass es "Tiere" (animaux) nur im Plural gibt. Im Durchgang durch die Tradition von Aristoteles über Descartes, Kant, Heidegger bis Lacan und Lévinas sowie unter Befragung der Erfahrungen der "Nacktheit" und des "Leidens" verweist Derrida auf die Zerbrechlichkeit der angenommenen Grenzen des "Eigenen" des Menschen, die den klassischen Mensch-Tier-Gegensatz begründen.

Die Frage nach dem Tier ist für Derrida stets von großer Bedeutung gewesen und in vielen Texten präsent. Der von Marie-Louise Mallet posthum zusammengestellte Band versammelt die vier Teile eines langen Vortrags, den Jacques Derrida 1997 auf einem ihm gewidmeten Kolloquium zum Thema L Animal autobiographique in Cerisy-la-Salle gehalten hat.
Die in der philosophischen Tradition verankerte Dichotomie von Mensch und Tier stellt dem vernunftbegabten Subjekt ein den logos entbehrendes homogenes Tier gegenüber. Sie begründet damit eine logozentrische Herrschaftsposition des Menschen, dessen potenzielle Animalität ausgelöscht wird. Derrida unterläuft diese gewaltsamen Zugriffe von Sprache und Denken, indem er ein neues Wort einführt: animot. Es zeigt, dass die Rede von dem Tier nur ein Wort (mot) ist, und gibt homophon zu hören, dass es Tiere (animaux) nur im Plural gibt. Im Durchgang durch die Tradition von Aristoteles über Descartes, Kant, Heidegger bis Lacan und Lévinas sowie unter Befragung der Erfahrungen der Nacktheit und des Leidens verweist Derrida auf die Zerbrechlichkeit der angenommenen Grenzen des Eigenen des Menschen, die den klassischen Mensch-Tier-Gegensatz begründen.


Produktinformation

  • Verlag: Passagen Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 280 S.
  • Seitenzahl: 275
  • Passagen forum
  • Deutsch
  • Abmessung: 237mm x 144mm x 28mm
  • Gewicht: 485g
  • ISBN-13: 9783851659443
  • ISBN-10: 3851659449
  • Best.Nr.: 29935094

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Seit Aristoteles hat sich die Philosophie mit dem Tier beschäftigt, meist jedoch, um den Menschen vom ihm zu unterscheiden und zu entfernen, erklärt Michael Wetzel, Derrida ändert mit diesem Buch die Blickweise. Wie er berichtet, war es für Derrida ein einschlägiges Erlebnis, nackt im Badezimmer auf seine Katze zu treffen und Scham zu empfinden. Und so entwickelt er in "Das Tier, das ich also bin" eine Vorstellung vom Tier, die dem im Menschen ermöglicht, auf Augenhöhe mit dem Tier ein Bewusstsein seiner selbst zu entwickeln. Dabei geht er nicht nur der fundamentalen Frage, was der Mensch, sondern auch, was das Tier sei. Wie Wetzel anreißt, wendet sich Derrida auch gegen das Bild vom Tier als ewigem Opfer des Menschen. Die Auseinandersetzung mit Lacan und Heidegger sind für den Rezensenten ganz klar die Höhepunkte des Buchs, der letztendlich nicht ganz überzeugt zu sein scheint und gewisse Vorbehalte gegen Derridas Arbeit am Begriff und seiner Konzentration auf das eigene Denkgebäude anführt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2010

Wenn die Katze uns ins Auge fasst

Auf die Worte muss achten, wer die Sache treffen will: Jacques Derridas späte Texte über Mensch und Tier legen Spuren, denen zu folgen sich lohnt.

Das Tier, das ich also bin" von Jacques Derrida handelt von der anthropologischen Differenz, der Mensch-Tier-Unterscheidung, und ist ein großes intellektuelles Vergnügen. Dieses Vergnügen hat viele Quellen. Es fließt aus Derridas anregender Lektüre von Texten. Es sprudelt aus einem Stil voller Witz, Anspielungen, Wortspiele, Antizipationen, Rückblenden, Randgängerei und Pathos. Es verdankt sich auch der gelungenen Übersetzung und den Anmerkungen von Markus Sedlaczek, in denen Übersetzungsentscheidungen und Derridas Selbstbezüge offengelegt werden.

Manche mögen freilich sagen: "Aber das ist doch nur Spielerei und Selbstverliebtheit! Keine ernsthafte Philosophie, keine gründliche Exegese!" Doch der Sache fehlen weder Ernst noch Gründlichkeit, dafür lag sie dem vor sechs Jahren verstorbenen Derrida zu sehr am Herzen. Spielerei und Selbstbezogenheit sind nicht Selbstzweck. Wem etwa die Schlüsselszene - Derrida sieht sich nackt von seiner Katze angesehen und …

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Jacques Derrida wurde am 15. Juli 1930 in El-Biar in der Nähe von Algier als Sohn jüdischer Eltern geboren und starb am 8.Oktober 2004 in Paris. Während seiner Schulzeit war er antisemitischen Repressionen ausgesetzt. Ab 1949 lebte er in Frankreich und besuchte das Lycée Louis-le-Grand in Paris. Von 1952 bis 1954 studierte er an der École Normale Supérieure, wo er Vorlesungen bei Louis Althusser und Michel Foucault besuchte und sich mit Pierre Bourdieu anfreundete. 1956 gewann er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Harvard University. Während seines Militärdienstes von 1957 bis 1959 lehrte er Englisch und Französisch in Algerien. Von 1960 bis 1964 war er wissenschaftlicher Assistent an der Sorbonne. Ab 1965 bis 1984 bekleidete er eine Professur für Geschichte der Philosophie an der École Normale Supérieure. 1981 gründete er die Gesellschaft Jan Hus (eine Hilfsorganisation für verfolgte tschechische Intellektuelle). Im selben Jahr wurde er in Prag verhaftet und erst nach einer energischen Intervention François Mitterrands und der französischen Regierung von der Tschechoslowakei freigelassen. 1983 gründete er das Collège international de philosophie , zu dessen erstem Direktor er gewählt wurde.
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