Ökonomische Theorien machen in der Regel in umfassender Weise ein
"Es gibt" zur Voraussetzung. Die Welt gibt es und die
Natur mit all ihren Eigenschaften und ihren Gesetzen. Es gibt den
Menschen mit einem bemerkenswerten Portfolio an Fähigkeiten. Es
gibt Bedürfnisse und Leidenschaften, die Geschichte und die
Vernunft. Und es gibt - die Ökonomie. In der Mehrheit sind es
Naturgegebenheiten, aber auch meta-physische Prinzipien zählen zu
diesen Vorgaben, auf denen die ökonomische Verwertungspraxis und
ihre Theorien üblicherweise beruhen. Wie aber gibt es, was auf
diese Weise einfach äußerlich vorgegeben zu sein scheint? Oder
gefährdet, all das einfach als vorhanden vorauszusetzen, womöglich
den Erfolg aller theoretischen und praktischen Bemühungen um die
Rationalisierung der Ökonomie? Das sind die Fragen, die Jacques
Derrida veranlasst haben, in seinem Werk Falschgeld - Zeit geben I
das aus der Ethnologie stammende geistige Erbe der ,Ökonomie der
Gabe' einer philosophischen ,De-konstruktion' zu
unterziehen. Zum Auftakt der neuen ,Reihe
Wirtschaftsphilosophie' nimmt Wolf Dieter Enkelmann den weiten
geistesgeschichtlichen Horizont der philosophischen
Gedankenbewegung Derridas auf, um deren Bedeutung für die Zukunft
der Ökonomie zu rekonstruieren. Der aktuelle Hintergrund ist dabei
die Notwendigkeit, für den Umgang mit den Ressourcen der
Weltökonomie neue tragfähige Perspektiven auszuloten. Was über die
Erschließung der ,Gabe des Gegebenen' herauskommt, ist aber
darüber hinaus ein klarer Begriff davon, worin Autonomie und
Authentizität der Ökonomie ihren Ursprung haben.
Wolf-Dieter Enkelmann, Dr. phil., Direktor des Münchner Instituts für Wirtschaftsgestaltung, der deutschen Anlaufstelle für wirtschaftsphilosophische Forschung, Lehrbeauftragter für philosophische Ökonomik am Philosophie Department der Ludwig-Maximilians-Universität München und gemeinsam mit Birger P. Priddat Herausgeber der "Reihe Wirtschaftsphilosophie". Zahlreiche Publikationen belegen sein Engagement für neue Ansätze in Theorie und Praxis des Wirtschaftens.
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