Wenn der Krieg nicht endet - Wizelman, Leah

Leah Wizelman 

Wenn der Krieg nicht endet

Schicksale von traumatisierten Soldaten und ihren Angehörigen

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Wenn der Krieg nicht endet

»Willkommen zu Hause«, der TV-Film über einen traumatisierten Kriegsheimkehrer, bewegte bei seiner Ausstrahlung Anfang 2009 rund 4 Mio. Zuschauer. Ein Indiz dafür, wie sehr die deutsche Bevölkerung auch von den heutigen Kriegseinsätzen betroffen ist und sich Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) auf Alltag und Familie auswirken.
Depressionen, Schlaf- und Gedächtnisstörungen, Aggressionen - das sind einige der Symptome, an denen Soldaten nach ihren Kriegseinsätzen im Ausland leiden. Sich und anderen diese seelischen Probleme überhaupt einzu-gestehen und sich professionelle Hilfe zu holen, ist dabei eine der Hauptschwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Die Autorin stellt deshalb 21 ergreifende Schicksale von Soldaten aus den USA, Kanada und Deutschland vor, die diesen Mut aufgebracht haben. Das Buch will für Verständnis in der Öffentlichkeit werben und erleichtert allen unmittelbar Betroffenen und Angehörigen den Umgang mit PTBS. Empfehlenswert für Soldaten, Veteranen undderen Angehörige, sowie diese betreuende medizinische und psychologische Fachleute. Außerdem interessant für Polizisten, Journalisten und Angehörige von Hilfsorganisationen in Krisengebieten.


Produktinformation

  • Verlag: Balance Buch + Medien
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 217 S.
  • Seitenzahl: 217
  • BALANCE erfahrungen
  • Deutsch
  • Abmessung: 196mm x 123mm x 17mm
  • Gewicht: 285g
  • ISBN-13: 9783867390521
  • ISBN-10: 3867390525
  • Best.Nr.: 26365307
Leah Wizelman ist Biologin und promoviert zurzeit in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Technischen Universität München über Mechanismen der Stressregulation bei Patienten mit PTBS Posttraumatischer Belastungsstörung.

Leseprobe zu "Wenn der Krieg nicht endet"

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Leseprobe zu "Wenn der Krieg nicht endet" von Leah Wizelman

Alles, was ich möchte, ist, akzeptiert zu werden (S. 110-111)

Feldwebel Marcus K. diente von 1996 bis 2004 als Besatzungsmitglied beim Mehrfach-Raketenwerfer-System in der US-Armee.

Vor vier Jahren war ich als 27-Jähriger im Irak. Dort habe ich Anschläge und Explosionen durch improvisierte Sprengsätze erlebt, habe Leichen und Beweise dafür gesehen, dass unschuldige Menschen zu Tode gekommen sind, und habe Nachricht von gefallenen Kameraden bekommen. Während der traumatischen Situationen habe ich einen sehr starken Adrenalinstoß erlebt. Ich habe so reagiert, wie ich trainiert worden war, völlig automatisch und ohne darüber nachzudenken. Es war wie eine Re?exreaktion – irgendwie losgelöst.

An Details um die Ereignisse herum und das, was nachher war, kann ich mich kaum erinnern, um ehrlich zu sein. Noch Stunden, nachdem alles vorüber war, hatte ich starkes Herzklopfen. Es war schwierig, in jenen Nächten zu schlafen. Ich denke, wir haben versucht, alles zu vergessen und einfach weiterzumachen. Erst nachdem ich drei Monate lang zu Hause war, haben die Dinge angefangen, sich zu ändern: Ich habe den Impuls gespürt, meinen Sohn, der damals zwei Jahre alt war, ernsthaft zu verletzen. Ich dachte, meine Probleme wären spiritueller Natur, und habe daher mit meinem Kaplan gesprochen.

Er entschied, dass ich psychologische Beratung bräuchte. 2004 wurde dann bei mir PTBS diagnostiziert und ich wurde im Juli des gleichen Jahres ehrenhaft aus medizinischen Gründen aus der Armee entlassen. Ich wurde zum Einsiedler. Ich war nicht mehr glücklich, im Gegensatz zu vorher. Ich denke, dass ich jetzt Angst vor Menschen habe; ich habe extreme Schwierigkeiten, anderen zu trauen, und bin stets misstrauisch. Manchmal glaube ich, dass ich paranoid bin.

Ich kann mich nicht entspannen und neige dazu, mitten in einem Gespräch wegzugehen. Nicht, wegen etwas, das die anderen sagen – ich denke, es ist so, dass mir nicht bewusst ist, dass sie noch mit mir sprechen und nicht mit jemand anderem. Es fällt mir schwer, den tieferen Sinn oder die Redewendungen in einem Gespräch zu verstehen, und ich neige dazu, Dinge zu sagen, die nicht einmal Teil der Unterhaltung sind. Ich kann Menschen auch nicht mehr in die Augen sehen, wenn ich mit ihnen spreche. Ich habe kein Interesse mehr daran, mit anderen Menschen zusammenzukommen; ich habe mein Interesse an fast allem verloren. Ich verlor die Fähigkeit, zu fühlen. Ich habe eine dysthymische Störung (chronische depressive Verstimmung) und depressive Phasen.

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