Geschichtsdenkmäler, öffentliche Mahn- und Erinnerungszeichen, die
Personen oder Geschehnisse früherer Zeiten ins Gedächtnis rufen,
gibt es in Bremen in großer Zahl. Welche Vergangenheit soll mit den
Skulpturen, Inschriften, Brunnen, Gedenkbänken, -steinen- und
-tafeln geehrt, gewürdigt oder einfach vor dem Vergessen bewahrt
werden? Welche Botschaft geben die Urheber dem Geschichtsdenkmal
mit auf den Weg? Mit etwa vierzig dieser Mementos lädt das Buch zu
Spaziergängen in Bremens Denkmalwelt ein. Ausführliche Beiträge
stellen den Kentaurenbrunnen, den umgestürzten Gedenkstein an der
Langemarckstraße, den Turmbläserbrunnen, das 'Ehrenmal' auf
der Altmannshöhe, die Holocaust-Mahnmale sowie das vergangene
Chile-Wandbild an der Universität vor.
Bremen verfügt über zahlreiche Denkmäler: bekannte und weniger
bekannte. Manche dienen der Stadtverschönerung, andere sollen
ehrwürdige Traditionen aus alter Zeit bewahren oder sind
vermeintlichen "Heldentaten" gewidmet. Wieder andere
erinnern an bedeutende Persönlichkeiten und ihre Verdienste.
Monumentales steht neben Erhabenem, Filigranem, Abstraktem und
Vergessenem.
Manches, durch Krieg, Gewalt und "Bubenhand" zerstört,
bietet sich inzwischen als Rekonstruktion dar. Niemand kennt sie
alle oder weiß ihre Namen.
Denkmäler beanspruchen dauerhafte Geltung. Jedenfalls liegt das im
Interesse ihrer Stifter und Urheber. Spätere Generationen
entwickeln jedoch ihr eigenes Verständnis von Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Nicht selten, dass dabei Erinnerungswertes
auf der Strecke bleibt, aus einem Gedenkstein ein wirkliches
"Mahnmal" wird.
In welcher Vielfalt sich "Geschichte im öffentlichen
Raum" der Hansestadt präsentiert,
ist nun dem von Wiltrud Drechsel im Donat Verlag herausgegebenen
Band über "Denkmäler in Bremen zwischen 1435 und 2001" zu
entnehmen. An die vierzig Mementos werden vorgestellt und laden zu
Erkundungen in Bremens Denkmalwelt ein. "Abenteuer
Geschichte" oder "Ausflug in die Vergangenheit"
könnte man es auch nennen. Ausführliche Beiträgestellen den
Kentaurenbrunnen am Leibnizplatz, den umgestürzten Gedenkstein der
"Helden" von Langemarck und der nach ihnen benannten
Straße, den Turmbläserbrunnen am St. Petri-Dom, das
"Ehrenmal" auf der Altmannshöhe, die Holocaust-Mahnmale
sowie das vergangene Chile-Wandbild an der Universität vor.
Facettenreich in seiner Auswahl, hebt das Buch die bleibende
Aktualität der Denkmäler hervor, führt Erhaltens- und
Erinnernswertes vor Augen oder setzt sich kritisch von
"belastendem Erbe" ab. Manch Erstaunliches über
Lebensformen, Gewohnheiten, Sitten, Volksbräuche und
Ehrfurchtsvolles wird dabei zu Tage gefördert. Die in Bronze
gegossenen Spielleute auf dem Turmbläserbrunnen haben z. B. nur
wenig mit dem Bremer Dom zu tun, vermochte sich doch ihre Tradition
hier nicht zu entfalten. Dennoch war der Brauch für das
stadtbremische Musikleben über Jahrhunderte hinweg von großer
Bedeutung. So stellt das Buch nicht nur eine Bereicherung dar,
indem es Geschichte vor dem Hintergrund "Denkmalskultur"
vergegenwärtigt. Es regt auch zum Nachdenken darüber an, welchen
Traditionen sich eine Stadt wie Bremen künftig verpflichtet fühlen
will. Warum das "Turmblasen" nicht wieder aufleben
lassen, damit das Musikleben fördern und zugleich an die Befreiung
von der napoleonischen Fremdherrschaft und die von der
NS-Herrschaft erinnern?
So ist das Buch auch ein Plädoyer dafür, "Denkmäler"
nicht als ein Relikt der Vergangenheit zu betrachten, sondern ihnen
eine zukunftsträchtige Perspektive zu geben, die Eigenständigkeit,
Gerechtigkeitsempfinden, Freiheitsliebe und bremischen Gemeinsinn
miteinander verbindet.
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