Die Jasmin-Revolution vom Januar 2011 hat die Hoffnungen vieler
Tunesier auf die Errichtung und Etablierung eines demokratischen
Systems in ihrem Land geweckt. Der Gedanke an erstarkende oder gar
regierende Islamisten in dem nordafrikanischen Land beunruhigt
hingegen einige Beobachter in Europa und den USA: Das Schreckbild
eines islamischen Gottesstaats, der Beschneidung bürgerlicher
Freiheiten und von Frauen- und Minderheitenrechten steht manchem
vor Augen. Doch wie berechtigt ist diese Sorge mit Blick auf
Tunesiens Islamisten?
Rasid al-Gannusi, der geistige Vater der an-Nah a-Partei Tunesiens,
gilt als ein Liberaler unter den Islamisten, der die Einführung
einer Demokratie auf der Grundlage islamischer Norm- und
Wertvorstellungen propagiert. Seine Partei hat gute Aussichten, mit
einem starken Wählermandat im Rücken, die zukünftigen Geschicke des
Tunesiens mitzubestimmen.
In 'Tunesien als islamische Demokratie?' befasst sich der
Islamwissenschaftler Menno Preuschaft mit den Demokratie-,
Menschen- und Bürgerrechtskonzeptionen Gannusis und weist auf
Implikationen für die politische Landschaft des Landes hin.
Besondere Berücksichtigung erfährt die Frage nach dem Umgang mit
Minderheiten, die der Autor als Nageltest für das demokratische
Bekenntnis Gannusis ausmacht.
Menno Preuschaft (M.A.) ist Islamwissenschaftler und Doktorand im Exzellenz-Cluster "Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Neben seiner Dissertation zum "Nationalen Dialog des Königreichs Saudi-Arabien" befasst er sich mit islamischen Demokratiekonzeptionen und den Positionen zeitgenössischer muslimischer Denker zum inter-religiösen und inner-islamischen Dialog.
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