Das Ereignis des Widerstands - Ode, Erik

Erik Ode 

Das Ereignis des Widerstands

Jaques Derrida und 'Die unbedingte Universität'

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Das Ereignis des Widerstands

Wie sieht die Universität von morgen aus? Diese Studie nimmt den Entwurf einer »unbedingten Universität« des französischen Philosophen Jacques Derrida (1930-2004)zum Anlaß, ihre gegenwärtige Erscheinungsform, klassische Tradition und mögliche künftige Form zu reflektieren sowie das Selbstverständnis der Wissenschaften und der akademischen Profession einer sachorientierten Prüfung zu unterziehen, in dessen Verlauf sich die Universität als die zeigt, die sie de facto nie war, jedoch prinzipiell immer sein sollte: ein Ort letzten kritischen und mehr als kritischen Widerstands.

Von wem wäre ein zeitgemäßes Plädoyer für die Universität und ihre Zukunft zu erwarten, das die Gratwanderung zwischen ihrer klassisch gewordenen Tradition Humboldtscher Prägung und den gegenwärtigen Bedingungen und Verhältnissen beherrscht, das sich den klassischen Ansprüchen stellt und die bis zur Gegenwart problematische Entwicklung dieser höheren Bildungseinrichtung in die Diskussion miteinbezieht? Von welchem aktuellen Denker könnte ein maßgeblicher Impuls für die oft leidvolle und bisweilen polemisch geführte Debatte über die Reform der Universität ausgehen, der die Diskussion zumindest um eine entscheidende Perspektive bereichern könnte?

Den französischen Philosophen Jacques Derrida (1930-2004) würde man wohl nicht zwangsläufig in einem solchen Kontext vermuten bzw. dessen oft als randständig, radikal oder polarisierend bezeichnetem Denken einen prominenten Stellenwert in dieser Thematik einräumen. Dennoch nimmt die vorliegende Untersuchung seinen Entwurf einer 'unbedingten Universität' (Frankfurt, 2001) zum Anlaß, ihre gegenwärtige Erscheinungsform, klassische Tradition und mögliche künftige Form zu reflektieren sowie das Selbstverständnis der Wissenschaften und der akademischen Profession einer sachorientierten Prüfung zu unterziehen, in dessen Verlauf sich die Universität als die zeigt, die sie de facto nie war, jedoch prinzipiell immer sein sollte: ein Ort letzten kritischen - und mehr als kritischen - Widerstands.

Inhaltsverzeichnis:
Vorwort. 13

Einleitung: Warum Derrida? 19

Methodische Überlegungen - Schreiben über und nach Derrida. 25

I. Die Spuren der Tradition. 31
Jacques Derridas Universitätsentwurf und das Erbe der Klassik. 31
Humboldts Postulat der akademischen Freiheit und die Bildung des Menschen. 35
Die Universität als Ort der Bildung in Freiheit? 36
Das Schicksal der Freiheit und der Widerstand. 39
Der öffentliche Widerstand der unbedingten Universität. 44
Das Interesse an der Wahrheit. 47
Das Wahrheitsinteresse als wissenschaftliches Interesse in Kants "Streit der Fakultäten". 47
Derrida als "Retter" der Wahrheit? 51
Derridas Referenz auf Wahrheitsmodelle der Tradition. 54
"Wahrheit als Übereinstimmung"? Anfragen an das Adaequatio-Modell. 55
"Wahrheit als Offenbarkeit". 56
Wissenschaft als Streit. 58
"Ewiger" Streit ohne Schlichtung? Exkurs in die "Dialektik" Schleiermachers. 60
Der Frage nach dem Begriff des Menschen und der Anspruch auf Humanität. 65
Der moderne Mensch als "Projekt seiner selbst" und die Reform des Bildungswesens. 66
Die "Menschenrechte" als Regulativ einer weltweiten Humanität? 68
Die unbedingte Wiederaufnahme des Begriffs "Mensch" im Zeitalter der Globalisierung. 70

II. Tradition und Erneuerung - Derridas "Gegen-Entwurf". 79
Die Dekonstruktion der unbedingten Universität. 79
Die Ethik der Dekonstruktion. 84
Das Recht der Dekonstruktion. 85
Die Dekonstruktion der Souveränität und die "Macht" der Universität. 87
Idee und Realität der klassischen Universität. 93
Idee und Realität der unbedingten Universität. 96
"Was tun wir, wenn wir "als ob" sagen?". 100
Als ob als "Fiktion". 100
Als ob als "reflektierendes Urteil" - Kants "dekonstruktives Ferment". 101
Als ob als Seinsweise akademischer Gegenstände. 106
Als ob als Denken des "Vielleicht" - Vorüberlegungen zum Ereignis. 109
Das Ereignis - die Spuren Heideggers. 110
Heidegger und die Frage "Was ist das Ereignis"? 111
Derrida vs. Heidegger - Das "Ja" zum Anderen. 116
Die "unmögliche Möglichkeit" des Sprechens vom Ereignis. 120
Exkurs: Die Sprechakttheorie nach John L. Austin. 123
Fazit: Austin als "Wegbereiter" für Derrida? 126
Austin vs. Derrida - Probleme des "Sprechens vom Ereignis". 128
Exkurs: Paul Virilio - Das Ereignis und seine technische Produktion. 130
Die Folgen der technisch-medialen Ereigniswiedergabe für Austins Opposition - Vorüberlegungen zu einer "komplizierteren Fassung". 132
Das Ereignis und die Macht der Information. 133
Die andere Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen - Der Performativ des Sich-ereignen-Lassens. 135
Beispiele für das Sprechen vom Ereignis als "Performativ im eigentlichen Sinne". 136
Das Geständnis. 136
Die Gabe. 141
Die Vergebung. 144
Die Erfindung. 147
Die Gastlichkeit. 150
Die "unmögliche Möglichkeit", vom Ereignis zu sprechen und der "Bruch" mit der Tradition. 153
Die unbedingte Universität und das Ereignis des Widerstands. 154

III. Das Ende der Profession und ihre Zukunft. 157
Universität und Arbeit. 158
Das akademische Studium. 160
Lehrende und Forscher. 162
Das Produkt der universitären Arbeit als "Werk"? 164
Das Bekenntnis des Lehrberufs - Vorüberlegungen zum "Professor". 167
Die Verbindung von Glaube und Wissen in der unbedingten Universität. 169
Glaube und Wissen: eine antiaufklärerische Verbindung? 172
Was heißt "professer"? Oder: Wahrheit als Versprechen. 176
Die Profession als "performativer Akt" Austins oder Derridasches "Ereignis"? 180
Der "tiefgreifende Wandel" der Profession. 182
Die "Werke" des künftigen Professors als "Ereignisse des Denkens". 182
Fazit: Die Profession im "Zugleich von Bewahrung und Verwandlung". 186

IV. Rekapitulation. 191
Zum Stellenwert Derridas "Programmatischer Bekenntnisse". 191
Die "neuen Humanities" und...
...der "Begriff des Menschen". 192
...die "Souveränität". 194
...das "professer". 195
...die "Literatur". 196
...die "Profession des Professors". 196
...das "als ob". 197
"Die Universität findet statt". 199

V. Die unbedingte Universität - ein pädagogisches Schlußwort. 203
Die unbedingte Universität als Bildungsinstitution? 205
Die "Zukunft". 206

Literatur. 209
Schriften Jacques Derridas. 209
Zitierte Werke. 210
Weitere verwendete Literatur. 214
Film. 216


Produktinformation

  • Verlag: Königshausen & Neumann
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 200 S.
  • Seitenzahl: 216
  • Epistemata, Reihe Philosophie Bd.416
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm x 155mm x 22mm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783826034299
  • ISBN-10: 3826034295
  • Best.Nr.: 20883579
Erik Ode, geb. 1972 in Wuppertal, studierte Anglistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien an der Universität zu Köln. Zur Zeit lehrt er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Pädagogischen Seminar der Philosophischen Fakultät. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Bildungsphilosophie und Zeitdiagnostik sowie Wissenschafts- und Hochschulforschung.

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